Deichmann veränderte den Modemarkt: Am Anfang verkaufte der Gigant aber keine Schuhe

Boom nach der Währungsreform

Als 1948 die Währungsreform verabschiedet und die D-Mark eingeführt wird, beginnt auch für die Deichmanns eine goldene Ära.

Heinz-Horst heiratet Lehrerin Ruth. Die beiden Eheleute investierten ihr gesamtes Hab und Gut das Unternehmen. Die Deichmanns drängen sich in den 1950er Jahren mit Filialen in die Städte des Ruhrgebiets und machen es den kleineren Schuhmachern nicht leicht. Sie übernehmen das Aldi-Konzept und fokussieren sich auf ein überschaubares Schuh-Sortiment und die kleinen Preise. Um günstiger zu sein als die Konkurrenz, müssen die Deichmanns auch Opfern bringen.

Eine Freundin von Ruth Deichmann berichtet dem ZDF: "Sie hat mir erzählt, dass sie in der Anfangszeit nicht wusste, wie sie sich im kalten Winter einen Mantel kaufen sollte." Die gesamten Einnahmen seien in der Firma gelandet.

Bis 1998 verkauft Deichmann nur die Schuhe anderer Hersteller. Ein Jahr später entwickelt das Unternehmen eine eigene Kollektion, lässt die Schuhe größtenteils in China, Rumänien und Bangladesch produzieren.

Die Arbeitsbedingungen vor Ort greift die Doku nicht im Detail auf. Vielmehr versichert Heinrich Deichmann, streng auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Landes zu achten.

Im Jahr 2008 hatte das ARD-Magazin "Report Mainz" vorangekündigt, einen Bericht über einen Deichmann-Produzenten in Kambodscha ausstrahlen zu wollen. Die Behauptungen, dass dort Mitarbeiter ohne Atemschutzmasken arbeiten würden, bestritt Deichmann damals vehement. Der Beitrag wurde damals nicht ausgestrahlt.

Die ARD hatte damals unter anderem behauptet, die Arbeiter bei einem der Zulieferer würden dort mehr Überstunden leisten, als die Gesetze vor Ort überhaupt erlaube. Wer das vorgegebene Produktionspensum nicht schaffe, werde – laut ARD-Recherchen, an den Pranger gestellt.

Deichmann schickte Experten aus Deutschland in die Fabrik, um die Vorwürfe zu prüfen. Dabei stellte sich heraus, dass die Atemschutzmasken zwar vorhanden waren, diese allerdings nicht getragen wurden. Zeitgleich wurden die täglichen Überstunden von vier auf zwei Stunden gesenkt.

2016 erfolgte im Rahmen der ARD-Sendung "Marktcheck" eine Vor-Ort-Prüfung der Redaktion zu fairen Löhnen bei einem Produzenten für Deichmann in Rumänien (hier gibt es den Clip bei YouTube).

Die Mitarbeiter erhielten demnach einen Monatslohn von 300 Euro. Doch das reichte nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Im Konzern-eigenen Verhaltenskodex hieß es allerdings, dass die Löhne ausreichen müssten, um den Mitarbeitern "ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und ein gewisses frei verfügbares Einkommen zu gewährleisten."