Kindermode im Rampenlicht: Mini Rodini und Little Indians

Obwohl auch die Baby- und Kindermodebranche eine sehr unberechenbare Zeit erlebt hat, gibt es dennoch eine Vielzahl positiver Entwicklungen innerhalb dieser Branche. So haben einige Kindermode-Marken erfolgreich internationales Wachstum realisiert und eine nachhaltige Produktion wird nun zunehmend zur Norm.

Die Macht des Geschichtenerzählens

Originalität ist das Fundament der nachhaltigen schwedischen Kindermodemarke Mini Rodini. Kreativdirektorin Cassandra Rhodin gründete die Marke bereits 2006 und setzte auf Vielfalt als wichtigen Wert. Ein Großteil der Kleidung ist unisex. “Cassandra zeichnet die Prints selbst, entwirft die Kollektion, denkt sich das Storytelling-Konzept hinter den Designs aus, schießt die meisten Fotos und hat das gesamte Mini Rodini-Universum geschaffen”, teilt Catherina Barnard, PR-Managerin von Mini Rodini, FashionUnited schriftlich mit.

Mini Rodini wird derzeit von 350 Einzelhändlern auf der ganzen Welt, den Geschäften der Marke in Stockholm und London und dem [internationalen] Webshop verkauft. “Wir arbeiten mit Einzelhändlern, die unsere Marke verstehen und die einen Mehrwert für unsere Marke schaffen können - und es ist natürlich fantastisch, wenn sie auch im E-Commerce stark sind. Unsere Einzelhändler legen Wert auf verantwortungsvoll produzierte Kleidung und lieben unsere Marke wirklich.”

Neben vier Modekollektionen bringt Mini Rodini jedes Jahr etwa zwei kleine Upcycling-Kollektionen auf den Markt und im Schnitt eine “Co-Lab-Kollektion” in Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen, wie zum Beispiel der Sneakermarke Veja. “Wir arbeiten ausschließlich mit Partnern zusammen, die unseren Anspruch an eine verantwortungsvolle Produktion umsetzen können”, erzählt Barnard über diese Strategie. “So wie bei der Zusammenarbeit mit Sea Shepherd, einer internationalen, gemeinnützigen Meeresschutzorganisation, die Cassandra unbedingt unterstützen wollte.”

“Ein weiters Beispiel: Als Kind trug sie Adidas-Schuhe von Stan Smith. Als Adidas Original für eine Zusammenarbeit an sie herantrat, war sie absolut begeistert von der Idee und wir sagten ja.” Barnard bezeichnet diese Strategie als eine fantastische Möglichkeit, neue Kunden kennenzulernen und starke Kollektionen und Geschichten zu kreieren. “Wir stellen sicher, dass wir die Kontrolle über den kreativen Prozess behalten, denn das ist es, was in unserer DNA steckt.”

Kindermode im Rampenlicht: Mini Rodini und Little Indians

Schwerpunkt nachhaltige Produktion

Mini Rodini kann sich auf eine glänzende Zukunft freuen, mit einer großen internationalen Fangemeinde, auf die man bauen kann. “Wo immer wir hingehen, stellen wir fest, dass unsere Kleidung und unsere Werte für moderne, bewusste Eltern auf der ganzen Welt sehr attraktiv sind. Es geht also einfach darum, mit dem weiterzumachen, was wir tun, und unsere Markenbekanntheit zu steigern”, sagt Barnard abschließend.

Die Tatsache, dass ein Schwerpunkt auf einer nachhaltigen Produktion eine wahre Goldgrube ist, zeigt auch die Erfolgsgeschichte der niederländischen Marke Little Indians. Gründerin Vanessa Erasmus erzählte FashionUnited im Telefoninterview, dass sie selbst Teil der Zielgruppe war, als sie die Marke 2014 ins Leben rief: “Ich folgte meinem eigenen Geschmack und suchte nach den weichsten Stoffen, wie Biobaumwolle. Damals galt nachhaltige Mode noch als trist, aber das ist jetzt definitiv nicht mehr der Fall. Ich möchte mit Little Indians zeigen, dass man verantwortungsvoll produzieren kann, ohne Kompromisse beim Design einzugehen.”

Wie viele Unternehmer begann auch Erasmus, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Marke legte einen Blitzstart hin: Little Indians hatte innerhalb eines Monats 75 Läden und es kamen sogar Anfragen aus Amerika. “Das Wachstum stabilisierte sich nach einiger Zeit. Ich hielt mich so lange wie möglich von der Zusammenarbeit mit lokalen Vertriebsmitarbeitern fern, da ich erst einmal alle Abläufe genau so haben wollte, wie ich sie haben wollte. Verkaufen ist eine Sache, aber es gehört viel mehr dazu, ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Stetiges Wachstum ist viel besser als zu schnelles Wachstum.”

Little Indians ist mittlerweile in 25 Ländern aktiv. Erasmus arbeitet mit Vertretern in Belgien, Spanien, Italien und ab der nächsten Saison auch in Deutschland. Sie ist jetzt auch in Gesprächen mit einem Vertreter aus Taiwan.

Von Mode zum Lebensstil

Es ist bemerkenswert, dass Little Indians es schaffte, sein Sortiment in der Corona-Zeit deutlich zu erweitern und nun immer mehr zu der Lifestyle-Marke zu werden, die Erasmus von Anfang an anstrebte. Neben den Modekollektionen - zwei pro Jahr, rund um ein bestimmtes Thema - lanciert die Marke auch Zwischenkollektionen mit passenden Produkten. Dazu gehören Accessoires wie Wasserschuhe und Sonnenbrillen im Sommer, eine Neugeborenenkollektion und eine Back to School-Kollektion mit Rucksäcken.

“Das bedeutet, dass wir jetzt an vielen verschiedenen Orten zu finden sind, von Kinderboutiquen über Taschengeschäfte bis hin zu großen Supermärkten. Ich besuche immer noch oft Kunden, um zu fragen, was funktioniert und was nicht, und ich lasse ihre Kommentare anschließend in die Kollektion einfließen. Ein besonderer Höhepunkt ist, dass wir im März letzten Jahres unser erstes eigenes Geschäft in der Westfield Mall of The Netherlands in Leidschendam eröffnet haben, wo wir unsere Markenidentität richtig zur Geltung bringen können. Niemals hätte ich zu Beginn der Corona-Krise voraussehen können, wie viel ich erreichen würde!”, sagt Erasmus.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.nl. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Simone Preuss.