So läuft's mit Sneakern weiter

Mit welchen Marketingaktionen sich richtig viel Wirbel machen lässt, hat Adidas Originals vergangene Woche wieder einmal bewiesen, als ein Kooperationsmodell mit Arizona Iced Tea für 0,99 US-Dollar in New York zu Tumulten führte. Nach wie vor führen die Herzogenauracher gemeinsam mit Nike das Ranking der umsatzstärksten Sneaker-Brands an. Momentan hat Nike allerdings die Nase vorn, wie nicht zuletzt Atith Kotsombat, Creative Director bei Kickz, bestätigt: „Aktuell hält Nike nahezu alle Marken aus dem klassischen Sneaker Segment weiterhin auf Distanz und baut diese aus – aufgrund ‚klarerer‘ Konzepte, Innovationen sowie Produkt- und Distributionsstrategien.” Vor allem an technischen Neuheiten mangelt es Adidas. „Ein Nachfolger auf Niveau der Boost-Sohle ist aktuell nicht auf dem Markt”, konkretisiert Colin Goebel-Thoma, Buyer Urban Sports, Men’s Designer & Men’s Contemporary Fashion der KaDeWe Group. Und fügt hinzu: „Adidas funktioniert aktuell stärker im kommerziellen Segment als mit seinen spitzen Silhouetten.”Gerade deswegen hat es sich für die Marke mit den drei Streifen ausgezahlt, die Home of Classics-Linie mit cleanen Retro-Silhouetten wie dem Continental 80 und dem Supercourt zu pushen. Denn diese laufen bei Zalando ebenso gut wie bei Stylefile und dem Sneaker-Spezialisten Solebox, wie Managing Diretcor Aljoscha Kondratiew im TW-Gespräch sagt. Mehr noch: „Wir beobachten, dass Court-Silhouetten deutliche Anteile von Bulky-Styles übernehmen”, heißt es von Daniel Dornebusch, Senior Buyer Lifestyle Shoes bei About You.

„Adidas funktioniert aktuell stärker im kommerziellen Segment als mit seinen spitzen Silhouetten“

So läuft's mit Sneakern weiter

Colin Goebel-Thoma, KaDeWe Group

Überhaupt Chunky-Sneaker. Während einige noch auf das Hype-Thema aus 2018 setzen, glaubt der Handel en gros nicht mehr daran. Maximilian Albert, Geschäftsführer von Outfitter und Stylefiles Mutterunternehmen Publikat, merkt zudem an: „Zwar ist der Peak erreicht, aber die Nachfrage nach Chunky-Sneakern ist weiterhin groß. Jedoch fallen die Margen aufgrund des hohen Angebots von verschiedenen Marken.”Bei dezidierten Sneaker-Stores ist das Sortiment verhältnismäßig klein. Bei allen anderen Formaten sorgen Lifestyle-Brands und Schuhhersteller für ein wachsendes Sneaker-Angebot. Ein Grund dafür, warum Dornebusch von About You davon überzeugt ist, dass die Umsätze mit Turnschuhen noch wachsen werden: „Wir glauben, das Niveau lässt sich weiterhin steigern, da zum einen die Innovationen von bestehenden Brands in diesem Segment nicht nachlassen und zum anderen viele Non-Sneaker-Brands gute Silhouetten kreieren, um ihren Kunden das Thema näherzubringen.” Da ist etwa der Disruptor von Fila zu nennen, der im Zuge des Chunky- Sneaker-Hypes durch die Decke ging. Auch Turnschuhe von Labels wie Tommy Hilfiger und Lacoste werden gut besprochen.

Der Abstand vergrößert sich

Der Abstand der originären Sneaker-Brands, also von Reebok und Puma über Asics und New Balance bis hin zu Vans und Converse, zu den Giganten Nike und Adidas vergrößert sich laut Kondratiew von Solebox. Nichtsdestotrotz stehen auch sie für stabile Umsätze auf hohem Niveau, wie unter anderem Albert für Stylefile anmerkt. Laut ihm habe Puma „mit neuen frischen Silhouetten den Turnaround geschafft” und auch mit der Entwicklung von Sorgenkind Asics ist er insbesondere durch das Modell Gel-Kayano 5 zuversichtlich. „Damit trifft Asics den Zeitgeist.”Darüber hinaus werden diese Saison mehr Aufsteiger genannt als in der Vergangenheit. Bei der KaDeWe Group sorgt allen voran Veja für gute Umsätze, aber auch Skechers und Nubikk haben sich laut Goebel-Thoma hervorgetan. Kickz zählt Clarks Originals zu den Aufsteigern, Stylefile Saucony und Onitsuka Tiger. StockX-Europa-Chef Derek Morrison stellt fest: „Diadora hat kürzlich einige schöne Farbwege releast, die man nun häufiger im Straßenbild Europas sieht.”Auch was die Styles angeht, diversifiziert es sich stärker. Zwar haben schlichte Retro-Silhouetten klobige Styles verdrängt, aber daneben glaubt der Einkauf auch an das Potenzial der Post-Millennium Runner mit sichtbaren technischen Details, wofür etwa die erfolgreichen Air Max-Modelle von Nike stehen, sowie an urbane Trailrunning-Styles. Zudem könnten Basketball-Silhouetten deutlich an Fahrt aufnehmen – spätestens dann, wenn das neue Yeezy-Modell Quantum von Adidas Originals erscheint. Er ist zwar noch nicht auf dem Markt, aber gut möglich, dass auch der Basketball-Style von Kanye West eines Tages im Museum landet.