Mascot: Deutsch-französische Sonde erreicht Asteroid Ryugu

Um die Landung vorzubereiten, hatte sich "Hayabusa 2" dem Asteroiden auf 51 Meter genähert, dann wurde der kleine Landeroboter sanft ausgeklinkt. Der Landeplatz lag bei etwa 315 Grad Ost und 30 Grad Süd in einem Gebiet, das zwar über keine sehr großen Felsen verfügt, allerdings mit zahlreichen bis zu 30 Meter großen Gesteinsbrocken gespickt ist.

Der Abstieg verlief ausgesprochen gemächlich, mit höchstens 20 Zentimetern pro Sekunde. "Mascot" war dabei antriebs- und steuerlos. Dass die Landung so langsam ablief, hatte damit zu tun, dass der Roboter nicht einfach wieder von der Oberfläche des Asteroiden abprallen sollte. Denn dieser verfügt nur über eine geringe Gravitation, Zehntausende Male schwächer als die der Erde - und würde schnellere Objekte nicht festhalten können. Diese würden auf Nimmerwiedersehen ins All verschwinden.

Wäre "Mascot" mit mehr als 30 Zentimetern pro Sekunde angeflogen gekommen, hätte ihm dieses Schicksal gedroht. Doch das passierte nicht. Allerdings blieb "Mascot" nach dem Aufsetzen nicht direkt liegen - sondern absolvierte weitere kleinere Hüpfer auf der Oberfläche. "Aus den Betriebsdaten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raumsonde trennte und nach rund 20 Minuten auf der Asteroidenoberfläche zur Ruhe kam", sagt Projektmanagerin Ho.

Mascot: Deutsch-französische Sonde erreicht Asteroid Ryugu

Kommando zum Hüpfen gesendet

Für einiges Stirnrunzeln unter den Beteiligten sorgte allerdings der Umstand, dass die genaue Lage des Landeroboters auf dem Asteroiden zunächst nicht klar war. War er womöglich auf dem Rücken gelandet? Die Daten dazu waren nicht eindeutig. Also wurde im Kontrollzentrum in Köln ein besonderer Mechanismus von "Mascot" aktiviert.

Durch einen Schwungarm im Inneren des Landers kann er an einen anderen Ort auf der Oberfläche hüpfen. Ursprünglich sollte der Roboter so zu einem zweiten, womöglich gar einem dritten Messpunkt gelangen. Doch weil Ryugu geologisch ziemlich einheitlich aufgebaut zu sein scheint, fällt dieses Manöver womöglich aus, um Energie zu sparen.

Denn die Reserven des Schuhkartons sind überschaubar, Solarzellen besitzt der Lander nicht. Nur die an Bord befindlichen Lithium-Ionen-Batterien liefern Energie - laut Prognose für vermutlich 16 Stunden, gerechnet von der Abtrennung von "Hayabusa 2". Ob der Strom in dem Landegebiet, das sich auf +47 Grad Celsius erhitzen und auch -63 Grad Celsius abkühlen kann, so lange reicht, weiß aktuell aber niemand.

Für die deutschen Forscher ist das Absetzen des Landeroboters ohne Zweifel das Highlight der Mission. Für ihre japanischen Kollegen, die ebenfalls bereits kleine Roboter auf der Oberfläche ausgesetzt haben, kommt das erst später. "Hayabusa 2" soll im kommenden Jahr Bodenproben von der Oberfläche des Asteroiden entnehmen - und das Material anschließend zur Erde zurückbringen.

"Mascot" tritt die Heimreise zur Erde nicht an. Nach dem Ende seiner Arbeitszeit wird er als winziges Schrottpaket - oder etwas prosaischer: als Zeugnis für den Besuch vom Planeten Erde - für immer durchs All fliegen.