Pilzfäden als Lederersatz Pilzfäden als Lederersatz

Mehr als die Hälfte aller Produkte, nämlich 60%, sollen im Jahr 2021 nachhaltig sein, verspricht der deutsche Sportartikelhersteller Adidas. Dazu zählen hohe Anteile an recyceltem Polyester – unter anderem aus Plastikabfällen, die an Stränden gesammelt wurden – wiederverwendete Baumwolle und die Auslistung von Fellen. Auch vegane Schuhe hat die Marke bereits im Sortiment. Eine echte Innovation ist jedoch, was der Konzern exklusiv mit drei anderen Modeunternehmen weltweit in diesem Jahr erstmals präsentieren wird: Schuhe, die anstelle von Leder aus einem Pilzgeflecht gefertigt werden.

Viel nachhaltiger als tierisches Leder

Der sichtbare Teil, der meist als Pilz wahrgenommen wird, ist nur der Fruchtkörper. Weit größer ist das unterirdische fadenförmige Geflecht, das als Myzel bezeichnet wird und bei manchen Arten mehr als einen Quadratkilometer je Organismus umspannen kann. Gezüchtet werden die Myzelzellen auf einem Bett aus Sägespänen innerhalb von zwei Wochen. Dabei entstehen weniger Treibhausgase und es wird weniger Wasser verbraucht als für tierisches Leder. Das aus dem Myzel hergestellte Material hat der Hersteller Bolt Threads aus Kalifornien „Mylo“ getauft. Es sieht aus wie Leder und fühlt sich ebenso an. Auch die üblichen Verarbeitungsschritte bei tierischem oder auch synthetischem Leder, sind damit möglich – vom Färben über das Finishing bis zum Prägen.

Hoch funktional und leicht zu verarbeiten

„Viel zu lange hat der Industriestandard Stoffe als natürlich oder hoch funktional charakterisiert – aber nicht beides“, sagte James Carnes, stellvertretender Leiter der globalen Markenstrategie bei Adidas, anlässlich des Starts der Kooperation mit Bold Threads. „Der Weg das zu ändern, sind verantwortungsvolle Innovationen mit Lösungen, die den Status Quo herausfordern. Und Produkte, die das Beste dessen verwenden, was die Natur über Millionen von Jahren perfektioniert hat – wie Mylo – sind dafür wesentlich.“ Adidas hoffe, dass dieses Vorgehen auch andere inspiriert, ihre Kräfte zu bündeln, „da eine nachhaltigere Zukunft etwas ist, das keine Marke alleine kreieren kann“.

Konsortium mit großen Namen

Der Geschäftsführer von Bolt Threads, Dan Widmaier, betonte: „Wir finden es spannend, mit Partnern zu arbeiten, die erkennen, dass wir in einem Wettrennen darum sind, die nachhaltigen Lösungen für konventionelle Technologie zu entwickeln.“ Neben Adidas habe Bolt Threads drei „ikonische und vorausdenkende Firmen“ als Partner für das exklusive Konsortium ausgesucht: Kering, Lululemon und Stella McCartney. Gemeinsam wolle man noch weitere Materialien und Produkte für eine nachhaltigere Zukunft entwickeln, kündigte Widmaier an.

bl