David mit Goliath

Das gemeinsame Ziel war klar definiert, nämlich die Entwicklung eines Performance-Schuhs mit dem kleinsten nur möglichen CO

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-Fußabdruck. Die Partner gaben sich eine Zielmarke: Sie strebten ein Modell an, das nicht mehr als 2 kg klimaschädliche Emissionen verursacht.

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Ein extrem ehrgeiziges Ziel. Denn selbst bei Allbirds liegt der durchschnittliche CO

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-Fußabruck über alle Produkte hinweg bei 7,6 kg. Das bislang klimafreundlichste Modell mit drei Streifen war der Adizero RC3 mit einer CO

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-Bilanz von 7,86 kg. Dieser Schuh diente den Designern als Referenzmodell. „Zunächst haben wir angefangen, wie wir es immer tun – mit schönen Moodboards“, erzählt Florence Rohart, Senior Footwear Designer bei Adidas. „Aber wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir einen Referenzpunkt brauchen, um uns von dort aus verbessern zu können.“ Jeder Bestandteil des Adizero RC3 wurde unter die Lupe genommen. Wie viel wiegt er? Wie komplex ist der Herstellungsprozess? Usw. Diese Basis war nötig, um quantitativ basierte Entscheidungen treffen zu können. „Und wir stellten fest: Der Schlüssel zur Minimierung von Emissionen ist Einfachheit.“ Keine bahnbrechende Erkenntnis für jeden, der sich mit nachhaltigem Design befasst – aber eine, die konventionelles Design auf den Kopf stellt. „Dieses Projekt hat unseren normalen kreativen Prozess umgekehrt. Wir mussten jedes Teil wirklich von der Faser aus aufbauen, mussten verstehen, welchen Impact es hat, um diesen dann zu reduzieren.“

Grafik: TextilWirtschaft, Quelle: Adidas, Allbirds, Myclimate

Wie viel CO2 steckt drin?

Beim Design eines Laufschuhs geht es immer auch darum, die Laufbewegung zu unterstützen. Das geschieht normalerweise über verschiedene Schichten. „Für diesen Schuh haben wir uns das sehr genau angeschaut und uns gefragt: Brauchen wir das wirklich?“ Letzten Endes entschieden sich die Designer für eine andere Lösung und arbeiteten mit Stickereien, die diese Unterstützung nun leisten sollen.Vor allem für das Innere bzw. das Untere des Schuhs wurden Technologien beider Firmen miteinander kombiniert. Die Zwischensohle des Futurecraft Footprint basiert auf der Lightstrike-Zwischensohle von Adidas, wurde ergänzt um eine Allbirds-Entwicklung, dem so genannten Sweet Foam. Dieses Material basiert auf Zuckerrohr und verursacht damit deutlich weniger CO

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„Wenn Produkte vergleichbar werden und den Kunden so ein weiteres Kriterium für ihre Kaufentscheidung an die Hand gegeben wird, dann ist das zu begrüßen.“

Kai Landwehr von Myclimate

Das Ergebnis ist ein Schuh, der es auf einen CO

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-Fußabdruck von weniger als 3 kg bringt, nämlich auf exakt 2,94 kg. Das ursprüngliche Ziel von 2 kg liegt damit noch in weiter Ferne. „Aber ein solch ehrgeiziges Ziel war wichtig, um dorthin zu kommen, wo wir heute sind“, betont Allbirds-Sustainability Manager Hana Kajimura. „Und indem Moment, in dem wir das Projekt offiziell gemacht haben, war der Druck da.“Weniger als zwölf Monate haben sich Adidas und Allbirds Zeit gegeben. Dann kam Corona. Was dazu führte, dass sich die Beteiligten bis heute kein einziges Mal begegnet sind. Es gab wöchentliche, später nahezu tägliche Videocalls, um sich gegenseitig über die jüngsten Berechnungen auszutauschen, in San Francisco früh am Morgen, in Deutschland am späten Nachmittag. „Das ist nicht nur die Geschichte einer Produktentwicklung. Es ist die Geschichte echter Co-Kreation in einer ganz neuen Art und Weise. Beide Teams mussten sich öffnen, wie sie es noch nie zuvor getan haben“, so Rohart.Aber was bringt es überhaupt, einen einzelnen Schuh so klimaneutral wie möglich zu machen? „Das ist ein absolut sinnvoller erster Schritt“, so Kai Landwehr von Myclimate, einer Klimaschutzorganisation mit Schweizer Wurzeln und Schwerpunkt auf CO

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-Kompensationsmaßnahmen. Im Idealfall würde dieser Wert allerdings nicht einfach nur ausgewiesen, sondern diese Belastung auch eingepreist. „Wenn aber Produkte vergleichbar werden und den Kunden so ein weiteres Kriterium für ihre Kaufentscheidung an die Hand gegeben wird, dann ist das zu begrüßen.“ Ohne die Großen wird das nicht gehen. „Wenn die etwas verändern, dann strahlt das auf eine ganze Industrie.“

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Dass Nachhaltigkeit für zehn Menschen zehn unterschiedliche Dinge bedeuten kann, weiß auch Kajimura. „Allbirds verwendet CO

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als objektive, einheitliche Metrik, die es uns ermöglicht, Verantwortung für die Reduzierung unserer Auswirkungen während unseres gesamten Design- und Entwicklungsprozesses zu übernehmen.“ Dieser Parameter als „Fixstern“ habe es dem Projektteam ermöglicht, Entscheidungen viel effizienter und effektiver zu treffen, bestätigt Adidas-Designerin Rohart.Egal, wie nachhaltig ein Laufschuh ist – einen Impact kann er nur dann haben, wenn Kunden diesen Schuh kaufen. Jörg Seifert, Leiter der Division Running bei der Verbundgruppe Sport 2000, beobachtet, dass das Argument Nachhaltigkeit bei Läufern immer stärker ankommt. „Auch weil die Marken das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus setzen.“ Noch stehe die Funktion bei Schuhen im Vordergrund. „Aber es wird schon bald viele Modelle geben, die beide Themen sehr gut miteinander verbinden.“Zu kaufen gibt es den Futurecraft Footprint im Herbst, in einer Auflage von 10.000 Paar. In größeren Stückzahlen soll er dann im Frühjahr 2022 auf den Markt kommen. Die ersten 100 Paar werden bereits jetzt im Mai verlost. Allerdings nur unter Mitgliedern des Adidas Creators-Club. Wenig überraschend in Anbetracht der Member first-Strategie, die Adidas-Chef Kasper Rorsted kürzlich offiziell zementiert hat. Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck.

Drei Fragen an Katrin Ley, Managing Director bei der Nachhaltigkeits-Plattform Fashion For Good

TW: Steigt die Bereitschaft der Unternehmen der Mode- und Sportbranche, wirklich miteinander zu kooperieren und Wissen zu teilen?Katrin Ley: Ja, es gibt ein echtes Interesse und den Willen von Marken, zusammenzuarbeiten. Wir sehen das an der zunehmenden Anzahl von Multi-Stakeholder-Partnerschaften und gemeinsamer Projekte. Fashion for Good hat eine Reihe davon initiiert, wie etwa den Piloten zu zirkulären Mehrwegverpackungen mit Adidas, C&A, Kering, Otto Group und PVH Corp. Im Full Cycle Textiles-Projekt kooperieren unter anderem Kering und PVH, um wirtschaftliche und skalierbare Lösungen für das chemische Recycling von Zellulosefasern zu entwickeln.

Was sind die größten Hürden?Zum einen die extrem komplexe Wertschöpfungskette. Das bedeutet, dass sowohl Hersteller als auch Marken mehrere Partner haben können, was zu einer geringeren Verantwortlichkeit bei der Förderung von Innovationen führen kann. Außerdem arbeitet die Modeindustrie in relativ kurzen Zyklen, wobei die Strategie oft 3 bis 5 Jahre in die Zukunft gerichtet ist. Das bedeutet, dass einige der Hard-Tech-Materialinnovationen, deren Entwicklung 10-20 Jahre dauern könnte, nicht gut in die bestehende Infrastruktur passen. Aus diesem Grund spielen Innovationsabteilungen eine wichtige Rolle, um diese Beziehungen zu pflegen und Innovatoren bei der weiteren Skalierung zu unterstützen.

Zumal sie diese häufig alleine gar nicht finanzieren können, oder?Nur ein Bruchteil des verfügbaren Kapitals erreicht die Mode- und Textilbranche, sodass viele Innovatoren ihre Lösungen gar nicht auf den Markt bringen können. Um die notwendigen Innovationen zur Skalierung zu bringen, müssen Modemarken, Lieferkettenpartner, Investoren und andere die Bedingungen schaffen, die Innovationen beschleunigen. Finanzierungen werden in die Modebranche fließen, wenn Investoren ein überschaubares Risiko, attraktive Renditen und messbare Auswirkungen geboten werden.

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