Was gesund ist für Kinderfüße

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Was gesund ist für Kinderfüße

Bremen. Kinder brauchen ständig neue Schuhe. Sandalen für den Sommer, gefütterte Winterschuhe, Hausschuhe – und natürlich bald auch coole Turnschuhe. In pink, rosa oder bunt, mit blinkenden Sohlen, Glitzer an den Schnürsenkeln, mit hoher und flacher Sohle. Sneakers, Chucks und andere Modelle sind schwer im Trend und jede Menge Kinderfüße stecken darin. Vorbei die Zeiten, in denen Eltern dem Nachwuchs noch ohne großen Aufstand ein Paar vernünftiger Halbschuhe verpassen konnten. Aber sind sie wirklich vorbei die Zeiten, in denen noch galt: „Mit Turnschuhen machst du dir die Füße kaputt?“. Wird es bald ganze Generationen von Erwachsenen geben, die sich beim Orthopäden die Klinke in die Hand geben, weil sie wegen ihrer Knick-, Senk-, Spreiz- und Plattfüße sowie anderer Fehlstellungen nicht mehr richtig gehen können?

„Turnschuhe sind nicht so schlecht, wie ihr Ruf“, sagt Professor Ralf Skripitz. „Natürlich sollten Eltern darauf achten, dass Kinder passendes Schuhwerk tragen. Aber Kinderschuhe sind nicht per se ausschlaggebend für spätere Fehlstellungen.“ Der Chefarzt des Zentrums für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie an der Bremer Roland-Klinik kennt die Befürchtungen vieler Eltern. Dazu gehöre auch, dass schief gelaufene Schuhe ein Anzeichen für eine Fehlstellung sein könne.

„Das ist aber eher Ausdruck minderer Qualität und Verarbeitung eines Schuhs und nicht für eine Deformität“, betont der Arzt. Je nach Qualität werde ein Schuh schneller ramponiert als ein anderer. Bei Kindern komme noch hinzu, dass sie ihr Schuhwerk – ob Sneakers, Sandalen oder Gummistiefel – in der Regel ohnehin mehr belasten als Erwachsene. Skripitz: „Kinder spielen, rennen ständig herum, klettern. Das beansprucht Schuhe natürlich deutlich stärker, als wenn man als Erwachsener mit seinen Sneakers nur zur Arbeit geht.“ Auch in Studien gebe es grundsätzlich keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Fußfehlstellungen bei Kindern und abgelaufenen Sohlen. Skripitz: „Coole Schuhe von guter Qualität, das ist völlig in Ordnung.“

Bis zur Schuhgröße 27 – das ist bis zu einem Alter von drei bis vier Jahren – sollten Kinder aber halbhohe Schuhe tragen, empfiehlt der Bremer Orthopäde. „Damit das Sprunggelenk Halt bekommt. Außerdem sollten die Schuhe flexibel sein, damit sich die Kinder richtig mit ihnen bewegen können.“ Von Flip Flops rät er allerdings für Kleinkinder ab, weil sie schnell umknicken oder ausrutschen und sich dadurch verletzen können. Babys, so Skripitz, müssten noch keine Schuhe tragen. „Das macht erst Sinn, wenn sie laufen können. Denn: Schuhe sind nichts anderes als ein Schutz vor Regen, Schnee und auch Verletzungen.“ Von Gummistiefeln und Kunststoffschuhen rät er ab – „weil sie Schweißfüße machen“.

Das Beste, was Eltern für die Fußgesundheit und zur Verbeugung von Fehlstellungen tun könnten, sei, sie so viel wie möglich barfuß laufen zu lassen. Dadurch würden die Fuß- und Wadenmuskulatur sowie der Rücken gestärkt. Außerdem unterstütze das Laufen mit nackten Füßen Körperwahrnehmung und Gleichgewicht. Skripitz: „Das bedeutet vor allem auch, dass Kinder sich ausreichend bewegen sollten.“ Etwa mit dem 15. Lebensjahr sei die Muskulatur von Kinderfüßen voll ausgeprägt. Problematisch kann das Schuhwerk aber werden, wenn es nicht passt – wenn Sneakers, Hausschuhe oder Sandalen zu eng sind und drücken. Der Bremer Chefarzt verweist auf eine österreichische Studie aus dem Jahr 2010: „Dabei sind Füße und Schuhwerk von rund 900 Kindergartenkinder begutachtet worden. Knapp 70 Prozent der Mädchen und Jungen trugen zu kurze Straßenschuhe, bei den Hausschuhen war es sogar 88 Prozent“, zitiert Skripitz die Ergebnisse. Die Experten stellten bei der Untersuchung auch fest, dass bei rund einem Viertel der Kinder die großen Zehen unnatürliche Krümmungen aufwiesen. Sie interpretierten die Untersuchung so: Je kürzer die Schuhe, desto schiefer die Zehen. „Das kann zu einem Problem werden“, so Skripitz.

Er empfiehlt, Kinderschuhe immer eine halbe bis eine Nummer größer zu kaufen – und zur Sicherheit für den Schuhkauf eine Pappschablone mit dem Umriss der Füße anzufertigen. Von den Größenangaben der Hersteller könne es Abweichungen geben. Viele Eltern wenden den alten Daumentrick an, wobei man auf die Schuhspitze drückt. Das Prinzip: Sind die Zehen nicht zu spüren, ist noch genug Platz. Allerdings ist dieser Test nicht zuverlässig, wie Experten warnen: Kinder ziehen nämlich oft reflexartig die Zehen ein.

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