Fahrrad von Woom – Die besten für Kinder?

Seit Wochen schnappt sich Flora, zweieinhalb Jahre alt, das Fahrrad ihres vierjährigen Bruders Ragnar. Sie schiebt es durch den Garten. Setzt sich darauf. Fällt um. Steht wieder auf. Laufrad fährt sie schon lange. Sobald sie schnell genug ist, klappt sie die Füße hoch und gleitet lautlos über die Bordsteine.

Ich sage zu meiner Frau Amely, dass ein Fahrrad jetzt genau das Richtige wäre. Weil Flora die zwei wichtigsten Dinge – Mut und Gleichgewichtssinn – mitbringt, kann das gar nicht schiefgehen. Und weil finanziell nichts dagegen spricht, finde ich es falsch, bis Weihnachten zu warten, um ihr dann ein Fahrrad zu schenken. Fahrradfahren ist für mich wie Sprechen oder Schreiben, Eltern sollten das nicht hinauszögern. Sondern einfach mit der Geschwindigkeit ihrer Kinder gehen.

Aus Prenzlauer Berg nicht wegzudenken

Wie bei ihrem Bruder auch soll es ein Rad von Woom werden. Das ist eine Firma, die aus Prenzlauer Berg oder sonstigen Obere-Mittelschicht-Gegenden nicht mehr wegzudenken ist. Aber es ist kein zu teures Scheißrad, sondern ein durchdachtes und leichtes Kinderfahrrad. Das Puky meiner Kindheit fühlte sich dagegen wie ein ausrangierter Wehrmachtspanzer an.

Die Radfirma ist so erfolgreich, die Räder sind so beliebt, dass es seit bestimmt einem Jahr kaum Liefertermine mehr gibt. Man kann sich irgendwo auf einer Homepage eintragen und wird dann benachrichtigt, wenn ein Liefertermin genannt werden könnte. Eine der zentralen Schönheiten des Kapitalismus ist die unmittelbare Möglichkeit des Konsums. So gesehen muss ich sagen: Der Kapitalismus ist gescheitert. Auch Adidas hat jetzt ein obskures Geschäftsmodell eingeführt, bei dem man sich für den Kauf bestimmter Schuhe nur noch bewerben kann. Es wird dann ausgelost, ob man das Modell kaufen darf oder nicht.

Jedenfalls, das Fahrrad gibt es neu nur mit langer Lieferzeit zu kaufen. Auf Ebay wird es gebraucht für das Einskommafünffache angeboten. Über eine Kleinanzeige finde ich ein Rad etwa 100 Kilometer entfernt, gebraucht, aber immerhin zehn Euro unter dem Neupreis. Der Verkäufer ist ein wahnsinnig netter Familienvater. Seine Tochter ist zu groß für das alte Rad. Wir werden uns einig, reden noch 15 Minuten in einem idyllischen Neubaugebiet über Bayern, Podcasts, über alles eigentlich.

Am nächsten Tag mache ich einen Damentag mit meiner Tochter. Wenn ich mit Ragnar alleine etwas unternehme, nennen wir das Herrentag. Und wenn ich mit meiner Tochter einen Tag verbringe, heißt es eben Damentag. Und ich stelle mir immer vor, dass ich einen Damenhut und ein Blumenkleid dabei trage, so wie die Männer, die in Helge-Schneider-Filmen die Frauen spielen. Mach ich leider viel zu selten. Aber wir fallen trotzdem auf.

Das fährt der Autor selbst

Der neue Familienbus

Ein eigenes Auto bedeutet eben doch Freiheit

Und wir fahren raus in die Fränkische Schweiz. Und ich zeige Flora ihr neues Fahrrad. Und sie setzt sich drauf. Und fällt um. Und ich schiebe sie an, und sie fährt einfach. Am Anfang muss ich sie noch daran erinnern zu treten. Aber wirklich, nach 20 Minuten macht sie es einfach. Und später dann zeigt sie das ihrem Bruder und ihrer Mutter. Auf dem leeren Lidl-Parkplatz fährt sie endlos Kurven.

Nur bremsen kann sie noch immer nicht. Aber das finde ich gut. Besonders in einem Land, in dem Bremser, Bedenkenträger, Angsthasen und Nichts-falsch-machen-Woller das Sagen haben.

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