Riesenbaustelle Freising: Das Leiden der Läden

VonHelmut Hobmaier

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In der heißen Phase des Innenstadt-Umbaus bricht vielen Geschäften der Umsatz weg. Kunden bleiben aus. Trotzdem herrscht Optimismus.

Freising - Die Ladenbesitzer in der Freisinger Kernzone machen eine harte Zeit durch: Wegen der Neugestaltung der Innenstadt ist die Hauptstraße seit vier Jahren Großbaustelle. 2020 brach dann wegen des ersten Corona-Lockdowns der Umsatz total ein. Man erholte sich wieder – und jetzt, während der absolut heißen Phase der Bauarbeiten (Moosach-Öffnung), kommt es erneut zum Kundenschwund. Manch einer wandert sogar aus – aber nur vorübergehend. Seit fast 90 Jahren gibt es an der Ecke Bahnhofstraße/Hauptstraße „Früchte Schweiger“. Jetzt nicht mehr. Das Geschäft ist geschlossen, „weil wir es einfach nicht mehr ausgehalten haben“, wie Inhaber Florian Schweiger berichtet. Er ist mit seinem Geschäft umgezogen: Jetzt steht vor dem Hotel Bayerischer Hof ein „Früchte Schweiger“-Marktstand. „Es wurde einfach zu eng, zu laut. Wir hatten nur noch eineinhalb Meter bis zum Bauzaun“, berichtet Schweiger. „Der Bereich wird von den Passanten gemieden.“ Die Stammkunden, die ihm die Treue hielten, reichten nicht aus. Nun also der Umzug vor den Bayerischen Hof, wo man bis Weihnachten durchhalten will.

Seit dem Bauzaun ist es „ganz extrem“

„Wie es dann weitergeht, wissen wir noch nicht. Ich will auf alle Fälle wieder zurückkehren an unseren Stammplatz“, betont Schweiger, der das Geschäft in vierter Generation führt: „Mein Uropa hat 1932 den Mietvertrag dort unterschrieben.“ Also zahle er jetzt die Miete weiter, auch wenn das Geschäft geschlossen sei. „Ich hoffe halt auf dem Mehrwert nach dem Ende des Innenstadtumbaus“, sagt Schweiger. Was ihn wurmt: „Eigentlich wollte die Stadt das Projekt abschnittsweise durchziehen. Aber jetzt kommt alles auf einmal, knüppeldick. Das ist schon eine Zumutung.“

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Durchhalten lautet die Parole bei Isolde Köckeis. Sie fühlt sich mit ihrem Modegeschäft Maximilian „wie eingesperrt“. Seit der Bauzaun die Obere Hauptstraße teilt, sei es „ganz extrem geworden“. Da die Kunden nicht mehr die Straßenseite wechseln können, sei ihr Geschäft regelrecht abgeschnitten. „Was wir jetzt bräuchten, wären Übergänge“, betont Köckeis, „sodass etwa die Passanten von uns zum Kasdandler wechseln könnten und umgekehrt.“ Gerade jetzt wäre das wichtig: „Wir bekommen gerade die neue, sehr hochwertige Kollektion rein“, berichtet Köckeis. Die müsse bezahlt werden, ebenso die Miete. „Die Kosten laufen ja weiter.“ Immerhin könne sie sich auf ihre Stammkunden verlassen – „die Laufkundschaft aber bleibt weitgehend aus“. Köckeis möchte jedoch keine Endzeitstimmung verbreiten – im Gegenteil: „Ich bin optimistisch, was schon daran zu sehen ist, dass wir jetzt auch Schuhe ins Sortiment aufnehmen.“ Die Großbaustelle Innenstadt müsse man halt hinnehmen. Dafür sei die Innenstadtlage hinterher umso attraktiver.

Ein Hinterhof als die letzte Rettung

Genau so sieht es auch Konditormeister Andreas Muschler. Der Lärm, die schmalen Gänge – all das sei schon eine Herausforderung für Gäste und Mitarbeiter. „Manche Geschäfte“, weiß Muschler, „haben schon sehr zu kämpfen.“ Aber langfristig sichere der jetzt stressige Innenstadtumbau die Konkurrenzfähigkeit der Geschäfte. Er selbst habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Corona und die Baustelle zu überstehen. „Und dabei haben wir großes Glück gehabt: Wir konnten im August ein Café im Hinterhof eröffnen, ein wunderbarer Platz zum Entspannen.“ Ohne diesen „Rückzugsort“, so Muschler, „wäre es schon sehr hart geworden“.