Der Fall Columbus: Wie Amerikas Entdecker ins Desaster segelte

Zur Flotte gehört "La Gallega", die Galizierin, ein Schiff, das neben den drei ganz normalen Masten noch einen vierten hat, hinten am Heck ist er an der Fußreling angebracht, und er hält ein Segel, das wenig größer als eine Flagge ist. Eine Kleinigkeit; ein paar hundert Meter bringt dieses Segel in einer Woche, mehr nicht. Aber bei so einer Expedition geht es um Kleinigkeiten - für Tüftler und Denker ist die Entdeckung neuer Welten so etwas wie die Formel 1 des Mittelalters.

Die "Gallega" gehört Alonso Cerrajano, einem Vollbürger von La Coruña, 50 000 Maravedís pro Monat (rund 6800 Dollar im Jahr 2004) kostet die Charter. An Bord der "Gallega" führt Pedro de Terreros das Kommando, der viermal mit Columbus in die Neue Welt aufbrach und deshalb sein treuester Begleiter war. Terreros hat 26 Mann Besatzung, darunter 14 Schiffsjungen.

Zur Flotte gehört die "Santiago de Palos", von Columbus "Bermuda" genannt. Ihr Kapitän ist Francisco de Porras, der zwar ein lausiger und unerfahrener Seemann ist, aber der Bruder der Geliebten des Schatzmeisters von Kastilien - und der Schatzmeister von Kastilien bezahlt die Tour. Es ist eben wie 500 Jahre später: Auch in der Formel 1 des 21. Jahrhunderts werden ja Sex und Geld die Wege zu Posten und Macht öffnen. Francisco de Porras hat seinen Bruder und 31 Mann an Bord, darunter den Schreiber und Notar der Krone, Diego de Porras, und Columbus schickt noch seinen Bruder Bartolomeo dazu, als Aufpasser für die Dilettanten auf der Brücke. Und zur Flotte gehört die "Vizcaína".

Die "Vizcaína" soll drei Masten haben und ein Schiff von 50Tonnen Kapazität sein, mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, bevor man sie gefunden hat. Die "Vizcaína" ist zu Beginn der Reise noch im Besitz von Juan de Orquiva, dieser Herr ist Vollbürger von Guetaria. Die "Vizcaína" kostet im Monat 42 000 Maravedís Charter (etwa 5600 Dollar im Jahr 2004), und sie wird von Bartolomeo Fiesci befehligt, einem Freund des Admirals. Fiesci stammt aus Genua, er ist der Sohn einer vermögenden Familie. Die Fiescis gehören zu den großen Sippen Genuas, seit Jahrzehnten bestimmen sie mit, was in der Stadt passiert - die Familie Columbus ist eine kleine Familie. Hier nun sind die Rollen vertauscht: Columbus ist der erste Mann, und Bartolomeo Fiesci ist die Nummer zwei.