April 2, 2020 - issue 15

Leserbriefe zu „Plötzlich Elite“ von Robert Pausch et al.

Danke. Eine Ergänzung: Ein Land, in dem das Arbeitslosengeld eines VW-Fließbandarbeiters das Mehrfache des Bruttogehaltes einer Pflegekraft beträgt, ist definitiv krank. Und noch eine Ergänzung. Lieber Herr Ulrich, Sie mögen sich vielleicht daran erinnern, wie wir im Disput Alte-Junge lagen, und wie ich Ihren Auffassungen energisch widersprochen hatte. Wir sollten in dieser Extremsituation einmal ganz genau hinschauen und zur Kenntnis nehmen, welche Rolle die Alten tatsächlich spielen und wie das mit der Zukunft der Jungen so ist. Aktuell sind es nämlich zum großen Teil die Älteren, die, Kinder bereits aus dem Haus, z.B. im OP-Bereich meiner Frau, mit ihrer herausragenden Einsatzbereitschaft es den Jungen ermöglichen, ihr gegenwärtiges Familienleben zu entspannen. Die Jungen sind die Zukunft, keine Frage, aber nur WEIL ES DIE ALTEN GIBT, auf die sich diese Zukunft gründen kann, auf ihre Erfahrung, ihre Ressourcen und ihre Bereitschaft zuzupacken, wenn’s eng wird. Und eine weitere – gewiss spitze – Bemerkung sei mir in diesem Zusammenhang ebenfalls gestattet:

Was für die Jungen bis vor wenigen Wochen ‚Friday for Future‘ war, ein kraftstrotzender (freier) Festtag, das war für die Alten, die in Schichten und an den Wochendenden arbeitenden Krankenschwestern und Pflegekräfte, schon immer ‚Friday for Work‘, schlicht und einfach EIN GANZ NORMALER ARBEITSTAG, für höchstens ein Drittel des Einkommens derer, die da auf den Straßen und Plätzen standen und sich autorisiert fühlten, lautstark skandierend die Verantwortung ANDERER, der Alten, anmahnen zu müssen. Da war doch einiges sichtbar aus dem Lot geraten in der Vorstellung mancher, welche Rolle ihnen in der Gesellschaft eigentlich zukommt (oder zukommen sollte). Systemrelevant war davon – so bitter das in manchen Ohren klingen mag – niemand. Wirklich niemand. Auch wenn das Thema unstreitig ein systemrelevantes Problem ist. Corona hat manches mindestens etwas näher ins Licht gerückt, wohl auch bei der ZEIT, hoffe ich.

Und wenn der Virus auch nur für eines gut war, dann für dies: Er hat schon jetzt schonungslos die im Beitrag beschriebenen Bigotterien und andere bequeme Lebenslügen offengelegt, die leider zum Grundkonsens in diesem Land geworden sind, das sich lieber mit Gender, Toiletten für das dritte Geschlecht oder anderen lächerlichen Arten des akademischen Zeitvertreibs beschäftigt als mit Fragen, deren Beantwortung über Nacht überlebenswichtig werden könnte. – Matthias Wagner und Ehefrau

Man sieht nun, dass der Neoliberalismus ein Akrobat ohne Fallnetz ist. Er liefert eine dolle Show, bis irgendein Missgeschick passiert – etwas, womit nun wirklich niemand rechnen konnte. (Bis auf das RKI, welches 2013 diese Pandemie schon per Studie vorweggenommen hat.) Wenn öffentliche Einrichtungen Profit-orientiert und nicht Mensch-orientiert sind, reicht ein Funke um einen Flächenbrand auszulösen, weil scheinbar nirgendwo Reserven existieren. In der Baubranche werden erhebliche Gelder für (gesetzlich geforderten) Brandschutz aufgewendet, um eine Brandausbreitung zu vermeiden. Wie steht es da mit gesundheitlichen Brandschutz? Ein Gesundheitssystem, welches an allen Enden kaputtreformiert wurde, soll nun alle vor der Gefahr retten. Und wir, die Zuschauer, sind auch nicht untätig: wir klatschen eifrig. Und bei der nächsten Wahl, wählen wir wieder die Weiterso-Parteien, weil sie ja jetzt eine so tolle, überzeugende Krisenperformance hinlegen. Die Umfragewerte sprechen hier eine deutliche Sprache. – Johannes von Alten

Mit einer gewissen Genugtuung habe ich Ihren Artikel „Plötzlich Elite“ in der aktuellen Ausgabe der ZEIT (Nr. 15, 2. April 2020) gelesen – besonders hervorheben möchte ich einen Aspekt, den die Autoren gleich im ersten Teil des Artikels anbringen: die in diesen Tagen allgegenwärtige, hoch gelobte und viel beschworene „gesellschaftliche Solidarität“ zwischen denen, die das Virus gezwungenermaßen zuhause („In den Stuckdeckenvierteln“) aussitzen und denjenigen, die Tag um Tag ihrer Arbeit nachgehen, dafür von ersteren öffentlichkeitswirksam mit größter Anerkennung bedacht werden. Ein tolles Zeichen also: Ausdruck gesellschaftlichen Zusammenhaltes und „gelebte Solidarität“? Man könnte den Eindruck gewinnen: in Krisenzeiten besinnt sich der Mensch auf das wirklich Wichtige im Leben und lernt Werte wie Mitmenschlichkeit, gegenseitige Achtung und ein respektvolles Miteinander wieder mit Leben zu füllen.

Ich bin allerdings doch recht irritiert von manch einem TV-Spot, in dem Medienschaffende und Personen des öffentlichen Lebens dem Supermarktmitarbeiter, der Postbotin oder dem Krankenpfleger aufrichtigen Dank dafür zollen, dass sie ihren Job machen. Offenbar braucht es erst eine große – für viele Menschen existenzbedrohende – Krise, damit man seine Mitmenschen (wieder) richtig wahrnimmt. Sicher, der Dank mag aufrichtig und „echt“ sein – das macht das Grundproblem und dessen gesellschaftliche Brisanz aber nicht erträglicher, denn die viel beschworenen Berufsgruppen verdienen nicht unseren Dank, weil sie in Krisenzeiten trotz Angst vor Ansteckung und Erkrankung wie jeden Tag ihrem Beruf nachgehen und so „das System am Laufen halten“. Sie verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung, weil sie ihrem Beruf wie jeden Tag nachgehen, obwohl sie dafür im Alltag (!) nicht die gesellschaftliche (und damit verbunden natürlich auch finanzielle) Anerkennung erhalten, die sie verdienen!

Es ist doch eine Farce – Ihre Autoren verwenden den Begriff „höhnisch“ -, dass wir uns unserer gesellschaftlichen Solidarität rühmen, obschon wir selbst Nutznießer und in gewisser Weise auch Unterstützer eines Systems sind, dass derlei soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zementiert. Denn um der Wahrheit die Ehre zu geben: wer wäre denn tatsächlich bereit, bspw. höhere Krankenkassenbeiträge oder höheres Porto zu bezahlen (und auf ziemlich bequeme „Prime-Mitgliedschaften“ zu verzichten), damit die gegenwärtig im Fokus stehenden „systemrelevanten“ Berufsgruppen unter etwas erträglicheren Rahmenbedingungen ihre Arbeit verrichten könnten ? Schnell stößt unsere Solidarität dort an ihre Grenzen, wo sie den Komfort des Einzelnen berührt oder gar mindert, wo das eigene Leben teurer, unangenehmer und umständlicher wird. Auch wenn zurzeit das geflügelte Wort umherzieht, die Welt sei nach der Krise eine andere – es wäre uns zu wünschen, wenn die Krise wenigstens in puncto gesellschaftlicher Solidarität bleibende Spuren hinterlassen würde und wir tatsächlich praktische Konsequenzen aus unseren „neu gewonnenen Erkenntnissen“ über den gesellschaftlichen Wert eines Berufes ziehen würden, die es dem ein oder anderen ermöglichen würde, ein würdigeres und sorgenfreieres Leben zu führen. – Florian Kleyboldt

Hält man die Seite 3 ins Gegenlicht, bekommt die dort abgebildete Krankenschwester auf wundersame Weise eine Art Heiligenschein oder Strahlenkranz (lat.: corona radiata), gebildet durch ein stilisiertes Corona-Virus auf der Folgeseite. Das kann unmöglich von Ihnen beabsichtigt gewesen sein, ist aber eine großartige Metapher für die aktuelle Wertschätzung der vormals wenig beachteten sogenannten systemrelevanten Pflegekräfte, ohne die das Gesundheitssystem (nicht nur in diesen Zeiten) kollabieren würde. – Stefan Büchner

Grundsätzlich bin ich froh, dass Sie durch Ihren Artikel die soziale Frage im Kontext der aktuellen Ausnahmesituation in Bezug auf die COVID-19-Pandemie aufgreifen. Ferner hat es mich gefreut, dass Sie auf die Berufsgruppen aufmerksam machen, welche aktuell dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft funktionstüchtig bleibt und Jedermann ausreichend und gut versorgt ist. Völlig neu war für mich, dass studierte Polizisten sich nunmehr in der Gesellschaft „ganz unten“ wiederfinden und sich „Männer schließlich erst recht bedienen lassen“. Freundliche Grüße von ganz unten. – Sascha Krause

Vielen Dank für diesen herausragenden Artikel. Wir schreiben, weil unsere Freundin, die seit Jahrzehnten als Altenpflegerin arbeitet, keine übrige Zeit hätte für einen Leserbrief. Durch sie erleben wir ihren Arbeitsalltag seit langem ein Stück weit mit. Magdalene – mittlerweile 60 – hat all die Jahrzehnte ihrer Tätigkeit hindurch noch keinen Tag gefehlt. Die Personaldecke ist so dünn (der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte bekanntlich leergefegt) und ihre Liebe zu den oft hochbetagten Pflegebedürftigen so groß, dass sie sich weit über das beruflich Geforderte (und Bezahlte) hinaus einbringt. Im März hatte sie ein paar Tage Urlaub. Die hat sie beispielsweise genutzt, um schnell mal 130 Mundschutz-Teile für ihre Kolleginnen zu nähen.

Rechnet man pro Stück nur zehn Minuten Arbeitszeit, so waren das fast 24 Stunden Näharbeit. – Mir ist bisher keine Mitarbeiterin im hauswirtschaftlichen Dienst einer Sozialstation bekannt, die für ihren Einsatz je das Bundesverdienstkreuz bekommen hätte. Ein herzliches Dankeschön an Ihre Autorin Elisabeth Raether und Ihre Autoren Robert Pausch und Bernd Ulrich, die unter der Überschrift „Plötzlich Elite“ endlich mal den Focus darauf legen, dass „putzen, kochen, waschen, spülen, kümmern, sorgen, pflegen“ systemrelevant sind – und miserabel bezahlt. – Eleonore und August Reck

Tausend Dank für den scharf formulierten Text „Plötzlich Elite“. Endlich sagt’s mal jemand! Nur eine Berufsgruppe fehlt mir hier: die Sozialpädagogen. Auch in der derzeitigen Situation werden psychisch Kranke betreut, Drogenabhängige beraten, Trauernde begleitet und misshandelte Frauen umsorgt. Und das für wirklich wenig Geld. – Franziska Bauer

Die Unterbezahlten sind systemrelevant? Für die im Artikel „Plötzlich Elite“ angelegte kritische Auseinandersetzung eignet sich der affirmative Charakter des Begriffs „systemrelevant“ nicht . Hat er doch seinen Sinn in der Sicherung oder Wiederherstellung der Funktion eines bestehenden Systems. Wenn – wie im Falle der Coronakrise – wesentliche Systemkomponenten virulent werden, erkennt das System in der Perspektive des Bestandserhalts diese Komponenten als systemrelevant, z.B. Pflegekräfte, Schutzkleidung, Lieferketten. In dieser Logik wird nun auch das ganze Volk systemrelevant. Paradox: Um das System zu erhalten wird das System runtergefahren. Angesichts dieser Paradoxien sind systemkritische Fragen am Ende des Artikels nur zu verständlich z.B. die rhetorische Frage „Kann sich diese Gesellschaft Profite im Gesundheitswesen noch leisten?“ (sie konnte es nie!). Diese Fragen zielen auf grundlegende Veränderungen der Verhältnisse ab. Wir wissen doch alle, dass es so nicht weitergehen kann:

Vorteile aus dem System zu ziehen als Privatangelegenheit, im Kleinen wie im Großen. Wenn aber die private Vorteilsmaximierung eine Systemkrise erzeugt, ist es Aufgabe der gesamten Gesellschaft – und besonders der Schwachen in der Gesellschaft – die Reparaturlast zu tragen. Wir haben das ja schon im Zuge der Finanz- und Bankenkrise erlebt. Wir werden es nun um so mehr in der vor uns liegende Wirtschaftskrise erleben. Es zeichnet sich auch mit Blick auf die Klimakrise ab. Seltsam, uns brennt der Kittel, wir erleben Katastrophen, doch leider hat man bisher nie vernommen, dass etwas recht war und dann war’s auch so! Wer hätte nicht gern einmal Recht bekommen? Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so (aus der Dreigroschenoper: Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse). Wahrscheinlich sind wir zu lebenslänglicher Systemrelevanz verurteilt. – Reinhard Koine

Der Text an sich war jetzt in meinen Augen gar nicht überraschend oder besonders neu. Angebot und Nachfrage sind halt mächtige Kräfte in einer Marktwirtschaft. Allerdings vermisste ich den Hinweis auf die fehlende Chancengleichheit im Bildungswesen, der dazu führt, dass die Entscheidung für einen Beruf mit schlechterem Einkommen eben für viele gar keine Entscheidung ist, sondern erzwungen wird. Etwas anderes hat mich mehr bewegt: Die Veröffentlichung des tollen Portraits der Krankenschwester von Antonio Calanni hat dem Fotografen sicher eine vernünftige Einnahme verschafft, die Zeit hat damit ihre Seite wie gewohnt aufgewertet, ihre Qualität unterstrichen.

Aber die junge Frau auf dem Foto bleibt namenlos und hat vermutlich auch alle Rechte an ihrem Gesicht abgetreten. Sie wird damit zwei Mal, so wie im Text beklagt, übervorteilt. Als Krankenschwester und als Illustrationsobjekts der Qualitätsjournalisten, die selbstredend in den „Stuckdeckenvierteln ... Gratissolidarität“ zum Besten geben. Es handelt sich hier um keine spontane Szene sondern um ein ausdrückliches Portrait. Haben Sie das mal nachgefragt? Oder ist das richtig, denn das ist schließlich ganz normal? Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders, die Dame hat einen erfolgsabhängigen Anteil erhalten und es vorgezogen, anonym zu bleiben. – Tim Böger

Den Beitrag „Plötzlich Elite“ finde ich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Falls es stimmt, dass die jetzt als „systemrelevant“ erkannten unteren Berufsgruppen die wirksamste Beachtung finden, wenn sie AfD wählen, dann ist daraus auch zu folgern, dass diese Wählerschicht größtenteils keine – wie immer wieder suggeriert – rechtsradikale verfassungsfeindliche Gesinnung hat, sondern es sich zumeist um unbescholtene rechtschaffene Bürgerinnen und Bürger handelt, die an der Wahlurne ihre verständliche Wut über die pseudo intellektuelle Elite zum Ausdruck bringen. Dies führt zwangsläufig zu der weiteren Erkenntnis, dass es nicht gerecht sein kann, wenn allein ein auf Kosten der Allgemeinheit finanziertes Studium einen Anspruch auf einen mehrfachen lebenslangen Verdienst begründen soll.

Um diese offenkundigen Fehlentwicklungen zurück zu drehen, könnten gerade die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten mit ihrem überzogenen Personenkult und dem fragwürdigen undurchsichtigen Gehaltsgefüge mit gutem Beispiel vorangehen. Ganz zu schweigen von der skandalösen Raffgier von Managern in der Wirtschaft und den Auswüchsen bei den Spieler- , Trainer – und Funktionärsgagen im Profifußball. Ich befürchte aber, dass sich nach der Bewältigung dieser Krise insoweit nichts ändert. – Dieter Kempf

Beifall, Lobeshymnen und immer wieder Forderungen nach Geld. Der aktuelle Focus richtet sich mit gehypter Macht auf die allgemein Sichtbaren. Systemrelevant scheinen jetzt nur die Personen, denen der Bürger sich im veränderten Alltag gegenüber sieht, sei es konkret beim Einkauf oder meist fiktiv im Krankheitsfall. Doch dieser Blick ist im wahrsten Sinne des Wortes populistisch, diskriminierend und letztendlich falsch. Die Arbeitskräfte in der Logistik oder Produktion sind gleich systemrelevant, und hier ist nicht die Rede von den relativ wenigen Industriearbeitern in den Premiumsparten wie z.B der Automobilindustrie. Facharbeiter im Mittelstand, vielleicht auch noch in kleineren Regionalzentren oder Städten, liegen deutlich unter dem Durchschnittslohn und sind nach neuer Lesart unterbezahlt.

Wie lange würden wir ohne Strom, Wasser oder Lebensmittel auskommen? Ja, selbst die immer wieder gerne gescholtenen Arbeitskräfte im öffentlichen Dienst, laut Statistik Destatis unterbezahlt, ob angestellt oder beamtet, sind nicht nur die Polizei vor Ort. Die Hilfspakete der Bundesregierung, ob nun Kredit, Zuschuss oder Auszahlung von Kurzarbeitergeld, blieben leere Versprechungen, würde nicht eine effiziente Verwaltung darauf bauen können, dass auch hier die enormen Arbeitsspitzen durch zusätzliches Engagement der Belegschaft angegangen werden. Der emotional beeinflusste Blick der Bevölkerung auf die unmittelbar wahrgenommen Dienstleister ist verständlich, von den (system)relevanten Personen in der Medienbranche erwarte ich hier allerdings den analytischen und kritischen Blick, wir haben schon genug Populisten. – Bernd Hadowski

Der Artikel auf S. 3 der aktuellen Ausgabe ist das BESTE, was ich bisher zur Corona Krise gehört und gelesen habe. Eine Wohltat in all der Hysterie, mit der man zugepflastert wird. Herzlichen Dank für diese Wohl überlegte Darstellung der Lage. – Andreas Benrath

Es ist gut, dass durch die aktuelle Krise das Spotlight auf Menschen gerichtet ist, die an der sogenannten vordersten Front ihren geselschaftlichen Beitrag leisten. Das haben sie übrigens vor der Krise in gleicher Weise getan. Also sind sie nicht plötzlich Elite, sondern schon immer, sowenig sie plötzlich unterbezahlt sind, sondern dito schon immer. Und schließlich ist auch das keine plötzliche Erkenntnis, schlicht eine, die sich in Erinnerung ruft, da durch die virale Castingshow das Schlaglicht unerwartet auf diese soziale Gruppe gerichtet wird. Es ist unaufrichtig und gesellschaftliche spaltend, sie im Eifer oder der Euphorie der Dankbarkeit als die Wichtigsten zu etablieren. Nicht der Superlativ rechtfertigt eine bessere Bezahlung, sondern weil ihr Tun neben all den anderen gesellschaftlichen Aufgaben ebenbürtig wichtig ist. Wer den Superlativ gebraucht, schafft neue Schieflage. – Peter Heydecke

Zunächst einmal, finde ich, dass die Autoren Pausch, Raether und Ulrich, die Gedanken die sich viele Menschen in diesen Berufen gerade machen, gut auf den Punkt bringen. Ich möchte noch ein wenig hinzufügen. Selber bin ich Gesundheits- und Krankenpflegerin und mit der Ausbildung schon seit 10 Jahren im Beruf und studieren gerade Pflegepädagogik, um später andere Menschen zu Pflegefachmenschen auszubilden. Es ist ja ganz schön, dass die Menschen auf ihren Balkonen klatschen und die Firmen Warengutscheine verteilen, wobei das meiner Meinung nach auch sehr zynisch ist, machen sie doch damit wieder Umsätze. Besser wäre jedoch, die Systemrelevanten Berufe auch nach der Krise wert zu schätzen. Im Fall der Krankenpfleger*innen, Altenpfleger*innen usw., wäre es endlich an der Zeit, die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern. Wie kann es sein, dass eine Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Klinik 12 Tage arbeiten muss, zwei Tage frei hat um dann wieder 12 Tage zu arbeiten?

Wie sie bestimmt bemerkt haben macht das ca. vier Tage im Monat aus, die man frei hat. Bei einer Büroanstellung mit einer fünf Tage-Woche sind es acht. Das sind also schon mal pauschal 50% weniger Freizeit. Und dann macht sie, dank ausbeuterischer Dienstmodelle, nicht mal Überstunden. Wie kann es sein, dass überall die Vereinbarkeit von Familie und Beruf propagiert wird, aber Kliniken zeigen sich teilweise so unflexibel, dass das Familienleben in dem Beruf so gut wie nicht statt findet, außer man arbeitet in Teilzeit. Das wiederum führt aber dazu, dass das Gehalt nicht reicht und das wiederum hat Folgen hinsichtlich dem Altersarmutsrisiko. Also ganz ehrlich, nach femininer Selbstbestimmung sieht das doch nicht aus. Über das Gehalt brauchen wir gar nicht zu reden: spätestens jetzt zeigt sich, dass die Berufe, die sich am meisten in Gefahr bringen, Überstunden und Überlastungen ertragen, die sind, die unterbezahlt sind. Doch auch ein höheres Gehalt ändert nichts daran, dass die körperlichen und seelischen Belastungen, die mit den Berufen einhergehen, auf die Menschen wirken.

Die seelischen sind nicht zu unterschätzen, schließlich ist man sehr viel mit Tod und Krankheit beschäftigt und allein die Schichtarbeit macht einen großen Teil des körperlichen Stresses aus. Zu dem Gehalt gehören auch gute Arbeitsbedingungen. Im Fall der Pflege ist es Zeit für die Zupflegenden, faire Arbeitszeitmodelle, seelische und körperliche Ausgleichsmöglichkeiten und Anerkennung. Die Systemrelevanten Berufe leisten gerade den Beitrag, der uns die Pandemie überstehen lässt und ich wünsche mir, dass die Wahrnehmung dieser Berufe, sich grundlegend jetzt und vor allem nach der Krise verbessert. – Isabell Kurze

Es stellt sich nicht nur die Frage nach der Systemrelevanz jener, die jetzt das System am Laufen halten. Es stellt sich auch die Frage nach der Relevanz des Systems, das sie am Laufen halten. Denn dies ist jetzt in anderes System als das, was vor Corona lief. Nicht nur unsere Werte müssen sich grundsätzlich ändern – das System muss anders werden. – Kurt Eimers

Das die plötzlich so wichtig gewordene Klasse der beruflich wenig angesehenen und dazu noch Unterbezahlten so wichtig für die Besserverdienenden geworden ist offenbart den klassenübergreifenden Charakter einer Pandemie und ihre politisch so bedeutsam werdende Funktion für gesellschaftliche Umbrüche. Schrecklich bleibt die Corona-Krise wegen dem (fast) massenhaften Sterben älterer oder mit Vorkrankheiten belasteter Menschen. Unfair die Bemerkung, dass die Klasse der Krankenschwestern, Altenpfleger, LKW-Fahrer, Polizisten usw. mehr AfD wählen als die Besserverdienenden. Wer bringt sie denn dazu, dieser extremen Rechtspartei ihre Stimme zu geben ? Es sind Leute wie Gymnasiallehrer Höcke oder der „Rechtsintellektuelle“ Kubitschek die als Demagogen oder Ideologen die politische Leimspur legen. Und die AfD wird natürlich auch von denen gewählt die ein höheres Bildungsniveau haben als die jetzt so gelobten Helfer in der Corona-Krise haben. Gerade die höhergebildeten, oder besserverdienenden, Gruppen haben jetzt die Chance, ihre Qualifikationen durch Charakterstärke und Gemeinsinn zu beweisen.

Doch wie immer zeigt sich der Mensch auch hier auf den zwei Seiten einer Medaille : Der Gute und der Schlechte. Es ist die Zeit der namenlosen Helden, Hochkonjunktur haben aber auch Gaukler, Betrüger und Profiteure. Der Wahn der grenzenlosen Selbstverwirklichung stösst an seine natürliche Grenze die jetzt lautet, nur die anderen können mir jetzt noch beistehen oder helfen. Eine gewaltige Chance erhält mit der Pandemie die Poltik. Egal ob die fahrlässigen Versäumnisse der Globalisierung zu Tage treten oder die bestürzende Unvollkommenheit der EU mit ihren nationalstaatlichen Reflexen, die ein solidarisches Handeln vermissen lässt. Wenn umstrittene Protagonisten von kriegerischen Umwälzungen wie Ernst Jünger noch leben würden, könnten sie erleben, wie auch ohne Waffengewalt dringende soziale Verbesserungen der Gesellschaft nur von einem Virus auf den Weg gebracht werden können. – Klaus Reisdorf

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird wieder einmal etwas intensiver über das Thema „Pflege“ gesprochen und zugleich wird immer offensichtlicher, dass der Druck im Kessel steigt. In den vergangenen Jahren wurde in Deutschland viel über den Pflegenotstand diskutiert. In einer TV-Sendung im Jahr 2017 hat ein mutiger junger Krankenpfleger aus seiner Enttäuschung über die direkt mit seiner Kritik konfrontierte Regierungschefin Angela Merkel keinen Hehl gemacht. Trotz Zusagen der Kanzlerin in der Live-Sendung, die Angelegenheit zur „Chefsache“ zu machen, hat sich seither wenig zum Positiven verändert. Seit Jahren stemmen Hunderttausende Ärzte sowie Millionen vielfach schlecht bezahlte Pfleger mit maximalem Einsatz das Gesundheitswesen in Deutschland. Sie sind die Berufsgruppe, die sich auch in dieser Jahrhundertkrise dem höchsten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sieht. Ob unter diesem Gesichtspunkt 500 Euro Bonus für Pflegekräfte, wie ihn der bayerische Ministerpräsident Söder in Aussicht gestellt hat, in der Höhe angemessen sind, sei dahingestellt. Für das Pflegepersonal selbst wäre angesichts des sehr hohen Infektionsrisikos eine ausreichende Versorgung mit medizinischer Schutzausrüstung wahrscheinlich mindestens ebenso wichtig.

Denn hier mangelt es an allen Ecken und Enden. Die Versäumnisse liegen eindeutig bei der Politik. Im Februar 2020 hat Bundesaußenminister Maas betont, dass „Deutschland beim Kampf gegen die Corona-Epidemie fest an der Seite Chinas steht und den Betroffenen konkret helfen werde“. Ganz konkret hat Deutschland auf Veranlassung des Außenministeriums daraufhin wichtige Schutzausrüstung an China geliefert, an dem es Ärzten und Pflegenden hierzulande heute erheblich mangelt. Der erste bestätigte Corona-Fall trat in Deutschland bereits Ende Januar 2020 auf. Angesichts der Erfahrungen aus China sollte jedem weitsichtigen Politiker bereits zum damaligen Zeitpunkt bewusst gewesen sein, wie hoch die Verbreitung und das Ansteckungsrisiko dieses neuartigen Virus ist und dass es höchste Zeit gewesen wäre, das angestaubte Pandemie-Notfallkonzept aus der Schublade zu holen. Ärzte und Pflegepersonal müssen diese politischen Versäumnisse nun mit ihrem Gesundheitsrisiko ausbaden. – Alfred Kastner

Eine Verkäuferin verdient durchschnittlich monatlich Vollzeit knapp 1.640 € brutto (Sachsen) bzw. 2.472 € in Baden-Württemberg. €. Verdienen Redakteure für dieselbe Arbeitszeit bei der ZEIT tatsächlich zwischen 8.200 und 12.360 € brutto, wie in Ihrem Artikel behauptet? – Christiane Falscheberufswahl Biebricher

Wie wäre es, wenn die Arbeitgeber von „systemrelevanten Berufsgruppen“ – zumindest während der Coronakrise – bereit wären, die Pausen der Angestellten als bezahlte Arbeitszeit zu definieren? Das wäre ein wirklicher Dank, während mir das Klatschen vom Balkon als purer Zynismus erscheint. Abgesehen davon, kann ich mir gut vorstellen, dass die Pausenzeiten gar nicht eingehalten werden können, wobei sie aber weiter auf arbeitsrechtlicher Grundlage abgezogen werden – armes Deutschland! Eine Erhöhung der Pausenzeit bei extremem Stress auf zweimal eine halbe Stunde innerhalb von acht Stunden Arbeitszeit wäre zudem mehr als angemessen. So könnte man die Kraft derer, die noch da sind erhalten. – Karoline Dichtl

In meinen Augen ist das wirkliche Thema in einem knappen Fragesatz am Ende des Artikels versteckt: „Kann sich diese Gesellschaft Profite im Gesundheitswesen noch leisten?“ Darüber hoffe ich sehr bald Näheres zu lesen. Ich denke und hoffe, die Antwort wird „nein“ lauten. – Ulf May

Nein, die Pfleger/-innen und Ärzte/-innen sind keine plötzliche Elite. Sie sind die Infanterie, die sich wie in jedem Krieg aus den weniger gute Verdienenden rekrutiert und in der vordersten Reihe kämpft und geopfert wird. In diesem Zusammenhang sei zu erwähnen, dass im Januar, also einen Monat bevor die Virusinfektionen EU-weit eskalierte, die EU- Kommission den Mitgliedsstaaten angeboten hatte eine gemeinsame Beschaffung von Schutzmasken, Testkits und Beatmungsgeräten zu organisieren. Aus Protokollen die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen haben die EU- Mitglieder dies abgelehnt. https://www.derstandard.de/story/2000116447687/eu-sitzungsprotokolle-regierungschefs-lehnten-eu-hilfe-abDas ist ein ignorantes und fahrlässiges Verhalten was an Körperverletzung grenzt, insbesondere da eine Studie im Auftrag der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 den Pandemienotfall und die Auswirkungen deutlich beschrieben hat. Es wirkt hilflos und peinlich, wenn sich der Gesundheitsminister vor einer Lieferung mit Schutzausrüstung filmen lässt. Hoffentlich machen die Gewerkschaften beim Wiederhochfahren der Wirtschaft ordentlich Dampf, dass die Beschäftigten im Gesundheitswesen, an den Kassen der Supermärkte, die Paketzustellern und Postboten – also die Systemrelevanten – mehr im Beutel haben und nicht mit einem billigen Orden abgefertigt werden oder die toten Helden ein Denkmal bekommen. Was ist mit den Hinterbliebenen der toten Ärzte und Krankenpfleger-/innen. – Arnold Maiwald

Ihrem Artikel stimme ich in wesentlichen Punkten zu. Sicherlich sind die Leistungsträger in der Corona Krise (Kranken-/AltenpflegerInnen, LKW-FahrerInnen, KassiererInnen, RaumpflegerInnen und viele andere mehr) zu schlecht bezahlt und einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Auch hat die politisch gewollte Ökonomisierung des Gesundheitswesens zu dessen Qualitätsminderung beigetragen. Trotzdem haben mich die teilweise undifferenzierten Äußerungen in Ihrer Darstellung verwundert. Der Tenor des Berichtes lässt sich mit den „bösen Reichen“ (Ausbeuter) und den „lieben Armen“ (Opfer) beschreiben. Bezüglich der häufigeren Krankschreibung der Altenpflegerin könnte es doch auch sein, dass sich die Ärztin trotz ähnlicher Beschwerden weniger oft krankschreiben ließe... Zudem bedeuten fünf Jahre Studium nicht generell ein bis zur Rente fünffach erhöhtes Gehalt. Die vermehrten Vorerkrankungen im unteren Drittel der Gesellschaft hängt nicht allein mit ungesünderen Arbeitsbedingungen zusammen.

Vermehrter Konsum von Nikotin, Fast Food, Alkohol, Fernsehen mit wenig Bewegung sowie Übergewicht fördern bekannterweise die Entwicklung von Herzkreislauferkrankungen und Diabetes. Ein gesunder Lebensstil ist nicht teuer und muss nicht vom Einkommen abhängen. Körperliche Bewegung gibt es umsonst und eine gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse aus heimischen Gebieten ist nicht kostspieliger als der Erwerb von Fertiggerichten sowie salz-und zuckerhaltigen Snacks. Der Respekt seinen Mitmenschen gegenüber ist für das Durchstehen dieser Krise besonders wichtig. So wird es in diesen Tagen sicherlich auch die ein oder andere Frau geben, die (wie Sie es nennen, sich aus dem Patriarchat heraus gekauft hat) ihre Haushaltshilfe freistellt und trotzdem weiter bezahlt. Ich wünsche mir ein Verlassen des Schubladendenkens und eine Berichterstattung mit weitem Herzen und klarem Verstand. – Roswitha Melching

ZEIT-Redakteure, im Wohlstand lebend, bei denen sich alte linke Ideen mit schlechtem Gewissen paaren, schreiben über Kassiererinnen, Paketboten, LKW-Fahrern, die sicherlich nicht zu ihrer Lebenswelt zählen. Heraus kommt Ideologie. Wieder einmal wird die ausgebeutete Krankenschwester mit der erbärmlichen Entlohnung zitiert. Aus Sicht sehr gut verdienender Redakteure mögen 2000€ netto für eine ledige Berufsanfängerin ein Hungerlohn sein, für eine Friseurin ist es ein Traumgehalt. Es kommt wohl auf die Perspekive an. Gute Entlohnung ist ein Grund, warum der Pflegeberuf in Deutschland so stark verbreitet ist. Wenn der Bedarf trotzdem nicht gedeckt werden kann, dann liegt es sehr am Arbeitskräftemangel, von dem auch viele andere Berufe betroffen sind. Es liegt auch am hohen Frauenanteil, weil viele nach dem ersten Kind ganz aus dem Beruf ausscheiden oder erst nach einiger Zeit, dann gerne in Teizeit, wieder einsteigen.

Ein anderer wichtiger Grund ist, daß die meisten Häuser nur Abiturienten für die Ausbildung annehmen, von denen viele bereits während dieser Zeit wissen, daß sie anschließend studieren werden. Grund für den Ausstieg sind nicht schlechte Gehälter, sondern besonders die schlimmen Arbeitszeiten: regelmäßig 12 Arbeitstage am Stück, steter Wechsel zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst, Sonn- und Feiertagsarbeit, das Einspringen an freien Tagen. Die Aussage, daß diejenigen, die den Job „trotzdem“ machen, ein „zu großes Herz“ haben, würde bei Pflegeteams zu großem Gelächter führen. Über den Umgang von Journalisten mit Statistiken wundere ich mich häufig: das Gefühl, sich krank zu fühlen, sagt nichts über das tatsächliche Bestehen einer Krankheit aus; Krankschreibung bedeutet nicht Kranksein, so wenig wie Nichtkrankmeldung Gesundheit (gerade Ärze schleppen sich oft krank zum Dienst); verbreitete Krankheiten monokausal auf die Berufstätigkeit zurückzuführen ist erschreckend undifferenziert. – Karl-Heinz Eckert

Einen Aspekt haben die Autoren in ihrem kenntnisreichen und plausibel argumentierenden Artikel vergessen: das Corona-Virus tötet zu zwei Dritteln Männer. Man könnte dies angesichts der be- klagten „Ausbeutung der Frauen“ – im alttestamentarischen Sinne – als göttliche Gerechtigkeit interpretieren. Oder, als Atheist, im Camus ́schen Sinne als absurd. – Prof.Dr.med.Ulrich Krause

Bravo! Das ist ein wunderbarer Artikel. Jetzt sollen wir Herz zeigen, aber doch nicht nur mit einer einmaligen Bonuszahlung. Sie erscheint fast beschämend angesichts der Leistungen dieser Menschen und der Verantwortung, die sie tragen. Hoffentlich wird sie nicht als eine Art Ablass gesehen und danach bleibt alles beim Alten. Hoffentlich bewahren wir die Wertschätzung in Erinnerung und sie führt langfristig zur besseren Bezahlung. Sonst müssten Sie den Artikel fast noch einmal veröffentlichen. – Susanne Albrecht

Jürgen Osterhammel – Die Verwandlung der Welt: „Die im Rückblick oft verklärte dynamische Stabilität der Belle Epoque vor 1914 beruhte auch darauf, dass die arbeitende Bevölkerung einer Disziplin unterworfen war, wie es sie im 20. Jahrhundert ausserhalb totalitärer Systeme nicht mehr geben würde.“ Offensichtlich hat der moderne Kapitalismus subtilere und effizientere Methoden gefunden, die arbeitende Bevölkerung zu disziplinieren. – Peter Pielmeier

Whouw, die ZEIT wird links – willkommen im Club. Ja das mit der „Leistungsgerechtigkeit“ war schon immer Ideologie. Nicht nach Leistung wird bezahlt, sondern nach dem Wert der Leistung im Markt. Deshalb sind wir keine Leistungsgesellschaft sondern eine Marktgesellschaft. Und die Realos wissen: „Der Markt ist ungerecht“ (Professor Werner Sinn) aber er sei eben viel effektiver als alle Alternativen. Und ihr Herr Rudizco weisst ja auch regelmaßig statistisch nach, dass es allen immer besser geht. – Dieter Herrmann

Zu recht fragen Robert Pausch, Elisabeth Raeter und Bernd Urich: «die Wichtigsten kriegen also am wenigsten?». Allerdings, höhere Löhne reichen nicht. Zwar haben die im Artikel genannten selbstlosen Helfer ihren Beruf gewählt, weil er für sie die attraktivste vorhandene Wahl war. Folgt auf die Corona-Krise eine Rezession und damit eine steigende Arbeitslosigkeit, wird vermutlich ein Pflegeberuf gegenüber Taxilenken oder Haareschneiden an Attraktivität gewinnen. Vorrangig ist es aber nötig, die Arbeitsbedingungen durch Schaffen von genug Stellen attraktiver zu gestalten. Durch Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze erhöht sich die Nachfrage nach Arbeitskräften. Durch die Selbstregulierung des Marktes, müssten dann auch die Löhne steigen.

Im Artikel wird anhand von Beispielen gefragt «wird das Biologische durch das Soziale überformt?». Ganz «überformen» lässt sich das Biologische aber wohl doch nicht: Fast doppelt so viele Männer wie Frauen sterben durch Corona. Nachdem Frauen älter werden und ärmer sind und nachdem Corona Alte und Arme stärker trifft, sollte man eigentlich eher das umgekehrte Verhältnis erwarten. Das dem nicht so ist, liegt vielleicht am Sozialen. Wenn man schon beim Thema «Elite» ist: Selbst Nobel-Preisträger leben im Durchschnitt länger als ihre Fach-Kollegen, auch wenn diese Vergleichbares geleistet haben. Könnte es auch sein, dass ein ähnlicher sozialer Effekt (der zu mehr Ausgeglichenheit führt) die grössere Stabilität von Frauen bewirkt? Dies darf natürlich nicht als Vorwand für ungleiche Löhne genutzt werden.

Die Autoren des Artikels stellen zu Recht fest, dass «Leistungsunterschiede» nicht allein massgeblich für gutes Einkommen sind. Dieses beruht oft auf Glück oder dem durch den technischen Fortschritt geförderten Prinzip «The winner takes it all». Allein das schon rechtfertigt Transferleistungen. Es ist aber auch sinnvoll, wenn Leute mit Geld, dieses auch für Wellness oder sogar Schönheitschirurgie ausgeben. Das gibt Arbeitsplätze und wenn eine Pandemie zum Schliessen der entsprechenden Installationen führt, können diese als dringend benötigte medizinische Ressource genutzt werden. – Gernot Gwehenberger

Ich danke Ihnen ausdrücklich für diesen höchst überfälligen Beitrag. Der Mindestlohn, immer wieder diskutiert, niemals aber mit -buchstäblich- erträglichen Resultaten für Millionen Betroffene. Es braucht schon eine schlimme Corona-Krise, um uns vor Augen zu führen, wie asozial in Deutschland mit Blick auf beachtlich große Bevölkerungsanteile gewirtschaftet wird. Ein allgemeiner Mindestlohn in Deutschland seit 1.1.2020 in Höhe von 9,35 Euro: eine Lachnummer. Als selbständiger Gut- Verdiener, der -grundsätzlich gerne- sehr viel Steuern zahlt, habe ich mich für unseren Mindestlohn schon immer geschämt. Und zwar keineswegs aus theoretischen Überlegungen heraus, sondern weil ich wiederholt sogenannte „Niedriglohn-Branchen“ von innen kennengelernt habe. Unglaublich, was Beschäftigte in diesen Branchen (Gesundheit, Pflege, Logistik, Einzelhandel, Dienstleistungen, etc.) einerseits leisten, andererseits aushalten.

1000-1100 € netto, davon 60-70% Miete, da macht das Leben doch richtig Spaß, da stehen wir auch -oftmals zu unmöglichen Zeiten- hoch motiviert auf, um zur Arbeit zu gehen. Und: Die Vorfreude auf den Ruhestand wächst mit jeder Lohnabrechnung! Das von Norbert Blüm in die Welt gesetzte und bis heute gebetsmühlenartig von Politikern aller Lager repetierte Mantra „Die Renten sind sicher“, ich kann es nicht mehr hören. Freilich sind sie sicher, fraglich ist nur, für wen, wann und in welcher Höhe. Die Bezeichnung „Niedriglohn-Sektor“, diese Entpersonalisierung eines großen gesellschaftlichen Problems, ist mitverantwortlich für unser aller Beteiligungslosigkeit, unsere Verdrängungs-Mechanismen, impliziert sie doch gewissermaßen, dass in diesem Sektor Arbeiten verrichtet werden, die nicht besonders wertzuschätzen sind, da – schlecht bezahlt.

Nun, erst also in der Corona-Krise und mitten in der Schlacht ums Klopapier an der Supermarkt- Kasse, wird uns der fundamentale Irrtum vor Augen geführt, „systemrelevant“ sei er, dieser Sektor. Wir reiben uns die Augen, betroffen, ertappt, haben wir doch zu lange weggeschaut, es uns in unserem Komfort-Kokon arg zu gemütlich eingerichtet? Im Ergebnis ist klar: Politiker und Vertreter von Tarifparteien, die den adressierten, schon langjährig bestehenden Einkommens- und Wertschätzungs-Schiefstand in unserem Land nicht -endlich- umgehend lösen, verlieren für immer jedwede Glaubwürdigkeit, und – nicht betroffene Bürgerinnen und Bürger sollten sich darauf einstellen, dass gerechter Lohn für die „Systemrelevanten“ auch Veränderung im eigenen Lebensumfeld bedeutet. – Lothar Hiese

Es bedarf als der Corona-Krise, damit gut bezahlten Journalisten bewusst wird, dass sie nicht zwingend „sys- temrelevant“ sind; dass systemrelevante Berufe zu oft schlecht bezahlt und dazu noch zu oft von Frauen ausgeübt werden. Die Ergebnisse einer jüngeren Studie des RKI können wohl kaum überra- schen. Mögliche Konsequenzen, die daraus gezogen werden könnten: Fehl- anzeige. (Gleichermaßen gilt dies für eine RKI-Risikoanalyse aus dem Jahr 2012. Diese wurde als BT-Drucksache veröffentlicht, ist also allen systemrele- vanten Entscheidungsträgern bekannt: getan wurde nichts.) Wer nicht mit verbundenen Augen einkaufen geht, dem sollte schon auffallen, wer hinter den Tresen steht.Wer putzt eigentlich Ihre Büros im Helmut-Schmidt-Haus? Das viele Frauen auch zu Hause kochen, putzen, waschen usw. ist auch nichts Neues, wird bei Ihnen kaum anders sein, es sei denn, es macht die Putzfrau (würde mich bei Ihnen auch nicht wundern). Ja, wer muss verzichten, wenn andere mehr verdienen sollen? Vielleicht die nicht so systemrelevanten! Aber das könnte einen dann selbst treffen. Oder sind Sie drei etwa im Nachgang zur Krise bereit, auf einen Teil Ihres Einkom- mens zu verzichten, damit die, die auch weiterhin die „Dreckarbeit“ machen müssen, mehr verdienen können?. Alles das, was Sie angesprochen haben, hätte schon viel früher auch in der Zeit thematisiert werden können. Aber dazu bedurfte es der Krise. Infolgedes- sen eignet Ihrem Beitrag schon ein nicht unerheblicher Zynismus. – Michael Meyer

Mehr Geld für alle Pflegekräfte !!! – Jürgen Brockschläger

In Ihrem Beitrag werden u.a. Paketzusteller als systemrelevant eingestuft. Auf S. 7 findet sich eine Werbung der DHL, in der sich Zustellerinnen und Zusteller an uns wenden: „Wir sind für Euch da! Bleibt für uns zuhause!“ Wir haben prä-Corona sehr wenig bei Internetshops bestellt. Diese Zeiten erfordern aber nun ein Umdenken, auch bei uns. Da diverse Branchen nun geschlossen sind, müssen wir mit einer Paketlieferung vorlieb nehmen. Am 02.04.2020 sollten wir also ein Paket erhalten. Wie so viele andere waren wir den ganzen Tag zu Hause. Der Zusteller hat unser Paket aber nicht zugestellt, sondern gegen 18:00 in einem knapp drei Kilometer entferntem Paket-Shop abgeliefert. Eine Benachrichtigung lag nicht im Briefkasten, was ein Indiz dafür ist, dass der Zusteller gar nicht bei uns vorgefahren ist. Es sprechen nun zwei Indizien dafür, dass dies nicht aus einer Bequemlichheit des Zustellers heraus geschah, sondern der Zusteller schon mit einem nicht zu bewältigendem Paketaufkommen in die Tour gestartet ist.

Erstens: Der Angestellte des Lebensmitteleinzelhandels, in dem der Paket-Shop sich befand, musste lange im Lager nach dem Paket suchen. Es waren sehr viele Pakete dort gelagert. Zweitens: Es gibt wesentlich näher gelegene Paket-Shops sowie eine Packstation und eine Postbank mit Postfiliale in der näheren Umgebung unserer Wohnung. Diese Indizien sprechen stark dafür, dass der Zusteller die Tour mittendrin einfach abbrechen musste und die Pakete in dem Paket-Shop abgeliefert hat, der gerade auf seiner Tour lag – und sämtliche Empfänger waren und sind nun gezwungen, die Pakete dort abzuholen. Wir haben das Glück, gesund und gut zu Fuß zu sein. Aber eine Infektion mit dem Virus kann für alle Altersgruppen, unabhängig von Vorerkrankungen, lebensgefährlich sein. Es ist in diesen Tagen unverantwortlich, eine kontaktfreie Lieferung an die Haustür zu unterlassen. Es ist unverantwortlich und auch unnötig, den Empfängern einen persönlichem Kontakt mit Personal aufzubürden, das den ganzen Tag lang Kontakt mit Menschen hat, die potentiell einen symptomfreien, aber ansteckenden Verlauf von Covid-19 haben.

Und dann lese ich in der Zeit, auf Seite 7, die warmen Worte der DHL: „Wir sind für Euch da! Bleibt für uns zuhause!“ Der Appell ist ja richtig, aber offenbar hakt es bei der DHL ganz gewaltig. Die Debatte um die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung in den neu entdeckten systemrelevanten Berufen darf nicht in die post-Corona-Ära vertagt werden. Sie muss jetzt stattfinden. Dies ist kein Themna, das der Markt regelt. Im obigen Beispiel ist die einzig logische Konsequenz, mehr Personal einzustellen und dieses bei der Gelegenheit auch anständig zu bezahlen, denn systemrelevante Berufsgruppen müssen auch dementsprechend entlohnt werden. Ich für meinen Teil bin gerne bereit, dafür einen höheres Porto zu bezahlen. Analog gilt dies natürlich für alle anderen unterbezahlten Berufe, die jetzt als systemrelevant entdeckt werden. – Andreas Brosche

Mit welcher Wucht sich nun auch die Zeit unter der Federführung von Bernd Ulrich an die Kapitalismuskritik begibt ist bedauerlich. Ist das Gesundheitssystem in irgendeinem sozialistischem Land besser als bei uns? Wollen wir wieder DDR Verhältnisse mit staatlich regulierter Ungleichheit? Wenn ein Land die Krise gut meistert dann die BRD mit ihrer sozialen Marktwirtschaft. – Peter Knappmann

Es ist von den drei Autoren sehr verdienstvoll, die stillen Helden unserer Tage ins Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stellen. Man kann nur hoffen, dass dem Beifall auf den Balkonen und den einmaligen Bonus-Zahlungen an Krankenschwestern, Pflegekräfte und Supermarktkassiererinnen eine nachhaltige Reform der Gehaltsstrukturen erfolgt. Die Menschen in diesen Berufen müssen auskömmlich verdienen, um nicht auf zusätzliche Transferleistungen angewiesen zu sein. An einem Punkt neigt der Artikel zu einer kurzschlüssigen Argumentation, wenn er sich der Denkfigur des 19. Jahrhunderts bedient: „Wenn du arm bist, musst du früher sterben.“ Armut allein ist jedoch kein krankmachender Faktor. Unter den Armen finden sich mehr Menschen, die rauchen, dem Alkohol zugetan sind, sich ungesund – ohne Obst und Gemüse – ernähren und wenig Sport treiben als in der sozialen Mittel- und Oberschicht.

Wenn all diese Risikofaktoren zusammenkommen, ist die statistische Häufigkeit zu erkranken ungleich höher als bei Menschen, die gesundheitsbewusst leben. Ich habe als Lehrer an einer Gesamtschule und an einem Gymnasium unterrichtet. An der Gesamtschule war der Anteil rauchender Schüler doppelt so hoch wie am Gymnasium. Wir haben in der Lehrküche Kochkurse für Schüler angeboten, um ihnen eine gesunde Ernährung vorzuführen – in der Hoffnung, sie möchten diese Erkenntnisse an die Eltern weitergeben. Armut erlaubt keinen Dispens von der Eigenverantwortung für Leben und Gesundheit. Natürlich muss Armut immer gemildert werden – zumal in unserer reichen Gesellschaft. Die materielle Besserstellung allein verbürgt jedoch noch nicht die Korrektur eines gesundheitsgefährdenden Lebensstils. Eine allgemeine Volkserziehung täte not, um auch die soziale Unterschicht mit einer gesunden Lebensweise vertraut zu machen. – Rainer Werner

Ihre Analyse „Plötzlich Elite“ (Die Zeit: 15/2020) beschreibt die Situation treffend. Noch besser wäre es aber, in Ihrem letzten Absatz zu erfahren, was Sie in dieser konkrete Situation vorschlagen oder zu tun gedenken – oder anders gesprochen, einen Aufruf „an die Stuckviertel der Republik“ zu lesen: „Es scheint so, als könne sie, wenn diese Krise irgendwann vorbei ist jedenfalls nicht einfach zu einer Normalität zurückkehren, die zu diesen Ausnahmezustand beigetragen hat“. Daher: bezahlt Eure Friseure auch ohne, dass sie Euch die Haare schneiden, bedenkt die Pfleger Eurer Eltern mit einem Obolus, gebt den Paket und Pizzaboten – endlich wieder – Trinkgeld – und applaudiert dann. –Annette Sach-Paschen

Deutlich wie nie zuvor zeigt sich in der aktuellen Ausnahmesituation, wie im Artikel treffend beschrieben, die Diskrepanz zwischen „systemrelevanten“ Berufen mit „wirklicher“ Wertschöpfung und solchen, in denen man sich als „Systemvirtuose“ auch problemlos aus dem Homeoffice der schlichten Wohlstandsverwaltung weiter widmen kann. Was können wir aus dieser nun offen zu Tage tretenden Beobachtung lernen, damit wir „nicht einfach zu einer Normalität zurückkehren, die zu diesem Ausnahmezustand beigetragen hat“? Unsere Gesellschaft täte gut daran, alle ihre Mitglieder diese beiden beruflichen Bereiche zugleich ausfüllen zu lassen. Dies erfordert sowohl ein Umdenken in der Lebensführung als auch einen arbeitsmarktpolitischen Umbau: Es muss weniger erwerbsmäßig (systemvirtuos) gearbeitet und wieder mehr häuslich (systemrelevant) getan werden. Davon massiv profitieren würde auch die geschundene Ökosphäre, die in den letzten Wochen eine nie dagewesene Entlastung erfahren hat. Es wird darauf zurückzukommen sein, wenn die Debatte um die Klimakrise wieder neu Fahrt aufnehmen wird. Autor des Buchs „Teilzeitwelt“: – Michael Wenzel

„Bis dann der Arzt kommt“, d.h. bis zum Überdruss feiern; das geht nun nicht mehr, Dank Corona, Dank unserer Politiker und Dank unserer Ärzteschaft. Einige dieser Mediziner sind allerdings ständig, als „Über-Experten“ und/oder als Besserwisser, in den sozialen Medien dauerpräsent. Ärzte geloben sich in den Dienst der Menschheit zu stellen; sie sollen ihren Beruf mit Gewissenhaftigkeit und mit Würde ausüben. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit ihrer Patienten soll das oberste Gebot ihres Handelns sein. Früher nannte man dieses Arztgelöbnis den „Eid des Hippokrates oder Hippokratischer Eid“ nun heißt das ganze „Genfer (Ärzte-)Gelöbnis“! Diese „Götter in Weiß“ haben oft sehr schwerwiegende ethische und moralische Entscheidungen zu treffen, die eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gehören, und somit auch dort nicht zu diskutieren wären! – Riggi Schwarz

Angst in Zeiten von Corona.

Angst und Furcht lässt sich nach Sigmund Freud anhand des Objektes unterscheiden, an welchem sie sich aufschwingt, einem in die Glieder fährt oder einen auch als Phantasie einholt. Angst und Furcht zwingen sich uns auf, ohne dass es möglich wäre, sich diesem Geschehen zu entziehen. Das beschreibt zum einen die Macht, mit der sich die Angst ausbreitet. Zum anderen beschreibt es aber auch, und das war Freud wichtig zu klären, ob es ein gut klassifizierbares Objekt gibt, an das die Angst gebunden ist, oder nicht. Und bei einer Angst, die ihre Ursache nicht oder wenig kennt, spricht er dann im eigentlichen Sinn von Angst. Dem gegenüber nennt er die Angst, die sich in Menschen ausbreitet und die ihren Auslöser gut kennt, Furcht.

Diagnostisch hat sich dies unter anderem in der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD 10) niedergeschlagen, in welcher Phobien – ein der Furcht naher Anverwandter – unter F 40 in fünf Erscheinungsformen differenziert werden. Nach der klaren Spezifik des Objektes, z.B. Mysophobie F 40.2, der Angst vor Ansteckung, z.B. durch ein Virus, geht es im folgenden Kapitel unter F 41 mehr um die Angst, welche in den Bereich der menschlichen Reaktionen fällt, denen keine eindeutige Ursache zugrunde liegt. So ist z.B. die Generalisierte Angststörung (F 41.0) als generalisiert und anhaltend charakterisiert. Sie ist zudem nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr „frei flottierend“.

In Bezug auf unsere gegenwärtige Situation ließe sich sagen, dass diese Einleitung vor allem dann wichtig ist, wenn es um die politische Einschätzung der Angst im Kontext der Corona-Pandemie geht. Eine solche Einschätzung müsste der Bevölkerung gut und nachvollziehbar erklären, dass eine langsame und graduelle Aufhebung der Eindämmungsmaßnamen zum Schutz vor Corona zwar ein wenig Angst machen darf, aber es keinen Grund für eine gleichsam kollektive Phobie gibt. Das viel beschworene Bild, zu Hause bleiben rettet Leben, welches bei einer solchen Veränderung neben der Angst vor individuellem Sterben auch das Gefühl von Schuld am Tod anderer aktivieren kann, müsste ersetzt werden durch, wenn Sie sich bei guter Gesundheit anstecken und überleben, tragen Sie zu einer Herdenimmunität bei und retten Leben.

Aber ist das für die Menschen nachvollziehbar? Was in den letzten drei Monaten passiert ist, lässt sich ja auch ganz anders verstehen, z.B. wie folgt: Die durch die Welt gehenden Bildern vom Bau eines Krankenhauses durch den chinesischen Staat in Wuhan in nur sechs Tagen haben in der Welt eine beispiellose Angst ausgelöst. Dabei haben ikonographische Bilder und wirkmächtige Gedanken ihre Kraft entfaltet. Neben den Bildern aus Wuhan ist sicher das Bild von den zwei Kurven mit dem Appell flatten the curve um die Welt gegangen. Aber auch der schon zitierte Appell zu Hause bleiben rettet Leben ist an Wirksamkeit kaum zu überbieten, weil in ihm ein Ausweg aus der Angst vor der individuellen Ansteckung als Heldentat und Akt der Solidarität geboten wird. Sich dem Appell zu entziehen, macht schuldig, was an den sogenannten „Corona-Partys“ und der von ihnen ausgelösen medialen Schelte gut zu beobachten war.

Etwa zeitgleich zu den „Corona-Partys“ spitzte sich im nördlichen Italien die Lage in den Krankenhäusern deutlich zu und es kam zu einer ersten Gegenüberstellung zwischen tendenziell unsolidarischen jungen Menschen und der nun klarer klassifizierbaren älteren Bevölkerung, die als schützenswerte Gruppe sichtbar wurde. Vereinzelte Aussagen, dass nun auch jüngere Menschen sterben würden, kann als Botschaft fühlt euch bloß nicht zu sicher verstanden werden. Diese Aussagetendenz gipfelte in dem Zitat von Madonna Corona hat uns alle gleich gemacht . Aber es ist an vielen Stellen mittlerweile sehr klar geworden, dass Corona in keiner Weise alle gleich macht. (Vergleiche hierzu den Artikel „Plötzlich Elite“ von Pausch, Raether und Ulrich in der ZEIT vom 02.04.20 .)

An dieser Stelle, so scheint es mir, gibt es nun drei Möglichkeiten des Umgangs mit der Pandemie. Die erste wäre, sich weiter Gedanken zu machen, in wie weit sich die von Angst getriebene Dynamik politischen Handelns global weiterentwickelt hat. So ließe sich z.B. nachzeichnen, in wie weit sich D. Trump oder B. Johnson noch während der Zuspitzung in Italien und Spanien in der Attitüde des starken Mannes als „Pandemie-Leugner“ in Szene setzten und wie sie nun, um ihre Wiederwahl bzw. ihren Machterhalt bangend, zwischen blaming the others und populistischen Feldherrengesten schwanken. Bei diesen Beobachtungen könnten wir viel über die Politik des Machterhalts, aber auch über Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts lernen. Dafür scheinen mir aber Soziologen und Politologen besser geeignet als der Psychologe.

Das zweite Problemfeld betrifft den Bereich Statistik, also die Frage, wie viele Menschen sich denn nun wirklich angesteckt haben, wie viele davon keine Symptome haben, wie viele leichte bis mittlere Krankheitsverläufe zeigen, wie viele schwer erkranken und wie viele sterben. Dabei sind bisherige Kennziffern leider häufig zu unbestimmt. Wenn z.B. in Berlin ein 42-jähriger Mann nach zuvor mehreren über 80-Jährigen stirbt , dann ist das tragisch, aber vor dem Hintergrund tiefgreifender Vorerkrankungen etwas, was in den „Systemzusammenhang Natur“, in welcher das Sterben Teil des Kreislaufes ist, gehört. Und wenn medizinische Befunde nicht einmal klar differenzieren zwischen an Corona verstorben oder mit Corona infiziert aber an einer anderen Ursache, z.B. Alter, verstorben, dann muss vor allem festgehalten werden, dass solch ungenaue Zahlen objektiv den Zweck erfüllen, die Angst vor Ansteckung zu schüren. Auf diese Zusammenhänge haben vor allem Wodarg, Bhagdi und Mölling hingewiesen. Ob ihre Argumente wirklich durch die medial deutlich präsentere und politisch wirkmächtigere Meinung von Drosten und Wieler entkräftet sind, kann ich nicht klären helfen, da ich weder Virologe, Immunologe noch Epidemiologe bin.

Aber was kann ich als Psychoanalytiker, der viel mit Gruppen in systemischen Kontexten gearbeitet hat, klären helfen? Dies scheint mir die dritte Möglichkeit zu sein. Und in gewisser Weise berührt sie die anderen beiden auch. Neben der auf Freud zurückgehenden Differenzierung der Angst in die schon beiden benannten Kategorien, hat er sich nämlich auch noch zu der psychischen Struktur des Menschen und zu der Frage, wie sie sich an der Angst entwickelt, Gedanken gemacht. Dabei kommt einer Beobachtung an seinem noch kleinen Enkel Ernst besondere Bedeutung zu. In seiner Schrift Jenseits des Lustprinzips beschreibt er ein Spiel seines Enkels mit einer Garnspule. Der Enkel wirft die Garnspule, an welcher noch ein Stück Garn befestigt ist, aus seinem Stubenwagen und zieht diese dann am Garn wieder zu sich zurück. Das Wegwerfen wird von einem eher Angst und Verlust signalisierenden Laut begleitet, das Zurückholen der Spule jedoch mit einem freudigen, vielleicht sogar Stolz signalisierenden Laut.

Die daraus abgeleitete Idee Freuds war es nun, dass der Enkel mit diesem Spiel einen Weg gefunden hat, die immer wieder eintretende Abwesenheit der Mutter symbolisch in den Bereich der eigenen Handlungs- und Kontrollmöglichkeiten zu holen. Um dies nachvollziehbar zu machen, müssen wir uns in die Phantasie eines Säuglings oder Kleinkindes versetzen und uns vorstellen, dass die Garnspule nicht nur die Mutter symbolisiert, wie das Wort Tisch einen realen Tisch symbolisiert. Vielmehr ist die Garnspule für Momente wirklich die Mutter und das Kleinkind ist plötzlich allmächtig und kann über einen langen Prozess der psychischen Symbolisierung den Verlustschmerz ertragen lernen. Es ist müßig, auf die vielen Hollywood-Filme hinzuweisen, die mit diesem Aspekt von All- und Ohnmacht spielen. Nur einer sei an dieser Stelle angeführt, cast away mit Tom Hanks. In diesem Streifen findet ein Überlebender eines Flugzeugabsturzes in einem Ball, auf welchem seine eigene Hand als blutverschmierter Abdruck prangt, ein symbolisches Gegenüber, mit dem er spricht und interagiert. Als er diesen „Anderen“, als er sich auf einem Floß über das Meer zurück in die „Zivilisation“ wagt, durch eine Welle verliert, wird wohl jeder Zuschauende den Verlustschmerz von einem zum Freund gewordenen „Anderen“ gespürt haben.

Dass die Figur, die Tom Hanks in dem Film verkörpert, sein phantasiertes Gegenüber loslassen kann, muss als Reifungsprozess verstanden werden. Übertragen auf das Spiel von Freuds Enkel ließe sich damit sagen, dass dieser irgendwann seine Garnspule gänzlich loslassen muss, um sich auf die Bindung zu anderen Menschen einlassen zu können. Psychologen nennen dies eine entlang einer intersubjektiv teilbaren Realität gelingende Selbstwirksamkeit und messen dieser einen nicht geringen Wert beim Erhalt psychischer Gesundheit zu. Poetischer kennt der Volksmund diesen Zusammenhang durch ein berühmt gewordenes „Gelassenheitsgebet“: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Worauf nun fokussiert sich der gegenwärtige gesellschaftliche Diskurs im Kontext der Corona-Pandemie? Das scheint wirklich ganz klar. Er fokussiert sich auf die Weisheit des RKI bzw. die von Dr. Drosten, dem Chef-Virologen der Charité. Aber, und das ist die zentrale Problematik dieses Textes, wurde eigentlich die Frage nach der Ursache der Angst genügend klar gestellt? Will man dem wirkungsmächtigen Diskurs im Moment glauben, scheint die Antwort klar zu sein. Mit einer beispiellosen Anstrengung wird die Abwesenheit eines Impfstoffes gegen das tödliche Virus ausgehalten. Und so lange es diesen nicht gibt, so lange sollten sich nur die Mutigsten und Gesündesten an eine Ansteckung heranwagen. Aber wenn sie das tun, dann ist ihnen der Heldenstatus gewiss. Aber könnte es nicht auch anders herum sein? Die Drohung, dass uns kollektiv die Überlebenschancen schwinden, erinnert an die Warnungen von Klimaforschern und Ökologen, dass dieser Prozess schon lange im Gange sei: durch die Klimaerwärmung, die Plastikberge in den Ozeanen, das Aussterben von über 70 % aller Insekten in den letzten 50 Jahren und den beispiellosen Rückgang der Artenvielfalt auf unserem Planeten. Wäre es nicht denkbar, dass diese Prozesse als Auslöser einer namenlosen Angst, als latente generalisierte Angststörung verstanden werden können, die sich nur nicht in Panik ausdrückte, weil durch die schleichenden Prozesse der Umweltzerstörung unser aller Leben nicht unmittelbar bedroht ist?

Aber seit Wuhan und der durch die dortigen Ereignisse ausgelösten Dynamik scheint es, als hätte die latente Angst vor der Naturzerstörung in ihr ein Ventil gefunden, um aller Angsterregung freien Lauf zu lassen. Und nach einer ersten Panik, die Greta Thunberg vielleicht gefreut hätte, sind wir nun dabei, der Anwesenheit von etwas Gutem, sozial distancing und shut down, und sozialverträglichen, realen Handlungsmöglichkeiten wie der Isolierung der diagnostizierbar Gefährdeten zu vertrauen. Gleichzeitig hoffen wir gleichwohl auf die Forschung, die unter extremem Zeitdruck an Medikamenten gegen Corona und an einem wirksamen Impfstoff arbeitet. Das wäre im Kontext psychischer Entwicklung die sich langsam einstellende Fähigkeit, im Subjekt sowohl Momente der Panik (Phobie) bei einem empfundenen, aber auch sehr realen Gefährdungszusammenhang auszuhalten und dabei maßvoll und regelkonform zu handeln. Schweden scheint da ein Vorbild zu sein. Und zudem könnten wir Zustände von namenloser Angst, wie sie einen vielleicht bei unvorbereitetem Sterben-Müssen ereilt, als etwas empfinden, dem wir uns hingeben müssen, weil es eben nicht zu ändern ist.

Wir könnten uns etwas in Erinnerung rufen, das, so Freud, uns alle gerade zum Beginn unseres Lebens immer wieder ereilt hat, wenn wir verlassen waren, was aber wiederum Motor für unsere psychische Entwicklung war. Und ob wir nun im Sinne von Rilkes Gedicht Herbst daran glauben, dass wir von einer höheren Instanz gehalten werden, oder ob wir im Sinne des Zen-Buddismus die Rückkehr des Subjekts in die Formlosigkeit annehmen, bleiben würde wenigstens eine über das Virus hinausreichende Angstbewältigung. Und vielleicht, wenn die Zahlen am Ende deutlich machen, dass es nicht nur um ein Virus ging, können wir doch die menschliche Handlungsfähigkeit, ausgelöst durch die Angst vor einer Katastrophe, für eine nachhaltigere Gestaltung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur nutzen. – Phillip Denzin

Dieser Artikel thematisiert einmal mehr, was immer öfter zu bedenken gegeben wird: die Ausbeutung der Frauen – zusätzlich nun auch mit dem Aspekt, dass Frauen sich gegenseitig ausbeuten. Leider bleiben die Autoren auch damit noch hochgradig kurzschlüssig. Sie reden ausschließlich von der Carearbeit als Erwerbsarbeit. Die in den Familien vor allem für die Kinder geleistete, unentgoltene Erziehungs- und Betreuungsarbeit wird nur nebenbei erwähnt, wenn von der „relativen Gleichberechtigung der bessergestellten Frauen“ die Rede ist, die diese Arbeiten an weniger glückliche Frauen weiterreichen“ und sich damit „aus dem Patriarchat herauskaufen“. Ja, der Friede zwischen den Geschlechtern ist prekär, auch in den Familien, was besonders in Zeiten von Corona Angst vor männlicher Gewalttätigkeit auslöst. Das ändert sich nicht, indem die Väter vermehrt die unbezahlte Familienarbeit übernehmen, was die Politik euphemistisch und irreführend als Weg zur Gleichberechtigung propagiert.

Mit nur einem Erwerbseinkommen ist das Familienbudget oft zu schmal, und Geldmangel wird zum Streitpunkt – auch ohne Corona! „Kinder sind Zukunft!“ Will sagen: „Mütter sind Zukunft!“, wobei Väter mitgemeint sind. Angesichts einer Fertilitätsrate von 1,4 statt der bestandserhaltenen 2,1 Kind(ern) pro Frau muss der Staat im Sinne seiner Verpflichtung zur allgemeinen Daseinsvorsorge für die Familien ein Zweiteinkommen organisieren, das die Familienarbeit dem Wert entsprechend honoriert, den sie für die Gesamtgesellschaft darstellt. Die Gleichstellung der Frauen nur unter der „Bedingung Erwerbsarbeit“ und die begleitende Gängelung der Eltern zur umfassenden Fremdbetreuung der Kinder durch tendentiell gebührenfreie Kitas führt zur Abschaffung der Familie. Das wird uns auf Dauer ungleich teurer zu stehen kommen als ein Erziehungseinkommen, das nach Lage der Dinge meist den Müttern zustehen und sie ein großes Stück einer wirklichen Gleichberechtigung näher bringen wird. – Gertrud Martin

Es bleibt zu hoffen, dass während der vielen Diskussionen über die Auswirkungen des Corona Virus auf das soziale Gefüge nicht die wirklich Systemrelevanten aus dem Auge verloren werden: die junge Heranwachsende Generation. – Dr. Achim Jaup

Leserbriefe zum Titelthema „Wie schützen wir die Schwachen?“ von Giuseppe Conte et al.

ZEIT: wie wir die Schwachen schützen. Hier ist eine mögliche VerAntwort: Wie schützen wir die Schwachen ? Indem wir selbst erwachen. Wir schwächelten im Geiste, als einst der Zug entgleiste. – Phil Michael Schauer Villanueva

Sie schreiben: „Alte und Kranke, Kinder und viele Kleinverdiener sind aus der Öffentlichkeit fast vollständig verschwunden.“ Darüber wundere ich mich, denn das stimmt überhaupt nicht. Die Supermärkte sind voll von 70+. Die klönen dort wie eh und jeh, fahren mit der dicken Karre vor und lachen sich über die politische Situation kaputt. Bitte gehen Sie mal raus, z.B. in einen REWE-Markt. – Bernhard Breskewiz

Umgang mit der Wissenschaft in Zeiten der Corona-Krise.

Für die bessere Lesbarkeit des Textes wurde auf gendergerechte Sprache weitgehend verzichtet. Mitmenschen jeglichen Geschlechts dürfen sich angesprochen fühlen. Ich bin Wissenschaftler, und mich erschreckt das Ausmaß gesellschaftlicher Widerstände, gegen die mein Berufsstand derzeit anzukämpfen hat. Zur Veranschaulichung skizziere ich ein Szenario für ein Gedankenexperiment: Was geschähe, wenn unsere Bäcker darauf hinwiesen, dass in Croissants Fett enthalten ist? Gäbe es dann selbsternannte Experten, die behaupteten, dies träfe nicht zu? Hieße es, in Frankreich möge dies vielleicht so sein, aber das hätte mit den dortigen Gegebenheiten zu tun? Würden hierzu Videos verbreitet, um dies zu untermauern? Schlössen sich gar einzelne Bäcker der Meinung an, unsere Croissants seien fettfrei, und fänden hiermit mehr Gehör als ihre Berufsgenossen, und was geschähe dann? Überzeugte dies den ohnehin systemkritischen Lehrer, der dieses für ihn plausible Wissen weitergeben würde – auch an diejenigen, die aufgrund von Übergewicht auf Croissants verzichten sollten?

Der vorige Paragraph sollte eine Idee dessen vermitteln, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerade erleben. Der Diskurs über den gesellschaftlichen Nutzen der Wissenschaft sollte nach der Corona-Krise mit aller Ernsthaftigkeit geführt werden. In Anbetracht der momentanen Notlage ist jedoch jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Wir wissen, was Deutschland bevorstünde, wenn wir zu zögerlich handelten. Wer dies öffentlich in Zweifel zieht behindert Menschen, die in diesen Tagen Hilfe leisten. Und ja, die Information darüber, wie die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen ist, ist die Hilfe, die unser Land gerade sehr dringend benötigt. Rettungskräfte beklagen seit langem, sie würden von Schaulustigen in ihrer Arbeit behindert. Nun verstehe ich, was das bedeutet. Insbesondere jetzt ist nicht die Zeit, falsche Informationen oder gar Verschwörungstheorien zu verbreiten. Diese sabotieren die Bemühungen meiner Kolleginnen und Kollegen, ihre Arbeit zu verrichten. – Dr. Bastian Hülsmann

Nachdem Monate mit unsinnigen Maßnahmen vergeudet wurden, stellen Sie richtigerweise die Frage „Wie schützen wir die Schwachen? „. Hätte man sich von Anfang an um diese Frage gekümmert, etwa indem man Heime und ihre Insassen abgeschirmt und den anderen Gefährdeten eine achtwöchige Kreutfahrt spendiert hätte, während alle anderen den Infekt durchlaufen hätten, wäre das Thema jetzt schon fast erledigt. Und das auch auf sehr preiswerte Art! – Manfred Schwartz

„Wie schützen wir die Schwachen?“ Bis zum Testergebnis werden bei ihren Besorgungen die unwissend Positiven ohne Atemschutz – hoffentlich mit Abstand – allen, ob jung oder alt, begegnen. Ist es nicht eine Zumutung, dass die führenden Politiker, anders als ein Großteil der Virologen, keine Empfehlung zum Tragen der Atemschutzmasken erlassen? Und dass sie keine Pflicht dazu ankündigten, bis sich alle solche Masken machen oder besorgen könnten? Wie wird auf uns „die App“ wirken, die uns im Dunkel beläßt, ob der/die Infizierte uns mit oder ohne Atemschutz begegnet ist? Für Begegnungen ohne COVID-19 Weitergabe – Andrej Hasilik

Ein Grauen, wieder nur Wiederholungen. – Hans-Emil Schuster

Ich zähle nicht zu Ihren Abonnenten, wohl aber zu denjenigen, die „DIE ZEIT“ nahezu allwöchentlich kaufen – und rechne damit zu Ihren regelmäßigen Lesern, ganz gleich, ob irgendwo in Deutschland, Österreich oder Frankreich. Nun bin ich angesichts Sars-CoV-2 zwangsläufig immobil und zum Daheim-Lesen veranlasst, eine neue, eine andere, eine durchaus wertvolle Erfahrung. Nun sehe ich mich genötigt, mich über „DIE ZEIT“ – genauer: über eine Redaktion zu empören, die sich der Wirkmacht ihrer Worte nicht mehr bewusst zu sein scheint: Da werden doch tatsächlich in der Ausgabe vom heutigen Tage, dem 2. April 2020, auf dem Titelblatt zwei Hände gezeigt, merkel-rautend schützend ein Haus formend, hinter dessen Fenster eine wohl ältere Frau zu lesen scheint. Und dazu der das Thema der Ausgabe bestimmende Titel „Wie schützen wir die Schwachen?“. Im Untertitel: „Ausnahmezustand in Deutschland: Alte und Kranke, Kinder und viele Kleinverdiener sind wie verschwunden. Was sie bewegt und was sie jetzt brauchen.“

„DIE ZEIT“ und ihre – Verzeihung – gedankenlose Redaktion setzt also neue Begriffe, die gesellschaftsverändernd wirken können, denn: Da sind „wir“ und da sind „sie“, nämlich „die Schwachen“. Also „Alte“, „Kranke“, „Kinder“, „viele Kleinverdiener“. Neue Apartheid? Oder bloß gedankenlose Anmaßung? Dass das neue Corona-Virus zunehmend eher Menschen jenseits des 5., 6. Lebensjahrzehnts dahinrafft und Männer eher als Frauen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern das eines mit zunehmendem Alter schwächer und unterschiedlich reagierenden Immunsystems. Man beachte: Nicht der ältere und gar der alte Mensch ist schwach, auch nicht die alte Frau oder der alte Mann per se, sondern etwas, das deren physische Konstitution bestimmt. Helmut Schmidt lässt grüßen! Ganz gewiss auch viele andere „Alte“, die Sie kennen, die vielleicht physisch nachgelassen haben, die Sie ansonsten aber als „ganz schön stark“ in anderer Hinsicht erleben und vielleicht sogar bewundern. Und das gilt ebenso für jüngere Kranke und Kinder; oftmals sind besonders starke Persönlichkeiten unter ihnen.

Sie alle, auch die Kleinverdiener, bedürfen keines paternalistischen Staates, schon gar nicht der paternalistischen Anmaßung Einzelner, geschweige denn einzelner JournalistInnen. Alte, Kranke, Kinder, viele Kleinverdiener sind nicht, sondern sie

können

– aus überaus vielfältigen Gründen – Gefährdete sein. Die allermeisten von ihnen aber werden selbstbestimmt bestimmen können, ob sie etwas benötigen und was. Das sollte dann nach Kräften bereitgestellt werden. Paternalistische Fürsorge hat bestenfalls dort seine Berechtigung, wo der Einzelne hilflos ist. Aber wer ist dann dieses „Wir“, das Sie verwenden? Der heil aus der Corona-Krise Hervorgegangene? Der junge gönnerhafte Schnösel? Die neue soziale Schicht der Corona-Partys Feiernden? Die im Gegensatz zu den Schwachen unbedingt Starken? Worte spiegeln Bewusstsein wider, auch ein falsches. – Ernst Ziemendorf

Ich war zunächst erfreut, als ich letzten Donnerstag nach dem Griff in den Briefkasten und einem Blick auf die Titelseite Ihrer Zeitschrift feststellte, dass Sie sich in der Titelgeschichte mit den Schwachen, Armen und Kranken in Zeiten der Corona-Krise beschäftigen. Doch hoppla! Was ist denn das? Da fallen mir doch wie üblich beim Aufklappen der Ausgabe die Beilagen entgegen: Eine (erneute) „Design-Ausgabe“ des ZEIT-Magazins, in der neben der durchaus interessanten Titelstory über Ana Kraš massenweise Platz für Werbeanzeigen für sündhaft teure Luxusmöbel geschaffen wurde. Zusätzlich gibt es einen Mini-Katalog des ZEIT-Shops, in dem sich die stilbewusste Zahnarztgattin von heute mit Artikeln im „Mid Century Design“ (was auch immer das sein mag...) eindecken kann. Es lockt ein schlichtes Holzbänkchen „Love Seat“ zum Vorzugspreis von 1139€ . Auch ein simples Gewürzmühlen-Set („LAB“) wird für schlappe 259€ feilgeboten, um nur zwei besonders abstruse Beispiele zu nennen. Von den omnipräsenten Armbanduhren ganz zu schweigen (Hier wenigstens, wie auch schon im Uhren-Sonderheft gesichtet, keine fünfstelligen Preise).

Ist denn niemandem in Ihrer Redaktion bewusst, dass angesichts solcher Beilagen der oben genannte Titel und alle damit in der Ausgabe verknüpften Beiträge einen Beigeschmack von paternalistisch eingefärbter, plumper Sozialromantik bekommen? Soll sich der ZEIT-Leser während der Corona-Krise im Designerliegestuhl auf dem Sonnendeck seiner Penthouse-Wohnung liegend über den armen Pöbel informieren und, nachdem er sein bourgeoises Gewissen beruhigt hat, Thonet-Stühle bestellen? Seit Längerem stößt mir die Tendenz der ZEIT, zu einem großbürgerlichen Wohlfühlblättchen zu verkommen, in dem publizistische „Schwergewichte“ wie Eckart v. Hirschhausen ihre geistige Heimat gefunden zu haben scheinen, übel auf. Vor einer Kündigung unseres langjährigen Abos haben mich in jüngster Zeit nur die (relativ) ausgewogene Tellkamp-Debatte sowie der interessante Beitrag über Klaus Theweleit bewahrt, so dass dieser Leserbrief dann doch ansatzweise versöhnlich enden kann. – Jan Thomas

Wie schützten wir die Schwachen? Die Antwort darauf ist ganz einfach. Die Umsetzung macht Mühe. Man schützt Schwache, indem man aufhört, sie als Schwache zu behandeln. Das gilt auch in der Coronakrise. Ich bin 60+ und höre in der öffentlichen Debatte, dass ich zu einer Risikogruppe gehöre. Aber mir ist unwohl bei dem Gedanken, dass wegen mir und ausschließlich zum Schutz meiner Altersgruppe, das öffentliche Leben lahmgelegt wird und die Wirtschaft still steht. Gegen eine solche Zuweisung verwahre ich mich. So möchte ich als Zugehöriger dieser Gruppe gesellschaftlich nicht eingeordnet oder behandelt werden. Da möchte ich laut rufen: Bitte nicht wegen mir! Und für die wirtschaftlich Schwachen gilt auch: Man schützt sie, indem man dafür sorgt, dass sie nicht wirtschaftlich schwach sind. Die Lösung dafür ist das bedingungslose Grundeinkommen. – Reinhard Wick

Unter Bezugnahme auf die aktuelle Ausgabe der ZEIT, Nr. 15/20: Dass ein so seriöses und normalerweise wissenschaftlich haltbares Medium wie die ZEIT es nicht schafft, die Statistik zu den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus korrekt darzustellen, finde ich äußerst enttäuschend. Mit dem Text von Giuseppe Conte (S. 2; die Angabe, ob dieser von ihm selbst auf Deutsch verfasst oder übersetzt wurde, fehlt leider) und dem Appell deutscher Intellektueller zur Schaffung eines Corona-Fonds (S. 45) sprechen gleich zwei Gastbeiträge, jeweils an prominenter Stelle, von Menschen, die am Coronavirus verstorben sind. Noch im selben Satz oder im nächsten nehmen dieselben Autoren dann aber Bezug auf Zahlen, die bekanntermaßen nur die Anzahl der mit dem Coronavirus Verstorbenen wiedergeben. Gerade, wenn aus solchen Zahlen konkrete politische Forderungen abgeleitet werden, wie es in beiden Beiträgen geschieht, ist der richtige Umgang mit ihnen aber unverzichtbar. Dazu gehört, selbst wenn bereits das Richtige gemeint sein sollte, die Verwendung der passenden Präposition. – Florian Bode

Ich bin bei der neuen ZEIT-Ausgabe erst auf Seite 3, „Plötzlich Elite „. Einerseits sehr dankbar, dass Sie dieses zentrale und immer noch im bürgerlichen Diskurs zu oft verdrängte Thema aufgreifen. Andererseits stößt mir das Titelthema auf: „wie schützen wir die Schwachen“ – was anscheinend schlecht bezahlte Menschen, Kleinunternehmer, misshandelte Frauen, Kinder, Alte und viele mehr umfassen soll. Ich möchte Sie alle herzlich dazu einladen, die Begriffe „schwach“ und „stark“ neu zu denken! Gilt uns doch auf den ersten Blick der windige Großunternehmer als „stark“, ebenso die steuervermeidende Reiche und der pfiffige steuerraubende Banker mit fettem Konto. (Ich hebe absichtlich die negativen Beispiele hervor, klar gibt es in allen Bereichen auch gute Menschen.)

Alles „schwach“ hingegen – oder als der berühmte „kleine Mann“ – gelten in dieser verdrehten kapitalistischen Logik Menschen, die sich Tag für Tag neuen Herausforderungen stellen, nicht aufgeben, sich für ihre Familie und andere aufopfern, keine große Karriere anstreben (oder erreichen können), aber sich Stunde um Stunde abmühen, um über die Runden zu kommen. Oder die Alten, die einen unfassbaren Erfahrungsschatz haben und so viel Schlimmeres erlebt haben als wir Jüngeren es uns ausmalen können. Ja, die sind schützenswert, körperlich vielleicht geschwächt, aber doch nicht einfach „schwach“! Also meine Frage: Wer gilt in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft eigentlich als schwach, und warum? Und was bezeichnen wir als stark, und ist das so wirklich wünschenswert?

So könnten Sie öfter den Blickwinkel vom oft gutverdienenden ZEIT- Leser auf die Realität derer lenken, die im Kleinen die Gesellschaft am Laufen halten und bloß nicht so sichtbar sind. Wie im Ressort „Entdecken“, wo im kurzen Porträt der Fotografen Friseure und Metzger vorurteilslos als leistende Menschen mit eigenen Ideen vorgestellt werden. Und, by the way, sehr oft mit überzeugenden ethischen Grundsätzen, die mir bei den „Starken“ dann doch oft zu kurz kommen. Während mir persönlich all die kleinen Leute (jawoll!) mit klingenden Namen im Kulturbetrieb, um die sich ganze Feuilletons drehen, meist eher egal sind. (Außer Gerhard Richter, weil der sich selbst nicht so ernst nimmt). Ich würde mich riesig freuen, wenn das eine Anregung zum Weiterdenken ist – ich lese ja immer mal vielversprechende Ansätze in der Richtung in der ZEIT, wünsche mir aber von Herzen mal ein deutliches Machtwort dazu :-) – Martina Göttsching

Als ich dieses Titelthema las, dachte ich zunächst: Endlich werden die Gefahren der Personengruppen beleuchtet, die den Einschränkungen wehrlos ausgesetzt sind. Aber handelt es sich um Schutz? Es geht um Solidarität mit

allen

Betroffenen, die unter der Corona-Krise leiden. Oder sind die Schwachen die Starken? Menschen, die von Schicksalsschlägen getroffen wurden, die unheilbar krank sind, die zu sozialen Randgruppen gehören etc. Sie alle waren schon vor Corona gezwungen, sich mit ihrer eigenen Verletzbarkeit und/oder ihrer Sterblichkeit auseinander zu setzen. Auch ich bin erschüttert, dass Grundrechte beschnitten werden und man die Maßnahmen nicht im Detail durchdacht hat. Wie es Pater Mertes auf den Punkt gebracht hat. Man kann die Verletzlichen nicht zum Martyrium auffordern. – Heike Arnold

In dieser Woche kam ein kleines Gedicht zu mir – ich radelte dabei durch meinen Wohnort Leipzig von der Arbeit im Norden (Mockau) in den Süden/Connewitz. Ich arbeite als Ärztin im Bereich Psychiatrie/Neurologie und meine Eindrücke finden gern den Weg in meine verarbeitenden Gedanken und Texte. Ich habe also dieses Gedicht einigen Freunden geschickt, zuerst auf Englisch. Manche baten mich um eine deutsche Version und die lieferte ich gern. Wir kamen auf diese Weise in einen schönen Austausch – in Gemeinschaft Angst ertragen und Hoffnung erhalten. Das waren meine Gedanken und Erfahrungen.

Oh Gott! Es war der Beginn des Frühlings, dass uns die Plage traf. Es war jene Zeit im Jahr, zu der du rausgehst auf die Straße, um einen tiefen Atemzug der neugeborenen Luft zu nehmen. Durch tiefes Einatmen dringt das prickelnde Aerosol nicht nur in deine Lungen, sondern auch in dein Blut und Herz, in das tiefste Mark deiner Knochen. Es ist Frühling, wenn jede_r – wirklich und wahrhaftig jeder Mensch diese nicht aufzuhaltende Veränderung fühlt, sich dieser nie endenden Transformation bewusst wird, den Kontakt zur Genesis wiederherstellt. Die Natur startet unseren Verstand neu! Sie erinnert uns an ihre Kraft, ihre Liebe, ihre Inhärenz. Es war in dieser Jahreszeit, als Krankheit dem Frühling ihre Kameradschaft erklärte und dadurch das älteste und schrecklichste Leid der Menschheit erschuf: ein gleichwertiger Einstrom von Hoffnung und Angst in jede einzelne Zelle des menschlichen Körpers. Sie erschuf die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden.

Oh God! It was at the beginning of spring when the plague hit us. It was this time of the year when you go out on the street to take in a deep breath of newborn air. By deeply inhaling it the tingling aerosol does not only reach into your lungs, but also into your blood and heart, into the deepest marrow of your bones. It is in spring when everybody – really and truthfully every body feels that never-to-be-stopped change, becomes aware of that never ending transformation, rebuilds contact to Genesis. Nature is resetting our mind! It reminds us of its power, its love, its inherence. It was this time of the year, when malady declared its fellowship to the spring and by that created the oldest and most dreadful suffer of humankind: A same-amount cotransport of hope and fear into every single cell of the human body. It created the expulsion of Adam and Eve from the Garden of Eden.- Pauline Gaida

Hilferuf eines Kinderarztes! Die aktuelle Coronaepidemie und die Folgen betreffen uns alle. Die Coronakrise offenbart eine strukturelle Krise des Gesundheitswesens und wird zunehmend zu einer menschlichen und wirtschaftlichen Krise der Gesellschaft. Viele Menschen geraten durch die beschlossenen Maßnahmen der Regierungen in der Bundesrepublik in menschliche und wirtschaftliche Not. Die so plausibel klingenden Überlegungen, es sollen gleichzeitig nicht zuviele Menschen infiziert werden bzw. erkranken, beruht doch auf folgendem Wissen : Strukturell ist unser Gesundheitswesen über Jahrzehnte vernachlässigt worden, nicht nur im Hinblick auf die Bewältigung einer Virusepidemie. Es fehlen seit lamgem ausreichend gut ausgebildete Menschen in der Pflege, in der medizinischen Grundversorgung, Hebammen, Therapeuten,Ärzte, Sozialarbeiter u.a.. Die Arbeitsbelastung des Einzelnen und ganzer Gruppen im Gesundheitswesen ist zu hoch, die Vergütung zu gering. Fließbandarbeit in Ambulanzen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen und Praxen ist die Folge. Die stationäre medizinische Versorgung wird zunehmend profitorientierten Konzernen überlassen. Bei den politischen Entscheidungen steht weniger die vielzitierte Sorge um die Gesundheit des einzelnen Menschen im Mittelpunkt, sondern die Angst vor dem Systemversagen. Offen ist, wievielen Menschen in der Not geholfen werden kann. Sicher ist, dass die in Not greatenen Menschen doppelt und dreifach bezahlen werden: mit der körperlichen, seelischen und sozialen Gesundheit, mit der drohender Vernichtung wirtschaflicher Existenz und den menschlichen Folgen. – Dr. med. Hans-Rudolf Drunkenmölle

Betreff:

Aufrüstung Intensivmedizin??

In Deutschland werden die Intensivstationen mit tausenden Beatmungsgeräten aufgerüstet. Begründung: Das Leben von Corona-Patienten muss gerettet werden. Virologen und Ärzte beobachten, dass multimorbide (= mehrfach erkrankte) alte Menschen über 65J und Risiko-Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, sowie auch Jüngere, deren Lungen durch Rauchen vorgeschädigt sind, ein erhöhtes Risiko haben, mit COVID-19 zu ersticken. Wieviele Menschen dieser Risikogruppe haben bis jetzt eine Beatmung ohne langfristige Lungenschäden überlebt, wieviele sind trotz Beatmung erstickt? In der Palliativmedizin werden Menschen bis zu ihrem Tod begleitet, möglichst schmerzfrei und ohne Atemnot. Meine Frage: Ist es gerechtfertigt, massiv in die Geräte-Medizin zu investieren? Wo bleiben die Milliarden für die Palliativmedizin und Hospizeinrichtungen? – Elke Krause

Mit fast 73 gehöre auch ich zu den Risiko-Gruppen. Als ich in der vergangenen Woche leichtes Fieber und eine Erkältung bekam, habe ich mich krank gemeldet, und bin mit meiner Frau in Quarantäne gegangen. Denn ich war bis jetzt noch immer in vielen Bereichen beruflich und nicht-beruflich aktiv. Jetzt konnten wir also das von uns so gefürchtete Rentner-Dasein endlich mal genießen! Das heisst: Zeit um Beethovens Pathetique zu üben, zu Spazieren, zu lesen, Video-Konferenzen mit Kindern und Enkeln aus zu probieren. Usw. Das ist auch wirklich schön. Dazu kommt, dass Interviews, Gespräche und Diskussionen in den Medien sehr an Inhalt gewonnen haben. Die Coronakrise hat uns mit der Nase auf die wesentliche Fragen des Lebens gedrückt. Eine durchgedrehte Konsumgesellschaft kommt zu Ruhe. Ich verfolge es mit großer Interesse.

Aber auf Dauer ist diese Zuschauerrolle natürlich sehr unbefriedigend. Soll ich nun eigentlich dankbar sein von der Gesellschaft geschützt zu werden? Ein bisschen schon. Aber darf ich bitte schön auch selber noch bestimmen, welche Risiken ich angehen will, solange ich anderen nicht in Gefahr bringe? Hier wird ein Problemcluster unserer Risikovermeidenden Gesellschaft deutlich, den allerdings ganz wenigen anzusprechen wagen. Krankheit soll vermieden und muss zu jedem preis bekämpft werden, Sterben solange wie möglich vor uns her geschoben werden. Dadurch entstehen merkwürdige Paradoxe. Weil wir alle Krankheiten – wie die Pest!- meiden, bauen wir auch keine Widerstandskräfte auf. Kinderkrankheiten sollen ausgerottet werden, aber stattdessen gibt es immer mehr immunschwache Kinder. Hausgeburten sind in deutschland eine Seltenheit geworden,, als ob die Geburt eine Krankheit werden Und was soll man als ältere Mensch mehr fürchten: Den Tod oder die Gefahr den Moment, würdig und rechtzeitig sterben zu können zu verpassen?.

Sind uns nicht einigen spirituellen, religiösen, weltanschaulichen Weisheiten abhanden gekommen? Die man traditionell ausdrückt in Worte wie: Dass wir in gottes Hand sind, dass wir sterben, wenn unsere Zeit gekommen ist, dass Krankheiten Sinn machen, wenn wir sie Sinn verleihen. Sowohl ein all zu materialistisches Denken, als auch eine in Sünde und Strafe denkende Religiosität blockieren da noch immer der gesellschaftliche Diskurs. Also dominiert die Statistik. Und verschwindet der aktive Umgang mit so etwas, was man Schicksal nennen kann, im Hintergrund. . Natürlich wäre es ethisch unakzeptabel Patienten bei einer Triage nach Alter zu selektieren. Aber was ist eigentlich los mit der älteren Generation, dass sie sich so am Leben klammert? Ich würde mich darüber eine öffentliche Diskussion wünschen. Sie kann allerdings nur von den älteren Generationen selber ausgehen. Ausgangspunkt sollte dabei nicht das sozial-darwinistische survival of the fittest sein, sondern die Erkenntnis, dass Sterben eine hohe Kunst ist, die es Wert ist wieder gelernt zu werden. – Hans van Zijderveld

Seit 14 Tagen, also drei Wochen nach dem ersten deutschen Corona-Toten, zähle ich altersbedingt zum Kreis der Risiko-Personen. Vielleicht reagiere ich deshalb so allergisch auf manche Vorschläge zum „Schutz“ der besonders gefährdeten Alten. Den Gipfel markiert bisher die Aussage des Präsidenten der Bundesärztekammer, Senioren seien in diesen Zeiten in Altenheimen besser aufgehoben als „draußen“ – vorausgesetzt selbstverständlich, die Heime seien dafür optimal ausgerüstet. (Was der Herr Präsident selbst wenige Tage spätere lt. Mitteilung der BÄK nachdrücklich bezweifelt.) Aber die Aussage dieses „Experten“ ist in der Welt – ob er weiß, was er damit anrichtet? Dann: die Wortmeldung von Friedrich Merz. „Plötzlich ändert sich alles noch einmal grundlegend“, schreibt er, um wenige Sätze weiter Szenarien zu fordern, „wie wir möglichst rasch zur Normalität zurückkehren könnten“.

Wie bitte? Und wenn in diese „Normalität“ der eine oder andere Systemfehler steckte, der unsere Gesellschaft in Fällen an den Rand des Zusammenbruchs führt und Menschenleben kostet? Aufgabe der Bundesregierung wäre es heute doch, neben der Gesundheitsfürsorge vor allem die wirtschaftliche Existenz der Bürgerinnen und Bürger zu sichern; ein – meinetwegen zeitlich begrenztes – Grundeinkommen für alle, vom Baby bis zur Hundertjährigen, wäre dafür ein interessantes Instrument gewesen. Stattdessen wird ein Füllhorn zur Rettung „der Wirtschaft“ ausgeschüttet, völlig unabhängig davon, was die Nutznießer produzieren. Luxus? Grundbedarf? Egal! Da behauptet ein Textilhändler in der ZEIT, Mode habe ein Verfallsdatum wie Obst, und „Panorama“ führt als Beispiel für die bedrohten Solo-Selbstständigen eine Kosmetikerin und zwei Prostituierte an... Ob die, die sich wie Krankenschwestern oder Altenpfleger in diesen Tagen als besonders „systemrelevant“ erweisen, nach der Rückkehr zur Merzschen „Normalität“ von dem Segen auch etwas abbekommen, muss sich dagegen erst noch zeigen.

Noch einmal zu den „Risiko-Personen“: Die Jungen kehren zur „Normalität“ zurück, die Alten werden „geschützt“ – hat mal jemand darüber nachgedacht, wie das bei den „Geschützten“ ankommt? Deutlicher lässt sich kaum dokumentieren, dass die Alten eigentlich nicht mehr gebraucht werden, nur noch Kostenfaktoren sind und die Rentenkassen plündern. Okay, als Erblasser... Merke: Wer die Verhältnisse in Altenheimen bisher vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der Belastung der Sozialkassen diskutiert hat, sollte mit dem Wort „Schutz“ vorsichtig umgehen. Es bekommt zu schnell einen fatalen Beigeschmack von Fremdbestimmung und Entmündigung. – Josef Pütz

Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen für die aktuelle „Zeit-Ausgabe“ – Nr. 15 – Danke zu sagen. Danke für einen Journalismus, der versucht den Blick zu weiten. Der einen Dialog und Denkprozeß anstösst. Der den Blick über die derzeitigen Beschränkungen, ihre Durchführungen und Einhaltung hin zu den vielen schon jetzt ersichtlichen sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Folgen lenkt. Sehr hat mich das Dossier „Bedroht“ und der Artikel „Die Hand halten oder nicht“ angerührt. Es ist für mich kaum auszuhalten, wie um die sogenannten „Schwachen“ zu schützen, der Wegfall sozialer und emotionaler Bezüge propagiert wird. Ich sehe durch aus die pflegerische Situation in Kliniken und pflegerischen Einrichtungen, sozialen Einrichtungen etc.! In all diesen Bereichen wurde über Jahrzehnte „knapp auf Kante genäht“. Es mußte sich wirtschaftlich rechnen. Die Rechnung bekommen wir jetzt alle.

Schon vor Ausbruch der Pandemie war einfach wenig bis keine Zeit – gerade im stationären pflegerischen Bereich – den Menschen über die notwendige Hygiene (sauber, satt und trocknen) Zeit einzuräumen. Umso schlimmer stelle ich mir die derzeitige Situation für die Betroffenen vor. Die Patienten / Bewohner werden in eine soziale Isolation gestossen, die sie oftmals nicht verstehen und nur schwer – wenn überhaupt – ertragen. Ich sehe es ebenso wie Pater Mertes der Mensch – das Gegenüber – braucht die Hand , die tröstet und hält; den Arm, der einen umfasst und das Ohr, das zuhört. Gerade in Zeiten , in denen die Kraft nachläßt. Diese menschlichen Fähigkeiten können a.m.S. durch technisches Gerät (Handy, Videokonferenz etc.) nicht ersetzt werden.

Ich frage mich derzeit, ob ich neben einer bereits vorhandenen Patientenverfügung für meine medizinische Behandlung auch noch eine benötige, die verhindert sozial isoliert zu werden, so ehrenwert der Schutzgedanke auch sein mag. Für mich ist die ethisch zulässige Grenze fast überschritten, zu mal es Überlegungen bzw. Vorschläge gibt, das „sämtliche Risikogruppen (Vorerkrankte, Menschen jenseits von 65 Jahren) „hermetisch abgeriegelt“ „werden sollten. Dies waren Forderungen von drei Chefärzten. Nachzulesen unter RP-Ausgabe Düsseldorf vom 27.03.2020 „“Corona:Chefärzte fordern raschen Strategiewechsel“. So nicht!!! – Ursula Thomas

Ich gehöre zur Corona-Risikogruppe. Weder mein Alter noch meine Vorerkrankung lassen da irgendwelche Zweifel zu. Wie sehen also meine Perspektiven aus? Entweder das Virus erwischt mich. Für diesen Fall wird mir meine Perspektive täglich in erschütternden Bildern aus Italien, Spanien und jetzt auch aus den USA präsentiert. Nackt auf dem Bauch liegend einsam an einer Maschine dem Tod entgegendämmernd. So will ich nicht enden. Ich will definitiv nicht in einem überlasteten Krankenhaus maschinell beatmet werden.

Oder meine Vorsichtsmaßnahmen und die meiner Umwelt bewahren mich vorerst vor einer Infektion. Dann muss ich damit rechnen, dass mich die Gesellschaft von nun an für den überschaubaren Rest meines Lebens schützen will – irgendwie vor mir selbst schützen, wenn ich das richtig verstehe. Man wird mir keine Sterne oder Winkel annähen – das nicht gerade. Aber ich werde nicht mehr hingehen können wo ich hingehen möchte. Man wird mich vor den Umarmungen meiner geliebten Enkel schützen, weil die mich ja anstecken könnten. Und junge Menschen werden mir – versteckt oder offen – den Vorwurf machen, dass ich zu denen gehöre, die ihnen durch die gigantischen Kosten der Corona-Bekämpfung ihre Zukunft zerstören, ohne selbst noch viel Zukunft zu haben. Und sie haben ja nicht ganz Unrecht. So will ich auch nicht enden. Was bleibt also? Neben dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat es vor wenigen Wochen ein anderes Ereignis gegeben, von dem ich mich in meiner Situation betroffen fühlte und nach wie vor fühle. Ich meine das hoffentlich bahnbrechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum selbstbestimmten Sterben.

Was das Eine mit dem Anderen zu tun hat? In meinen Augen sehr viel. Denn ich frage mich, mit welchem Recht mich unser Gesundheitssystem im Fall einer schweren Covid-Erkrankung in ein entsetzliches, einsames Sterben treibt statt mir einen selbstbestimmten würdevollen Tod im Kreis meiner Lieben zu erlauben. Das Bundesverfassungsgericht hat klar entschieden: Mit keinerlei Recht. Nur kümmert sich jetzt angesichts der Coronakrise niemand darum, geeignete Strukturen für eine die Menschenwürde achtende Umsetzung des Verfassungs-gerichtsurteils zu schaffen. Ich meine, auch dazu sind unsere Politiker dringend aufgerufen, nicht trotz Corona, sondern jetzt ganz besonders wegen Corona. Ich hoffe darauf. – Niels von Eisenhart Rothe

Ich möchte einfach mal Danke sagen. Ich lese DIE ZEIT täglich online und in Papierform am Wochenende. DIE ZEIT ist zu meinem journalistischem Grundnahrungsmittel geworden. Auch in der aktuellen Situation bleibt DIE ZEIT ruhig und sachlich. Kein Alarmismus. Wie schön! Danke dafür. – Peter Marnach

Bitte verschonen Sie uns mit unkritischen Artikeln über die Coronakrise. Es wird Zeit, dass eben „die Zeit“ Pionierarbeit leistet und konsequent gegen die Hysterie ankämpft, kritische kompetente Stimmen zu Ohr kommen lässt und die Schmalspurmedizinischen Virulogen auseinandernimmt, die unsere laienhaften Regierungsverantwortlichen beraten und zu unverhältnismäßigen Handlungen verleiten. – Dr. Rolf Förster

„Wie schützen wir die Schwachen?“ Als ich im Supermarkt an der Kasse stehe schweift mein Blick über die Zeitungsauslage und bleibt an dieser Überschrift hängen. Die Schwachen schützen. Wer ist denn das, die Schwachen? Und was macht das dann aus denen, die nicht dazu gehören? Die Starken? Wenn ich ehrlich bin fühle ich mich gerade weder stark noch schwach. Doch ich komme ins Grübeln. Man hört es natürlich oft in letzter Zeit, die „Alten und Kranken“, die „Risikogruppe“ eben, aber die „Schwachen“?

Ich fange an zu überlegen wer da eigentlich zugehört. Meine Oma mit ihrem Asthma, die trotz allem immer weiter macht, egal wie groß die Verunsicherung und Angst ist. Gefährdet ja, aber schwach? Dann ist da meine Freundin, die nicht viel älter ist als ich mit meinen 22 Jahren, aber einen Plan für die Zukunft hat sie trotzdem nicht, denn wer weiß wie die aussieht, schließlich ist sie herztransplantiert. Eigentlich führen wir ein ähnliches Leben, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie jeden Tag diverse Tabletten schlucken muss, immer aufpassen muss sich nicht irgendwo eine Erkältung einzufangen. Jetzt ist sie dazu verdonnert drinnen zu bleiben, während ich an der Supermarktkasse entspannt die Zeitungen angucke. Schwach ist sie ganz bestimmt nicht.Ein Anruf reist mich aus meinen Überlegungen, ein Freund, der fragt ob ich vorbeikommen will, um mit ihm und ein paar anderen Basketball zu spielen. Es ist lieb gemeint von ihm, doch in mir steigt Unmut auf. Sich zu sagen man sei ja nicht gefährdet, das Leben muss weitergehen, ist doch halb so schlimm und dabei andere Menschen in Gefahr zu bringen, das ist schwach.

Jeden Tag zu kämpfen, mit den Beschwerden des Älterwerdens, den Folgen einer chronischen Erkrankung und jetzt auch noch mit der Angst an Corona zu erkranken, das erfordert Stärke. Mehr Stärke vermutlich als ich mir vorstellen kann, denn ich bin versucht zuzusagen zum Basketball. Doch es ist mir jetzt klar, die Schwachen, das sind diejenigen, die nicht über ihren eigenen Interessen stehen, um die Starken zu unterstützen. Die, die kämpfen müssen, jeden Tag, ohne dass sie die Wahl haben. Liebe ZEIT, ich glaube Ihr Titel müsste heißen „Wie schützen wir die Starken?“. – Lia Marie Gerdes

Wenn man heute einmal sehen möchte, wie besonders das Gestern durch dieses Heute war, so sollte vor die Haustür gegangen werden. Alleine schon der Schritt vor die Haustür stellt heute etwas Besonderes dar. Doch um die Besonderheiten dieser Tage wahrnehmen zu können, sind die Schritte in den Alltag notwendig. Auf dem Bürgersteig angekommen fällt zunächst die Leere auf. Menschen die einem entgegenkommen sind zu einer Besonderheit geworden. Zugleich sind die in ihren Gesichtern befindlichen Mundschutzmasken zur Normalität geworden. Ja man könnte fast so weit gehen, dass jene ohne diese Masken zu den ,Unnormalen‘ zählen. Doch was ist in der gegenwärtigen Situation noch, schon oder mittlerweile normal? Gehen wir einmal in den Supermarkt. Es ist noch normal, dass wir einkaufen gehen, jedoch in einer Art und Weise, die wir uns noch vor ein paar Wochen hätten nicht vorstellen können, die mittlerweile als vollkommen ,normal‘ wahrgenommen wird.

Es ist zur Gewohnheit geworden, dass sich ein jeder einen Einkaufwagen schnappt, damit niemand überschnappt. Es ist zur Gewohnheit geworden, dass wir einander ausweichen. Es ist zur Gewohnheit geworden, dass wir vergebens Klopapier suchen. Es ist zur Gewohnheit geworden, dass wir uns an der Kasse in festen Abständen an- und einordnen. Es ist zur Gewohnheit geworden, dass sich Kassierer hinter Plastikschutzwänden befinden. In welch politischer Situation befinden wir uns? Hört man einmal einem Großteil der Politiker dieser Welt zu, so befindet sich die Welt im Ausnahmezustand, im Krieg. Eine Metapher, die Programm hat. Ausgangssperren/-beschränkungen hier, Maskenpflicht und Corona-Bonds dort. Und letztlich bleibt dennoch ein großes Fragezeichen- auf allen Seiten, und Ländern dieser Welt. Erst jetzt, in dieser Situation, merken wir wieder, was doch alles von der Politik abhängt; der Job, das Bildungssystem, die Kinderbetreuung, und nicht zuletzt unsere Freiheit als solche. Das Interesse an der Politik erlebt derzeit eine Wiederbelebung, weil es gegenwärtig um das Leben jedes Einzelnen geht. Jeder von uns ist ein Teil dieses Uns‘.

Jeder von uns ist an seinem Leben und dessen Umständen interessiert. Jeder von uns sitzt im gleichen Boot, das sich da nennt „Welt“. Deshalb hat ein jeder von uns die Möglichkeit aus Egoismus Altruismus zu schaffen, drum des Egoismus‘. Was können wir als (Welt-)gesellschaft aus heute für morgen lernen? Ganz einfach: Wir leben in einer Welt, die wir uns gemeinsam mit anderen schaffen. Wir sollten dabei stets bedenken, dass heute gestern morgen war, für alle und Alles. Wenn wir diese Dialektik berücksichtigen, dann können wir alle nicht nur existieren, sondern leben, miteinander! Warum also nicht auf jeder Ebene solidarisch sein? Es geht hier nicht um schwarze, weniger schwarze, rote oder sehr rote Zahlen. Es geht hier um das Leben und die Zukunft von uns allen. Es geht hier um eine Gesellschaft. Es geht hier darum, dass wir alle in einer farbenfrohen Welt gemeinsam weiterleben! – Darius Lamm

Der Ketzer in mir wünscht sich manchmal, die Corona-Krise möge so lange andauern, bis auch der eingefleischteste Egozentriker alte, leicht verstaubte Tugenden für sich wiederentdeckt, wie Rücksicht, Hilfsbereitschaft, Solidarität! Anstelle seiner bisherigen Maxime: das Beste, Neueste, Exotischste ist gerade gut genug für mich, ein freiwilliges soziales Jahr, in dem er durch praktische Arbeit etwas von sich ab- und der Gesellschaft zurückgibt! Besuche bei alten Menschen, die nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen können, bei Langzeitkranken oder schwer Erkrankten, Einsamen, Dementen, Depressiven; um neben der praktischen Hilfe und Entlastung der Angehörigen einfach zuzuhören, zu trösten, eine Hand zu halten, vielleicht sogar ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Dafür braucht man keine spezielle Ausbildung, so viel Empathie steckt in jedem! Natürlich ist es auch denkbar, daß er nach der Krise rasch wieder in die Ichbezogenheit zurückfällt, allenfalls indirekte, oft fragwürdige Hilfe leistet für Menschen aller Herren Länder; sie erscheint jedenfalls spektakulärer und medienwirksamer als ein leises, unbeobachtetes Anklopfen an der Tür des Nachbarn! – Dr. med. Ulrich Pietsch

Nun klatschen sie wieder. Und jeden Abend im Fernsehen ein Dankesvideo und eine Kerze im Fenster. Wenn ich zu den Betroffenen – besonders den Pflegekräften – gehören würde, wäre ich zornig und wütend, aber auch traurig und deprimiert. Wo war denn diese Wertschätzung vorher? Und wo ist sie im Alltag jetzt? Noch immer werden Müllwerker beschimpft, wenn ihr Auto den Verkehr aufhält. Da wird keine Rücksicht auf Kassiererinnen im Supermarkt genommen, die Abstandsregel nicht eingehalten, geschimpft, wenn die gewünschten Produkte nicht im Regal liegen. Da wird gehamstert, gehortet und geschubst. Ganz schlimm ist es in der ambulanten Pflege, in den Pflegeheimen und Krankenhäusern. Es fehlt an Schutzkleidung und Desinfektionsmaterial, nicht nur weil gewissenlose Menschen die Vorräte oder den Nachschub geklaut haben, sondern auch weil bereits vorher Mangelwirtschaft betrieben wurde, um Kosten zu sparen.

Und wenn dann – wie in einigen Plegeheimen bereits geschehen – vermehrt Krankheits- und Todesfälle auftreten sind wir entsetzt. Oft wird das Pflegepersonal und mangelnde Hygiene dafür verantwortlich gemacht. Da denkt keiner darüber nach, dass in den Krankenhäusern Doppelschichten gefahren werden, die Betroffenen selbst in großer Gefahr sind. Schwestern, Pfleger und Ärzte haben eigene Familien, die nun zu kurz kommen. Die nach Dienstschluss noch einkaufen müssen und oft vor leeren Regalen stehen, weil tagsüber schon alles leer gekauft wurde. Wertschätzung sieht anders aus. Nun macht sich bemerkbar was seit Jahren beklagt wird: der Pflegenotstand. Wenn wir nicht betroffen sind, gehen wir zur Tagesordnung über. Aber wehe wenn wir einen Angehörigen im Heim haben, der nicht angemessen gepflegt wird. Oder wenn wir selbst ins Krankenhaus müssen und feststellen, dass das Pflegepersonal kaum Zeit hat. Dann schreien wir auf. Wir haben die medizinische Versorgung privatisiert und gewinnorientiert gemacht, Wir holen Ärzte und Pflegekräfte aus dem Ausland weil sie billiger sind, und die dann in ihren Heimatländern fehlen.

Wir haben zugelassen, dass die Produktion von Arzneimitteln ins Ausland verlegt wurde, und die Pharmaindustrie Millionengewinne macht. Wir füttern unser Vieh mit Antibiotika, damit in den riesigen Mastbetrieben keine Seuchen ausbrechen und wundern uns, wenn bei Menschen die Wirksamkeit nicht mehr greift. Wir alle haben die warnenden Stimmen von Wissenschaftlern missachtet und viele als Spinner und Panikmacher verspottet. Die Liste könnte man noch lange fortsetzen. Ich fürchte nur, dass wir nach der Coronakrise weitermachen werden wie bisher. Aber ich hoffe, dass Pflegekräfte, ErzieherInnen, Müllwerker, Verkaufspersonal und viele andere an Selbstbewusstsein gewonnen haben. Dass sie für ihre Rechte eintreten werden. Dass sie nicht mehr mit Mindestlöhnen zufrieden sind, sondern zeigen, auf welchen Schultern unsere Bequemlichkeit und der Wohlstand einiger begründet sind. Und es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sie bei diesem Kampf zu unterstützen. Nur Beifall klatschen und warme Worte reichen da nicht aus. – Elisabeth Adam

Die Patientenverfügung aktualisieren – ?

«Es geht um Leben und Tod für uns alle» hat Olaf Scholz, der Vizekanzler und Finanzminister vor einigen Tagen gesagt. Der Gesundheitsminister Jens Spahn sagte: «Mir ist sehr bewusst – das ist erst der Anfang, der Anfang der Epidemie» («ARD»-Tagesschau vom Freitag, den 03.04.; 20:00 Uhr). Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hält es nicht für ausgeschlossen, dass es im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie auch in Deutschland zu Zuständen wie in Spanien oder Italien kommt: «Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben. Verhältnisse wie in Italien, Frankreich oder Spanien – das heißt, dass längst nicht alle Patienten die Behandlung erhalten, die sie benötigen würden, dass Besuche, auch von nächsten Angehörigen, verboten sind, dass Schwerstkranke mittels TGVs(!) (Frankreich) und Helikopter (Italien, Frankreich) in andere Landesteile, ja in andere Länder verlegt werden. Gestorben wird allein, ohne Angehörige. Rund 80 Prozent der mitCorona Gestorbenen sind über 60 Jahre alt, das heißt aber nicht, dass sie

an

Corona gestorben sind ... . 1434 Menschen sind – laut «ARD»-Tagesschau 20:00 vom 06.04. – mitCorona gestorben. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Anzahl der jährlichen Grippetoten bei rund 10 000 mit Spitzen bis 25 000 Personen.

Das Risiko einer schweren Corona-Erkrankung steigt je älter der vom Coronavirus befallene Mensch ist. Aber auch für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen kann COVID-19 besonders gefährlich werden – egal, wie alt sie sind. Dazu zählen Herz-Kreislauf- und Autoimmun-Erkrankungen (z. B.: Allergien), Erkrankungen des Atmungssystems (z. B.: Asthma) oder auch von Leber und Niere. Krebspatienten oder Menschen, die an einer Immunschwäche leiden, gelten als besonders gefährdet, aber auch Menschen mit Glasknochen, Muskelerkrankungen oder Querschnittslähmungen. Auch Raucher können zur Risikogruppe gehören. Menschen, die ein größeres Risiko haben nach einer Infektion von einem schweren Verlauf der Krankheit, ja von einem tödlichen Ausgang betroffen zu sein, mögen sich überlegen, ob sie erstmals (nun doch) eine Patientenverfügung aufsetzen oder die schon vorhandene der Corona-Situation anpassen wollen. Es ist nicht jedermanns Sache im zu erwartenden Corona-Massenbetrieb der Klinken in der Isolation der Intensivstation zwischen Leben und Tod zu hängen. Was meist nicht gesagt wird: Die meist schon angegriffenen Lungen werden durch die Beatmungsmaschine und/oder durch eine Überreaktion des Immunsystems noch weiter geschwächt.

Vom Coronavirus befallene Menschen können ihre Einweisung in eine Klinik, vor allem aber die Überführung in eine Intensivstation rechtswirksam verbieten. Diesen Menschen ist – als Verpflichtung aller Ärzte – ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen: Damit niemand durch qualvolles Ersticken elendiglich sterben muss haben die Ärzte mit Opiatgaben in größerer Dosis ein Entschlummern zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang gilt für alle, die dies betreffend mag (Minister, Politiker des Bundestages, der Landtage, Gerichte, Behörden) das fundamentale, wegweisende Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichtes vom 26.02.2020: «Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.» Auf Karfreitag folgt Ostern. PS Ich persönlich – 83 Jahre alt – habe meine Patientenverfügung wie oben formuliert ergänzt.- Jürg Walter Meyer

Grundgesetz Art. 1 (Menschenwürde – Menschenrechte – Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte) (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht. Grundgesetz Art. 2 (Persönliche Freiheitsrechts) (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden. Grundgesetz Art. 3 (Gleichheit vor dem Gesetz) bis Art. 146 (Geltungsdauer des Grundgesetzes) – Klaus P. Jaworek

Leserbriefe zu „Soll die Bundeswehr in den Kasernen bleiben?“ Streit von Bernd Riexinger und Nariman Hammouti

„Ich habe keinen besonderen Respekt vor Leuten, die in den Auslandseinsatz gehen“, sagt Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linkspartei – auf den Tag genau 10 Jahre nachdem in Afghanistan drei deutsche Soldaten im Kampf mit Taliban ihr Leben gelassen haben. So eine Aussage ist beschämend und muss wie ein Schlag ins Gesicht sein für alle, die ihr Leben im Auslandseinsatz riskieren oder verloren haben, für ihre Angehörigen und Freunde. – Maik Niederstein

Doppelten Respekt verdient Ihre jüngste Ausgabe insbesondere mit der Seite ‚Streit‘. Das Thema ‚Bundeswehr im Binneneinsatz‘ ist gewiss wert, in dieser Zeit aus verschiedenem Blickwinkel betrachtet zu werden. Was meinen besonderen Respekt Ihres Zugangs zu diesem Streitgegenstand verdient, ist Ihre Auswahl der Diskutanten: der Linke Riexinger und die – selbst mir als vordem jahrzehntelang in der Bundeswehr Tätigen – unbekannte Frau Leutnant zur See Hammouti. Es hätte kontrastreicher nicht sein können. Gratulation! Noch mehr Respekt zolle ich aber dieser Frau, ihrer dezidierten, charaktervollen Positionierung, ihrer äußerst wachen Argumentation und ebenso selbstbewussten wie geschmeidigen Art des Umgangs mit dem Prominenzgefälle. Sie ist Siegerin und wir alle sind durch sie Gewinner! – Rolf Mohr

Ein hervorragender Beitrag, in dem sich Herr Rixinger in allen Punkten selbst ins Abseits gestellt und disqualifiziert hat. Frau Hammouti ist eindeutige Siegerin in ihrer gesamten Argumentation. Solche Bürger (auch in Uniform!) brauchen wir viel mehr. Danke Frau Hammouti! – Werner Kerschgens

Schon seit Gründung der Bundesrepublik darf bezweifelt werden, dass weite Teile der politischen Ränder wirklich auf dem Boden der Verfassung dieses Landes stehen. Zumindest Herr Riexinger beantwortet diese Frage für die Linkspartei im vorliegenden Artikel auf eindrucksvolle Weise. Der Bundeswehr als Teil der Exekutive des Bundes jedwede öffentliche Sichtbarkeit und Anerkennung abzusprechen, offenbart ein sehr seltsames und überaus problematisches Verständnis der Funktionsweise dieses Staates und des Zusammenhalts der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Nach Riexingers Argumentation müsste dann eigentlich auch der Bundestag hinter verschlossenen Türen unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Arbeit verrichten, um das Volk auch diesbezüglich vor unnötigem „Tamtam“ und „Inszenierungen“ zu bewahren. Aber mit dieser Form der Parlamentsarbeit hat die Linkspartei ja auch durchaus Einiges an historischer Erfahrung aufzuweisen. – Jörg Schimmel

Die Bundeswehr muss in den Kasernen bleiben! Das Militär ist sicher weltweit noch immer die größte Gefahr für jede Zivilgesellschaft, Deutschland weiß dies etwas besser als andere Länder. Das es bei der Bundeswehr genausoviel Rechtsradikale seien als in anderen Gesellschaftsteilen, geht bestenfalls als Schutzbehauptung durch. Wenn der MAD für die Abwehr Rechstradikaler bei der Bundeswehr zuständig ist, so macht dies soviel Sinn wie die Untersuchung der NSU-Affäre durch einen Polizeibediensteten, CDU-Mann noch dazu. – Harald Kirchner

Vielen Dank Frau Hammouti. Um eine Bundeswehr mit solchen Offizierinnen und Offizieren wie Ihnen Frau Hammouti mache ich mir keine Sorgen. Für mich gehören Sie selbstverständlich zu unserer Gesellschaft dazu. Was denn sonst?. Die Respektlosigkeit von Herrn Riexinger vor Leuten, die in den Auslandeinsatz gehen, ist u. a. frauenfeindlich, wenn man berücksichtigt, wie groß die Angst der Frauen in Afghanistan vor dem Erstarken der Taliban ist. Herr Riexinger und seine Genossen von der Linkspartei haben noch immer nicht verstanden, dass man fähig sein muss seine Freiheit zu verteidigen. Sie verwechseln Verteidigungsfähigkeit mit Kriegslust. Sie verwechseln den humanitären Einsatz der Bundeswehr in Inneren mit der der Erfüllung von Polizeiaufgaben im Inneren und unterstellen zwischen den Zeilen damit auch noch diktatorischen Absichten. Steckt hier Vorsatz und Absicht dahinter? Damit spalten sie, statt zu vereinen. Sie sind damit nicht besser als die Spalter von rechts. – Michael Pëus

Ich bewundere Frau Leutnant zur See Nariman Hammouti für Ihren Mut, ein Streitgespäch mit einem Berufspolitiker zu führen, von dem sie weiß, dass eine unaufgeregte Diskussion mit ihm zum Thema Bundeswehr nicht möglich ist. Genau aus diesem Grunde ist sie auch überzeugender als Bernd Riexinger, dem es nicht gelingt, auf einfache Fragen der ZEIT sachlich zu antworten. Dass die Bundeswehr bereit ist, sich dafür einzusetzen, dass auch er weiterhin seine Meinung frei äußern kann, scheint ihn dabei nicht zu beeindrucken. Zwei Dinge wären Bernd Riexinger sicher hilfreich: Ersten den Text „Koloman Wallisch Kantate“ von Berthold Brecht, einer (zum Glück nicht nur) Ikone der Linken, zu lesen und zweitens die Bundeswehr in einem der Einsatzgebiete zu besuchen. Hier könnte er leicht feststellen, dass gerade Soldaten sich wünschen, nicht mehr gebraucht zu werden. Und über die von ihm vermisste kritische Distanz müsste er sich auch keine Sorgen mehr machen: Zum Wohl der unterstellten Soldaten ist die Prüfung von Befehlen jedem kommandierenden Offizier selbstverständlich. – Dr. Wolfgang Barth

Den guten Argumenten und den Fakten, die Herr Riexinger vorbringt, gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Ich kann ihm in Allem nur zustimmen. Wenn ich Frau Hammouti zuhöre, nehme ich ein Frau war, die sich sehr danach sehnt dazu zu gehören. Leider schießt sie dabei etwas über das Ziel hinaus und befindet sich im Bereich eines Korpsgeistes, der schon anfängt gefährlich zu werden, da er ihre Kritikfähigkeit einschränkt. Es ist auch keineswegs richtig, dass sie ihre Lösung für ihr Problem Anderen aufzwingen will. Stattdessen muss sie an sich arbeiten. Das Problem in dem Gespräch ist, dass Herr Riexinger auf der rationalen Sachebene argumentiert und Frau Hammouti emotional. Daher konnten die beiden nie wirklich zusammenkommen.

Leider haben die Moderatoren das nicht erkannt und so keine Versuch unternommen die Kontrahenten zusammenzuführen. Nicht nachvollziehen kann ich die Aussage die Anwesenheit von Polizisten und evtl,. Soldaten erhöhe das Sicherheitsgefühl. Es handelt sich um Menschen, die gelernt haben zu töten. Also sind sie auch bereit zu töten, sonst hätten sie sich der Ausbildung verweigert. Ich stelle damit nicht die subjektive Grundhaltung fast aller Angehörigen dieser Berufsgruppen in Frage etwas Gutes erreichen zu wollen. Doch ich fühle mich in ihrer Anwesenheit immer bedroht. Daher kaufe ich auch nicht in Geschäften, in denen Scurity-Mitarbeiter herumstehen. – Iman Schwäbe

Es ist ja nicht neu, dass die „Linke“ ein zwiespältiges Verhältnis zur Bundeswehr hat. Herr Riexinger möchte sie am liebsten gleich ganz in die Kasernen verbannen. Geht es ihm dabei wirklich nur um die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit? Nun gut, seine Argumente, die Bundeswehr in den Kasernen zu lassen, überzeugen mich nicht. In der Corona- Krise ist ja wohl jede helfende Hand nötig, eine ernste Ausnahmesituation, niemand weiß, was noch kommen wird. Warum sollte man da nicht die Ressourcen der Bundeswehr nutzen? Herr Riexinger möchte zwar auch, dass die Bundeswehr ein paar Krankenhäuser zur Verfügung stellen, dabei aber ansonsten möglichst nicht in Erscheinung treten soll, so wie ein unliebsames Kind, dass man der Öffentlichkeit nicht präsentieren darf.

Die Bundeswehr hat schon öfters bei der Bewältigung von Katastrophensituationen ihren Beitrag geleistet, z.B. in der Schneekatastrohpe 1978/79 oder bei dem Elbehochwasser 2002. Ausnahmesituationen – wie auch die Corona-Krise jetzt. Und nein, die Bundeswehr ist danach nicht zur Reichswehr mutiert. Wie und wann sie Unterstützung leisten kann, ist im Grundgesetz verankert. Vielleicht ist Herr Riexinger hier ja etwas geschichtsvergessen. Seine Befürchtung, durch einen jetzt in der Öffentlichkeit sichtbaren Einsatz der Bundeswehr im Inneren könne sich die Geschichte mit der Reichswehr wiederholen, ist so weit hergeholt, allenfalls die Konstruktion einer Begründung, um nicht zu sagen Unsinn.

Er liegt m.E. auch falsch, wenn er glaubt, dass mehr Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum nur dazu führen kann, das Militärische zur Selbstverständlichkeit zu machen und damit den Boden für mehr Aufrüstung und Auslandseinsätze zu bereiten. Ich stehe den Auslandseinsätzen der Bundeswehr durchaus kritisch gegenüber und finde, sie sollten auf das Nötigste beschränkt sein. Mehr Präsenz im Inland wird wohl aber kaum zu mehr Einsätzen der Bundeswehr im Ausland bzw. zur Bevorzugung von militärischen Lösungen führen. Wieso? Das halte ich für eine Unterstellung und nicht für eine Argumentation.Weiter glaubt Herr Riexinger, dass Rechtsextremisten sich von den autoritären Strukturen in der Bundeswehr geradezu angezogen fühlen und deutet damit an, dass die Präsenz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit an sich schon das Problem von Rechtsextremismus in der Bundeswehr fördere. Es mag ja stimmen, dass gerade Rechtsextremisten Hierachien, Uniformen und zackige Musik besonders lieben, aber geht es ihnen nicht viel eher um systematische Unterwanderung? Und die ist nun wirklich gefährlich (die Polizei beklagt dieses Problem mittlerweile auch).

Ich glaube nicht, dass die Absenz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit den Zustrom von Rechtsextremisten in die Bundeswehr verhindern könnte. Sie in den eigenen Reihen aufzuspüren und zu bekämpfen ist das oberste Gebot. Die Bundeswehr tut das unter den Augen der Öffentlichkeit, zum Glück, und nicht hinter verschlossenen Kasernentoren, hinter die sie sich Herr Riexinger so sehr wünscht. Anderenfalls könnte vielleicht wirklich der Eindruck entstehen, die Bundeswehr sei ein“ Staat im Staate“. Herr Riexinger lässt sich zwar gerade noch die halbherzige Aussage abringen, dass die Bundeswehr weiter Bestandteil der Demokratie bleiben und mehr mit der Zivilgesellschaft in Berührung kommen solle. Er widerspricht damit allem, was er vorher gesagt hat, denn er argumentiert doch eigentlich nur für die Ausgrenzung der Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum. Ausgrenzung ist das Gegenteil von Integration, dass weiss Herr Riexinger doch auch, oder? – Regina Stock

Mit Vergnügen habe ich gerade im Netz einen Artikel über einen Unternehmer gelesen, der nach seiner Büroarbeit sich umzieht und als Hauptmann der Reserve in Hamburg bei der Organisation von Beatmungsgeräten in der Bundeswehr in Hamburg tätig ist. Ein guter Beitrag an unsere Gesellschaft im Land. Dabei erinnerte ich mich an das Streitgespräch zwischen Herrn Riexinger und Frau Hammouti mit Ihren Redakteuren der Herren Bittner und Schirmer. Ich frage mich ernsthaft, was Herr Riexinger wohl tut. Er freut sich sicherlich auch über die schwarze Null im Bundeshaushalt! Sonst wäre das Geld, welches wir im Moment dringend benötigen, verfrühstückt. Vor allem aber das Geld, das die Reichen an Steuern bezahlen, längst verbraucht, was die Reichen nicht mehr hätten bezahlen können, da sie ja, nach Riexingers Meinung nach, in Arbeitslagern schuften müssen. Meinungsfreiheit gem. Art. 5 GG steht auch Herrn Riexinger zu. Aber einen Beitrag an das Gesamte zu leisten und nicht nur davon zu partizipieren auch? Frau Hammouti hat sich dazu vorbildlich geäußert. Ich merke gerade, dass es eine positive Entwicklung bei der Bundeswehr gegenüber meiner zeitweiligen Angehörigkeit in den 70 er Jahren in der Bundeswehr gegeben hat. – Rolf-Dieter Prochnio

Meine Gratulation an Frau Hammouti! Klarer Punktsieg! Mit Standhaftigkeit und überzeugenden Worten hat sie Herrn Riexinger verleitet, die ideologisch begründete Inkonsistenz seiner „persönlichen Standpunkte“ selbst offenzulegen: Wasch mir den Pelz, doch mach mich nicht nass!! Oder „Gut gemeint, ist noch nicht gut gemacht“! Nicht er, sondern sie hat genügend Moral im Gewissen, um die Bevölkerung im Bundestag zu repräsentieren! – Franz Berger

Auf ein derartiges Bekenntnis zu unserem demokratischen Rechtsstaat in der ZEIT habe ich lange gewartet. Es freut mich zu lesen, mit welcher Selbstverständlichkeit, sogar „Stolz“, Frau Hammouti sich zu ihrem Soldatsein bekennt. Natürlich kann sie das unbefangener tun als unsereiner, der NS-Zeit und Reichswehr ständig im genetischen Gepäck mitschleppt, diesen deutschen Ballast, aus dem Herr Riexinger allerdings einen hilf- und wehrlosen Pazifismus ableitet. Die deutsche Soldatin mit arabischen Wurzeln macht mir klar, dass eine deutsche Armee in der Außenwirkung nur international im Verbund von EU und Nato zu agieren hat. Aber auch im Innern soll die Bundeswehr die Autorität des Staates z. B. durch die Uniform in der Öffentlichkeit repräsentieren. Steckt in einer solchen Uniform gar eine selbstbewusste junge Frau mit arabischen Wurzeln, sollte die Außenwirkung umso positiver und nachhaltiger sein. Danke, Frau Nariman Hammouti!! – Wilhelm Kösters

Ich las soeben das Streitgespräch zwischen Herrn Riexinger und Frau Hammouti. Das Ausmaß an Ignoranz und Voreingenommenheit in Herrn Riexingers Äußerungen macht ihn ihn für mich völlig unwählbar, gleichermaßen seine Partei, die ihn nominiert. Und das sage ich ohne eine besondere Nähe zur Bundeswehr zu haben. Und ohne besondere Feindschaft zur Linken. – Dirk van Führen

Also mir zieht es die Schuhe aus, wenn ich lese was ein Herr Riexinger von der Linkspartei, ein gewählter Volksvertreter, über unsere Bundeswehr denkt. Nach seinen Worten hat die Bundeswehr weder im Innland noch im Ausland etwas verloren. Also am liebsten abschaffen, oder Herr Riexinger? Als Wehrdienstverweigerer hat er, wie er selbst sagt, keinen besonderen Respekt vor Leuten,die in den Auslandseinsatz gehen. Man wird als Soldat zum Kämpfen und Töten ausgebildet. Dieses Berufsbild erfordert keinen besonderen Respekt, sagt er. Weiterhin vergleicht er die Bundeswehr mit der Reichswehr. Zitat:,,Wer den Einsatz der Bundeswehr im Innern fordert, ist geschichtsvergessen. Wir haben die schlimmsten Erfahrungen gemacht mit dem Einsatz der Reichswehr im Innern.“ Und das im Zusammenhang wo es um einen Einsatz der Bundeswehr im Innern geht um die Coronakrise zu überwinden. Also hier geht es nicht um einen bewaffneten Einsatz.

Interessant ist sein Einsatz für die sozial Schwächsten, womit er zweifelsohne Recht hat, vor dem Hintergrund das ein Bundestagsabgeoerdneter mittlerweile über 10000 Euro Diät bekommt. Von allen anderen Vergünstigungen ganz zu schweigen. Allerdings habe ich noch nichts davon gehört das sich die Linkspartei gegen eine Diätenerhöhung gewehrt hat. Traurig finde ich außerdem den Vorwurf an Frau Hammouti, Leutnant zur See, stolz auf Ihren Beruf und Ihr Land zu sein. Wir sollten in Deutschland langsam dazu überzugehen auch mal stolz auf uns zu sein, ohne gleich mit der rechten Keule zu schwingen. – Steffen Bittner

Leserbriefe zu „Falsche Feinde“ von Roman Pletter

Anders als Sie meinen, liegen viele Kritiker (zu den Politikern siehe weiter unten) an dem Verhalten von Adidas nicht so falsch. Ich möchte nur einmal darauf hinweisen, dass Adidas erst am 31. März 2020 das Aktienrückkaufprogramm für 2020 offiziell ausgesetzt hat (also nach der Ankündigung, die Mieten für April 2020 erst einmal nicht zu bezahlen). Adidas hat zwar bereits die Hauptversammlung verschoben, aber nicht angekündigt den Vorschlag für die Dividende zurückzunehmen (immerhin € 3,85 pro Aktien), egal ob aktienrechtlich wirksam oder nur als reine Aussage bzw. Wunsch für die Entscheidung der HV. Jetzt muss ich persönlich werden: Ihr Vergleich der Barmittel mit dem Gesamtaufwand eines Jahres erscheint mir als Wirtschaftsprüfer doch eine gedanklich Fehlleistung zu sein. Adidas hat eine Materialeinsatzquote von ca. 50%.

Wenn nicht produziert wird, sind auch keine Aufwendungen bzw. in diesem Zusammenhang keine Zahlungen notwendig. Und die Länder mit Verkauf können locker aus dem bestehenden Vorratsbestand (mehr als Mrd. € 4) bedient werden, ohne das Geld abfließt. Wenn gleichzeitig bereits für 1.200 Mitarbeiter Kurzarbeit nur in Deutschland angekündigt werden, dann erscheint mir Ihr Vergleich mit dem Gesamtaufwand noch nicht einmal dem berühmten „Milchmädchen“ gerecht zu werden. Dies erscheint mir dann doch etwas zu einfach dargestellt. Es ist leider wie immer: Die Großen nehmen ihre Rechte (da war das Gesetz noch nicht einmal veröffentlicht) sofort und ohne jeden Skrupel wahr. Und sie haben auch das notwendige Wissen oder die Berater, um auch den letzten Cent öffentliche Gelder einzusammeln. Die tatsächliche Lage spielt keine Rolle. Vorgeschobener Grund: Sonst könnte ich ja belangt werden. Da ist der Mittelstand und viele Kleine doch moralisch etwas anders aufgestellt. Als Aufsichtsratsmitglied oder Vorsitzender würde ich auf die Absetzung des Vorstandsvorsitzenden drängen. Die Stundungsvorteile aus der Miete werden mit der dummen Kommunikation aber locker durch den Reputationsverlust übertroffen.

Der Hinweis auf institutionell Anleger, die mal ruhig auf die Miete verzichten können (ich meine die Zahlung, nicht endgültig), finde ich dann doch schräg. Siehe oben zum Aktienrückkauf und zur Dividendenankündigung. Aber dies beträfe ja dann auch Seine Anleger oder seine Boni. Wenn ich mir da einen Pensionsfonds vorstelle, der nun im Kurs abgestürzte Aktien zur Zahlung von laufenden Renten verkaufen soll, weil die Miete aus der Immobilienanlage nicht kommt. Aber institutionelle Anleger oder Fonds hört sich gleich einmal nach gierige Spekulanten an. Über das populistische Verhalten mancher Politiker brauchen wir uns nicht streiten. Da bin ich auch auf Ihrer Linie, vor allem wenn es nur um Gelaber geht, aber nicht um das dann auch notwendige Handeln (siehe lange Jahre bei den Cum-Ex-Geschäften). Am Ende wahr dies vor allem eine komplette kommunikative Fehlleistung von Adidas. Denn in vielen Fällen braucht es nicht einmal das neue Gesetz, um in einem normalen Gespräch den Vermieter von einer Stundung zu überzeugen.

An wen will den ein Vermieter aktuell nach Kündigung vermieten? Soviel wirtschaftlichen Sachverstand darf man den meisten, gerade institutionellen Vermieter durchaus zutrauen. Aber warum muss man dies sofort an die Presse raushauen? Ich verstehe es nicht. Aber der Rückzieher zeigt deutlich: Die Öffentlichkeit lässt den Managern nicht mehr jeden, ggf. rechtlich erlaubten Winkelzug durchgehen. Dies sollte irgendwann auch der Letzte verstanden haben. Und natürlich steht auch Adidas (und indirekt den vielen Mitarbeitern bei Adidas) die Unterstützungsleistungen (ob Zahlungen oder rechtliche Maßnahmen) zu, aber der Ton bzw. die Reihenfolge der getroffenen Maßnahmen machen die Musik. – Jens Kruse

Nach der Lektüre des Artikel „Falsche Feinde“ von Roman Pletter war ich geschockt und frage mich seitdem, was Herrn Pletter bewogen hat, Adidas in dieser Form beizuspringen. Bei Adidas hat Kasper Rorsted das Sagen und deshalb hat es nicht überrascht, dass die Firma unter den ersten war, die geschrien hat, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen will. Herr Rorsted ist einer der erfolgreichsten aber auch kompromisslosesten Profitoptimierer im DAX. – Er zahlt heute seine Miete nicht, wird aber auch in der Phase nach Corona gnadenlos sanieren. Oder glaubt Herr Pletter tatsächlich die eingesparte Miete würde hinterher einen einzigen Job retten, von dem Herr Rorsted meint, dass er weg muss ?

Was die Sache nicht besser macht: Die flüssigen Mittel von mind. 2 Millarden Euro will Adidas in Aktienrückkäufe stecken. – Ist das die Form von Kapitalismus, der wir applaudieren sollen ? – Egal wie die Zeiten gerade sind, für sich selbst und die Aktionäre nur das beste, und wenn das auf Kosten von anderen geht, ist das doch deren Problem – oder ? Ich stimme allen zu, die Adidas kritisiert haben und enttäuscht sind. – Wo viel Macht ist, sollte auch viel Scham sein (Anselm Grün). – Wenn das bei Adidas der Fall wäre, dann müßten sie Herrn Rorsted entlassen. – Karl-Heinz Schlemmer

Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe wird im Artikel „Falsche Feinde“ der Begriff Rettungsbreitbeinigkeit verwendet. Es scheint sich hier um eine Wortneuschöpfung des Autors zu handeln, die auch nicht erklärt wird. Es gibt nirgends eine Erläuterung für eine Verwendung im übertragenen Sinne. Was soll der Begriff bedeutend? – Dominika Pienkos

Hätte der Pressesprecher der Firma adidas, Herr Roman Pletter, sich auch nur die geringste Mühe journalistischer Sorgfalt gemacht, wäre der Artikel anders ausgefallen. So st ein Niveau in der Zeiterreicht, das mich entsetzt. Wer von 2013 bis 2019 das Ergebnis je Aktie (3,76 auf 10 €), die Dividende (1,50 auf 3,85€), den Umsatz je Aktie (69,27 auf 119,63€), die Umsatzerlöse (ca. 14,5 Mio auf 23,6 Mio €) und das Ergebnis vor Steuer (1.134 auf 2.558) ansieht, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als der Geschäftführungsmitarbeiter Pletter. adidas nutzt die Krise weidlich aus und beweist ein frühkapitalistisches Verhalten! Das anzuprangern ist eben nicht antikapitalistisch, sondern entspricht der sozialen Marktwirtschaft! adidas und Herr Pletter gefährden das gemeinsame demokratische Verständnis von Wirtschaft in der Bundesrepublik! – Peter Helbig

Der tränenreiche Artikel Ihres Ressortchefs Wirtschaft auf der Titelseite ist doch sehr befremdlich. Adidas verzeichnet seit Jahren steigende Umsätze und Gewinne und erreichte 2019 Spitzenwerte. Adidas hat eine Marktkapitalisierung von 37,76 Milliarden Euro und schüttet eine Dividende von 2,04% an seine Aktionäre aus! Leider gibt es zahlreiche Versuche, aus der Krise ein Geschäft zu machen. Und dazu gehört auch der Versuch von Adidas. – Klaus Gilg

ich denke es gibt einen kleinen Unterschied zum Thema Adidas AG und es geht dem Unternehmen wirklich anders als den kleinen Unternehmungen. Es handelt sich bei Adidas um eine Aktiengesellschaft. Was Sie nicht erwähnen ist die schlichte Tatsache, dass sich Aktiengesellschaften bei ihren Aktionären Kapital besorgen können. Auch Schuldverschreibungen sind möglich. Auch der Aktienkurs ist in der Betrachtung der letzten zehn Jahre beträchtlich nach oben gegangen. Es gibt noch eine gute Spanne nach unten, oder wie wir heute zu sagen pflegen „ da ist noch Luft nach oben“. Ob das meine kleine Buchhandlung hat, mag ich stark bezweifeln. Und Keynes geht von ganz anderen Marktbedingungen aus, die gleiche Leistung durch gleiche Leistung abzudecken. Das können Sie bei Helmut Schmidt recherchieren, dem eine Währungsstabilität ganz wichtig war, auch zum Preis einer europäischen Insellösung. – Volker Schröder-Witte

Mit etwas Befremden las ich den zum Fall Adidas. Meiner Meinung wird hier das falsche Unternehmen in Schutz genommen. Ein Unternehmen, das in Asien von Arbeitssklavinnen und Arbeitssklaven unter menschenunwürdigen Bedingungen Sportbekleidung herstellen lässt und diese dann für ein Vielfaches der Herstellungskosten hier verkauft, sollte nicht so tun, als wäre es kurz vor dem Ruin. Die sehr hohen jährlichen Gewinne werden bei Adidas scheinbar nicht dazu genutzt, unter anderem auch Rücklagen zu bilden für schlechtere Zeiten (in der Landwirtschaft heißt es „eine Ernte steht auf dem Feld, eine Ernte liegt im Speicher und eine Ernte liegt auf der Bank“). Adidas verschleudert lieber Unsummen an Fußballvereine und an die in den Vereinen fußballspielenden Millionäre. Treten Spieler mit Teilen mit den drei Streifen in Fernsehstudios auf, wird das ja zusätzlich zum Gehalt auch noch einmal von Adidas honoriert. Diese Jungmillionäre tragen das Geld dann (mit wenigen Ausnahmen) überwiegend zu Starfriseuren, in Tattoo Studios oder in Autohäuser.

Ich möchte nicht wissen, wie hoch der Anteil an Sponsorengeldern an den Gesamtkosten von 22 Milliarden Euro pro Jahr ist! Erst wenn Adidas in Asien menschenwürdige Löhne bezahlen würde, erst wenn Adidas mit dem Unfug aufhören würde, Millionäre für das Tragen der Produkte extra zu honorieren, erst wenn Adidas aufhören würde, Vereine mit Sponsorengeldern zu fluten, damit diese für Unsummen Spieler kaufen können und diese wiederum mit Millionengehältern versorgen, erst dann könnte man vielleicht so ein Verhalten verteidigen! Adidas hat nun aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit doch verstanden, dass das Unternehmen zum falschen Zeitpunkt gejammert hat. Man sieht aber bei dieser Gelegenheit auch, dass die maßgeblichen Personen in dieser Firma sich jenseits jeglicher Realität befinden und nicht mhr wahrnehmen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die aufgrund dieser Pandemie viel größere Probleme haben, als Adidas. Das kam in diesem Artikel viel zu kurz: Diese Abgehobenheit und die Arroganz der Führungsriege hätte beleuchtet werden müssen und vor allem die unsägliche Geldverschwendung mit in diesen Höhen keinesfalls gerechtfertigten Sponsorenverträgen! – Volker Loch

Es stimmt vielleicht, dass das Thema Adidas mehr Reaktionen hervorrief als bei den vielen mittleren Unternehmen. Aber dass Adidas in dieser Zeit keinen Umsatz macht, nehme ich Ihnen nicht ab. Der online-Handel brummt (Amazon hat gerade 10000 neue Mitarbeiter eingestellt),und es zeigt sich jetzt wer darauf vorbereitet ist und wer die Zeit verschlafen hat. Im Gegensatz zu den Kleinbetrieben hat ein Konzern wie Adidas jedenfalls vielmehr Möglichkeiten sich auf ein neues Wirtschaften einzustellen. – Michael Sandner

Sie beschreiben anhand der Kritik an Adidas sehr richtig, dass wir in Zeiten der Krise nicht auf vermeintlichen Feindbildern herumhacken sollten. Sie haben vollkommen recht, aber danach müsste in Ihrem Artikel noch etwas kommen. Mir wäre beim notwendigen guten Zusammenhalt in der Krise wesentlich wohler, wenn in guten Zeiten nicht einige Großkonzerne mittels internationaler Konzernaufsplittungen ihre regulären Steuerzahlungen minimiert hätten. Ob Adidas auch dazugehört, weiß ich allerdings nicht. Im Web kann man recherchieren, dass es sich beispielsweise um Amazon, Apple, Disney, Facebook, Google, Ikea, McDonalds und Starbucks handeln soll. Viele deutsche Banken beteiligen sich an Steuervermeidungstricks, wie Umbuchungen vor und nach Dividendenausschüttung, ganz zu schweigen von den Cum-Ex/Cum-cum-Geschäften. Können wir das nach der Krise vielleicht noch einmal aufgreifen? Dann wäre ich als Teil der Gemeinschaft wesentlich sicherer, dass ich nicht in der Not bloß ausgenutzt wurde. – Christopher Schulz

Ich kenne dir ZEIT als ein durchaus kritikbereites Blatt. Aktuell vermisse ich das sehr. Sie verteidigen fleißig, wenn ein milliardenschweres Unternehmen (adidas) Mietzahlungen einstellen will. Verschweigen aber, dass dadurch das Problem teils vom Mieter auf den Vermieter verlagert wird (natürlich nicht nur bei adidas und Co, sondern auch bei den Kleinen) und dass so auch noch die Vermieter in finanzielle Bedrängnis geraten. Wo liegt da der Nutzen? Zweitens fehlt mir vehemente Kritik an dem Umstand, dass die Ketten im Einzelhandel ALLES verkaufen dürfen, den kleinen Einzelhändlern aber der Verkauf der selben Produkte (etwa Spielwaren, Papier, Saatgut für den Garten) verboten wird. Es werden mal wieder nur die Fetten gemästet und die Kleinen als Konkurrenz vernichtet. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass die Scheinhilfe mit den Krediten, die die Unternehmen später nicht tilgen können nur eine Farce und Lüge von Altmeier und Co ist. – Iman Schwäbe

“Es geht Adidas da nicht anders als dem kleinen Unternehmen an der Ecke.” .....werben Sie allen Ernstes um Verständnis für den ach so armen Adidas Konzern?!? (...hatte leider 22 Milliarden Euro Kosten im Jahr!) Ich kann nicht glauben, was ich da lese. Wo ist denn Ihre ZEIT gelandet?! – Susanne Dieteberger

Alle Argumente, die für Adidas sprechen, gelten im kleineren Umfang auch für Kleinbetriebe. Was Adidas mithilfe Ihrer sehr guten Juristen wahrscheinlich vorhat, ist, daß einige Firmen, nachdem die Krise bewältigt ist, mithilfe ihrer Juristen den Staat verklagen möchte. Welcher Kleinbetrieb kann sich das erlauben, gegen den Staat zu klagen? deshalb finde ich es beschämend, wenn Großfirmen mit angeblich nicht genügend Kapital die Miete nicht weiter zahlen. Diese Bedenken wurden von der Zeit nicht erwogen. – A.-K. F.

Der Fall Adidas zeigt, wie wichtig es ist, dass der Staat und nicht das Unternehmen die Spielregeln der Umverteilung der „Coronagelder“ definiert. Ebenso die Solidaritätsfrage klärt, wer den Preis zu zahlen hat. Da gehört auch das Mietrecht dazu. Für Wohnimmobilien gibt es ein „Coronarecht“, das den Mietern Schutz bieten soll. Für gewerbliche Mietverhältnisse gibt es bis dato keine neuen gesetzlichen Regelungen. Sich hinter dem Wohnimmobiliengesetz zu verschanzen war feig. Wenn es um die Liquidität des Unternehmens geht, dann sind Banken die richtigen Ansprechpartner. Wo kommen wir hin, wenn jeder seine eigenen Wildwestmethoden anwenden will. Dann kaufen die verunsicherten Menschen Waffen und kein Klopapier. Vielmehr wollte Adidas seinen Aktionären zeigen, wie sparsam das Unternehmen in den Krisenmonaten sein möchte. Dieses Zeichen hat der Konsument vehement kritisiert- das war gut so. Ebenso war es gut, dass Adidas sich für sein Verhalten entschuldigt hat. – Johann Dorn

Stellen wir uns einmal den Corona-Virus als Verhandlungspartner und Vertreter der Natur vor. Wie wäre das Ergebnis von Verhandlungen mit Politikern, Vertretern der Wirtschaft und Börsianern? – Eine Hilfestellung, dass die Zeit nach der Corona-Krise für alle gerechter werden könnte! – Walter Moritz

Leserbriefe zu „Europa kann nur weiterleben, wenn die Europäer jetzt füreinander einstehen“ von Peter Bofinger et al.

Die gemeinsame Forderung aus Intellektuellen, Künstlern, Politikern und Ökonomen führt in die richtige Richtung. Denn wenn die Europäische Union selbst in Zeiten einer riesigen Katastrophe nicht die politische Kraft für eine echte Solidarität aufbringt, dann verliert auch der historische Integrationsprozess als solcher in weiten Teilen seine Legitimität. Zumal ohne eine substanzielle Hilfe von außen es für ein Land wie Italien sehr schwer werden dürfte, sich weiter im Korsett einer Währung wie dem Euro zu halten, da die Pandemie gerade im Zentrum der dortigen Wirtschaftskraft Lombardei wütet. Deshalb sollten insbesondere die „Falken“ im Bundesfinanzministerium hier noch einmal ihre harte Haltung bzw. ihren deutschen Tunnelblick überdenken! – Rasmus Ph. Helt

Es mag sein, dass der Unterzeichner von Wirtschafts- und Finanzpolitik weit weniger versteht als manche UnterzeichnerInnen des oben zitierten Aufrufs. Dennoch mag man mir folgende Fragen nachsehen: – ‚Bei den Corona-Bonds sollen die aktuell und in den kommenden Monaten entstehenden Schulden gemeinschaftlich getragen werden‘. Wie lässt sich diese Forderung sinnvoll ein- oder abgrenzen? Geht es um Defizite in der Krankenversorgung, um die Vernetzung von Schulen und Hochschulen, um die Anwerbung und Finanzierung von Pflegepersonal, und deren jeweiligen Finanzierung? – ‚Es geht ... um eine zeitlich begrenzte Maßnahme, die es Italien und anderen in ihrer Existenz bedrohten Ländern erlauben würde, die Krise und die Zeit danach politisch und ökonomisch zu überleben‘. Werden die Corona-Bonds damit zu Schulden wie bei der EZB, die zwar aufgenommen, an deren Rückzahlung, wenigstens nach dem derzeitigen Status quo, aber nicht zu denken ist? Wie sähe denn die Gefährdung der bedrohten Länder in zwei oder drei Jahren aus, meinetwegen auch in zehn? Die fiskalische Situation der betroffenen Länder wäre von der jetzigen, die ihrerseits schon vergleichbar lange dauert, kaum zu unterscheiden.

Wenn es um abgrenzbare Einzelfälle geht, die auf die Epidemie zurückgeführt werden können, sollten die drei Schritte ESM, Europäische Inverstitionsbank und Hilfen der EU-Kommision auch in ihrer Kombination vorerst ausreichen. Sie sind sicher nicht ausreichend für all die Defizite, die nicht auf die Epidemie zurückzuführen sind, sondern die diese nur sichtbar gemacht hat: Unzulängliche Gesundheitsversorgung, nicht hinreichende Schul- und Hochschulfunktionen, Defizite in der Alten- und Pflegebetreuung z.B. Vorrangig moralische Appelle – die Europäer (müssen) jetzt füreinander einstehen – könnten dann gerechtfertigt sein, wenn sich alle Beteiligten von diesem ‚füreinander‘ motivieren ließen. Aber das scheint – wie in der Vergangenheit – wohl eher nicht der Fall zu sein: Die deutsch-französische Verbundenheit wird unter Macron immer wieder durch rigorose nationale Eigeninteressen beschädigt.

Letztes Beispiel: die erforderliche Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft durch Staaten auf dem Balkan und die Stellung Frankreichs hierzu. Nicht nur in der Kunst, auch in der Politik gilt, dass ‚gutgemeint‘ der jeweilige Gegensatz von erforderlicher Berücksichtigung eigener Gesetzlichkeiten ist. Verlangen wir statt dessen die Realisierung einer europäischen Fiskalpolitik, möglicherweise erst einmal mit jenen Staaten, die die Hilfe am dringendsten brauchen. Das wäre der Versuch, ein eklatantes Defizit der Eurozone wenigstens ansatzweise zu beheben. Und er würde möglicherweise die Spreu vom Weizen und die Lippenbekenntnisse von zukunftsträchtiger Hilfe scheiden. p.s. Ich schlage vor, dass Sie für LeMonde die Anmerkungen ins Französische übersetzen. – Michael Machleidt

Einheit fördern, solidarisch sein.

Die Forderung nach einem Coronar-Fonds von Mitmenschen, von denen ich einigen bisher in vielerlei Hinsicht nicht nahestehe, sprach mich spontan sehr an. Die ungeschönte Analyse und der Vorschlag eines konkreten Lösungsweges begeistern mich. Ich habe große Hochachtung vor den enormen Anstrengungen, die Fachleute aufbringen, das Problem in den Griff zu bekommen. Vor Allem möchte ich, dass denjenigen, die an und mit den Kranken arbeiten, künftig die ihnen zustehende Anerkennung dauerhaft bekommen. Sie sind die wahren „Helden“, wovon sonst erfreulicherweise auch spontan viele aus dem Stand da waren. Richtig ist der Blick derjenigen, die den Aufruf starteten, nach vorne. Wenn es – hoffentlich bald – wieder ruhiger wird, werden allerdings die alltäglichen Bedenken und Vorbehalte wieder stärker in den Vordergrund treten. Und da werden nationale Interessen und die Bürokratie manches verhindern. Man fragt sich, ob man dieses verhindern oder überwinden kann.

Dazu muss man anerkennen, dass es in Europa in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Verhältnisse gibt, die man auch nicht „wegorganisieren“ kann. Sicherlich werden individuelle Lebensweisen eine Rolle spielen, aber es gibt Naturgegebenheiten mit schlechteren wirtschaftlichen Gegebenheiten, die wir kurzfristig nicht nachhaltig verändern können. Da ist dann ein solidarischer Ausgleich notwendig, z. B. über den vorgeschlagenen „Corona-Fonds“. Ich finde es schade und – wahrscheinlich – hinderlich, dass die Verfasser des Aufrufs sich als „Liebhaber der mediterranen Kultur“ outen. Es zu sein, ist legitim; aber wer will schon als steuerzahlender Unternehmer oder Bürger, und die und deren Kinder und Enkel werden es am Ende bezahlen müssen, solch einen solch „exklusiven“ Kreis retten? Zugegeben, am Ende des Artikels steht, dass wir „Europäer alle in einem Boot“ sitzen. Das stimmt. Ich erwarte und hoffe, dass wir vorrangig ein gemeinsames Ziel, nämlich „EUROPA“, anstreben sollten, in dem dann „mediterrane Kultur“, aber auch andere, einen Platz haben. – Josef Schliemann

Verständlich ist die Sorge, mit Zustimmung zu Gemeinschaftsanleihen der Rechten neue Munition zu geben. Unverständlich aber ist, die mangelnde Werbung bei der Öffentlichkeit, über die Bedeutung einer derartigen finanzmarktpolitischen Solidarität für das Europaprojekt. Eine Politik aus Angst vor der Rechten ist wohl eher kurzatmig und auf Dauer erfolglos. – Alfred Bröckel

Seit ich am Dienstag, 31. März 2020, abends nach der Tagesschau in ARD Extra zu CORONA den italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte eindringlich sprechen sah und hörte, worum er Europa, worum er gerade Deutschland bat, gehen mir die CORONA-Bonds im Kopf herum. Ich h a b e mich näher informiert inzwischen, verstehe es jetzt besser. Finde die Idee gut. (Absatz 4:) „Bei den Corona-Bonds sollen die aktuell und in den kommenden Monaten entstehenden Schulden Gemeinschaftlich getragen werden. Es geht also um eine zeitlich begrenzte Maßnahme, die es Italien und anderen in ihrer Existenz bedrohten Ländern erlauben würde, die Krise und die Zeit Danach politisch und ökonomisch zu überleben. Hier nichts zu tun käme unterlassener Hilfeleistung Gleich.“ (Absatz 5:) „Es ist für uns nur schwer nachvollziehbar, warum die Bundeskanzlerin und der Vizekanzler so große Vorbehalte gegenüber diesem für die europäische Solidarität und Stabilität notwendigen Schritt an den Tag legen.“

Und: „Wenn der Norden dem Süden nicht hilft, dann verliert er nicht nur sich selbst, sondern auch Europa.“ Nach neuesten Berichten stehen Rußland und China schon in den Europa-Aufweich-Startlöchern. Eine persönliche Bemerkung noch zu den vom bundesdeutschen Finanzminister vorgeschlagenen Maßnahmen, zu seiner „Verweisung“ auf andere „Instrumente“ der Europäischen Union den von CORONA besonders betroffenen Ländern Italien, Spanien und Frankreich gegenüber, den medi- Terranen Ländern, in denen auch viele Bundesdeutsche so gerne ihren Urlaub verbringen: Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob der Freund einem hilfreich die Hand reicht in der Not Und mit ins Boot kommt – oder einen zum Sozialamt schickt, wo Hilfe mit Auflagen nur und unter Erduldung von Demütigungen gewährt wird. Eine n o c h persönlichere Bemerkung: Als ich vor drei / vier Jahren, seit längerem völlig uner- Klärlich und noch völliger schuldlos wieder einmal geschlossen untergebracht war und, nachdem Ich mich im Alleingang bis zum Bundesgerichtshof durchgekämpft hatte, als ich für diese Instanz Einen Anwalt brauchte und, selbst mittellos, herumhorchte, wer mir das Geld für dessen Kosten Leihen könnte, da – und j e t z t passen sie gut auf: Da schrie mir die deutsche, gut situierte Verwandtschaftvorwurfsvoll ins Telefon: „Weißt du, was ein Anwalt kostet?“

Ich kam nicht mehr dazu, zu sagen, daß ich die Kosten selbstverständlich zuvor schon Abgeklärt hatte. PUNKT. Gespräch beendet. Hörer aufgelegt. Meine alte französische Freundin war erst auch nicht begeistert. Klopfte auch erst die Hilfen von Amts wegen ab, ...die alle nicht für, sondern gegen mich gearbeitet hatten. Dann glaubte sie mir, und schickte mir 2000 Euro, die sie nicht zurück haben wollte. Sonst... wäre ich wohl nie mehr frei gekommen. Bleibt anzumerken, daß fast alle v o r der Gefangenschaft bestehenden sozialen Beziehungen Verloren sind. Endgültig. Dieser Staat schuldet mir viel, sehr viel. 20 Jahre Lebenszeit sind eine Menge Zeug. Ich hoffe doch, daß dieses Land weiß, daß es F r e u n d e braucht, daß es E u r o p a b r a u c h t. – Beate Schwärzler

Corona Fonds? JA! Dringend. – Tim Böger

Der Starke ist am mächtigsten allein (aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“; könnte aber auch ohne weiteres aus einem „Best of Donald Trump“ sein). Entsprechend dieser insbesondere auf Dauer zweifelhaften Überzeugung beabsichtigt offensichtlich die deutsche Bundesregierung in der Corona-Krise zu verfahren. Wider den europäischen Geist, der, seinerzeit entfacht mittels einer von amerikanischen Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlern überaus klug und weitsichtig konzipierten Wiederaufbauhilfe für Europa mitsamt Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, nunmehr infolge der Finanzkrise und der sogenannten Flüchtlingskrise völlig verwirrt und kontaminiert scheint. Mit hehren Worten und Absichtserklärungen hat sich das vermeintlich christlich geprägte Europa schon des Öfteren die Ehre gegeben, realiter entwertet sich die Union freilich zusehends.

Statt Solidarität fügen wir Europäer einander tiefe nationale Verletzungen zu, neben all dem Unheil, das derzeit auf jedes Land einwirkt. Kaum vorstellbar, dass sich jene Länder, die nun humanitär „selbstverständliche“ Hilfe von ihren europäischen Partnern geradezu erflehen müssen, nicht erniedrigt und hinsichtlich der gemeinsamen Vergangenheit und Verklärungen nicht ausgenutzt fühlen. Die Bundesregierung hat die Corona-Krise bislang so schlecht nicht gemeistert, hat den wahren Helden des Alltags ob deren nicht ohne persönliches Risiko gelebte Solidarität und Zuverlässigkeit zu Recht applaudiert und Dankbarkeit ausgesprochen. Vielleicht wächst sie (die Regierung) sogar noch über sich hinaus – eben im gesamteuropäischen Geiste.

Stehen wir glaubhaft ein für das derzeit oftmals bekundete Mitgefühl und Verständnis gegenüber den Nöten unserer europäischen Nachbarn, wie auch immer wir diese mittelbare und/oder unmittelbare Unterstützung dann benennen. Noch hat Deutschlands Wirtschaft einen guten Namen; in diesem Namen müssen wir jetzt ernsthaft handeln, weil die Lage nicht nur in Deutschland ernst ist. Nicht zuletzt die europäische Idee steht unter dem Vorbehalt der Bewährung, es droht ein multilateraler Exit. PS: Selbst Blackrock-Chef Larry Fink gab dieser Tage seinem Herzen mit den folgenden Worten öffentlich einen Ruck: „Wenn wir diese Krise überstanden haben und Anleger ihre Portfolios anpassen, haben wir die Möglichkeit, eine nachhaltigere Welt zu schaffen.“ Na also! – Matthias Bartsch

Angst und Unsicherheit.

Es ist schon traurig, dass die aktuelle Situation einen Anlass bietet, einen Text wie diesen zu veröffentlichen. Leider muss man den Eindruck gewinnen, dass vielen nicht bewusst ist, welchen Wert das gemeinsame Europa darstellt. Aus Angst und Unsicherheit klammern sie sich an überholte Dogmen und beschädigen damit, was sie zu schützen vorgeben. Die Verhinderer der Eurobonds müssen sich fragen lassen: trifft man automatisch richtige Entscheidungen, wenn man Angst hat? Braucht man nicht vielmehr Mut, wenn man Europa erhalten und stärken will? Leider muss deutlich gemacht werden: außer einer Minderheit von ,Rechtspopulisten hat niemand etwas gegen Eurobonds, die Mehrheit wünscht sich ein solidarisches Europa! – Dr. G. Zeyer

Europa – „Europa“? Welches „Europa“ ? €pa ? EUropa? Europa27? Wie mit der Identität von „Europa“ nach wie vor nicht alles so klar ist, so auch nicht mit seinem „Weiterleben“; oder gar seinem „Überleben“. Klar ist nur, dass „Europäische“ (europäische?) Verlegenheiten welcher Art auch immer regelmäßig in einer Geldverlegenheit kulminieren. Und natürlich noch viel mehr so, wenn der„Europäische“ (europäische?) Notstand zwar noch nicht wirklich ausgerufen, aber nach gottfern- eschatologischer Überzeugung tatsächlich ausgebrochen ist. Daher gilt in diesem Kontinent nicht länger: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“; sondern, dass Hilfe von irgendwo anders her kommt. Ist denn nicht eben dieses „Europa“ zu eben diesem Zweck gegründet worden? Nein, eigentlich nicht, denn es handelt sich dabei um Verträge. Eine Verpflichtung zu Solidarität oder gar Barmherzigkeit entzieht sich ihrer Natur nach einklagbarer vertraglicher Regelung im Voraus. Europäische Hilfsbereitschaft ist damit natürlich nicht ausgeschlossen.

Wenn also auf solches gepocht wird, geht es nicht nur um europäische Geschwisterlichkeit, sondern nach allen Erfahrungen um europäische Vorsicht im Sinne kaufmännischer Sorgfalt. Z. B. ein Corona-Fonds? gut; Transfers? gut. Zinsenzahlungen? gut. Aber damit ist vielleicht nur klar: wohin mit dem Geld? aber nicht: woher das Geld nehmen? Wenn da eine deutsche Bundeskanzlerin nicht automatisch einstimmt, dann steht ihre Stimme eigentlich für etwas ganz anderes, nämlich: dass die Erfindung eines solchen Fonds zunächst einmal als jenseits des europäischen (Europäischen?) Vertragsrechtes angesiedelt zu denken wäre, und dass Europäische (europäische?) Hilfs-Appelle mehr literarischen Aktionsdrang als politökonomischen Realismus widerspiegeln können. A propos Literatur: der gegenständliche Text wimmelt von Schwachstellen, und Merkwürdigkeiten, die bestenfalls mit der Tatsache der Übersetzung aus dem Französischen zu erklären wären. Z.B. (und also ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Titel: steht wirklich schon das „Weiterleben“ von Europa auf dem Spiel? 1.Abs,: das „ungeheure“ Ausmaß der Zerstörung: wovon? 2.Abs.: > Nachbarschaftshilfe wurde nicht „hervorgebracht“, sonder zum Vorschein gebracht

> „Brüder und Schwestern aus dem Süden“ gegenüber den Nordländern: wenn denn schon so formuliert: wieso dann nicht Nordländer und Nordländerinnen? 3.As.: > „sehr langfristig“ – möglichst“ und „sehr“: das geht nicht zusammen > meint man mit „Transfers“ automatisch: verlorenes Geld? > die in der Vergangenheit „entstandene“ nationale Verschuldung: da hätte man eigentlich sagen müssen: „begangene...“ > in der „Existenz bedrohte Länder...“: nanana... > „unterlassene Hilfeleistung“ – ein strafrechtl. Begriff; gemeint war wohl: Lebensrettung 4. Abs.: > Gedankengänge der Bundeskanzlerin „nachzuvollziehen“ wäre ja einfach, aber man muss sie nicht teilen. Wahrscheinlich haben die unterzeichneten Herrschaften nur die französische Fassung zu Gesicht bekommen (wenn schon nicht verfasst), und sie wären damit außer Obligo. Nicht aber die ZEIT, von welcher man so was nicht gewohnt ist. – Dr. Alfred Franz

Finanzpolitische Gründe sprechen für Euro/Corona-Bonds. Das Rettungspaket, dass Deutschland für sich schnürt ist mit €1.2 Milliarden fast genauso groß wie alle Angebote der EU an den Rest Europas! Deutschland bekommt für jede 1000 Euro noch €7,70 von den Investoren dazu. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/corona-bonds-anleihen-schulden-eu-1.4868017-2. Schwache Länder dahingegen müssen €15,- drauf legen! Während Deutschland also reicher wird durch seine eigene Coronahilfe https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-rettungsschirm-hilfspaket-1.4868495erdrückt die Zinslast der vorgeschlagenen EU-Hilfen die am schwersten betroffenen Länder. Wieviel effektiver und umfangreicher wären da am Finanzmarkt gemeinsame Anleihen? Deutschland hat bis 2018 beinahe 3 Milliarden an der Rettung Griechenlands verdient. Wollen Merkel, Schäuble, Söder und Scholz, das wiederholen? Bleiben sie bei ihrer AFD typischen harten Haltung, dann kündigt Deutschland einseitig Solidarität, Humanität und Brüderlichkeit innerhalb Europas auf. Diese egoistische und kurzsichtige Machtpolitik steht dann der eines Trum, Xi oder Putin in Nichts nach! – Klaus Siersch

Ich verstehe die ganze Diskussion über sogenannte „Corona-Bonds“ überhaupt nicht. Denn: es gibt ja bereits die Gemeinschaftshaftung, da die EZB ja die Anleihen aller EU-Staaten aufkauft, um diesen Liquidität zu beschaffen. Man kann auch sagen: via EZB werden die Schulden aller EU-Staaten „sozialisiert“, denn jeder haftet indirekt für jeden. Und Deutschland als stärkste Wirtschaftsnation haftet da mit Abstand am meisten. Mehr Solidarität geht gar nicht. Aber: Länder wie Italien haben sie Zeit nicht genutzt, sich umzuschulden, Schulden abzubauen und wichtige Reformen einzuleiten. Mitnichten. Man hat sogar die niedrigen Zinsen genutzt, noch mehr Schulden zu machen. Und nun wird die Corona-Krise dazu missbraucht, via moralischer Argumentation neue Wege zu entwickeln, an neues Geld heranzukommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich gehe weiter: wenn es Deutschland nach der Krise wieder besser geht, wird dies auch unsere europäischen Nachbarn im positiven Sinne mitziehen. Deutschland profitiert von der EU aber jedes andere EU-Land profitiert auch von Deutschland. Win:Win würde ich dies bezeichnen und nicht wie LINKE, GRÜNE + Co, die mit moralischer Selbsterhöhung in Freund-Feind-Bildern denken und Pseudo-Gerechtigkeitsdebatten führen.

Bsp: habe mal gelesen, dass Porsche eine Fertigungstiefe von sagen wir 50 % hat; anders ausgedrückt: 50%+ aller Einzelteile eines Porsche kommen u.a. aus dem europäischen Ausland, d.h. wird ein Porsche verkauft, hat dies auch – indirekt – positive Folgen für die europäischen Zulieferer. Aber/Und: man könnte EUROBONDS als

„Special-Purpose-Bonds“

ausgeben, wo das hierdurch eingenommene Kapital in Projekte fließt, die allen EU-Mitgliedsstaaten von Nutzen sind. Der Themenkomplex Wasserstoff (grüner) wäre hier geradezu perfekt, da saubere Energie in vielerlei Form gewonnen würde (Elektrolyse = Umwandlung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mittel Strom aus Wind-, Sonnen- und Wasserenergie), also Strom, Wärme, Prozesskälte und ergänzend Carbon Capture (CO2-Emissionen mit H2 zu Methan). Folgen: gut für das Klima, viele neue Jobs und Steuereinnahmen, die dann die EUROBONDS zurückzahlen lassen. Win:Win:Win...Da muss ein 100 – 250-Mrd-Euro- Programm her und das kann dann via Eurobonds gemeinsam finanziert werden. Aber Corona-Bonds = ab in die Tonne. – Sven Jösting

Dieser Aufruf verdient jede Form von Unterstützung und ich begrüße es sehr, dass er in der ZEIT veröffentlicht wurde. Man muss in den letzten Jahren den Eindruck bekommen, dass viele Menschen in Deutschland und auch und gerade an führender Stelle in der Regierung, nicht wissen, in welcher Weise unser Land von Europa profitiert hat. Es ist gewiss Deutschland, dazu auch die Niederlande, Österreich und Dänemark, die den größten Nutzen aus dem gemeinsamen europäischen Markt gezogen haben. Dies wird leider in der politischen Debatte in den Ländern nur unzureichend vermittelt. Man starrt auf die rechtspopulistischen Wähler, die aber doch nur eine Minderheit darstellen und zudem keine politischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven für die Länder entwickeln können oder wollen.

Gleichzeitig wird nicht erkannt, welcher Flurschaden in europa-politischer Hinsicht in den Ländern des Südens angerichtet wird. Ich lebe seit einigen Jahren in Portugal, einem Land mit einem Mindestlohn von 640€ im Monat, die auch hier zu wenig sind. Viele Portugiesen arbeiten in Deutschland, Frankreich, Luxemburg oder der Schweiz, sie kennen die dortigen Verhältnisse. Für sie ist kaum nachvollziehbar, dass es derzeit aus Deutschland nur so wenige Initiativen für die gemeinsame Zukunft in Europa gibt. Wenn es tatsächlich mit Europa bergab gehen sollte, dann wird man das u.a. in Deutschland vermutlich am meisten spüren. Es ist kaum auszudenken, in welche Richtung sich die europäischen Länder dann entwickeln sollen. – Eckehard Fricke

Leserbriefe zu „Italien an vorderster Front“ von Giuseppe Conte

Ist für uns Deutsche Italien nicht immer schon ein Sehnsuchtsland? Das Land wo Zitronen blühen. Das Land von Gelato, Lambrusco und Pizza. Das Land von Dante Alighieri. Was hält uns also davon ab Italien zu helfen und zwar sofort, umfangreich und nachhaltig? Das gilt für Deutsche Politiker und ebenso für die EU Politik und die EU Bürokratie. Diese politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen werden zeigen wie echte Krisensituationen gemeinsam bewältigt werden. Nach Beendigung der Pandemie wird sich herausstellen, ob die Europäische Union wirklich ein Bund von gleichen, untereinander helfenden Ländern ist; oder ob die Idee EU nur ein Papiertiger ohne Krallen und Biss ist. Hilfsaktionen müssen natürlich auch für andere ähnlich stark betroffenen Länder wie z. B. Spanien gelten. Viva Italia, Viva Espana. ( „Der heißeste Platz in der Hölle ist für jene bestimmt, die in Zeiten der Krise neutral bleiben!“ Dante Alighieri.) – Felix Bicker

Der Beitrag des italienischen Regierungschefs Guiseppe Conte hat durchaus Gewicht. Er hat nur wesentliche Zustände vergessen zu erwähnen, die uns das Leben schwer machen. Als die EWG auch politisch zusammengeführt werden sollte, fing das Dilemma der Union an. Auch die schnelle Zusammenführung, die sicherlich gut gemeint war, war ein Fehler. Jedenfalls in der bekannten Größenordnung. Das hatte schon der Altkanzler Helmut Schmidt moniert. Viele Staaten haben den Zusammenschluß aus rein wirtschaftlichen Erwägungen zugestimmt, und nicht aus innerer Überzeugung. Zweitens, die unterschiedlichen Kulturen können eine Gemeinschaft nur sehr schwer zusammenwachsen lassen. Für mich lässt sich das überhaupt nicht machen. Dafür sind die Kulturen zu unterschiedlich. Ich habe alle Länder in meinem langen Leben bereist. Die Gedanken an frühere Zeiten sind immer noch sehr ausgeprägt. In Deutschland will man das lieber vergessen. Wenn wundert das auch. Unsere Kultur in Gänze war es auch nicht wert sich daran zu erinnern. – Gunter Knauer

Die Idee, die hinter der Forderung nach Corona-Bonds steht, ist alles andere als neu. Vor mehr als 200 Jahren schon hat Alexander Hamilton, der geniale Finanzminister unter George Washington, die Schulden aller Kolonien aus dem Unabhängigkeitskrieg gegen England gebündelt, um sie aus einem Topf zurückzuzahlen. Hat prima funktioniert, weil die Kolonien sehr wohl erkannt hatten, dass sie nur als Einheit bestehen konnten. Wie weit sind wir heute von der Weisheit dieser Gründerväter entfernt! Als die Griechen damals in der Eurokrise nach Eurobonds riefen, war es in Ordnung, sie zu verweigern. Es wäre dem deutschen Steuerzahler nicht zu vermitteln gewesen, weshalb er einen aufgeblähten Wasserkopf an hochbezahlten Staatsbediensteten mitfinanzieren soll. Diese Krise war hausgemacht. Aber Corona ist doch damit nicht vergleichbar! Unsere Kanzlerin hat 2015 ihr großes Herz für Flüchtlinge unter Beweis gestellt. Jetzt geht es um unsere Freunde und Nachbarn, die unsere Hilfe brauchen! Der Ruf, Europa müsse zusammenstehen, ist so lange eine wohlfeile Worthülse, so lange keine Taten folgen! Wagen wir das Experiment „Corona-Bonds“! Allein schon, um den Briten zu zeigen, dass ihr Brexit eine ziemliche Eselei war. – Hannelore Schreiner

Europa? Eine Farce! Es ist eine Schande, mit welcher Ignoranz Deutschland, Österreich und die Niederlande die so dringend benötigte finanzielle Hilfe für Italien in Form der Eurobonds blockieren! Soll das die insbesondere von Frau Merkel so beschworene europäische Solidarität sein? Wer, wenn nicht die reicheren Länder der EU, können das bißchen Mehr an Zinsen der notwendigen Staatsverschuldung verkraften? Selbst vor dem Hintergrund einen umfangreichen Rettungspakets bei uns in Deutschland ist es verdammt nochmal unsere Pflicht, Italien zu helfen! –Dr. Thorsten Böing

Nach dem Zweiten Weltkrieg löste Deutschland das berühmte Dilemma von Thomas Mann zugunsten eines europäischen Deutschlands und investierte seine Intelligenz, Kapazität und sein Geld in dieses, was nicht nur nach Europa, sondern insbesondere nach Deutschland, die besten Jahrzehnte des Wohlbefindens im Laufe seiner Geschichte gebracht hat. Nicht nur in Deutschland wachsen jetzt diejenigen, die mehr alleine (first) fliegen wollen, wie es der Kant-Taube passiert ist. Wollen wir wirklich kurz vor unsere Nase schauen, wie wir es zumindest seit 2012 tun, und vergessen, warum eine gemeinsame Europa gebaut wurde? Wir wissen bereits, wozu Träumereien aus der Vorkriegszeit führen. Lesen Sie die Presse aus der Zeit vor der Katastrophe, die 1914 begann, und Sie werden sehen, mit welcher Überzeugung die Bürger aufgrund ihrer mangelnden Solidarität und Verachtung für die anderen auf den Abgrund zukamen. – Ricardo Pesado Llobat

Schon wird seitens zahlreicher Gelehrter und Politiker über die Frage diskutiert, besser gesagt spekuliert, was die noch nicht abzusehenden Krisenereignisse an konkreten Auswirkungen auf die ganze menschliche Spezies zeitigen wird, noch ehe man aber so recht weiß, was da gerade passiert. Vieles- nicht alles, ist nichts anderes als Kaffeesatz lesen. Es gleicht einer Wettervorhersage – aber ohne Thermometer, Barometer und Satelliten. Sicher beobachten lässt sich aber, dass diese Krise das Edelste und Ekeligste im Menschen hervorbringt. Von aufopfernd arbeitenden Krankenhauspersonal, dem Rempler im Supermarkt bis hin zum Denunzianten und Sykophanten.

All das berührt und bewegt. So wie der Aufruf von Giuseppe Conte an die Europäer oder der gemeinsame Appell von Intellektuellen und Künstlern. Doch ich befürchte, dass diese Pandemie eine massive Delegitimation der EU hervorrufen wird. Die Chance eines tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Paradigmenwechsel wird weiter ein altruistischer Wunschtraum bleiben. Nicht nur weil die im Fokus stehenden sozioökonomischen Auswirkungen gravierend sein werden, sondern „weil der Mensch vergisst, weil er verdrängt (© Herbert Grönemeyer).“ – Franz Josef Dorn

Danke für den Gastbeitrag des Ministerpräsident Conte mit ein paar konstruktiven deutsch-italienischen Anmerkungen. Ich arbeite in der Filmbranche, betreibe als Deutscher seit 10 Jahren eine Firma in Italien, komme im ganzen Land ebenso wie in Deutschland und ganz Europa sehr viel herum. Bin nun wie alle auch von der Corona-Krise betroffen ebenso wie ich Ihnen Einblicke in Deutsch-Italienische Befindlichkeiten, Größenverhältnisse und Vergleiche und Eindrücke aus allen Teilen der Gesellschaft zukommen lassen möchte, um die gegenwärtige Debatte in der Zeit etwas zu bereichern. Es geht nicht um deutsche Arroganz sondern um Ehrlichkeit, Solidarität und gleichzeitig um voneinander lernen und überlegen warum die Karre in Italien – ohne und mit Corona on top – sehr viel tiefer im Sumpf liegt, wie in anderen Teilen der EU. Hilfe plus konstruktive Kritik ist in der Not wichtiger denn je.

Es macht keinen Sinn, dem Nachbarn die eigene Kreditkarte ohne Verfügungsrahmen und Nachfragen zu überlassen um damit selbst in die Pleite zu rutschen. Zunächst ein Exkurs zur Mär vom armen Italiener und vom reichen Deutschen, der gerade im Angesicht von Corona bei der Suche nach europäischen Lösungen eine zentrale Rolle spielt: 1. Beispiel: Die Erbschafts- und Schenkungssteuern in Italien betragen nur einen Bruchteil der geltenden Steuersätze in Deutschland. Zudem ist der Freibetrag für Erbschaften in Italien mit 1 Mio über doppelt so hoch wie in Deutschland. Aufgrund der wesentlich geringeren Privatvermögen und des geringen Anteils von Immobilienbesitzern in Deutschland ist ohnehin viel weniger zu vererben. Wie erklären Sie dem deutschen Durchschnittsmieter und Nicht-Erben bzw. den wesentlich ärmeren Erben, die einen Großteil Ihrer Erbschaften mittels Steuern an die Allgemeinheit abtreten mußten, daß sie nun noch länger arbeiten sollen, um das italienische Staatsdefizit und die bürokratische Ineffizienz zu refinanzieren ?

Das besser ausgestattete Sanitätssystem in Deutschland und die vierfache Menge an Beatmungsgeräten auf Intensivstationen wird auch von diesen hohen Erbschaftssteuern und sonstigen relativ sozial ausbalancierten Steuerbelastungen von vielen armen Mietern mitfinanziert. Auch wenn in der Krise adhoc Nothilfe und Solidarität gefragt ist sollten die vielen reichen und sehr reichen Italiener zugleich nicht vergessen, an ihren üppigen Privat-Speck ranzugehen. 2. Beispiel: Zugleich muß zwingend der italienische Bürokratie-Wahnsinn minimiert werden anstatt ihn nun in die digitale Zettelwirtschaft und Totalüberwachung zu überführen. Das Dickicht an Dekreten, Durchführungsbestimmungen, Kontrollinstanzen, Verwaltungsstrafen, Handelskammergebühren, digitalen Identitäten, elektronischen Rechnungen, Zertifikaten in Italien ist gefühlt mindestens fünfmal so groß wie in Deutschland und führt dazu, daß die selben Leistungen und Produkte in Italien im EU-Vergleich wesentlich teurer und ineffizienter sind.

3. Beispiel: Vergleichen wir die steuerfinanzierte öffentliche Infrastruktur von Kulturhäusern, Bibliotheken, Theatern, prächtige Feuerwehrhallen und Vereinshäuser gerade im reichen Norden Italiens – ebenso wie von IT-Infrastruktur, Überwachungskameras mit automatischer KFZ-Kennzeichenerfassung an fast jeder Dorfeinfahrt und Ausfahrt. Auch das leisten sich die Italiener und die Deutschen müssen sich gut überlegen, ob sie das bedingungslos mitfinanzieren möchten ! Abgesehen vom finanziellen Aspekt herrschen in Sachen Überwachung und Datenschutz in Italien nahezu chinesische Verhältnisse. Dank elektronischer Buchhaltung und entsprechender Dekrete haben alle staatlichen Behörden mittlerweile einen Echtzeit-Direkt-Einblick in die Buchhaltung und Abläufe aller italienischen Unternehmen. Finden Sie das finanzierungswürdig ??? Die Corona-Krisen-Hilfsgelder an notleidende Betriebe und Steuerzahler wurden in Berlin nach Beschluß innerhalb von 3 Tagen an hunderttausende Antragsteller bereits ausbezahlt. Auch das fördert Steuerzahlungsmoral und verhindert unnötige Insolvenzverfahren.

In Italien werden Steuerguthaben gar nicht oder nach 3 Jahren ausbezahlt. Um die aktuellen Krisen-Beiträge der INPS zu beantragen verliert man wesentlich mehr Zeit in der Kommunikation mit zusammenbrechenden Bürokratie-Systemen, als daß man mit dem symbolischen Beitrag irgendwelche Verluste ausgleichen kann. D.h. durch den Antragsstellungsprozeß verliert man noch mehr Geld ! Nach politischer Lesart ist Italien überschuldet, was die Privatvermögen betrifft ist Italien ein reiches Land !!! Die meisten leben in Privateigentum und es gibt insbesondere im Norden bis hin nach Rom und Neapel eine große sehr wohlhabende Ober- und Mittelschicht, davon können viele Deutsche nur träumen ! Villa am Gardasee, oder Ferienhaus in Aosta, Südtirol, Cortina oder in der Toskana. Im ganzen Land jammern jetzt viele reiche Hoteliers, die alle zwei Jahre die Bettenkapazität Ihrer Hotels gefühlt verdoppeln – ebenso wie ein fetter norditalienischer Mittelstand und eine wirklich große Oberschicht mit schloßartigen Anwesen etwa im Veneto – die können alle locker 2 verlorene Tourismus-Saisonen oder 1 Jahr Rezession wegstecken. Wenn jetzt nach wenigen Wochen Stillstand nach deutschem Geld gerufen wird – müssen die Nachbarn auch an externe Soforthilfe radikale Bedingungen koppeln- d.h. Strukturreformen in Italien – und zugleich einen maßgeblichen Anteil bei den eigenen Millionären und Privatiers in Italien einfordern.

Wie wollen Sie sonst einem armen Durchschnitts-Brandenburger in Mietwohnung andernfalls erklären, daß mit seinen Steuern weiterhin die reichen Italiener noch reicher werden und der Staat weiterhin geplündert wird. Ansonsten bereitet sich momentan bereits auch die Mafia auf die Verteilung vielversprechender Nach-Corona-Aufbauprogramme vor. Die Verhältnisse in Bergamo und drum herum sind tragisch, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß in weiten Teilen des riesigen Flächenlandes in Sachen Corona faktisch nicht andere Verhältnisse als in Bayern oder Baden-Württemberg herrschen ! Das sind insbesondere die reichen Regionen in Norditalien rechts und links der Lombardei. Die mediale Kriegsberichtserstattung verzerrt hier die Realitäten ganz erheblich. Zugleich verheddern sich die staatlich alimentierten Überwacher selbst in ruhigen Gegenden Italiens, die nicht mehr Infizierte wie in Mecklenburg-Vorpommern aufzuweisen haben in nicht nur fragwürdigem sondern kontraproduktivem hilflosem Aktionismus, der meiner Meinung nach allenfalls zu noch schnellerer Ansteckung führt.

In der Schweiz etwa wird Social-Distancing mit Intelligenz und Eigenverantwortung freiwillig ohne Formulare umgesetzt. In Italien gibt es nun schon die fünfte Version eines Eigenerklärungs-Ausgangssperren-Formulars ! Anstatt mit tausenden von alimentierten Förstern und Dorfpolizisten sowie freiwilligen Schildbürgern einzelne Wanderer abseits von Menschenansammlungen ebenso wie illegale Schulheftsverkäufer im Dorfladen zu jagen und abzustrafen sollten besser einzelnen vorsichtige, wenngleich unsozialen Berggänger zu Ostern besser unüberwacht verkraftet werden, anstatt mit irren lokalen Fahndungsmaßnahmen allenfalls weitere Virusübertragungen unter den Fahndern und auch wieder Kosten zu verursachen. Alle nicht an strenge Bedingungen gekoppelte Hilfen werden dazu führen, daß dieses Komplex von Bürokratie und Vetternwirtschaft unverändert bzw. noch schlimmer, dessen Profiteure noch reicher und alle, die sich nicht wehren können – freiwillig oder unfreiwillig noch mehr überwacht und entmündigt und der Staat weiter von den Privaten geplündert wird.

Die Gefahr des Auseinanderbrechens der EU ist sicher gegeben. Verteilen wir nun Geld ohne Bedingungen wird diese Gefahr ungleich größer, selbst wenn die tragischen Folgen vielleicht erst 3 Jahre später eintreten werden sie umso heftiger sein. Ich denke aber, daß wenn wir die Corona-Krise als Chance begreifen, um die angesprochenen Ungleichheiten zu überwinden, und an Hilfe entsprechende Zwänge und Anpassungsmaßnahmen zu koppeln, ebenso wie Bedingungen hinsichtlich Datenschutz, Solidarität gegenüber Flüchtlingen etc. – kann die EU nur gestärkt aus der Krise hervorgehen und wird selbst Ministerpräsident Conte in einigen Jahren im Rückblick dankbar für Zuckerbrot und Peitsche der EU sein. Zur gegenwärtigen Diskussion um Corona-Eurobonds kann ich Ihnen und der Bundesregierung nur dringend raten, standhaft zu bleiben. Solidarität und EU-Marshall ja – aber in jedem Fall sollten solidarische Italien-Hilfen an starke Reform- und Demokratie-Bedingungen gekoppelt werden ! – Florian Mohn

Unerträgliche Schönfärberei. Zum Text „Italien an vorderster Front“ von Giuseppe Conte, ZEIT Nr. 15/2020, S.2. Es ist schwer zu ertragen, dass die Schönfärberei des italienischen Ministerpräsidenten bei Ihnen kommentarlos stehen bleibt. Es stimmt: Italien wurde stärker und früher als andere europäische Länder von der Pandemie getroffen. Aber Conte schweigt tot, dass es ein tödlicher Fehler war, „Verdachtsfälle“, anstatt sie zu separieren und zunächst aus der Distanz zu beraten, direkt in die Krankhäuser zu lotsen! Dabei die Tatsache konsequent missachtend, dass sich Erreger nur an wenigen Orten so leicht verbreiten können wie dort. Und wer schon einmal in einem italienischen Krankenhaus gearbeitet oder gar dort gelegen hat, weiß, dass die hygienischen Standards vielerorts kaum das Niveau von Schwellenländern erreichen. Angesichts dessen hätte ich von einem verantwortlichen Staatsmann auch selbstkritische Worte erwartet. – Hanno Herzler

Erfreulich überrascht bin ich von dem Text des Italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, in dem er sich auf eine sehr menschliche aber auch sehr staatsmännische Weise über die Corona-Situation in Europa äußert.Wenn sich die führenden Politiker Europas in dieser Weise über Europa äußern und handeln, kann man vertrauensvoll in die Zukunft blicken und auf den Zusammenhalt Europas hoffen, der nicht nur in der jetzigen Situation lebensnotwendig ist. So können wir auch die politischen und kulturellen Kräfte stärken, die unserem Kontinent – trotz der vergangenen Kontroversen – Bedeutung und Menschlichkeit gaben. So können wir auch unsere Nachbarn weiter lieben und ihre Menschen und Werke schätzen und alle Voreingenommenheit über Bord werfen. Dank also dem Italienischen Ministerpräsidenten Guiseppe Conte für seine mutigen Worte und sein Vertrauen in unser EUROPA. – Dieter Hinrichs

Sehr verehrter Herr Conte, Sie bekommen in einer der einflussreichsten Deutschen Zeitungen eine ganze Seite eingeräumt und haben im Ergebnis nichts weiter zu sagen, als dass wir Eurobonds zustimmen sollen, dass also Deutschland die Haftung für Schulden Italiens übernehmen solle. Und dann schreiben Sie noch, wir dürften Italien nicht misstrauen. Nichts hat mich je mehr gegen Eurobonds eingenommen, als Ihr offener Brief. Sie zeigen, dass Sie in einer existenziellen Krise der ganzen Welt an nichts Anderes denken und für nichts Anderes werben können oder mögen als für Schulden. Kein Wort darüber, dass wir unsere Intensivbettenkapazitäten in Europa miteinander abgleichen sollten, dass wir uns auf gemeinsame Standards für Qualität und Quantität sowie für die Durchführung von Tests einigen sollten, dass wir gemeinsam uns um die Flüchtlinge in Lampedusa kümmern müssen, bevor Corona in das Lager gerät, dass wir solidarisch sein müssen mit den Ländern, deren medizinischer Standard nicht dem europäischen entspricht, insbesondere in Nordafrika. Zu den eigentlichen Aufgaben und Problemen Europas kommt von Ihnen: Nichts. Stattdessen nur eine einzige Forderung – Eurobonds. Und das auch noch nach einer verschleiernden Einleitung und ohne es offen beim Namen zu nennen.

Selbstverständlich sind die Zinsen für italienische Staatsanleihen hoch, weil die Anleger unterstellen, dass Italien niemals seine Schulden zurückzahlen wird. Viele italienische Regierungen haben ihr Heil immer nur in immer höheren Schulden gesucht. Es ging nie um das Misstrauen der Deutschen gegen die italienische Regierung, sondern um das Misstrauen des italienischen Volkes gegen die eigene Regierung. Würden auch nur die Italiener italienische Staatsanleihen kaufen und ihre Spareinlagen umwandeln, sie hätten Nullzinsen auch ohne Aufkaufprogramme der EZB. Aber selbstverständlich kaufen die Italiener der italienischen Regierung nichts mehr ab, keine langfristigen Versprechen jedenfalls und dazu gehört das unhaltbare Versprechen die Schulden auch mal wieder zu bezahlen nur unter anderem. Italien bekommt nur deshalb überhaupt noch Kredit, weil diejenigen, die heute italienische Staatsanleihen kaufen, hoffen, dass die EZB Italien so lange mit Geld versorgen wird, bis jedenfalls die neu gekauften Staatsanleihen noch zurückgezahlt werden. Die Zinsen sprechen eine deutliche Sprache: Die Menschen, allen voran die Italiener, von denen Sie das Geld bekommen wollen, rechneten schon vor Corona mit einem italienischen Staatsbankrott und hoffen nur, dass dieser noch verzögert werden könne. Corona kommt jetzt nur noch hinzu.

Und das Misstrauen der Italiener gegen die eigenen Regierungen der letzten Jahrzehnte greift natürlich viel tiefer als nur gegen die Kreditpolitik. Dahinter steht, dass die Italiener gelernt haben, jedem längerfristigen Versprechen der italienischen Politik massiv zu misstrauen. Schon lange vermissen die Italiener in der Politik Haltung, Rechtstreue, Geradlinigkeit und Führung. Und der einzige Ausweg der Mehrheit der italienischen Politiker schien zu sein, immer kurzfristigere und radikalere Versprechen zu machen, die dann auf immer mehr Pump finanziert werden müssen. So hat die italienische Politik immer mehr Populismus geschaffen und letztlich eine lebendige Demokratie, die auf die Fähigkeit das Gute zu tun aufbaut, als Ganzes in furchteinflößender Weise unterhöhlt. Dazu müssten Sie eigentlich mal etwas schreiben! Wie will Italien wieder dazu beitragen, dass verlässliche Politik, die jedem Populismus abschwört und entgegentritt, gestaltend zum Guten tätig werden kann. Wie will die italienische Politik das Misstrauen nicht der Deutschen, sondern der Italiener überwinden und wieder Vertrauen jenseits kurzfristiger Versprechen zu noch mehr Kreditaufnahme schaffen?

Wenn Sie wirklich Hilfe wollten, wir müssten Ihnen einen Plan erstellen, der das Gegenteil Ihrer bisherigen Politik bedeuten würde. Wir müssten Ihnen raten, den Gürtel enger zu schnallen, denn nur so schaffen Sie das Vertrauen, dass Italien die Krise aus eigener Kraft meistern will. Dieser Plan müsste vorsehen, die aktuellen Staatsschulden vollständig zurück zu zahlen und zwar in einem überschaubaren Zeitraum und mit sofortigem Beginn der Rückzahlungen, ohne dies wie bisher immer auf irgendeine Zukunft zu verschieben. Das ginge nur, wenn Sie die Beamtenzahl halbierten und die Vergütung der verbliebenen Beamten halbierten, wenn Sie das Renteneintrittsalter erhöhten und die Staatsausgaben reduzierten und wenn Sie keine Maßnahme ausließen, die in diese Richtung weist. Wir verstehen aber, dass solche Einschnitte zwar der grundsätzliche Einstieg in die Lösung der Probleme Italiens wären, dass dafür aber die Italiener zuerst das Vertrauen in die eigene Politik aufbringen müssten, dass solche Opfer am Ende auch dem ganzen Land zugutekämen. Dieses Vertrauen genießen Sie aber nicht, so wie es schon seit langem keine italienische Regierung mehr genießt. Diese Vertrauenskrise der italienischen Politik gilt es zu meistern. Das ist Ihre Aufgabe. Gehen Sie es an!

Und zum Thema der gemeinsamen Haftung für Schulden: Wenn das ein Allheilmittel wäre, was es nicht ist, dann könnten Sie ja mit gutem Beispiel vorangehen. Wieso erklärt Italien nicht einseitig, für sämtliche Schulden aller anderen EU-Staaten unbegrenzt zu haften, darunter dann natürlich auch für Griechenland, das als erstes Land innerhalb der EU schon bankrottgegangen war? Es können sich dann ja solidarisch nach und nach alle Länder anschließen, die das für einen guten Weg halten. Wir in Deutschland halten das zwar für den falschen Weg, weil damit Italien und die Menschen in Italien für etwas haften müssten, worüber sie nicht entscheiden dürfen, nämlich z.B. für die Politik in Griechenland, aber letztlich könnten wir das nicht verhindern. Sie können das natürlich auch an Gegenseitigkeit knüpfen und eine gemeinschaftliche Haftung für gemeinsame Bonds mit allen Ländern vereinbaren, die sich Ihnen anschließen wollen. Wie gesagt, es wäre strukturell falsch und wir wäre auch nicht begeistert oder erfreut. Es entstünde dann möglicher Weise ein Südblock, der insgesamt in so groß wäre, dass im Falle seines Bankrotts keine Rettung mehr möglich wäre. Aber wir könnten es wohl nicht verhindern, wenn Italien diese Art von Solidarität in die Tat umsetzen würde – einseitig oder mit denjenigen Staaten, die das für eine gute Idee halten.

Dadurch aber würden Sie auch nur zugeben, dass nicht einmal mehr den Nationalstaaten ausreichend vertraut wird. Und Sie würden dieses Misstrauen vertiefen. Denn Sie würden den Weg gehen, der die Demokratie weiter unterhöhlt. Würde nämlich Italien unmittelbar für Schulden anderer EU-Staaten haften, Italien müsste sich ausbedingen, dass kein Land diese Möglichkeit missbraucht. Das aber hieße, dass sich Italien z.B. gegen einen demokratisch beschlossenen Haushalt in Griechenland ein Vetorecht einräumen lassen müsste. Selbst wenn die griechische Regierung Ihnen das Veto jetzt zugestehen würde, wäre dies eine Unterhöhlung der Entscheidungsfreiheit aller zukünftigen griechischen Generationen und damit eine Begrenzung der demokratischen Souveränität in Griechenland. Oder aber Sie würden sich ein solches Veto nicht einräumen lassen, dann könnte Griechenland Schulden aufnehmen, die Italien bezahlen muss, ohne dass zukünftige Generationen in Italien dies verweigern könnten. Sie würden dann die Demokratie in Italien weiter aushöhlen.

Kurz: Ihr Vorschlag lautet, einen Tausch zu machen. Sie bieten weniger Demokratie an und wollen im Gegenzug mehr Staatschulden machen. Das Problem bei diesem Tausch ist, dass keine der beiden Seiten für uns attraktiv ist. Weder wollen wir weniger Demokratie, noch wollen wir mehr Schulden. Daher lautet die Antwort natürlich einfach nur Nein.

Wir haben in Deutschland zudem sehr genau gesehen, wie Italien z.B. in der Flüchtlingspolitik europäische Grundrechte verletzt hat und sogar Seenotretter aus Deutschland verhaftet hat. Wir haben gesehen, wie Italien schon vor der Coronakrise bewusst einen Haushalt vorgelegt hat, der gegen EU-Recht verstößt. Wir haben gesehen, wie Italien schon zu Zeiten von Berlusconi mit dem hohen Gut der Freiheit der Medien umgegangen ist. Vertrauen ist nichts, was man mit einem Wort einfordern kann, sondern etwas, was man mit Taten, Verlässlichkeit, Rechtstreue, Haltung und der Bereitschaft auch selbst harte Schritte zu gehen, erwerben muss. Falls Sie diesen Weg gehen wollten, die Sympathie und die Solidarität Deutschlands sind Ihnen gewiss! – Gregor von Rosen

Da erbittet der italienische Ministerpräsident (genauso in dieser Woche der spanische) Solidarität in der Coronakrise und meint doch nur eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden. Das darf nicht geschehen, wie ein Blick in die jüngste Geschichte zeigt. In Italien regierte über zehn Jahre lang ein skrupelloser Medienunternehmer, der wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Jetzt wird die stärkste Partei im italienischen Parlament von einem Harlekin geführt, die entsprechende Gesetze erläßt: Der Staat verbietet die Nutzung von unserem gemeinsamen Bargeld (ab bestimmten Beträgen), den Transport von Skiern im Auto, das Baden im Meer (vor Capri) und sogar das Niederlassen auf öffentlichen Plätzen. Tatkräftig unterstützt von einem nationalistischen Innenminister, werden diese Gesetze dann gegenüber denjenigen durch­gesetzt, die als Touristen ins Land kommen (kamen) und jetzt für die Staatsschulden haften sollen.

Spanien leistet sich zwar keine Harlekinregierung, sondern über Monate und Jahre gar keine Regierung. Katalonier verfolgt man, statt sie in die Unabhängigkeit zu entlassen, mit dem Tatbestand einer sogenannten „Rebellion“, der so weich formuliert ist, daß Putin und Erdogan am Normtext mitgewirkt haben könnten.Deutsche Solidarität kann gegenüber den gepeinigten Völkern darin liegen, kranke Patienten in Deutschland zu behandeln, medizinisches Material zu spenden, von mir aus auch Flüchtlinge aus den Staaten aufzunehmen, um deren Sozialsysteme zu entlasten. Sinn und Zweck kann aber nicht sein, Komikerregierungen und Nichtregierungen zu finanzieren. Zunächst mögen diese Staaten ihren inneren Kompaß wiederfinden und seriöses politisches Personal aufbieten. – Dr. Johannes Ady

Leserbriefe zu „Die Hand halten oder nicht?“ Gespräch mit Peter Dabrock und Klaus Mertes geführt von Evelyn Finger und Charlotte Parnack

Um was geht es? Pater Mertes sieht sich als Hirte, der Schafe schützt, indem er sich dem Wolf entgegenstellt. Wie geht das bei todkranken Christgläubigen? Indem man ihnen das Sakrament der Krankensalbung spendet. Dabei ist Berührung vorgesehen. Das dürfen Menschen, die sich als Schafe sehen, von ihren Hirten erwarten. Warum ist ihnen das wichtig? Weil sie durch dieses Gnadenmittel der Kirche einen gnädigen Gott erhoffen dürfen. Über all das redet aber Pater Mertes nicht. Auch Peter Delbrück hätte deutlicher Position beziehen müssen. Ich sehe z.B. den Menschen als Gemeinschaftswesen (Zoon politikon). Danach trägt die Gemeinschaft Verantwortung für die Lebensqualität des Einzelnen, der Einzelne umgekehrt aber auch für das Wohl der Gemeinschaft. Ich habe daher gelernt, mein Wohl nicht über das Wohl der Gemeinschaft zu stellen, auch nicht, wenn ich todkrank bin. Ich gehe davon aus, dass ich tot bin, wenn ich tot bin. Ich benötige keinen gnädigen Gott. Ich sehe dann den Tod als Erlösung von meinem Leiden. Sicher wünscht sich jeder Mensch Zuwendung, aber nicht jeder benötigt einen Hirten. Pater Mertens verkauft seine christliche Sicht als anthropologisch gegebene. Ein alter pastoraler Trick, auf den wir achten sollten. – Prof. Dr. Ferdinand Buer

ich bin Ärztin und verfolge die Diskussionen zum Corona-Virus. Ethische Aspekte, Angst vor einer Triage, Angst vor zu wenig Beatmungsplätzen für alle... Ich finde es ist Zeit für eine Diskussion über den Tod. Der Tod ist in unserer Gesellschaft Tabu. Er darf und soll nicht sein, muss mit allen Mitteln weggeschoben werden. Nur ist es so, dass der Tod unweigerlich zum Leben dazugehört. Auch in der Medizin ist es leider so, das der Tod oft mit allen erdenklichen Mitteln verhindert werden möchte. Und damit oft sehr viel mehr Leid entsteht (durch ewige Krankenhausaufenthalte, Ops, Infektionen, Langzeitbeatmung, etc.). Unsere Gesellschaft muss akzeptieren, dass Menschen sterben. Wir alle. Durch das Virus jetzt wahrscheinlich mehr als vielleicht vor einem Jahr. Und unsere Mittel etwas dagegen zu tun sind begrenzt. Ich finde es grausam, alte, einsame Leute zu isolieren, damit sie nicht sterben, am Lebensende.

Nur niemand, schon garnicht in Deutschland (mit Euthanasievergangenheit), wird eine andere als die heutige Entscheidung verantworten. Ok, das ist wahrscheinlich auch zu viel. Was wir einzelnen Menschen tun können: über Patientenverfügungen sprechen: Soll meine Oma/Vater etc. ins Krankenhaus, soll er/sie intubiert, beatmet oder reanimiert werden. Ganz unabhängig von Corona. Aber ich finde es ist ein guter Anlass darüber zu sprechen. Und es ist quatsch zu sagen: es soll nichts mehr gemacht werden anstatt von Maximalmedizin. Es soll gute Sterbebegleitung gemacht werden. Das ist ethisch. Und jeder sollte das für sich entscheiden und klären. Um anderen diese Entscheidung nicht aufzubürden, Angehörigen, Ärzten. Die überfordert sind und im Zweifel zu viel machen, und man dann an Maschinen hängt – und dann? Man sollte jetzt, wo man noch bewusst kann, entscheiden, was im Falle eines Falles gemacht oder unterlassen werden soll, ganz klar. Damit man in Würde sterben kann. Nicht mit Schläuchen, Nadeln, Gepiepse und allein. – Lydia Schlotzhauer

Die Diskussion haben wir gerade erst im Freundeskreis heiß diskutiert. Mich haben zwei Punkte sehr irritiert – geärgert-??? 1. Herr Mertes, bei allem Verständnis, hat einseitig und viel zu emotional argumentiert. Geradezu respektlos fand ich seine Reaktion auf den Hinweis von Peter Dabrock, in erster Linie seine Familie schützen zu wollen. Hier sollte sich die kathol. Kirche davor hüten, den zunehmend umstrittenen Zölibat als Argument in diesen Zeiten anzuführen. 2. und eigentlich damit an erster Stelle fehlte mir komplett der Schutz des Pflegepersonals in Kliniken und Heimen. Sie sind durch Besucher extrem gefährdet. Wenn wir sie nicht schützen, dann erübrigt sich eine Diskussion auf diesem Niveau. „Normaler-weise“ bin ich nicht zynisch. – Susanne von Loeffelholz

2. April 2020 – Ausgabe 15

Gut – Güte –Güter. Zu dem denkwürdigen Artikel in Nr. 15 Seite 29 „Die Hand halten oder nicht?“ habe ich inhaltlich eigentlich nichts Nennenswertes beizutragen außer dem Hinweis auf eine sprachliche Entwicklung, die mir vor rund 3 Jahrzehnten bei Hochschulabsolventen in meiner beruflichen Tätigkeit aufgefallen ist und die sich seitdem offenbar mehr und mehr verfestigt hat. Es geht um „gut“ und was damit zusammenhängt. Ihr Gesprächspartner Herr Dabrock spricht von „Güterabwägung“, meint von Abwägung zur Güte. Das ist etwas Immaterielles, was mit Gütern im materiellen Sinn nur bedingt zu tun hat. Das „R“ ist da einfach zu viel. Und da komme ich auch gleich auf den Parallelfall mit dem „Gutachten“, dessen Adjektiv gemeinhin fast ausschließlich nur noch auf denjenigen, der ein solches erstellt, bezogen wird. Es heißt nicht „gutachterlich“ sondern – auch genderunverfänglich – „gutachtlich“, was aber in dem besagten Artikel nicht relevant war. Aber es fiel mir eben beides schon vor ca. 30 Jahren auf. – Klaus Kunkel

Die Argumentation Herrn Dabrocks trifft in der aktuellen Lage nicht den Punkt: Beschränkungen auf unbestimmte Zeit seien ethisch und politisch untragbar. Nun wird von den Regierenden derzeit ausdrücklich betont, dass die Einschränkungen bis auf Weiteres, also eben für unbestimmte Zeit gelten. Im übrigen bestehen für eine(n) Sterbende(n) Einschränkungen, die vor dem Tod nicht zurück genommen werden, individuell praktisch für immer. So what? – Roland Ernst

Ein sehr interessantes und lehrreiches Streitgespräch über eine dringende und wichtige Fragestellung dieser Wochen. Deutlich wird dabei die Spannung, die sich ergibt zwischen einer notwendigen Regelung des allgemeinen Falles zu den je individuellen Entscheidungen und Notwendigkeiten im Einzelfall. Diese Spannung lässt sich in vielen Fällen nicht so einfach heilen, das wird aus den diskutierten kontroversen Sichten des Gesprächs verständlich. Derzeit wird ja heftig die Einschränkung der Freiheitsrechte des Individuums durch den Rechtsstaat diskutiert. Dabei wird leider oft die kontroverse Fragestellung ausgeblendet, was dieser Rechtsstaat keinesfalls unterlassen darf, um den Verfassungsauftrag gegenüber der Allgemeinheit zu erfüllen. Der Rechtsstaat darf ja, wenn er die Verfassung ernst nimmt, in Zeiten einer Pandemie nicht einfach alles laufen lassen als sei alles normaler Alltag. – Peter Schröder

In diesem Artikel werden die gegensätzlichen Standpunkte des Chef des Ethikrates, Peter Dabrock, und des bekannten Jesuiten und Direktors des Kollegs St. Blasien, Klaus Mertes, in einem Interview von Ihnen kontrastiert. Danach kann man nur bestürzt resümieren, ein humaner und weiser Mensch wie Pater Mertes täte in der Ethikkommission not, um ein Gleichgewicht der Betroffenheit ausnahmslos aller menschlicher Individuen, vollkommen losgelöst von Alter und sozialem Stand , zu erreichen. Das ist aktuell absolut nicht der Fall: Betagte Menschen in Alten- und Pflegeheimen dürfen nicht einmal von den nächsten Angehörigen besucht werden. Gerechtfertigt wird diese Grundrechtsaufhebung mit den berechtigten und schützenswerten Interessen einer Allgemeinheit. Muss sich erst das Verfassungsgericht äußern, bevor Menschen in dieser Situation verzweifeln, an Suizid denken oder einsam sterben? Ist es dann nicht längst zu spät für ein Verbot solcher unmenschlichen Zumutungen?!

Es herrscht in dieser Gesellschaft eine höchst bedenkliche Stimmung, in der die Rechten der Schwächsten nichts mehr gelten ( a.a.O Mertens). Herr Dabrock rechtfertigt die starken Aufhebungen der Grundrechte alter Menschen in Heimen/Kliniken mit deren Vulnerabilität und der Anfälligkeit von Heimen als fragile Gesamtsysteme und hält es für eine balancierte “ Güterabwägung “ von Einzel- und Gesamt-Interessen so zu verfahren, zumal es zeitlich begrenzt sei. Das ist ein katastrophaler Standpunkt, der gerade nicht von gleichwertigen Individualinteressen betagter Menschen ausgeht. Denn in Zeiten von Epidemien und wie jetzt einer Pandemie müssen Heime dieselben sicheren Zugangsmöglichkeiten gewährleisten wie Kliniken, die infizierte Patienten aufnehmen, oder die Gesellschaft , die ihr Leben mit vorläufigen Ausgangsbeschränkungen und -begrenzungen fortsetzt.In Heimen wird nicht differenziert, es gibt keinen Zugang, es sei denn man ist in der Sterbephase angelangt?! Alles dies ist grundrechtswidrig und vollkommen inhuman. Es muss schnellstens geändert werden, um ein lebenswertes und gleichberechtigtes Zusammenleben nach der Krise zu ermöglichen. Es kann nicht zugelassen werden, dass die Maßnahmen mit dem moralischen Totschlagsargument von Schutz für Leben und Tod pauschal gerechtfertigt werden.

Denn zum Schutz jeden Lebens gehört in der Gemeinschaft die Würde jedes Einzelnen und sein Recht auf Selbstbestimmung bis zur Grenze des zumutbaren Schutzes der Allgemeinheit. Die Gesundheitssysteme sind durch vorausgegangene Gesundheitsreformen und ihrer Ökonomisierung in vieler Hinsicht gar nicht vorbereitet worden, obwohl schon 2005 heftige Warnungen von führenden Wissenschaftlern zu erwartenden Epi- und Pandemien erfolgt waren. Die gegenwärtigen Maßnahmen verfolgen primär den Zweck, den Zusammenbruch der Systeme durch Steuerung der Fallzahlen zu verhindern. Es ist nicht primär der Schutz jeden einzelnen Lebens handlungsleitend, denn es gibt katasthrophale Todeszahlen durch Klimafolgen ( 10.000 Hitzetote 2018 in der BRD); 80.000 Tote durch Luftverschmutzung und Feinstaubbelastungen 2018 und 3.275 Verkehrstote ebenfalls 2018. Dort lassen nachhaltige Schutzmaßnahmen noch immer auf sich warten. Die Gesellschaft schließt sich deshalb nicht von ihrer Ressourcen verschlingenden Wirtschaft aus und sieht sich offenbar persönlich gar nicht bedroht oder zum Handeln verpflichtet. Bitte befördern Sie eine umfassende Diskussion mit Historikern, Verfassungsrechtlern, Psychologen und Medizinern, um eine schnelle politische Korrektur zu befördern. – B. Schubert

Das Streitgespräch zwischen Herrn Dabrock und Herrn Mertes hat mich mit fortschreitender Lesedauer mehr empört als bereichert. Insbesondere der arrogante Ton des Satzes, in dem er sich bei Herrn Dabrock für das „starke Argument für den Zölibat“ bedankt, nachdem dieser sich zuvor zu dem in der Bibel ausdrücklich gewollten Modell der Familie und der Verantwortung für diese bekannt hatte, hat mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Die vorher vehementen Einforderungen von Barmherzigkeit, Zuwendung und Respekt klingen dann falsch. Und biblisch ist Nähe nicht unbedingt nur die körperliche. Wie sollte sonst denn die auch mögliche „Nähe im Gebet“ gemeint sein? Und wie ist nach Herrn Mertes das Doppelgebot der Liebe zu interpretieren? Ich fürchte, Herr Mertes hat sich selbst als Interpret der biblisch gewünschten Barmherzigkeit disqualifiziert. Ist das eine Konsequenz des Zölibats? – Inge Lampe

Spargel stechen oder Hand halten. „Denn die Ernte wartet nicht, auch Aussaaten kann man nicht verschieben“ (Agrarministerin Julia Klöckner) Um 40 000 ausländische Saisonkräfte einzufliegen wird nun eine Ausnahme vom Einreisestopp vereinbart, damit die Kräfte unter geregelten Auflagen auf den Spargelfeldern tätig sein können. Es werde jede helfende Hand benötigt, um Aussaat, Pflege und Ernte sicherzustellen ( Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast)) „Angehörige beklagen, dass ihnen der Zugang zu kranken oder pflegebedürftigen

Liebsten so strikt verwehrt wird, wie es der Infektionsschutz nicht zwingend verlangt.“ (Zeit) „Aber wenn die akute Gefahr besteht, dass Besucher das Virus in die Einrichtung tragen , sodass die Einrichtung ihren Betrieb schließen müsste, weil es dort vermehrt zu Todesfällen kommt, dann ist im Sinne des Schutzes von Leib und Leben für eine gewisse Zeit eine Einschränkung der Selbstbestimmung möglich und auch richtig“ (Dabrock, Zeit)

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Denken wir an Menschen, die stark eingeschränkt sind einige davon schwer dement, die wenig oder gar nicht sprechen, die ihre Umwelt nur eingeschränkt wahrnehmen, dann hilft der Verweis auf Selbstbestimmung wenig. Hier ist das situativ angemessene, das für diese Person würdige Handeln nur stellvertretend zu vermuten und in unmittelbarer Nähe zu erproben. Und dabei sollen Angehörige strikt ausgeschlossen sein? Die Notsituation in den Heimen ist aktuell. Die wesentlichen Abschnitte im Leben und Wachstum kann man nicht vorübergehend einschränken. Aussaat, Pflege, Ernte, Tod kann man nicht befristet abwarten.

Bei der Not auf den Feldern hat man schnell für die Einreise von Erntehelfern ein praktikables Verfahren gefunden bei vertretbarem Infektionsschutz. Bei der Not in den Heimen scheint im Denken der Diakonie dagegen ein anderes Konzept zu gelten: Aus- und Einsperren mit dem Ziel des totalen Schutzes vor Infektion. Das Räsonieren über Grundbedingungen von Freiheit und Selbstbestimmung hilft den schwächsten Bewohnern der Heime nicht. Es sind praktische Lösungen gefragt für den Zugang von Angehörigen in die Heime bei hohem Infektionsschutz. Ohne Risiko wird es nicht gehen weder auf dem Hof des Spargelbauern noch im Altenheim. – Martin Hüne

Leserbriefe zu „Viktors Virus“ von Matthias Krupa

Ihr Autor Matthias Krupa fantasiert immer noch von einer Parteipolitik, die es längst nicht mehr gibt. Führung ist jetzt angesagt und nicht ein lavierendes Verhalten unserer Bundeskanzlerin. Urbàn hat sich die Macht verschafft, um das Regieren in Zeiten von Corona zu diktieren. Der Mann hat das Vertrauen seiner Bürger um Europa wieder in die Spur zu bringen. Die EU mit Deutschland ist längst entgleist. Das ist doch nicht schwer, das zu erkennen. Wir brauchen keine Ideologie der Ideologiewillen. Wann wacht ihr Autor auf.? – Gunter Knauer

Konsequenzen, wie sie diese fordern, sind widersprüchlich. Einerseits beklagen sie zurecht das Zögern von Merkel und von der Leyen, andererseits belassen sie es selbst bei „seine Grenzen aufzeigen“. Nicht Orban allein ist hier zu nennen, sondern die Ungarn, welche sich derart deutlich und mehrheitlich für dessen Politik ausspricht. Hitler ist auch an die Macht durch „sein Volk“ gekommen. Deshalb steht es in der Pflicht der Europäer, Konsequenzen für das ungarische Volk aufzuzeigen. Auch die anderen Mehrheitsbeschaffer in Polen, Tschechien usw. sollten wissen, was eine Rückbesinnung auf ein Kerneuropa für sie bedeutet. – Jürgen Dressler

Wenn die EU heute Ungarn nicht mehr aufnehmen würde, warum ist sie nicht in der Lage, Ungarn zum Austritt zu zwingen. Auch die Causa ‚Great Britain‘ war in den Gesetzen nicht vorgesehen. – W.Scheer

Bei den langen Verhandlungen um den EU-Austritt Englands sollte nun den Politikern doch endlich klar geworden sein, dass die Vertragsbedingungen insbesondere zum Ein.- und Austritt zu Beginn klar geregelt sein müssen. Man sollte den Austritt doch nicht verhandeln müssen! Wer schliesst denn einen Vertrag ab ohne die wichtigsten Bedingungen zu kennen? Sogar bei der Heirat kennt man die Scheidungs-Bedingungen. Deshalb muss auch bei der Aufnahme in die EU klar geregelt sein, in welchen Bereichen die einzelnen EU-Staaten freie Entscheidungskompetenzen haben und wo nicht. Es muss auch die Möglichkeit geschaffen werden, grössere Vertragsverletzungen über ein Gerichtsverfahren rechtsstaatsmässig zu ahnden. Sonst dürfen grössere, wichtige EU- Staaten machen, was ihnen passt, kleine jedoch nicht. Die Executive eignet sich sicher nicht dazu, zumal auch unter den Regierenden ein persönlicher Kontakt besteht. Das weiss Herr Urban ganz genau und nützt es aus. Was nun? Es gibt wohl nur eine Lösung: der Versuch zur Gründung einer neuen EU mit der Aufnahme nur jener Staaten, welche bereit sind, dabei 100% mitzumachen. – Richard Sieber

Macht Gelegenheit Diktatoren? Herr Krupa ist in seinem Leitartikel geneigt, diese Frage zu bejahen und ihm ist hierin zuzustimmen. Die absichtliche Demontage der ungarischen Demokratie durch die Orbán-Regierung vollzieht sich vor den Augen der EU und Orbáns europäischen Parteifreunden jedoch schon seit mindestens zehn Jahren. Was Orbán in seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident von 1998 bis 2002 nicht hat erreichen können, das ging er ab 2010 daran zu vollenden: die, selbst von ihm propagierte, „nationale Wiederauferstehung Ungarns“.

Dies ist auch nicht erst seit gestern wohlbekannt, denn Orbán hat dieses Ziel erklärtermaßen bei zahlreichen Gelegenheiten bei Wahlkampfauftritten und in öffentlichen Reden als Leitstern seiner Politik ausgegeben. Orbáns Angriff auf die Gewaltenteilung hatte sich bereits durch die neue Verfassung von 2011 angekündigt. Das ungarische Verfassungsgericht, in den 90er Jahren noch eines der aktivsten der Welt (damals war ein Drittel aller geprüften Gesetze für verfassungswidrig erklärt worden), wurde durch das neue „Grundgesetz Ungarns“ essentieller Befugnisse beraubt. Fatalerweise konnte Orbán bereits durch diese Maßnahme den wichtigsten Garanten der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn damit faktisch ausschalten. Schon damals hätte man vonseiten der EU viel entschiedener einschreiten müssen. Es ist eine aufschlussreiche historische Fußnote, dass es niemand anderes als Viktor Orbán war, der, als eine seiner ersten Amtshandlungen nach dem Regierungsantritt 1998, eine zweite Amtszeit des damaligen obersten Verfassungsrichters László Sólyom verhinderte und diesen durch den ihm genehmeren János Németh ersetzte. Durch die 2011er Verfassungsnovelle ist nun nur noch eine zwölfjährige Amtszeit möglich.

Die eigentlich alarmierende Frage ist darum doch vielmehr, warum die EU Orbáns Treiben nicht früher hat Einhalt gebieten können – oder, noch schlimmer: nicht hat wollen. Wird also Orbáns „Corona-Putsch“ im Jahre 2020 als „Das Ungarische 1933“ in die Geschichte eingehen? Noch ist es nicht so weit gekommen. Doch um ein solches Worst-Case-Szenario zuverlässig abwenden zu können, ist nun die EU mehr denn je gefragt, die Orbán in der Vergangenheit zu häufig gewähren hat lassen. Es bleibt zu befürchten, dass die von Herrn Krupa genannten Trittbrettfahrer sich Orbáns Chuzpe, ermutigt durch die offensichtliche Zahnlosigkeit der EU, zum Vorbild nehmen werden. Der aktuell allgegenwärtige Ausnahmezustand stellt für alle Anti-Liberalen eine unwiderstehliche Versuchung dar. Der erste Dominostein ist am Kippen. Brüssel muss nun verhindern, dass die weiteren Steine, einer nach dem anderen, umfallen. Die Frage, welche ich in meiner Facharbeit 2012 im Politikunterricht der gymnasialen Oberstufe gestellt hatte, nämlich: „Ist Ungarn noch eine funktionierende Demokratie?“ ist heute noch eindeutiger zu beantworten als 2012: leider nein. – Julian Klar

Ich habe in den letzten Jahren unzählige male lesen müssen, was für ein rücksichtloser Diktator Orban ist. Der engstirnige Versuch Orban als ein Monster(Politisch gesehen)dazustellen ist einfallslos ,faktenfrei. Auf Argumenten basierte Kritik ist immer gut ,was ich seit Jahren lese ist aber blindwütiger(auch hilfloser)Hass. Hilflos ,weil Orban und seine Regierung sehr erfolgreich sind(seit 10 Jahren)die Wahlerfolge die seine Fidesz Partei erreicht hat sind ,wenn ich mich nicht täusche europaweit ohne Beispiel. Seine Kritiker übersehen(völlig)das hinter der 2/3 Mehrheit Millionen von Bürgern stehen ,also demokratisch legitimiert. Das Urteilsvermögen(und das demokratische Recht)dieser Wählerschaft wird von denn Kritikern auf eine sehr undemokratische Art und Weise in Frage gestellt(mit Füßen getreten). Ich warte seit Jahren auf einen seriösen auf Recherchen und Fakten basierten Artikel in dem ideologiefrei ,die wirtschaftliche Entwicklung des Landes seit 2010 dargestellt wird. Nicht nur die Wirtschaft sondern die ganze Gesellschaft hat einen großen Schritt nach vorne gemacht(nach 45 Jahre Kommunismus +desaströser Vorgänger Regierung)

Bitte nicht nur die Anschuldigungen von diversen verzweifelt erfolgslosen 0ppositions (Splitter)Parteien bedenkenlos übernehmen. Etliche europäische Regierungen haben nie dagewesene Befugnisse ,die noch vor ei Paar Wochen unvorstellbar waren. Einige (Regierungen)gehen sogar weiter als Orban, aber man kennt das schon(zweierlei maß), was alle anderen machen(dürfen) ist im falle Orbans empörend. Dieser Artikel ist substanzlos und zeugt nicht von ernsten Journalismus und trotzdem kann man es damit heutzutage auf die erste Seite der überregionalen „Die Zeit“ schaffen! Da der Herr Krupa ,Otto Brenner-Preisträger ist, würde ich gerne nochmal auf die Ziele dieses Wettbewerbs erinnern. „Journalisten zu ermutigen ungeachtet möglicher Konsequenzen unbequeme Fragen zu stellen und Missstände klar zu benennen. Dies schließt eine kritische Neubewertung vermeintlich bekannter Entwicklungen ausdrücklich mit ein“. Seien Sie mutig(mein bescheidener Vorschlag). Ich will mir nicht anmaßen Ihre bisherige Tätigkeit zu beurteilen, meine Gedanken beziehen sich nur auf „Viktors Virus“. – Tibor Damo

Während ich die Auffassungen des Verfassers des Artikels durchwegs teile, vermeidet er wie alle mir bekannten Kommentatoren und Interpreten des Geschehens in Ungarn die Frage nach den Beweggründen der Abgeordneten, die für die Sondervollmachten Orbans gestimmt haben. Immerhin sind das durch einen demokratischen Wahlprozess legitimierte Volksvertreter, deren Handlungsweise mehrere Interpretationen zulässt: Die erste ist, dass diese Abgeordneten der Auffassung sind, durch die temporäre Aufgabe ihrer demokratischen Entscheidungskompetenzen den Wünschen der Wähler entsprochen zu haben. Da ließe sich testen indem man eine Stichprobenumfrage bei eben jenen WählerInnen macht, ob sie die Mandatare wieder wählen würden, wäre am kommen Sonntag Wahltag (oder so ähnlich).

Die Mandate selbst könnten durch den Parteivorsitzenden unter Druck gesetzt worden sein: In welcher Richtung? In jene, dass sie Benefizien (Pfründen) einbüßen würden, wenn sie sich nicht als gefügig erweisen. Alle? Eine durchgehend sich vollkommen konform verhaltende Gruppe von Menschen? Und wenn das so wäre, dann hieße das ja, dass sie ihr Mandat gar nicht angestrebt hätten, um VertreterInnen der Interessen der StimmbürgerInnen zu sein, sondern nur zum eigenen Vorteil: Kann eine politische Partei wirklich davon ausgehen, dass ein solcher Hintergrund für das Handeln von Mandataren bis zu den nächsten Wahlen in Vergessenheit gerät und die Wiederwahl sichert? Gewiss, wenn als flankierende Maßnahme unabhängige Medien eingebremst und eingeschränkt werden, mag das helfen: Aber Sicherung ist das keine.

Zuletzt: Wenn man davon ausgeht, dass eine genügende Anzahl der ungarischen Bürger diktatorische Elemente in der Legislative und Exekutive strikt ablehnen, dann verwundert einen schon, wie still sich die Betroffenen verhalten, und das, wenn man in Wien sitzt, nicht deshalb, weil der Lärm bis hierher verhallt wäre, nein: Wien bzw. die Regionen Österreichs Richtung Ungarn sind zu nahe am Geschehen, als dass dieses von jeglicher Wahrnehmung ferngehalten werden könnte. Wie dem auch immer sei, das Verhalten der Abgeordneten der Partei Fides im ungarischen Parlament ist höchst bedenklich und aufklärungsbedürftig – was natürlich nicht davon ablenken darf, das Herr Orban selbst sich aus Eitelkeit und Machtbesessenheit außerhalb jener Ordnung stellt, die sich in Europa mit ohnehin immer wieder entstehenden Rissen und Abbrüchen etabliert hat. – Wolfgang Weigel Ao.Univ.-Prof.i.R.

Auf S.1 der Zeit vom 3.4. wird Viktor Orban gescholten, dass er sich an Moskau und Peking anlehnt und Brüssel kritisiert, auf S.4 wird aber die Hilfe an Italien aus China und Russland (hier sogar mit Hilfskonvois, bedeckt mit russischen Fahnen) , die Kritik von manchen Italienern am unsolidarischen Europa nicht weiter negativ bedacht. Misst die Zeitung hier mit verschiedenem Maß? – Alois Lienhard

Leserbriefe zu „Geld allein hilft nicht“ von Friedrich Merz

Friedrich Merz meldet sich nach überstandener Covid 19-Infektion zurück und charakterisiert in einem Aufsatz für die ZEIT allgemein die ökonomischen Herausforderungen nach Corona vor allem aus der makroökonomischen Perspektive der Angebotsseite. Das Primat des Privateigentums und seine Bewahrung ist ihm ebenso wichtig wie die Hauptaufgabe des Staates, die produzierende Industrie nach der Krise zu stabilisieren, „um eine Basis zu legen für Wohlstand und Arbeitsplätze der nachfolgenden Generationen“.

Kein Wort zur Klimakrise, nichts zur Verteilungsfrage, nichts zur Wohnungsnot in den Städten, wenig zum Pflegenotstand und der Ausstattung unserer Krankenhäuser, kein Wort zur Flüchtlingsfrage, dafür aber eine seltsame Rhetorik: „Wir müssen die sozial verpflichtete und auf privatem Eigentum aufbauende, die Soziale Marktwirtschaft erhalten.“ Wie bitte, was müssen wir? Wenn es nicht ein Tippfehler war, dann war es mindestens eine Freudsche Unkonzentriertheit. Denn was die Soziale Marktwirtschaft konkret gefährdet und warum sie „erhalten“ werden sollte, wird in diesem Text nicht vertieft. „Wir wissen aus der Sozialforschung, dass rund ein Drittel unserer Gesellschaft für soziale Appelle grundsätzlich nicht erreichbar ist.“ Denkt er an seine alte BlackRock-Klientel?

Was soll der Satz? Soziale Marktwirtschaft lebt doch nicht durch Sozialappelle, sondern ist ein sog. „ewiger“ Verfassungsgrundsatz (Art. 20 GG), den die Politik in allen Aufgabenfeldern vorrangig berücksichtigen muss. Der Eindruck entsteht, als ob Merz nicht unbedingt ein leidenschaftlicher Anwalt sozialer Marktwirtschaft ist und nur wenig Kontakt zu den relevanten gesellschaftlichen und politischen Fragen unserer Zeit hat – symptomatisch dafür seine vor ein paar Monaten in einem Interview untergebrachte Invektive gegen Greta Thunbergs Eltern: wäre Greta seine Tochter, hätte er ihr die Reise nach New York verboten. So kann man auch mit Kernfragen der gegenwärtigen Weltgesellschaft umgehen. Man würde sich um einen Aufsatz von Friedrich Merz nicht weiter kümmern, wollte er nicht Bundeskanzler werden. Nach der Lektüre dieses Aufsatzes spürt man erneut: diese seine Ambitionen haben etwas Beunruhigendes.. – Ernst-Wilhelm Otte

Ein kluger Beitrag von Herrn Merz. Das wünschte ich mir von der Regierung. Die Vielzahl der Parteien ist für mich auch überholt. Oder genauer gesagt, das führte auch zu der Verschleppung wichtiger Entscheidungen. Jeder glaubt seinen Senf dazu zugeben wie es zu laufen hat. Das schwächt eher die Demokratie. Das angelsächsische Modell ist für mich vorzuziehen. Das hat die Vergangenheit bewiesen. Wer will sich das noch antun, sich in der Politik noch zu engagieren. Deutschland hat die Bürger, die das besser machen könnten. Ich bewundere Herrn Merz, der sich das noch antun will. Er wird auch in der Lage sein, andere für die Politik wieder zu interessieren. Das Parlament muß nicht nur entkernt werden sondern auch mit anderen Bürger besetzten werden, die nicht nur Beamte sind. Eigentlich muß sich fast alles ändern. – Gunter Knauer

Friedrich Merz, der 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, der 2000 die volle Versteuerung der Renten und ein Renteneintrittsalter von 70 vorschlug, der sich 2004 dafür aussprach, den Kündigungsschutz für Ältere und dann für alle komplett abzuschaffen und der 2006 dagegen klagte, dass Bundestagsabgeordnete ihre Nebenkünfte offenlegen müssen, diesem Mann geben Sie ein Forum, um „harte Entscheidungen“ anzukündigen? Damit meint er bestimmt kein Lastenausgleich, der die 10 % reichsten Deutschen zur Kasse bitten würde. Dass keine Corona-Bonds dazugehören, hat er ja bereits erwähnt. Aber Friedrich Merz ist eben kein Ökonom. Sonst wüsste er vielleicht, dass wir unsere schöne Exportwirtschaft in den Sand setzen, wenn unter der Last von Zinszahlungen die Haushalte unserer innereuropäischen Absatzstaaten zusammenbrechen. Tja, unter Solidarität versteht jeder etwas anderes. Ich hoffe, Sie geben in der nächsten Ausgabe jemanden zur Gegenrede Gelegenheit, die eine andere Auffassung davon hat. – Rüdiger Weigel

Friedrich Merz stellt zwar richtig fest, dass die Corona-Pandemie eine „historische Zäsur“ darstellt. Seine Vorschläge, wie die Welt nach ihr aussehen soll, sind jedoch ein reines „weiter so wie zuvor“. Die Forderung, dass wir auch in Zukunft „starke kleine, mittlere und große Unternehmen“ benötigen werden, ist eine derartige Binsenweisheit, dass sie fast schon lächerlich ist. Denn wer sollte dem widersprechen? Merz hat zwar richtig erkannt, dass es für die Zukunft „so viel Europa wie eben möglich“ braucht, dass wir „bereit bleiben [müssen], den europäischen Nachbarn gemeinsame Hilfen bereitzustellen“. Das bedeutet aber offenbar noch lange nicht, dass er sich von langgepflegten neoliberalen Dogmen und Vorurteilen zu verabschieden wagt. Eurobonds seien weiter „der falsche Weg“, da es ja auch „andere Instrumente“ gibt. Hat Merz diese Instrumente nur deshalb nicht benannt, weil dafür am Ende seines Artikels kein Platz mehr war, oder, weil er sie nicht kennt?

Zu den mutigen neuen Ideen zur Zukunft Europas, wie sie beispielsweise ein Emmanuel Macron geäußert, hat aus dem Munde Merz‘: kein Wort. Am Schlimmsten ist jedoch, dass Merz nicht auf das Wirtschaftsmodell eingeht, dass uns diese Krise erst eingebrockt hat: Der Extraktivismus, will heißen: die unbeschränkte und unbarmherzige Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Die bewusste und mutwillige Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Die Vergewaltigung unserer der Natur, die sich wehrt, mit nie zuvor dagewesenen Plagen, die dem Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing entsprungen zu sein scheinen. Das dürfen wir auch „nach“ der Krise nicht vergessen. Als Teil der jungen Generation unter 30, die auch in 50 Jahren noch auf diesem Planeten leben muss, kann ich nur hoffen, dass nächstes Jahr ein Politiker die Wahl gewinnen wird, der den Mut zu echten Zukunftsvisionen hat. Und kein Friedrich Merz. – Jan Doria

Erschöpfen sich die analytischen Fähigkeiten des Kandidaten wirklich auf die Abschätzung von Einbrüchen im BIP, der Chancen von Lenkungen der Hilfsmittel und der Vorbereitung harter politischer Diskussionen? Der Denkansatz, das aktuelle Krisenmanagement aus dem Jahre 2030 bewerten zu wollen, lässt erkennen, dass die Notwendigkeit zur Krisenprävention nicht verstanden ist. Als Reaktion auf die erwähnte Finanzkrise wäre die Einrichtung einer strengeren Bankenaufsicht angezeigt gewesen, aber Panama-Papers und Cum-Ex-Skandale machen deutlich, dass sich unsere Regierungen nicht gegen die Sozialisierung der Verluste stemmen wollen.

Eine Seite vor dem Artikel von Herrn Merz werden die Folgen der Produktion im Ausland bei schlechteren Umweltstandards und sozial unverträglichen Löhnen beschrieben, und das betrifft nicht nur Medikamente. Diese Fehlentwicklungen werden nicht thematisiert. Herr Merz führt an, dass „rund ein Drittel unserer Gesellschaft für soziale Appelle nicht erreichbar ist“! Er meint damit vermutlich gerade nicht die gut Situierten, die einen Solidaritätsbeitrag leisten könnten. Dass aber Bürger, die sich ihren Unterhalt durch Mehrfach-Jobs sichern müssen, oder gleich in der Perspektivlosigkeit leben, hinterher in „Verteilungskonflikten“ von „politischen Parteien“ (er meint damit wohl AFD, ohne das aussprechen zu wollen) umgarnt werden, wird Herr Merz auch nicht durch die härtesten Diskussionen einfangen können. Wieso Herr Merz von vielen Wirtschaftsgrößen zur Kandidatur gedrängt wurde erschließt sich mir nicht. – Uwe Apel

Erkenntnisverlust durch Ideologie Herr Merz versucht sich in Überlegungen für eine Strategie zur Begrenzung der negativen Folgen der Corona-Krise. Leider lässt er sich dabei von ideologischen Dogmen ausbremsen. – Verstaatlichung In der aktuellen Situation gibt es viele, die meinen, dass die Krise ein Beispiel für die negativen Folgen der Privatisierung des Gesundheitswesens ist. Man muss das ja nicht glauben, aber anstatt auf die Argumente einzugehen, die Verstaatlichung zu verteufeln, kann man als Beitrag nicht ernst nehmen. – Eurobonds Weshalb fürchten manche, wie Herr Merz, Eurobonds wie der Teufel das Weihwasser? Dazu sei an die Binsenweisheit erinnert: Angst ist ei schlechter Ratgeber! Leider bleibt uns Herr Merz eine Begründung für seine Furcht schuldig. Mit apodiktisch vorgetragenen unumstößlichen und unbegründeten Weisheiten lässt sich kein substanzieller Beitrag zur Diskussion leisten. – Dr. G. Zeyer

Wie zuvorkommend, dass Friedrich Merz, derzeit gerade in der medialen Versenkung verschwunden, den Raum erhält, um in seine persönliche Glaskugel zu blicken. Bis auf unverbindliche und allgemein gehaltene Floskeln („Es gibt andere Instrumente, besonders betroffenen Ländern zu helfen.“) enthält sein Beitrag wenig Substanzielles. Was hilft, wenn nicht Geld allein, wie die Überschrift intendiert? Der Autor bleibt hier eine Erklärung schuldig. – Dr. Axel Felser

„Das Schicksal gehört zum Menschen wie der Boden, an den ihn die Schwerkraft fesselt, ohne die aber das Gehen unmöglich wäre. Zu unserem Schicksal haben wir zu stehen wie zu dem Boden, auf dem wir stehen – ein Boden, der das Sprungbrett für unsere Freiheit ist.“ (Viktor Emil Frankl, 1905-1997, österreichischer Neurologe und Psychiater) „Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben. Aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir ihm selber zu geben imstande sind.“ (Hermann Hesse, 1877-1962, deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler) – Klaus P. Jaworek

Herr Merz ist ein Wolf im Schafspelz. Obwohl der Untertitel „wie man nach der Corona-Krise die soziale Marktwirtschaft retten kann“ lautet, ist in seinem Artikel von sozialer Marktwirtschaft gar nicht die Rede, nur von Wirtschaft. Klar, eine funktionierende Wirtschaft ist die Voraussetzung, damit es einen Sozialstaat geben kann. Er hat zwar bei anderer Gelegenheit schon einmal gesagt, dass er mit einem „einbettenden Liberalismus“ (Reckwitz Das Ende der Illusionen) einverstanden sei, aus dem Artikel wird jedoch klar, wo sein Schwerpunkt liegt und dass seine Politik zu einer Zunahme der Macht der Industrie und der Banken über Politik und Gesellschaft führen wird, die dann kaum mehr einzugrenzen sein würde. Jedenfalls wird er dem nichts entgegensetzen, oder wenn er dies wollte, ist es zu bezweifeln, dass er die Standhaftigkeit hat, seinen Unterstützern und Freunden aus Politik und Wirtschaft zu widerstehen und mit Hilfe anderer Verbündeter aus seiner Partei, aus anderen Parteien und der Gesellschaft eine Politik zu machen, die nicht nur der Wirtschaft und insbesondere den großen Konzernen dient. Am deutlichsten wird seine Position zum Klimaschutz.

Den erwähnt er nämlich gar nicht. Trotz allem Schweigen wird der Klimawandel jedoch immer stärker auch unser Leben in Europa bestimmen, ganz zu schweigen von den vielen Menschen weltweit, deren Leben vom Klimawandel bedroht ist. Der Klimawandel ist (noch) latent das, was Corona akut ist. Eine Bindung von Subventionen an klimafreundliches Handeln ist das Gebot der Stunde. Es gilt hier, besonders verantwortlich mit der Staatskasse, mit der Gemeinschaftskasse der Steuerzahler, umzugehen. Klar ist jedoch, dass hinter den Kulissen Hardball um Subventionen nach Corona gespielt wird. Das offensichtlichste Beispiel ist die Forderung nach einer neuen Abwrackprämie. Natürlich ist ein wirklich effektiver Klimaschutz nur durch internationale Zusammenarbeit zu erreichen. Dennoch ist es essenziell, national starke Zeichen zu setzen. Nichts ist inspirierender als Länder, Regionen und Städte, in denen erfolgreich Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Auch weil die politische Richtung, die das Land nach der Corona-Krise einschlägt, nicht nur ein Experiment sein sondern bleibende Folgen haben wird, macht mir die Vorstellung von Herrn Merz als CDU-Vorsitzender oder gar als Bundeskanzler Angst. In jedem Fall appelliere ich an seine Verantwortung, die er egal in welcher Rolle, für alle Menschen im Land und für die zukünftige Gestaltung unseres Lebens haben wird. – Gudrun Rogge-Wiest

Leserbriefe zu „Die Unsichtbaren“ von Jeanette Otto und Johanna Schöner

Bei so einem gut recherchierten und geschriebenen Beitrag zu einem so essenziell wichtigen Thema finde ich es enttäuschend, dass Die Zeit ihn nur seinen Abonnenten zugänglich macht: https://www.zeit.de/2020/15/kinderschutz-ausgehverbote-haeusliche-gewalt-coronavirusIch würde mir wünschen, dass der Beitrag nicht hinter verschlossenen Türen bleibt, so wie das Leid der Unsichtbaren. Macht den Beitrag frei zugänglich, damit er weiter verbreitet werden und Wellen schlagen kann, damit sich etwas ändert! Das ist direkt und unverzüglich nötig und duldet keinen Aufschub – das zeigt die Recherche des Beitrags ganz deutlich, finde ich. – Theresa Jung

Der Artikel über die „verschwundenen Kinder“ hat mich in meiner Sorge um die vielen Problem- bzw. Brennpunktfamilien bestärkt. Besonders ärgere ich mich über Familienministerin Giffey, die auf Seite 28 oben rechts zitiert wird, mit der Aussage: „derzeit haben wir eine Schließzeit von fünf Wochen. Das ist etwa so lange wie Sommerferien“. Allerdings hinkt dieser Vergleich maßlos, denn auch in den Sommerferien beträgt die maximale Schließzeit für Kindertageseinrichtungen 3 Wochen! Und in den übrigen drei Wochen können die Kinder raus, auf Spielplätze, zu anderen Familien, haben Kontakte. In einer solchen Extremsituation, sind schon die jetzt fast erreichten drei Wochen für zahlreiche Kinder zu lang. Hier muss umgehend, bevor über Lockerungsmaßnahmen bezüglich des Kontaktverbotes bzw. eine Exitstrategie nachgedacht wird etwas geschehen. Sowohl für die betroffenen Kinder als auch die Mitarbeiter in Jugendhilfen, die sich auch rechtlich oft in einer Grauzone bewegen, von den gesundheitlichen Risiken ganz abgesehen. – Nele Garbrecht

Vielen Dank für Ihre Berichterstattung, durch die deutlich wird, dass die Rechnung, mit dem Shutdown Leben zu retten und Unglück zu vermeiden, immer weniger aufgeht je länger die Ausnahmesituation andauert. Es wäre ratsam, wenn in den nächsten Wochen nicht nur Virologen und Wirtschaftsvertreter sondern auch Sozialpädagogen,Lehrer und Familienhelfer der Bundesregierung beratend zur Seite stünden. – Dr. Dorothee Corinne Krauss

Der Artikel „Die Unsichtbaren“ spricht mir aus der Seele! Vielen Dank! Endlich kommen die Konsequenzen der momentanen Situation für die Kinder zu Sprache. Ich danke den Autoren für eine Perspektive, die ich in dieser Gründlichkeit und Eindringlichkeit bisher vergeblich in unzähligen Corona-Sondersendungen und Talkshows gesucht habe. Warum hört man von diesem Appell der Erziehungs- und Sozialwissenschaftler nichts in den Nachrichten? Bleibt zu hoffen, dass diese Menschen auch in die Expertengremien berufen werden, die die Exit-Strategien diskutieren und konzipieren! Kinderrechte, Kindeswohl und der gesellschaftliche Bildungsauftrag sind in meinen Augen auch ein gewichtiges Argument, wenn es darum geht, abzuwägen, wie man Handy-Daten (von Erwachsenen) zur Verlangsamung und Eindämmung der Pandemie nutzen kann. Die Kleinsten brauchen jetzt – wie so oft – starke Fürsprecher. – Christine Cremer

Unsere Gesellschaft hat bereits verschiedene Abschalt-Erfahrungen: u.a. kontrolliertes Abschalten von Kernkraftwerken. Verstecktes Abschalten der Abgasreinigung bei Dieselfahrzeugen. Gezieltes Abschalten als Pause oder als Burnout-Prävention. Dreistes Abschalten von Alarmeinrichtungen, um im Grünen Gewölbe unbemerkt einbrechen zu können. Vorsätzliches Abschalten des Denkens und der Wahrnehmung, um nicht von als störend empfundenen Wahrheiten behelligt zu werden. Nun kommt neben dem abgefederten Herunterfahren der Ökonomie eine weitere Shutdown-Erfahrung hinzu: Unkontrolliertes Abschalten von Kindergärten und Schulen, um das Gesundheitssystem in der Coronakrise möglichst nicht an die Grenze der Leistungsfähigkeit kommen zu lassen. Offenbar wird der Prozess der Ausbreitung des Virus dadurch tatsächlich begrenzt und ggf. sogar unter Kontrolle gebracht. Allerdings breiten sich nun stattdessen verstärkt gefährliche Soziale-Brennpunkt-Zellen unkontrolliert in unserer Gesellschaft aus. Stillschweigend wurde vorausgesetzt, dass der soziale Abschaltmechanismus ohne besonderes Zutun funktioniert und Belastungsgrenzen bei den Familien nicht bestehen oder relevant werden können.

Was sagen die Betroffenen dazu? Was lernen sie daraus? Was sagt die Fridays for Future-Bewegung dazu, die sich noch an die anfänglichen belehrenden Verweise auf die Schulpflicht und die Experten erinnert. Diese Bewegung sollte auf diese Weise ja ebenfalls abgeschaltet werden, auch um das Klimathema wieder möglichst unsichtbar zu machen. Was sagen die Regierungschefs in Bund und Ländern dazu? In ihren Ansprachen werden Kinder und Jugendliche jedenfalls nicht direkt angesprochen. Sie sind und bleiben erschreckend unsichtbar. – Das unvorbereitet gestartete soziale Großexperiment eines Shutdown ist wohl viel komplexer als angenommen. Gleichwohl müsste sich doch hier – anders als beim neuartigen Corona-Virus zu erwarten – rasch ein Mittel einsetzen lassen, um nicht eine soziale Epedemie entstehen zu lassen. Die Regierungen in Bund und Ländern sollten sich von Experten beraten lassen. – Reinhard Koine

Jetzt zeigt sich die falsche Erziehung besonders deutlich. Die altruistische Frömmelei war eine Form der Kindesmisshandlung. Wenn man selbst 3 Kinder hat, dann weiß man das. Das hat die so beliebte Partei der Grünen zu verantworten. In der Not zeigt sich oft das wahre Gesicht. – Gunter Knauer

Gut, dass ihre Redaktion das Thema Kinderschutz in Deutschland Zeiten von Corona aufgreift. Kinderschutz ist nicht Systemrelevant? Es wurde nach der Schließung von Schulen und Kindergärten sofort von häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit fehlendenden Frauenhausplaetzen medial berichtet – von wegbrechender Kinderbetreuung in stationären Einrichtungen oder von nun fehlenden ambulanten Diensten gab es kaum eine Berichterstattung. Der Dienst bei einem Jugendamt ist nicht systemrelevant? Jugendämter müssen jedoch rundum die Uhr besetzt sein mit Krisendiensten und machen das auch sehr engagiert. Jugendämter richten ambulante und stationäre Hilfen ein und beraten Eltern und Jugendliche bei verschiedenen Problemlagen in ihren Ämtern. Die Familien stehen nicht nur „unter Beobachtung“ der Jugendaemter(wie sie in ihrem Artikel beschreiben) sondern können hier auch vielfältige Hilfe erhalten und beantragen. Und ja, manchmal müssen Jugendämter auch Kinder oder Jugendliche gegen den Willen der Eltern Inobhutnehmen.

Jugendämter stellen jetzt ihre Dienste auch nicht ein oder reduzieren sie, sondern Jugendämter teilen sich auf in Schichtdienste. Damit sie nicht komplett wegbrechen, wenn ein Mitarbeiter der Abteilung an Corona erkrankt. Landesjugendaemter und Jugendamtsleiter geben ständig neue Richtlinien und Anweisungen für den Umgang mit Corana im Jugendamt heraus und DiJUf – Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht- hat sofort einen umfangreichen Katalog an Empfehlungen online gestellt. Jugendhilfe gerät hier sicherlich an Ihre Grenzen- sie geht nur noch in Problemlagen in die Familien und empfängt die zu Beratenden nur noch im Notfall im Amt, die eigentliche Arbeit im direkten Kontakt mit den Menschen ist gestört . Jugendhilfe ist aber weiterhin erreichbar und im Dienst. Hält Kontakt wo sie kann, sorgt für Notgruppen und Pflegefamilien, hält Helferkonferenzen am Telefon ab und sorgt weiter für funktionierende Krisen Dienste. Vielleicht wäre ein Bericht über die Leistungen der Jugendhilfe in heutigen Zeiten, mit oder ohne Corona, immer mal wieder wichtig. Vielleicht wird Jugendhilfe dann auch nochmal als systemrelevant eingestuft werden. – M. MERZ-PETRAT

Leserbriefe zu „So basteln Sie einen Mundschutz selbst“/„Sie, attraktiv, isoliert“ von Alard von Kittlitz

Über den Schnittmusterbogen für einen Mundschutz hatte ich mich zunächst gefreut. Beim näheren Hinsehen war ich jedoch ziemlich entgeistert: Die Nähanleitung ist ausgesprochen dilettantisch. Es fehlen z. B. die Angaben bzgl. der Versäuberung der Ränder. Schön wäre es auch gewesen, die Art des Stoffes zu beschreiben, der zu beachten ist. Dieser sollte z. B. bei mindestens 60 ° C waschbar sein und auf höchster Temperaturstufe gebügelt werden können. Wie das bei dem vorgeschlagenem „Filtermaterial“ gehen soll, weiß ich nicht und habe eher meine Zweifel! Ich kann mir auch nicht gut vorstellen, dass es angenehm sein soll, hinter dem Ohr verknotete bzw. mit einer Schleife versehene Bänder zu tragen. Aber sei’s drum! Saubere Ränder werden hier am besten und einfach so genäht, indem man die beiden Stoffteile mit der rechten Seite aufeinander legt und rundherum zusammen näht. Dabei ist aber unbedingt zu beachten, dass eine Seite – oder ein Stück davon – offen bleibt, damit der Mundschutz gewendet werden kann, wie z. B. ein Kopfkissen. Jede Anleitung einen Mundschutz zu nähen (nicht zu „basteln“), die sich im Internet ohne Mühe finden lässt, ist besser! Es tut mir leid. – Gisela Krahé

Die Anleitung zum Schneidern einer Atemschutzmaske , abgesehen von der Frage des Nutzens ( vgl. Artikel dazu in der ZEIT) , ist äußerst fragwürdig. Zwischen 2 Lagen Stoff soll da ein Papier-Flies ( etwa Küchenrolle) gelegt werden. Beim Waschen der Maske würde sich diese Material auflösen. Es wäre dann nur eine Einmal-Maske. Was soll das ? – S.Kaisers

Ich glaube, Sie setzen unzulässigerweise Singles und einsame Singeles, die bei Tinder sind, gleich. Ich bin Single, aber ich bin weder einsam noch bei Tinder, und wenn Sie mich gefragt hätten, wie es mir mit Corona geht, hätte ich Ihnen davon erzählen können, wie entspannt ich es finde, meine Wohnung für mich zu haben, nicht dauernd das Ewigselbe über Corona reden zu müssen, mit meinen Freunden telefonieren zu können, wann immer es passt, zu jeder Zeit home-workout machen zu können, ohne dass jemand spottet.... Will sagen: Ich glaube, jede Lebensform hat Vor- und Nachteile, aber das kriegen Sie nicht raus, wenn Sie nur die fragen, die ihre Lebensform gerade ändern wollen (und darum bei Tinder sind). Dann kriegen Sie nur eine Selbstverständlichkeit raus: Einsame Menschen sind einsam – jetzt auch oder noch mehr. – B. Schmidt

Ich bin seit Jahren treue Leserin und Abonnentin und selbst Journalistin. Ich weiß die kritische Geisteshaltung und generelle Ausrichtung ihrer Zeitung sehr zu schätzen, aber was sie unter „Sie, attraktiv, isoliert“ in der Zeit Nr. 15 abgedruckt haben, ist leider ein Armutszeignis für Ihre Zeitung. (Und das, nachdem nur wenige Seiten vorher im Politik-Teil in einem grandiosen Artikel dargelegt wird, inwiefern auch das Feld der systemrelevanten Berufe von einer inhärenten Ungleichheit der Geschlechter durchdrungen ist.) Einen Mann in einer Beziehung über das angebliche Elend der Single-Frauen schreiben zu lassen, ist leider eine dermaßen unreflektierte Reproduktion des Patriarchats, dass frau keine andere Wahl hat, als in ein ebenso karikatureskes Bild der nervigen, aufbrausenden und unentspannten Feministin zu fallen, die absolut keinen Spaß versteht. Ich bin selbst eine dieser bemitleidenswerten Single-Frauen, die offensichtlich angesichts der Corona-Krise den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als sich in ihrem Elend der Einsamkeit und Verschmähung zu suhlen. Hätten Sie diesen Artikel wahlweise eine Frau oder auch einfach nur einen Menschen schreiben lassen, der kein generelles Problem mit dem Alleinsein hat, wüssten Sie, dass es noch andere Corona-Realitäten abseits dieses Klischees gibt. – Marina Wudy

Ich lese diese Zeitung sehr gerne. Warum? Wegen der sehr guten Berichterstattung, die beide Seiten eines Themas beleuchtet. Nun wurde der oben genannte Artikel letzte Woche veröffentlicht. Wohlgemerkt in der Rubrik Entdecke und nicht Satire. Ich bin wirklich enttäuscht. Der Artikel startet so gut, beschreibt die wahren Daten und Fakten. Formuliert eine These, bzw. Frage: „Oder ist das überhaupt kein Glück? Wie erleben Singles diese Zeit?“ Doch der Autor bemüht sich nicht diese These zu widerlegen oder zu bestätigen, sondern lässt sie sich von ein paar wenigen Personen beantworten. Ein Familienvater der nicht weiß wie Tinder funktioniert und „zufällig“ nur Frauen-Matches hat, also bitte.... Mehr Single-Shaming als in diesem Artikel geht nicht (Sie, attraktiv, isoliert). Fast alle Stereotypen wurden bedient. Nicht nur allein sei Frau, nein auch noch einsam, fast depressiv, weil nicht das nächste Date oder One-Night-Stand verpasst, sondern natürlich das ganze Leben in Frage gestellt wird (sh. Aussage von Paula). Bravo.

Während der Autor im Gegensatz hierzu ganz ernsthaft über die möglichen Folgen des Fehlens von Berührungen schreibt, erwähnt er beiläufig in einem Nebensatz seine tolle Familie und Ehefrau (das ist das Ziel ihr Singles da draußen, dann hättet ihr jetzt keine Probleme!). Singles können und werden ohne Paarbeziehung nicht glücklich sein, mit oder ohne Corona. So zumindest scheint es. Abschließend philosophiert er völlig logisch, dass Singles nach der Krise wahrscheinlich nackt aufeinander zurennen werden, den Frauen und Männer, die single sind, haben doch nur das eine Bedürfnis. Schade, dass meiner Ansicht nach, das falsche Recherche-Medium und eine sehr einseitige Berichterstattung erfolgt ist. Frauen, bzw. Männer, die single und glücklich in Zeiten von Corona sind? Scheint es keine zu geben, sonst wären sie doch bestimmt in der Berichterstattung aufgetaucht oder? Es erweckt den Anschein, das die Recherche in Zeiten von Corona auch für die Autoren etwas erschwert zu sein scheint. – Corinna Götz

... ein Artikel – zumindest inhaltlich – wie von mir. „Wenn du in dir selbst keinen Grund zur Freude findest, schau’ auf andere Menschen. Geh‘ ins Volk.“ (Tschaikowski, der in Momenten größter Einsamkeit wunderbare Musik schaffte wie z. B. seine 4. Symphonie.) Das beste Netzwerk, alle Möglichkeiten der medialen Kommunikation ausschöpfend – aber ja, es ist die Berührung die fehlt, ein Streicheln im Vorbeigehen ... . Und die Möglichkeit „ins Volk“ zu gehen. Danke für den Artikel (über Alleinlebende, die wegen mancher Vorteile der Ungebundenheit auch beneidet werden können). – Anne Pieplow

Da ich die Zeit grundsätzlich sehr schätze, kaufte ich die aktuelle Ausgabe. Ich suche anregende, nachdenklich machende, gegen den Mainstream gerichtete Artikel in Zeiten der Corona-Pandemie – also kluge, analytische Gedanken. Umso irritierter war ich über folgenden Artikel: „Corona potenziert die Ungebundenheit zur Haltlosigkeit: Ich bin allein, allein, allein“ von Alard von Kittlitz. Dazu möchte ich folgende Gedanken anmerken: – Der Artikel – so steht es im ersten Bein – soll darlegen, wie Singles die Zeit erleben. Die Testimoninals sucht der Autor in einer Online-Partnerschaftsbörse. Damit ist aus meiner Sicht schon vor Beginn der Recherche klar, welche Ergebnisse sie haben wird: Frauen suchen dringend einen Partner und fühlen sich in Corona-Zeiten allein. Auch wenn der Vergleich zugespitzt ist:

Es ist so, als würde ein Journalist einen Artikel über Männer und deren Gewaltpotenzial schreiben und seine Testimonials im Gefängnis suchen. – Wieso werden Singles nur auf Frauen reduziert? Mein Eindruck ist, dass so Gesellschaftsklischees reproduziert werden. Die bedürftige Single-Frau... Wie wäre der Artikel wohl illustriert worden, hätte es Platz für ein Foto gegeben? Mit einer Frau Mitte 40, zierlich, lange blonde Haare, irgendwie traurig aussehend? – Eine Differenzierung habe ich im Artikel nicht finden können. Dabei gibt es aus meiner Sicht neben Singles, die sich nach einem Partner sehnen auch überzeugte Singles, die gern allein leben und mitunter ein sehr viel lebendigeres, engagierteres, erfüllteres Leben haben als so mancher Nicht-Single. – Daran schließt sich die nächste Frage. Was ist das Erkenntnisinteresse des Artikels bzw. das Motiv des Autors? Voyeurismus? Sich bestätigt fühlen, dass er seine Familie hat und mitleidig einen Blick auf Singles werfen kann? – KW

Leserbriefe zu „Made in China“ von Adam Soboczynski

Ihr Autor A. Soboczynski macht sich ernstlich Sorgen um den Zustand der westlichen Welt – gerade auch wegen der Konkurrenz mit einem wiedererstarkenden China. In seiner Zustandsbeschreibung malt er jedoch öfter mit dick aufgetragenen Pinselstrichen, wenn er einerseits die Schwächen des Westens z. B. selbst noch an – vorübergehenden – Lieferschwierigkeiten beim Mundschutz festmachen will, andererseits barmt: „30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks droht der Leninismus über den Liberalismus zu triumphieren.“ Ich maße mir nicht an, Chinas Weg in die Zukunft vorauszusagen. In der Gegenwart gibt es ja doch noch einige Hindernisse auf dem Weg zur alleinigen Führungsmacht. Viele Maßnahmen, die tatsächlich oder angeblich geplant sind, sind noch lange nicht umgesetzt. Das kann sich zwar auf Dauer ändern, aber gerade das chinesische Beispiel des Umgangs mit dem Corona-Virus hat doch gezeigt, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

So schreibt ja A. Soboczynski selbst: „Die Machthaber hatten mit Sicherheit keine Neigung, ihre Wirtschaft über Monate stillzulegen.“ Die Entstehung des Virus infolge von Unzulänglichkeiten auf Märkten in der Stadt Wuhan weist doch auf immer noch akute, gegenwärtige Probleme im Bereich Hygiene, Lebensmittelqualität und Tierschutz hin. Wenn alles in China so einfach wäre, dann hätten solche Zustände längst nicht mehr toleriert werden können. Im Internet – und nicht nur dort – werden auch schon andere Kurz- Narrative über China verbreitet: Wuhan-Virus, KPCh-Virus. Da war sicher nicht Chinas angeblich jetzt schon allmächtige Führung der Ideengeber, sondern Chinas Konkurrenz. Mit scheint, manches, was in China klappt (oder eben nicht) hat letztlich weniger mit Leninismus oder Liberalismus zu tun, sondern mit kulturellen Unterschieden, die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben, übrigens auch im nicht-kommunistischen Taiwan, Hongkong und anderen Ländern Ostasiens oder Singapur.

Man kann eine halbwegs liberale Wirtschaftsordnung, vielleicht auch Gesellschaft haben, ohne gleich in den typisch westlichen Individualismus zu verfallen. Da muss dann manchmal wirklich jeder einzelne mühsam überzeugt werden, wo Asiaten bei rigorosen Vorschriften kraft Vernunft und Tradition schon schneller mal umschalten können. Nur am Rande: Von umfangreicher finanzieller Hilfe für kleinere und kleinste Unternehmen scheint in China – noch? – nicht die Rede zu sein.Wir wissen, wo und wie das Problem entstanden ist. Wir sehen, wie man dort auf dem Weg ist, den Krisenherd zu löschen. Und ja – machmal könnten wir uns von Ostasiens Beispiel ein paar Scheibchen abschneiden. Und ein paar Lehren für die künftige Industrie- und Wirtschaftspolitik Deutschlands bzw. des Westens ziehen. So wie in China wird auch bei uns die Corona-Krise Wie Ihr Autor, der in der ZEIT seit kurzem nicht der einzige ist, nun gleich vorschnell das Ende der Globalisierung auszurufen – wenn nicht zu fordern – und das Ende des Westens samt Unterwerfungsphantasien gegenüber China heraufzubeschwören, scheint mir arg übertrieben. Wir leben immer noch in einer Welt, deren Zusammenhalt sicherlich nicht durch neue kalte oder heiße Konflikte gefördert wird. – Norbert Ortgies

Wir fühlen uns durch die ZEIT sehr gut und aus verschiedensten Perspektiven informiert, vielen Dank dafür! Am vergangenen Freitag kam aber bei uns im WDR5 ein Beitrag über China, zu finden unter dem Link https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-freiflaeche/audio-corona-und-der-aufstieg-chinas-100.html . Nun fragen wir uns und Sie: Liegen alle Medien, die uns in Deutschland zur Verfügung stehen, einschließlich der ZEIT bei ihren Berichten über China total daneben? Das jedenfalls unterstellt Herr Elsner allen anderen. Vermag Herr Elsner die Realität völlig auszublenden oder wird seine Information aus China gesponsert? Wir (und vermutlich auch andere) wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zu dem Beitrag auf der Basis fundierter Informationen Stellung nehmen könnten. – Dietmar Wigro

Der Autor weiß nicht so recht, wofür er sich entscheiden soll. Er schwankt zwischen Verachtung des „Westens“ (mittelalterliche Methoden bei der Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger), kaum verdeckter Sympathie für asiatische Lösung (Gesundheits-Apps, „mit denen das Leben des Individuums in bislang unvorstellbarer Lückenlosigkeit kontrolliert wird“) und zugleich Bewertung Chinas als „der größten und mächtigsten Diktatur auf Erden“. Obendrein unterscheidet er kaum zwischen ostasiatischen Autokratien oder totalitären Systemen und demokratischen Staaten (Südkorea, Taiwan, Japan) und ihren Methoden, die keineswegs so einheitlich waren und sind, wie Soboczynski unterstellt.

Ex falso quodlibet – aus einer falschen Prämisse kann keine richtige Schlussfolgerung gezogen werden. Den Triumph des Leninismus über den Liberalismus auszurufen, weil man auf Lieferungen von Schutzmasken aus China angewiesen ist, erscheint aus zwei Gründen unterkomplex. Zum einen begann die stufenweise Verlagerung weiter Teile der Stoff- und Textilproduktion aus hoch entwickelten Ländern in periphere Regionen, darunter Südostasien, bereits in den 1970er Jahren. Sie leitete damals den Beginn einer neuen internationalen Arbeitsteilung ein, die heute unter dem Begriff der Globalisierung subsumiert wird. Ihre Logik folgte dem Ricardo-Modell der komparativen Kostenvorteile und hatte zum Ziel, die Produktionskosten der arbeitsintensiven Wirtschaftssektoren zu reduzieren. Moralisieren hilft hier nicht weiter, zumal die Standortverschiebung schließlich ebenfalls weniger wohlhabenden Konsumenten im „Westen“ zugute kam.

Zum zweiten wäre ratsam, die Folgen der Pandemie zunächst einmal abzuwarten, statt Schnellschüsse abzufeuern und den Untergang des Abendlandes an die Wand zu malen. Wir haben das volle Ausmaß der Krise noch nicht erfasst, folglich wissen wir nicht, wie sich die Koordinaten ändern werden. Wir benötigen mehr zeitlichen Abstand. Und der vermeintliche Erfolg der chinesischen Strategie bei der Bekämpfung der Seuche bleibt angesichts totalitärer Züge dieser Diktatur, ihrer Manipulationen und Propaganda (vermutlich auch bezüglich der Anzahl der Infizierten und Toten ebenso wie der Effizienz der angewandten Methoden) letztendlich eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Durch kopfloses Westen-Bashing schwächen wir uns selbst und verstärken lediglich die antisystemischen Kräfte in unserer Gesellschaft wie darüber hinaus. So kommen die Autokraten jeglicher Couleur auf ihre Kosten. – PD Dr. Dariusz Adamczyk

Der Bericht/Kommentar von H. Soboczynski ist ganz ausgezeichnet. Es ist immer wieder eine Freude derart gute Texte in Ihrer Zeitung zu finden. – Harald Höhmann

Es ist nun der x-te Artikel, den ich in der ZEIT lese, welcher in seiner Tonalität vor Arroganz nur so strotzt und ganz ungeschminkte Anti China Propaganda betreibt. Dabei wäre es doch eigentlich Ihre Aufgabe, das Versagen des Westens zu analysieren, um dann nicht in solch absurde Unterwerfungsphantasien zu verfallen. Ich vermute, in der kommenden Woche ist dann wieder Russland an der Reihe. Die ZEiT mausert sich langsam zum Zentralorgan Deutschlands. Sorry for the bad news, aber das gab/gibt es schon. Die Krise des Kapitalismus und der westlichen Demokratien war seit vielen Jahren offensichtlich und ist nun wahrlich keine Überraschung, Herr Soboczinsky. Auch hat niemand den Westen gezwungen, seine Produktion von Medikamenten und medizinischen Produkten nach China auszulagern, geschweige denn das Gesundheitssystem derart kaputtzusparen.

Der Kampf gegen das Coronavirus zeigt seit drei Wochen vor allem ein flächendeckendes Versagen von Politik, Wirtschaft und Medien – denn da werden planlos Handlungen ohne echte Sachkenntnis gesetzt, willkürlich Existenzen von Millionen zerstört und der sogenannte Qualitätsjournalismus spekuliert und hysterisiert, das einem speiübel werden kann. DAS ist erschreckend, nicht dass China die Diktatur „neu erfindet“ und man in Tingyangs Buch lesen kann, wie. Liebe Redaktion, finden Sie doch bitte endlich zu ihrem Beruf zurück und nehmen Sie sich selbst weniger wichtig. Sonst kündige ich nämlich ein geschenktes Abo noch vor Ende des Sommers, weil ich es einfach nicht mehr ertrage. – Kerstin Schütze

„Made in China“= „Made in Germany“?

Der digitale Leninismus steuert die Welt – welch verwegene These, mit der Adam Soboczynksi in der Zeit Nr. 15/2020 fast eine ganze Seite füllen darf. Was er schreibt, baut auf den Erfolgsmeldungen eines Landes auf, dessen Wissenschaft zur unfreiesten der Welt gehört (was der Autor in derselben Ausgabe auf Seite 32 hätte nachlesen können). Stattdessen offenbart er sich nach vielem Hin und Her den Schlusszeilen seines Artikels als ideale Zielgruppe – für chinesische Propaganda. Eine Propaganda, die in Deutschland leider so einige publikumswirksame Multiplikatoren findet, und die „veredeln“ unkritisch, was wir glaubten, 1949 hinter uns gelassen zu haben. Es ist die Zeit, in der Diktatoren rufen, sich in großen Zeitungen Europas zu Wort melden dürfen und besonders ehemalige Bewohner nicht-demokratischer ex-sozialistischer Staaten diese Saat in sich aufnehmen. Es braucht bald keine Selbstzensur mehr – zumindest bei den einigen zweifelsfrei sehr belesenen Feuilleton-Autoren.

Die „Systemfrage“ wird nicht mehr klar benannt: Demokratie oder Diktatur, sondern da wird eine „kybernetische totalitäre Menschenführung“ und ein digitaler Staatskapitalismus dem „maroden Westen“ gegenübergestellt. Was verbirgt sich hinter dem an den Orwellschen Newspeak erinnernden Begriff „kybernetische totalitäre Menschenführung“ in der Praxis? Dass die Wahrheit unter den Teppich gekehrt wird, Probleme erst dann angegangen werden, wenn es nicht anders geht. Ai Fen, die schon am 18.12.2019 erstmals auf das neue Corona Virus hinwies, wurde ähnlich wie der mittlerweile verstorben junge Arzt Li Wenliang zum Schweigen gebracht. „Digitaler Leninismus“ wird in diesem Artikel ganz sanft auch für Deutsche appetitlich gemacht, indem man Heiner Müller zu Wort kommen läßt „Es gibt einen Grad an Unterdrückung, der als Freiheit empfunden wird.“ Ob das, was die herrschende Kaste in China derzeit zelebriert, „digitaler Leninismus“ heißen darf oder doch nur ganz banal „hoch entwickelte Diktatur“, sei dahingestellt. Was Herr Soboczynksi hier entwickelt, lässt sich hingegen eindeutig benennen, mit „vorauseilendem Kotauismus“. – Dr. Nora Sausmikat, Christof Hardebusch

Wie oft muss eigentlich der oberleidgeprüfte Mensch das Wort „Corona“ tagtäglich über sich ergehenlassen, ohne dass dieser oberleidgeprüfte Mensch dieses „Viruswort“, selbst in den Mund nimmt. Der „ganz normale Schwachsinn“, der treibt gerade dort seine Blüten gewaltig übergroß, wo er sie völlig ungehindert großtreiben lassen kann; nämlich überall! – Riggi Schwarz

Leserbriefe zu „Gegen den »Rausch des Ausnahmezustands«“ von Mariam Lau

Leider nimmt die Anzahl der nachlässig recherchierten Artikel zu, hier „Gegen den ‚Rausch des Ausnahmezustand‘“ in der Ausgabe vom 2.4.20. Beispiel 1: „Es ist die Stadt Heinsberg. 250.000 Einwohner ...“ Lt. Wikipedia hat die Stadt gut 40.000 Einwohner, der Landkreis hingegen ca. 250.000. Beispiel 2: „Seit Montag befragt ein Team unter der Leitung von Prof. Hendrik Streeck ... tausend willkürlich ausgewählte Probanden in Heinsberg.“ Prof Streeck am 2.4. in der FAZ: „Im ersten Schritt haben wir über das Einwohnermeldeamt eine repräsentative Stichprobe von 1000 Personen aus der Gemeinde gezogen.“ Da frage ich mich, ob ich mein seit 50 Jahren laufendes Abonnement Ihrer Zeitung nicht beenden sollte. – Rudolf Ordon

Ich bin vorhin über den Artikel „Gegen den Rausch des Ausnahmezustands“ in der aktuellen Ausgabe 15/2020 bei der Angabe zur Stadt Heinsberg gestolpert. Dort heißt es: „Es ist die Stadt Heinsberg, 250.000 Einwohner und mit 1220 Erkrankten und 31 Toten (Stand Samstag) so etwas wie der „Ground Zero“ des Corona-Virus in Deutschland.“ Es war zwar nur die Wikipedia-Recherche, die meine Vermutung bisher bestätigen konnte, aber die Stadt Heinsberg hat laut Wikipedia nur gut 40.000 Einwohner. Der Kreis Heinsberg hat hingegen tatsächlich gut 250.000 Einwohner laut Wikipedia. Vielleicht können Sie das ja noch korrigieren. Ich wollte Sie nur auf diesen anscheinenden Fehler hinweisen [sofern ich nicht selbst etwas dabei übersehen habe]. – Felix Wolking

Leider haben Sie für Ihren Artikel etwas nachlässig recherchiert: Der „Ground Zero“ des Corona-Virus in Deutschland war nicht die Stadt Heinsberg, sondern die Gemeinde Gangelt im

Kreis Heinsberg.

(Außerdem: Waren nicht bereits Ende Januar mehrere Mitarbeiter der Firma Webasto in Stockdorf bei München infiziert worden?) Hier ein paar Angaben aus dem Kurzportrait von der Website des Kreises: „Der Kreis Heinsberg ist der westlichste Kreis Deutschlands, eine Region mitten in Europa. ... 77,5 Kilometer der 171 Kilometer langen Kreisgrenze teilt sich der Kreis Heinsberg mit der benachbarten Provinz Limburg des Königreiches der Niederlande.

252.651 Einwohner (Stand: 31.12.2016) leben auf einer Fläche von 627,99 Quadratkilometern. Zehn Städte und Gemeinden bilden den Kreis Heinsberg. Kreissitz ist die Stadt Heinsberg. Weitere Städte im Kreisgebiet sind Erkelenz,Geilenkirchen, Hückelhoven, Übach-Palenberg, Wassenbergund Wegberg. Hinzu kommen die Gemeinden Gangelt, Selfkantund Waldfeucht“ Quelle: https://www.kreis-heinsberg.de/kreisportrait/kurzportrait/Ein Tipp: Wenn das alles vorbei ist, sollten Sie da mal hinfahren; es ist sehr schön dort! Nehmen Sie’s Fahrrad mit. – Johannes Bienefeld

Das ist die Einwohnerzahl des Landkreises, die Stadt hat gut 40.000 Einwohner. – Karl Scherer

Ich will nicht Beckmesser sein und Sie müssen den Fehler auch nicht drucken. Die

STADT

Heinsberg hat ca. 40.000 Einwohner. Der

KREIS

Heinsberg hat die ca. 250.000 Einwohner. Alles angefangen hat es am 15.02. in der Gemeinde GANGELT, die zum Kreis Heinsberg gehört. – Hartmut Wagener

Leserbriefe zu „Einsam. Alt. Bedroht“ von Moritz Aisslinger et al.

DIE ZEIT war wieder pünktlich im Postfach, dies als positives Feedback. Zu dem großen Bild auf Seite 13 Bedroht – Die Bewohner dürfen das Haus nicht mehr verlassen......hat Ihre Redaktion ganz krass ein oft für sog. arme Leutebenutztes Klischee benutzt: Halbdunkles Zimmer, spärlich möbliert, ordentlich aufgehängtre Gardinen, auf den Stühlen liegt Kleidung herum und in der Mitte der Opa.In Pantoffeln, den altersbedingten Bauch sichtbar, nicht erkennbar, aber vermutlich, sehnsüchtig nach Besuch Ausschau haltend. Hätten Sie da nicht ein positiveres Bild nehmen können: Älterer Mann oder ältere Frau, oder auch ein Ehepaar, beim z.B. Malen, Lesen, Musik hören, Schreiben, oder auch am PC sitzend ? – Hartmut Wagener

Vielen Dank für Ihre informative, einfühlsame und herzzerreißende Reportage. Wer gesund ist und noch zu Hause leben und sich selbst versorgen kann, hat keine Vorstellung von den Zuständen, Sorgen und Mühen der Mitarbeiterinnen in Pflegeheimen und schon gar nicht von der Einsamkeit und den Ängsten der Heimbewohner(innen). Wäre die angeblich an einer „schweren Bronchitis“ verstorbene Dame aus Mangel an, ich weiß nicht was, rechtzeitig auf das Corona-Virus getestet worden – positiv, wie zu spät bekannt wurde, hätten wahrscheinlich Menschen gerettet werden können. Dies wäre der letzte Satz meines Leserbriefes gewesen, hätte ich nicht erfahren, dass Frau Merkel während ihrer vierzehntägigen Quarantäne drei Mal getestet wurde. Mit der Gleichheit vor dem Gesetz ist es offenbar doch nicht so weit her in unserem Lande. – Johannes Kettlack

Wir brauchen auch eine Bewegung der Senioren, sowas wie „Sonntags für Future“. Auch mit Seniorendemos (nach Corona!), mit Plakaten „Langes Leben hinter uns und kurze Strecke vor uns – get together!“ Die Alten sind einsam und oft krank. Aber die meisten das Denken und das Fühlen doch nicht verlernt... Mehr Geselligkeit, mehr Miteinander „versprechen“ uns Psychologen und Zukunftsforscher nach der Coronakrise, aber andere Krisen werden kommen. Senioren könnten mit ihrer Einmischung und Vorschlägen zur eigenen Aufwertung und Verbesserungen in der Gesellschaft beitragen. Der Appell der Senioren könnte in den Medien verbreitet werden, das gäbe uns das Gefühl der Zugehörigkeit zum HEUTE, wenn wir unseren Beitrag für Future leisten wollen. Gerade in diesen langen „Corona“ Wochen (und womöglich Monaten?) überdenken Menschen aller Altersgruppen die Prioritäten, es wäre doch klug, oder?

Unseren Kindern und Enkeln „überlassen“ wir unsere zweifelhaften „Siege“ über die Natur, unsere Siege und Fehler in der Entwicklung der Welt. Welche Fehler sollen wir einräumen? Nicht militärischen Ausgaben sollen in vielen Ländern erhöht werden, wie der US Präsident Trump verlangt, sondern: 1. Ausgaben für die Medizin und med. Personal, auch Zahlungen an WHO – Welt Gesundheits Organisation und an die UNO. 2. UnsinnigeProjekte sehen wir heute in allen Bereichen, die Milliarden $ und Euro verschlingen, wie Flüge zum Mond, Mars usw., massiven Satelliten Ausbau im All, brutale Experimente an Tieren und Menschen angeblich für das Wohl der Menschheit. 3. Kriege und Interventionen in anderen Ländern sollen aufhören, wie Export von Waffen in die Konfliktregionen der Welt. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sollen vor Gericht und nicht deren Aufdecker. Kooperation zwischen allen Ländern anstatt Konfrontation und Konkurenz! Das Motto „Wandel durch Annäherung!“ soll zurück auf Friedenspolitische Agenda kommen.

Von uns, Senioren, sollen Fakten unermündlich betont werden: Kriege lösen keine Probleme, sondern erschweren die bestehenden und schaffen zusätzlich neue. Klaus von Dohnanyi betont im „Hamburger Abendblatt“ von 27 März, dass politische Prioritäten geändert werden müssen. Selbstbewußsein und Eigenverantwortung seien, sagt er, nicht nur für sich selbst sehr wichtig sondern auch für die Gemeinschaft. „Nicht militärisch sondern zivilisatorisch werden wir bedroht,“ meint er. „Wir müssen weg von dem Unsinn, dass Gefahren in der ersten Linie aus Russland oder China kommen: die größte Gefahr sind wir uns offenbar selbst. Nicht die NATO brauchen wir in erster Linie sondern einen umfassenden Zivil- und Umweltschutz.“ Das alte Motto der Alten:“Das war schon immer so!“ gilt heute nicht. Ein anderes, globales, muss her: „The world we depend on depends on us.“ – Vera Bade

Ich fange ausnahmsweise mal mit mir an: Ich bin wütend! Inzwischen bin ich 78 Jahre alt. Jetzt verfügen „Experten“, über die kommende Zeit meines Lebens und aller anderen Alten, die im Alter solange es geht, ihre Selbständigkeit bewahren möchten. Die Zeit, in der das schwierig werden wird, kommt für uns sicher. Wer ermächtigt diese Planer eigentlich? Die zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind begrenzt! Hat man vielleicht einen Planungsfehler gemacht?! Hat man das Gesundheitswesen zur fetten Beute gewissenloser Beutegeier gemacht, die Krankenhäuser und Altenheime zur fetten Beute gieriger Aktienbesitzer verwandelt haben? Werden diese Dummköpfe begreifen , daß sie selber betroffen sind von ihren Machenschaften, daß sie auch nicht das ewige Leben haben und keinen Cent mit ins „ewige Leben“ nehmen können? Die Alten sind nicht alle dement! Sie haben ihr Leben gelebt und ihre Erfahrungen gemacht! Die wissen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.Sie möchten ,die ihnen noch verbleibende Zeit sinnvoll zu gestalten .Mal ein Themenausflug , mal ein Besuch unseren Seen oder an die Nord oder Ostsee und vor allem Treffen mit unseren Familien und Freunden. Lassen sie uns raus, wenn wir versprechen, keine Betten im Krankenhaus einzufordern? Wir wollen ja gar nicht einsam dahinsterben Denken Sie mal darüber nach! – Beate Rickert

Heute ist es uns ein Bedürfnis, Ihnen einmal ein herzliches „Dankeschön“ zu senden. Wir hatten das schon immer wieder einmal vor, weil uns die Vielfalt Ihrer Beiträge anspricht und uns insbesondere auch gefällt, dass unterschiedliche Auffassungen zu den jeweils aktuellen Themen in der Gesellschaft Gehör finden und veröffentlicht werden. Der auslösende Anlass für diesen Brief war nun Ihr Beitrag zur konkreten Situation im Altenpflegeheim in Albstadt in der Nr. 15 Ihrer Zeitung, S. 13 ff , von Moritz Aisslinger und Caterina Lobenstein. Er tat uns in besonderer Weise gut, weil wir am Vorabend in der Sendung „ARD extra“ das genaue Gegenteil sehen mussten. Der Moderator und sein Gast vermittelten auf unangenehme Weise gezielt den Eindruck, in den Pflegeheimen herrschten nun weit überwiegend katastrophale Zustände, weil „kritische Angehörige“ nicht hineindürften und gleichzeitig die sonst üblichen Qualitätskontrollen nicht stattfänden. Uns hat diese extrem negative Darstellung so betroffen gemacht, dass wir noch am selben Abend eine deutliche Kritik an die ARD abgeschickt haben – zum ersten Mal in unserem Leben. Und am nächsten Tag konnten wir bei Ihnen den obigen Beitrag lesen, der uns „aus der Seele sprach“! Meine Frau und ich (wir sind beide 76) haben mit der Pflege unserer beiden dementen Mütter und der behinderten Schwester meiner Frau reichlich eigene Erfahrungen machen können.

Alle drei haben wir über Jahre in unserer Wohnung betreut und schließlich, als das nach einer schweren Erkrankung meiner Frau nicht mehr möglich war, in Pflegeeinrichtungen gegeben. Auch dort konnten wir sie fast täglich begleiten, auch in ihrem Sterben. Wir haben dabei erlebt, mit wie viel Kompetenz, Engagement und Zuwendung fast alle Pflegenden ihren Dienst verrichteten. Da wir auch jetzt noch ehrenamtlich (noch) ältere Menschen in unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen begleiten, können wir diese Erfahrung auch aus aktuellem Erleben bestätigen. Dazu kommt, dass unsere Tochter eine größere Pflegeeinrichtung leitet und wir aus vielen Gesprächen mit ihr wissen, welche Probleme sie schon im „Normalbetrieb“ hat und dass sie die jetzige so besondere Situation nahezu genau so empfindet, wie in Ihrem Beitrag beschrieben. Wir haben uns gefreut, dass die beiden Autoren sich selbst an Ort und Stelle begeben haben, genug Zeit für Gespräche und Beobachtungen hatten und dann auch genug Platz in Ihrer Zeitung erhielten, ihre Eindrücke und Erlebnisse zu schildern. Bitte richten Sie den beiden Autoren und ihrem Team ein herzliches Dankeschön und große Anerkennung dafür aus! – Waltrun und Peter Forstmann

Leserbriefe zu „Wo ist hier der Ausgang?“ von Uwe Jean Heuser und Felix Lill

Wir alle leiden unter der Corona-Krise, aber wir alle bemerken auch, wie alles sauberer wird. Diese Beobachtung veranlaßt zu der Überlegung, warum sich die Umweltministerin bisher kein einziges Mal zu dieser Veränderung geäußert hat und wieso niemand etwas darüber schreibt, wie die Verwandlung unserer Städte in saubere Zonen mit blauem Himmel etwas bewahrenswertes ist und welche Maßnahmen zu ergreifen wären, dieses aufzufangen und zu etwas zu entwickeln, was Bestand hat? Sie, Uwe Jean Heuser, schrieben im November 2019 etwas darüber, daß alle Bemühungen eine digital-grüne Revoution durchzuführen, Stückwerk bleiben müßten, wenn es nicht die „positive Geschichte“ dazu gebe, die allen Beteiligten den Sinn ihrer Bemühungen zeige. Sie stützten sich dabei auf Jeremy Rifkin.

Meine Frage an Sie ist, ob jetzt durch „home office“ und sonstige Veränderungen, die die „Corona-Krise“ mit sich bringt, es Zeit und Gelegenheit gibt, hierzu eine Gruppe von Menschen zu kontaktieren, die die „richtigen“ Überlegungen anstellen, weil sie die Grundlagen dafür haben und jetzt die Zeit dazu finden, eine „positive Geschichte“ zu erzählen? Werden, da jetzt die Bewältigung dieser Krise soviel Geld verschlingt, die 40 Milliarden Euro für Strukturwandel in den betroffenen Regionen, die bisher von der „klimaschädlichen Kohle“ lebten, noch investiert werden können? Werden Autokonzerne, die zweistellige Milliardensummen in die Entwicklung von E-Autos investieren, hierbei weitermachen können? Wie sieht es aus mit dem Ziel bis 2050 klimaneutral zu werden? Was können wir aus dem momentanen Zustand denn lernen, was für die Einhaltung dieses Versprechens taugt? Um es kurz zu machen: gibt es Menschen mit Fachwissen und speziellen Fähigkeiten, die an dieser – von Jeremy Rifkin eingeforderten – positiven Geschichte arbeiten, um den einzelnen Menschen einen Sinn für ihre Anstrengungen zu geben, damit der künftige Klimaschutz in allen Belangen jetzt infrastrukturell vorbereitet werden kann? – Michaela Krebs

Wenn ich wählen kann zwischen der Strategie Südkoreas ( 1.Seite Wirtschaftsteil) und den Vorschlägen aus dem Interview auf der zweiten Seite, bevorzuge ich die erste Variante. Schulen sollten, wo es möglich ist, im online-Unterricht betrieben werden, weil dort der Sicherheitsabstand bei 32 Schülern in einem Raum plus Lehrkraft keinesfalls gewährleistet ist. Die geplante Durchimmunisierung von Kindern ( plus deren Eltern), die im Interview vorgeschlagen wird, ist für mich beunruhigend, wenn doch bis zur Verfügbarkeit eines Impstoffes Abstand die einzig mögliche Sicherheit verspricht. Die Geschäfte und Betriebe zu öffnen unter der Bedingung der Einhaltung der Abstandsregel ist hingegen in vielen Fällen gut in die Praxis umsetzbar. – Birke Mey

Angesichts der zunehmenden Zahl der ‘Abstands-Ignoranten’, die nicht nur im Supermarkt, sondern auch immer mehr auf Feld- und Waldwegen mit z.B. breiten Fahrrad-Phalanxen zum Ausweichen zwingen, sollte endlich auch in Deutschland eine Schutzmaskenpflicht verordnet werden. Anders als in medizinischen Einrichtungen genügen einfache, auch handgenähte Stoffmasken, um die Gegenüber des Trägers zu schützen. Dadurch können die Neuinfektionen, besonders durch Infizierte noch ohne Symptome, deutlich verringert werden. Zusammen mit dem Tracking und einer repräsentativen Testung in der Gesamtbevölkerung ließe sich so die Anstiegsrate verlangsamen, was bei der von Epidemiologen und Statistikern noch lang anhaltenden Ansteckungswelle dringend erforderlich ist. Das Beispiel Südkorea zeigt deutlich, dass mit diesen Maßnahmen die jetzt noch in Deutschland verordneten Kontaktsperren und Geschäftsschließungen gelockert werden könnten, um eine vorsichtige Normalisierung zu erreichen. – Ulrich Hungar

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Er könnte die Antwort auf die Frage sein: Was kommt nach dem Lock-Down? Dazu gibt es jedoch eine unabdingbare Voraussetzung: Wir müssen vielmehr messen können. Die Corona-Tests müssen wahrscheinlich um den Faktor 10 bis 100 hochgefahren werden, und das geht nicht so schnell, wenn man nicht außergewöhnliche Maßnahmen ergreift, und das geht wiederum nicht so schnell, wenn es nicht ein Einverständnis gibt, dass diese Aufgabe eine der Prioritäten sein muss. Bitte nutzen Sie den Einfluss Ihrer Zeitung , die Fachleute zusammenzubringen, so dass die mögliche Kette zur Lösung besser und besser sichtbar wird: Lock-Down um die Zahlen der Infektionen zu stabilisieren (dazu mehr messen als heute, um schneller zu wissen, wer infiziert ist, und wie die Zahlen wirklich sind – in wie vielen Ihrer Artikel haben Sie geschrieben, dass irgendjemand zu lange warten muss, um ein Testergebnis zu erhalten?)

Dann vorsichtige Aufnahme des öffentliche Lebens, und noch viel, viel mehr messen, um Infizierte sofort identifizieren zu können, und Ansteckungsketten nachverfolgen und unterbrechen zu können, wie im koreanischen Modell. Bisher sagen zu viele Fachleute: Das funktioniert nicht, weil unsere Mess-Kapazität viel zu klein ist. Aber wenn wir gerade planen, Hunderte oder gar ein paar Tausend Milliarden auszugeben, müsste man ja nur einen winzigen Teil davon abzweigen, um die Mess-Kapazität dramatisch auszuweiten. Bitte helfen Sie mit, dass mehr Leute WARUM fragen. Warum ist die Messkapazität zu klein? Warum kann man sie nicht erhöhen? Warum muss das so lange dauern? z.B. hat Bayer angeboten, seine Testlabore teilweise zur Verfügung zu stellen. Bestimmt gibt es mehr Firmen, die hier helfen könnten, wen sie nur wüssten, dass das benötigt wird. – Thomas Koch

1. – Wo ist hier der Ausgang 2. – Wir können nicht Wuhan kopieren.

Zwei hervorragende Artikel. Ganz herzlichen Dank. Wenn sie noch mehr solche Artikel bringen können sie damit auf die Politik Druck ausüben was dringend notwendig ist. Zu 1.: Endlich richtet man den Blick auf Länder mit „Best Practice“ in der Wirtschaft haben wir im Wettbewerb nach den Fällen mit dem „Best case“ gesucht und untersucht worin ist der Wettbewerber besser. In unserem Fall „Corona“ hat man den Eindruck, dass man sich „worst case“ wie Italien, Spanien und New York geradezu heraus stellt als Schreckensscenario. Damit will man dann die harten Maßnahmen rechtfertigen. Das gilt für die Virenspezialisten, die Politik und auch die Journalisten. Man tut so als müsse man alles erst noch erfinden. Ganz selten hört man von den Beispielen in Asien. Man hat den Eindruck, dass man das geradezu vermeiden will.

Mit diesem Artikel stellen sie ein positives Vorbild mit Südkorea heraus. Wo der Frage nach der „Effizienz im Umgang mit Corona“ am Beispiel Südkorea nachgegangen wird. Die Schritte sind aufgezeigt: Kontrollieren, isolieren, Big Data nutzen: So antworten Länder mit Erfahrung.“ Dagegen die Position unserer Virenspezialisten, „für uns ist alles neu, können wir nicht wissen, müssen wir probieren, usw.“ Kein Blick auf die Länder in Asien. So hat man dann auch schon die Ausrede parat. Weiteres Ergebnis aus Südkorea: „der Export hat um 10% zugenommen.“ Für uns unvorstellbar.

Zu 2.: Ihre Interview-Partner haben sie glücklich ausgewählt. Vor allem Kekule hebt sich bei all den Talkrunden angenehm ab. Er unterscheidet sich häufig von den Analysen des RKI. Da fühlt man sich nicht gut geführt, wenn die Fachanalysen fragwürdig sind, siehe Aussagen über Mundschutz. Ich habe den Eindruck. dass das RKI politische Rücksicht nimmt. Wir können ja keinen Mundschutz organisieren, dann ist es wissenschaftlich nicht belegt. Aber die in Asien laufen alle mit Mundschutz herum und haben damit Erfolg.

Herausstreichen möchte ich noch die Aussage von Kekule, wann und unter welchen Voraussetzungen der Lockdown möglich ist und vor allem welche Vorbereitungen bis dahin getroffen werden müssen: „.....Wir müssen diesen Lockdown aussitzen, bis das exponentielles Wachstum durchbrochen ist .......der frühestens in drei Wochen erreicht sein wird, müssen wir wahnsinnig viel tun usw. ein klares Programm und Aufgaben usw. Oder .... „das ist wie beim Schachspiel, man muss immer drei Züge vorausdenken.“ Welch ein Kontrast zu dem was unser Finanzminister entsprechend der Sprachregelung von Merkel geäußert hat, lasst uns abwarten wie sich alles entwickelt. Wir werden uns im (stillen Kämmerlein) überlegen wie wir dann weitermachen. Was dann kommt darüber wollen wir nicht reden. Was für ein arroganter monarchistischer Führungsstil. Da müsste ein Aufschrei durch das Land gehen, aber es tut sich nichts bzw. nicht viel. Hier müsste die „Zeit“ massiv dagegen halten, unterscheiden vom Mainstream. Ich möchte sie ermutigen in dieser Richtung weitere Artikel zu bringen. Besten Dank. – Peter Leukhardt

Leserbriefe zu „Eingeschlossen mit dem Peiniger“ von Antje Joel

ENDLICH, ENDLICH, sagt es mal Jemand ! Denn genauso ist es!

Gerade gestern

habe ich dieses Thema mit einer Freundin diskutiert und wir haben uns beide darüber erregt, daß es immer „so hin genommen“ wird, als wäre es ein Naturereignis, unausweichlich, systemimanent, Gottgegeben – ist eben so. Kann Mann nichts machen. (Wir werden uns bemühen, den Frauen...........usw....ein par Frauenhäuser mehr.. blah, blah) und

Niemand

will an die

Ursachen

ran, wieso Männer eine potentielle Gefahr sind, in Streßsituationen- was ist mit deren Erziehung? Was ist da los gewesen? Was ist schief gelaufen? Wieso ist das nicht zu ändern? Und dann immer die Relativierer – ja, auch Frauen üben Gewalt aus.

Lächerlich

! Solange wir alle in einer Männer-dominierten Gesellschaftsform leben, wird sich daran nichts ändern, weil die „systemrelevanten“

Entscheider

eben auch diesem problematischen Geschlecht angehören. Und die Empörung ist groß – Sie werden es sehen/lesen können, nach Ihrem Artikel – daß ja nun

nicht alle Männer

so sind, etc. p.p., nee, aber sie tragen das Potential der Bedrohung generell in sich. Und die Frau mimt derweil das schützende, verständnisvolle Wesen.

Daß Sie bei Fr. Giffey u.s.w. damit auch nicht so recht landen, ist logisch. Auch – und gerade

die

Frauen, in den gehobenen Positionen – die wollen sich nicht angreifbar machen u. wieder „angep....t“ werden (sorry) das ist ja auch anstrengend. Da duckt man sich besser weg. Ich weiß nicht, ob Sie Waltraud Schöppe kennen: die hat damals,

in den 80zigern, als die Grünen neu im Parlament waren

, sich quasi verhöhnen lassen müssen, für ihre Behauptung, daß der Sexismus i.d.Gesellschaft u.im Parlament aufhören müsse – das hätten Sie mal erleben sollen, wie sie fertig gemacht wurde..........in dieser Form heute unvorstellbar, aber es passiert heute eben subtiler. Mann nimmt Frau nicht ernst. Danke für Ihren Artikel, der wieder Kontroversen auslösen wird, ich rieche es schon......leider...... – Susanne Hüttner

Die Autorin Antje Joel fragt, warum die Politik häuslicher Gewalt „tatenlos“ zusieht ? Wie sollten „Taten“ aussehen ? Ein ausführlicher, leider aber nichtssagender Beitrag über häusliche Gewalt – vor, während, oder nach Corona ? Selbst als Opfer jahrelanger zweier Gewaltehen vermisse ich Anregungen/Lösungsvorschläge der Autorin ihrerseits, ob sie nach der ersten Gewaltehe nichts dazu gelernt hat ? Hat sie die „falschen Männer“ ausgesucht, oder war sie für Warrnungen von Freunden/Angehörigen bei ihrer Partnersuche nicht empfänglich ? Was war ihr Beitrag für zweimaliges Scheitern ? Unberücksichtigt auch, warum sich gepeinigte Frauen wiederholt mit dem Peiniger versöhnen ? – Gerhard Wessel

Immer wenn ich solche Berichte lese frage ich mich: „Was war bevor der Täter zuschlug?“ Es gibt nicht wenige Frauen, die – wie die meisten Menschen – die Lebensumstände herstellen, die sie kennen. Nicht umsonst gehen viele Frauen aus der Erholung des Frauenhauses zurück zum Täter, um das Spiel von vorne zu beginnen, statt sich mit Hilfe des Staates neu auszurichten. Häufig mit dem Argument, es der Kinder zuliebe zu tun. Dabei sollten sie gerade für die Kinder ein neues Leben beginnen und ein besseres Vorbild sein, als es wahrscheinlich die eigene Mutter war. Darüber hinaus gibt es m.E. nur ein begrenztes Maß an Abwertung, Beschimpfung und verbaler Attacken, die ein Mann ertragen kann. Es ist dann kein Recht, Gewalt anzuwenden, aber ich glaube auch bei der Sache: es gehören zwei dazu. – Karoline Dichtl

Danke, Frau Joel, für Ihre treffenden Worte! Es ist wirklich ein Armutszeugnis, dass die Verantwortlichen in der Politik so viel Desinteresse für dieses wichtige Thema an den Tag legen. Aus eigener Erfahrung kenne ich den Wegschiebereflex der Mitmenschen nur zu gut: Gerne fallen Außenstehende auf die wohlgehütete Fassade eines doch immer so netten Familienvaters/Freundes/Bekannten herein und verschließen die Augen vor der Realität, weil einfach nicht sein kann was nicht sein darf! Verharmlosen und Ignorieren der Tatsachen ist keine Lösung, aber ein verbreitetes Mittel in Gesellschaft, Politik und leider auch in der Justiz, um sich mit den tiefer liegenden Gründen nicht auseinandersetzen zu müssen. Ist ja auch alles so furchtbar negativ...Häusliche Gewalt zu erfahren und mit den Folgen leben zu müssen, ist für die Betroffenen sehr schlimm. Noch schlimmer ist es allerdings zu erfahren, wie Täter oft einfach unbehelligt davonkommen (zur Erinnerung: psychische Gewalt ist nach außen kaum sichtbar!). Dass sie ihr Gewaltmuster in ihrer oft schnell folgenden nächsten „Beziehung“ Stück für Stück wieder anwenden, bekommt dann auch kaum jemand mit.

Einige Opfer häuslicher Gewalt werden auch gerne von weniger aufmerksamen Mitmenschen ausgegrenzt oder als sogar Lügner diffamiert, sollten sie den Mund aufmachen und über ihre Erfahrungen offen reden, denn „... das kann doch gar nicht sein, das war doch immer so ein netter Mann!“. Es gibt erschreckend viel mehr Opfer häuslicher Gewalt im eigenen Umkreis, als mir vor meiner eigenen Geschichte bewußt war. Das bedeutet auch, dass die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher liegt. Wenn aber noch nicht einmal Frauen wie die Bundesfamilien- und die Justizministerin das Thema für „ihr Bier“ halten, lieber die Fakten totschweigen als beleuchten und sich nur oberflächlich für Verbesserungen einsetzen, sagt das viel über den Stellenwert von Frauen in Deutschland im Jahr 2020 aus. PS: Ich finde es sehr schade, dass dieser wichtige Artikel online als Z+-Artikel nicht für alle Zeit-Leser zugänglich ist. – Andrea Etterer

Leserbriefe zur Infografik „Echt jetzt?“ von Andreas Derebucha (Illustration) und Urs Willmann (Recherche)

Haben Sie vielen Dank für die sehr gelungene Info-Grafik „Archäologie“ in der ZEIT Nr. 15/2020 S. 32. Ich werde sie, wenn die Zeiten wieder andere sind und die Schulen sich wieder mit Leben füllen, in einem unserer Schaukästen ausstellen! Gestatten Sie mir eine kleine Anmerkung. Unter dem Stichwort „Mythos“ wird hier ausgeführt, dass Homer entscheidende Szenen aus dem Trojanischen Krieg in der Ilias schildert, u.a. „[E]ine der dramatischsten: Paris schießt dem griechischen Helden Achilles einen giftigen Pfeil in der Ferse“. Das trifft so nicht zu. Das Epos endet vielmehr mit einer großartigen Szene zutiefst menschlicher Begegnung. Achilleus hat Hektor, den Königssohn und wichtigsten Kämpfer der Troer, getötet und in seinem grenzenlosen Zorn den Leichnam übel zugerichtet.

Am Abend wagt sich – unbegreiflich und nur mit göttlicher Hilfe durchführbar – Priamos, der greise König von Troja, in das Lager Griechen und erbittet vom Mörder seines Sohnes die Herausgabe von dessen Leichnam. Und nun kommt es: Die beiden Männer werden des männermordenden Wahnsinns, den der Krieg darstellt, inne und – weinen. Priamos, der König, um die vielen Söhne, die die Angreifer ihm getötet haben, und auch Achilleus, den bei dem Gedanken an seinen eigenen Vater die Sinnlosigkeit seines Tuns überwältigt: „Und ich sorge nicht für ihn, den Alternden, denn weit entfernt von der Heimat sitze ich hier in Troja und mache dir Kummer und deinen Söhnen.“ Welche Einsicht! Leider hat sie auch bei Homer kaum Auswirkungen auf die weiteren Kriegshandlungen. – Dr. Angela Schwarzer

Guter Hinweis , Troja nachzulesen bei Gustav Schwab „Die schönsten Sagen des Klassischen Alterums“ mit der Laokoon-Grupe auf dem Umschlag in Leinen gebunden. Eine Ausgabe von 1880 C. Bertelsmann, Gütersloh/Leipzig. 13. Auflage, mit 8 Holzschnitten von A. Joerdens Gedruckt in dieser altdeutschen Schrift. Ich habe nach dem Krieg noch Bücher in dieser Schrift lesen gelernt. Ob ich das Buch heute meiner Enkelin geben kann, glaube nicht ? Auf der ersten Innenseite noch eine familiäre Widmung zu Weihnachten 1881 – Hartmut Wagener

„Was wir über die Stadt zu wissen glauben, stimmt nicht alles. Ein Faktencheck“. Dieser „Unter-Überschrift“ wird man durchaus zustimmen können, allerdings ist beim Faktencheck doch Einiges danebengegangen. Homers Ilias umfasst etwa 16000 (genau genommen 15693) Verse, nicht genau 26000. Wenn man hier noch von einem übersehenen Tippfehler ausgehen kann, muss man sich fragen, ob Urs Willmann überhaupt den Inhalt der Ilias kennt bzw. sie gelesen hat. Er schreibt nämlich:“Eine der dramatischsten (erg. Szenen): Paris schießt dem griechischen Helden Achilles einen giftigen Pfeil in die Ferse – dessen einzig verwundbare Stelle.“

Nun endet ja -wie hinreichend bekannt – die Ilias mit dem Tod Hektors und dem Ende der Menis des Achill, dem eigentlichen Thema des homerischen Epos. Achill weiß zwar, dass er im Krieg fallen wird, wenn er Hektor bezwungen hat, und nimmt dieses Schicksal auch an, aber in Homers Ilias wird eben Achills Tod nicht geschildert, schon gar nicht in einer der „dramatischsten“ Szenen. Urs Willmann hätte sich mühelos im Katalog über die große Troja-Ausstellung von 2001, den er unter den Quellen seines Artikels aufführt und als „Fundgrube“ bezeichnet, informieren können. Vielleicht hat er in Gesprächen mit Prof. em. Dr. Ernst Pernicka auch erfahren, dass sich der Troja-Streit inzwischen doch etwas abgekühlt bzw. versachlicht hat. Seit ein türkischer Archäologe, Rüstem Aslan, der aus der „Korfmann-Schule“ kommt, für das Trojaprojekt zuständig ist, konnte mit dem Segen des türkischen Präsidenten Erdogan 2018 auch in Sichtweite des Hügels von Hissarlik ein modernes Museum eingeweiht werden. Sicher eine neue Quelle für „Wissen“. – Dr. Friedrich Bruckner

Leider sind die wenigen Sätze über den Mythos des Pferdes unvollständig: Es war 1) ÜBERgroß (Hintersinn von Odysseus’/Ulixes‘ List) und 2) musste nach Vergils Aeneis 2, 234 erst eine Bresche in die Mauern geschlagen werden (Dividimus muros et moenia pandimus urbis – Homers Odyssee erzählt das noch nicht). „Die Gegner ... zogen das Vehikel durchs Stadttor“ ist also FALSCH. – Volker Morsadt

Leserbriefe zu „Nah am Herzen“ von Marc Brost

Im Blick auf den gebotenen körperlichen Abstand zu anderen Personen sollte nicht von “social distancing”, sondern von “physical distancing” gesprochen und geschrieben werden. Denn das “Sociale” gilt gerade in der Corona-Krise zu stärken. – Prof. Dr. Udo Wilken

Der Autor schreibt über die CDU: „Als christliche Partei wiegt der Schutz der Alten für sie besonders schwer.“ Selten so gelacht! Ersetzen Sie in dem Satz doch einfach mal „der Alten“ durch „der Armen“ oder „der Flüchtlinge“. Merken Sie, wie albern das klingt? Angela Merkel ist 15 Jahren Bundeskanzlerin. In dieser Zeit war die Schwarze Null immer wichtiger als die Pflege alter und kranker Menschen, und deshalb hatten wir auch schon vor Beginn der Corona-Krise einen Pflegenotstand. – Andreas Maaßen

An Ostern, da dürfte uns wohl der „Osterhase“, ob jetzt mit ohne einer (Schutz)Maske, noch weitere von diesen oberfaulen „Corona-Kuckuckseiern“, in unsere Osternester legen wollen. Wir jedoch, wir machen weiter mit dem, was wir machen dürfen, nämlich dumm aus der Wäsche, und noch dümmer aus unseren „Stubenarrest-Fenstern“, zu schauen! Der „Coronavirus-Krisenstab“ mit Markus Söder, Jens Spahn, Olaf Scholz, Angela Merkel und dem Mutmacher der Nation „Frank-Walter Steinmeier“, nebst all den (selbst)ernannten Experten, die tun und machen nur noch das, was sie tun und machen wollen! Den „Extra-Profilierungs-Bonus“, den könnten diesmal die „C(orona)“-Parteien im Lande erhalten, vielleicht sogar mit dem kleinen Nebeneffekt, dass dadurch die bisher stark fallenden „CSU/CDU-Aktien“, wieder etwas nach oben, im „Parteien-Index“, klettern könnten! Übrigens, was macht eigentlich Friedrich Merz in dieser österlichen „Corona-Zeit“? – Riggi Schwarz

Leserbriefe zu „Was in Dresden brodelt“ von Martin Machowecz

Dass einmal in der ZEIT es jemand wagt, Herrn Assheuer zu widersprechen, habe ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt. Dieser hat vor einer Woche in der ZEIT wieder einmal den großen Autor Uwe Tellkamp nach seinem bekannten Geschäftsmodell als Nazi entlarvt. Seit Jahren schleudert Herr Assheuer wie ein verbohrter Prediger einer abseitigen Sekte seine immer gleichen Anathemata von seiner selbstgezimmerten Kanzel herab. Niemand hatte bis jetzt den Mut, ihm öffentlich zu widersprechen. Man hatte offensichtlich Angst, sofort in die linke Assheuer-Hölle geschickt zu werden. Auch in Herrn Machowecz’ Beitrag wird Herr Assheuer nicht namentlich genannt, aber man kann immerhin erkennen, wer gemeint ist. Hoffentlich muss Herr Machowecz für seinen unerwarteten Mut nicht damit büßen, dass er aus der Herde der rechtgläubigen Schafe vertrieben wird und sich zu den ungläubigen Böcken gesellen muss. – Dr. Georg Doerr

Was in Dresden brodelt: Auf Thomas Assheuers Vorwurf der „Systemverachtung“, der wohl nicht allein aus Uwe Tellkamps Essayband „Atelier“ herausrezensiert wurde, hat Martin Machowecz ziemlich prägnant reagiert. Und auch angenehm gelassen und abwägend. Ein Einwand aber gegenüber Martin Machowecz‘ Fazit: Widerspricht nicht die im Osten gefühlte „Diskursmacht“ des Westens, die doch als Über-Macht empfunden wird, der im Westen behaupteten Meinungsfreiheit? Und sendet ein Beitrag wie der von Thomas Assheuer nicht damit ein weiteres Zeichen tiefen Unverständ nisses zwischen Deutschen aus, weil Beziehungs- und Sachebene durcheinandergeraten sind? – D. Lubjuhn

Vielen Dank für Ihre sachliche Beschreibung der Nebengeräusche um das neue Buch und die Standpunkte von Herrn Tellkamp. Ich bin wie Sie der Meinung, dass hier eine Zuordnung zum rechten Lager unangemessen ist. Erschreckend finde ich, mit welcher Wucht auf Tellkamps Äußerungen reagiert wird. Eine sprachliche Überhöhung ist leider oft Mittel zum Zweck. Herr Tellkamp kann das offenbar ganz gut. In einer Zeit, in welcher nach der Wahl in Thüringen Narrative wie die Befreiung von Konzentrationslagern bemüht werden oder ein Herr Kemmerich als Faschist deklariert wurde, fallen die Polemiken von Uwe Tellkamp jedoch geradezu harmlos aus. „Was dem einen recht ist ist dem anderen billig.“ Wenn medial kolportiert wird, dass das Atelier nur im rechten Verlag von Götz Kubitschek erhältlich ist, dann kommt dies einem Rufmord gleich.

Gleiches gilt für den Begriff der rechten Kulturszene in Sachsen. Da wird ein ganzer Landstrich unter Generalverdacht gestellt. Ich lebe in Leipzig. Welche rechte Kulturszene ist denn gemeint? Das Gewandhaus oder gar die Oper, das MdbK, weil es Herrn Rauch ausstellt? Mir fällt da sonst nix ein. Das Schwimmen gegen den Strom muss erlaubt sein und man darf die Dinge hinterfragen. Das muss nicht jedem gefallen aber wir müssen es für immer und jeden zulassen. Andernfalls müssen wir uns über Begriffe wie den -Gesinnungskorridor- nicht wundern. Selbstverständlich gibt es Grenzen der Meinungsäußerung aber die hat Herr Tellkamp noch längst nicht überschritten. W. Churchill hat wohl sinngemäß mal gesagt: „Wenn in der Politik zwei der gleichen Meinung sind, dann ist einer überflüssig.“ – Matthias Rensen

Leserbriefe zu „»Ich weiß, wie sich das anfühlt«“. Gespräch mit Juli Zeh geführt von Sabine Rückert

„Spieltriebwar das erste Buch“, analysiert Juli Zeh in dem Gespräch bestechend klar, „in dem ich mich mit der Großfrage beschäftigt habe, was mit einer Gesellschaft passiert, die ihre kollektivmoralische Grundlage, die Religion, komplett verloren hat, weil dieser keine staatstragende oder gesellschaftstragende Funktion mehr zukommt. Die Gesellschaft landet dann zwangsläufig beim Rechtssystem, weil der religiös autorisierte Überbau weg ist. Was ist gut, und was böse? Wenn diese Grundlage verschwindet, was bleibt? Nur das Individuum, das – auf sich allein gestellt – aus meiner Sicht absolut unfähig ist, moralische Entscheidungen zu treffen.“ Ob dem christlichen Glauben im Westen, im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, keine gesellschaftstragende Funktion mehr zukommt, wäre sorgfältig zu recherchieren. Das haben seit Jahrzehnten schon viele herausragende Wissenschaftler getan, wie z.B. der Soziologe Rodney Stark und der Historiker, Politikwissenschaftler und Philosoph Larry Siedentop.

Man stellt dabei zwei unterschiedliche Kurven der Entwicklung des Westens in den letzten zwei Jahrtausenden fest: 1.0 Die emotional überladene Überzeugung der ReligionskritikerDiderot, Gibbon, Voltaire etc., etwa ab dem 18. Jahrhundert, die sich in ihrem Geschichtsverständnis von ihrem Zorn auf die Kirchen und aus dem Blickwinkel ihrer Zeit haben leiten lassen, und 2.0 die rationale und gesamthistorischeSicht. 1.0 Das religionskritischewestliche Entwicklungsverständnis, das trotz gegenteiliger Erkenntnisse wichtiger Wissenschaftler seit vielen Jahrzehnten, von dem einen und anderen immer noch für alternativlos gehalten wird, geht, im Zeitraffer, von folgender kultureller Entwicklung aus: Die griechische und römische Antike war sehr hochstehend. Das christliche „dunkle“ Mittelalter war ein großer Entwicklungsrückschlag. Die Renaissance war die Wiedergeburt der klassischen Antike und die Rettung aus dem „dunklen Mittelalter“. Die Aufklärung brachte die Befreiung des unter der Religion geknechteten Menschen, die Naturwissenschaften, die Technologie und die Moderne, so dass sich die westliche Menschheit nun auf einem ganz hohen Entwicklungsniveau befindet.

Leider hat diese religionskritische Sicht aber auch dazu geführt, dass diese ganze Höherentwicklung nun nicht mehr untermauert ist und einzustürzen droht, wie Juli Zeh in dem obigen Zitat so treffend darlegt. 2.0 Die rationale, gesamthistorische Sicht zeigt auf: Die klassische Antike und auch andere Kulturen kannten kein Prinzip der Gleichheit aller Menschen, der Individualität, der persönlichen Identität, Menschenwürde und Menschenrechte und Freiheit. Es wurden vielmehr gegebene und gewachsene Unterdrückungsmechanismen zementiert. Das Mittelalter war eine Zeit des Aufbruchs. Sie wurde effektiv, wenn auch sehr unvollkommen und mit vielen Rückschlägen, vom Geist der Rationalität, der Nächstenliebe und der Entwicklung beeinflusst, der im christlichen Glauben begründet ist. Sie brachte technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt, der in der konsequenten Weiterenwicklung auch zur Entwicklung der Naturwissenschaft und der darauf basierenden Technologie führte.

Die Aufklärung als eine Zeit unduldsamer, vernichtender Religionskritik enthält auch berechtigte Verhaltenskritik. Diese gibt es in der Bibel natürlich überall und in sehr heftiger Form, verknüpft mit der Möglichkeit der positiven Änderung. Die heutige Zeit könnte nach dieser rationalen gesamthistorischen Sicht das Potenzial für alle Menschen bieten, Freiheit ohne Chaos und Ordnung ohne Tyrannei zu erfahren. In der Geschichte finden wir die Auswirkungen freiwilliger Hinwendung zu Jesus Christus und von Veränderungen von innen nach außen. Im Kontrast dazu stehen aber auch abschreckende, negative Folgen pragmatischer Religionspolitik. – Gerhard Jahnke

UP! Erst „dass Menschen mit einem Sinn für Moral auf die Welt kommen, der Fähigkeit zwischen richtig und falsch zu unterscheiden“ und dann „dass nur das Individuum auf sich alleine gestellt absolut unfähig ist moralische Entscheidungen zu treffen“ passt für so einen einfachen Kerl wie mich jetzt nicht richtig zusammen. Und da Religion die „Grundlagen des Zusammenlebens“ ja auch mit Gesetzen (von Gott) regelt (die 10 Gebote) bleiben bei ihrem Wegfall nur wir selbst übrig – als Gesetzgeber – Autonomie gleich Selbstgesetzgebung gleich Freiheit und im engeren (ursprünglichen?) Sinne (als Gesetzestreue) auch gleich Moral. Oder andersrum: Der Mensch ist nur dann frei, wenn er sich selbst Gesetze gibt (sich aus dem Naturrecht des Stärkeren befreit) und die funktionieren nur, wenn er sich dran hält (Moral). Er kann also nur frei sein, wenn er sich moralisch verhält und natürlich nur in Gesellschaft. Uff – ich habe gesprochen. – Dieter Herrmann

Die Aussage von J.Zeh, „Nur das Individuum, das – auf sich allein gestellt- aus meiner Sicht absolut unfähig ist, moralische Entscheidungen zu treffen. Dieser Satz irritiert mich total! Wer denn, sollte diesen Part übernehmen. Die Rechtsgemeinschaft? Zuerst ist mal der Mensch in der Verantwortung und als Individuum gefragt. Danach wird Recht formuliert und durch Gesetze zum Bestandteil der Gemeinschaft. Wo sollte denn die moralische Entscheidung fallen, wenn nicht beim Einzelnen? Kann man mich da mal aufklären? Jedes Individuum hat seine moralischen Vorstellungen. Bin gespannt ob Ihrer Antwort. – Gerd Hummert

Leserbriefe zu „Im Dauereinsatz“ von Viola Diem und Kolja Rudzio

Als Arbeitgeber: für mich und meine Kollegen. Die Darlehen die Notwendig sind um unsere Betriebe über die Coronazeit hinweg zubringen, sollten zu 100 % durch die KfW abgesichert werden. Mindestens in Höhe eines Viertels der Umsätze des letzten Jahres sind sie nötig. Die Rückzahlung darf erst nach zwei Tilgungsfreien Jahren, in 8 auf einander folgenden Jah- ren stattfinden. Viele Kollegen trauen sich sonst nicht diese Kredite in Anspruch zu nehmen. Und das wird manche Insolvenz nach sich ziehen. – Dr. Werner Schmidt

Kurzer Zusatzbericht aus der Provinz: Am 17.03.2020 erklärte der bayrische Wirtschaftsminister und Landwirt Hubert Aiwanger, das Programm der Corona-Soforthilfe sei nun angelaufen, „das Geld ist bis Freitag auf dem Konto“. Ein Zitat, daß bis vor drei Tagen auf der Startseite seiner Ministeriums-Website prangte. Am 19.03.2020 habe ich (Solo-Unternehmer) den Antrag auf Landesmittel über 5.000 € gestellt und sofort eine Eingangsbestätigungs-Mail erhalten. Bis jetzt (gerade nochmal nachgeschaut) ist kein Cent gekommen. Meine Schwester (auch Solo-Unternehmerin) stellte am 30.03.2020 in Nordrhein-Westfalen den Antrag auf sowohl Landes- als auch Bundesmittel über 9.000 €. Diese wurden ihrem Konto gestern, 02.04.2020 gutgeschrieben. Bayern schwellt mal wieder die Brust und macht letztlich mal wieder den Maulhelden. Von „Sofort“-Hilfe keine Spur. – Michael Rohe

Da läuft im Moment in Deutschland etwas aus dem Ruder! Seit ungefähr vierzehn Tagen kann man zwei Überbieterwettbewerbe verfolgen, die scheinbar keine Steigerungsgrenzen mehr kennen. Der eine Wettbewerb findet zwischen den Medien statt, bei dem sich Fernsehen, Rundfunk und Presse gegenseitig darin überbieten, von Not leidenden kleinen, mittleren und großen Unternehmen zu berichten, ihnen eine Plattform zu bieten, um persönlich von dem angeblich kurz bevorstehenden Zusammenbruch ihrer Betriebe zu berichten, wenn sie keine Hilfe vom Staat erhalten. Da ist dann z.B. das hochwertige Modegeschäft in Hamburg, dessen Inhaberehepaar „zweimal im Jahr in die europäischen Mode-Metropolen (fährt), um das Sortiment für die kommende Saison auszuwählen“. Ich stelle mir vor, dass dieses Ehepaar standesgemäß reist und logiert, stelle mir weiter vor, dass es insgesamt einen entsprechenden Lebensstil pflegen kann, weil das Geschäft mit „zwölf Mitarbeitern“ genügend Gewinn erwirtschaftet.

Das ist in Ordnung, wir leben im Kapitalismus. Die Mitarbeiter wurden bereits „in Kurzarbeit geschickt“, erhalten ihren Lohn also schon aus der Kasse der staatlichen Sozialversicherung, die zur Hälfte von den abhängig beschäftigten Arbeitnehmern gezahlt wird. Aber das arme Unternehmerehepaar benötigt zusätzliche staatliche Unterstützung. Und zwar keinen Kredit, denn der müsste ja zurückgezahlt werden. Nein, man fordert zusätzliche Subventionen. Nach nur zwei Wochen Ladenschließung weiß dieses Inhaberehepaar schon nicht mehr, „woher sie das Geld nehmen sollen“ und schreibt „zusammen mit rund 20 Kleinunternehmern“ einen entsprechenden Brief an den Hamburger Bürgermeister.

Wo bleibt hier der Aufschrei der FDP, die sich seit Jahrzehnten in der alleinigen Rolle des Kassenwarts und Haushaltüberwachers gefällt, darin, alle möglichen Subventionen und Transferleistungen zu kritisieren, da diese nur Steuerverschwendungen wären. Liebe Fernsehen-, Rundfunk- und Pressemacher: bitte haltet ein, wir wissen mittlerweile genug von unseren armen deutschen Unternehmen. Wie wäre es stattdessen mal mit dem Rentner, der seine kleine Rente als Taxifahrer aufbessern muss, um noch über die Runden zu kommen, nun aber von seinem Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt worden ist, allerdings kein Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur erhält, da er nicht mehr in die Sozialversicherung einzahlt. Das Beispiel der Mieterin aus Veitshöchheim ist da schon mal ein gutes Beispiel.

Aber da gibt es ja noch den zweiten Wettbewerb, der den Wettbewerb der Medien von staatlicher Seite aus flankiert. Seit ungefähr drei Wochen überbieten sich politische Darsteller in der Ankündigung, Not leidende kleine, mittlere und große Unternehmen unterstützen zu wollen – und zwar ohne Limit, komme was da wolle. Da treten sie auf, die Frauen und Männer in ihren Bürgermeisterämtern, Ministerpräsidenten- oder Ministerrollen und verkünden, dass Sie persönlich dafür Sorge tragen, dass jedem Unternehmen geholfen wird. Sie stellen diese Summen bereit, der Steuerzahler wird nicht erwähnt, der diese Mittel schließlich zu leisten hat und später wohl nicht mehr damit rechnen kann, Steuererleichterungen zu erhalten, wenn infolge dieser riesigen Subventionsleistungen an die Unternehmen die Staatsverschuldung erheblich gestiegen sein wird. Kommunal, Landes- und Bundespolitiker überbieten sich gegenseitig in ihrer Bereitschaft, noch mehr Steuergelder in die Not leidenden kleinen, mittleren und großen Unternehmen zu pumpen und zuletzt hat sich auch noch – wie zu erwarten war – unsere EU Kommissionspräsidentin diesem selbstgetriebenen Wettbewerb angeschlossen.

Wer bietet mehr, Söder oder Laschet, Scholz oder Altmaier, oder doch Ursula von der Leyen? Ich wiederhole mich: Wo bleibt hier der Aufschrei der FDP, die sich seit Jahrzehnten in der alleinigen Rolle des Kassenwarts und Haushaltüberwachers gefällt, darin ... (s.o.) Gemessen an den im Raum stehenden Summen dürfte sie gar nicht mehr aufhören öffentlich zu schreien. Es kann doch wohl nicht sein, dass jeder Betrieb wie in Niederbayern, der die staatliche Soforthilfe beantragt, lediglich zu erklären braucht, „dass er durch Corona in wirtschaftliche Not geraten ist und dass er auf Anfrage dazu Unterlagen herausgeben wird.“ Auf Anfrage!!! „Die Anträge werden zunächst vor allem auf Formfehler geprüft, inhaltliche Angaben sollen später kontrolliert werden.“ Wer soll denn hinterher einmal all die Anträge auf ihre inhaltliche Begründung, auf die wirkliche Notlage hin überprüfen? Allein in Niederbayern liegen „schon 23.000 Anträge vor.“ Verfügen all die Geschäftsinhaber oder geschäftsführenden Gesellschafter über keine Privatmittel, die sie in ihre Betriebe einbringen könnten? Haben sie vorher keine Gewinne aus ihren Unternehmen gezogen oder verfügen all die Betriebe wirklich nicht über genügend Eigenkapital, um zumindest einmal vier, acht oder zwölf Wochen ohne staatliche Unterstützung zu überstehen?

Wäre das so, dann stünde es wirklich schlecht um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Nun wurde aber in den letzten zehn Jahren eine Rekordmeldung nach der anderen verkündet. Die Wirtschaft brummte. Ich verfüge zwar über keine entsprechenden Statistiken, aber soweit ich in Erinnerung habe, sind in dieser Zeit auch die betrieblichen Gewinne deutlich gestiegen und damit auch die Einkommen der Betriebsinhaber und Gesellschafter. Und nun sollen schon wieder die Verluste sozialisiert werden, nachdem die vorausgegangenen Gewinne privatisiert worden sind??? In der Wirtschaftskrise 2007/2008 musste der Steuerzahler bereits mit riesigen Summen einspringen, um Banken, die im Graubereich des Finanzmarktes jongliert hatten, vor dem Zusammenbruch zu retten – nicht zu vergessen die Unsummen die bereitgestellt werden mussten, um in der Folge den Euro zu stützen. Die Macher dieser Banken hatten sich selbst und ihren verantwortlichen Mitarbeitern über Jahre dicke Millionenboni gewährt, die Nationalstaaten mussten für die Verluste einspringen und noch heute haftet der Normalbürger dafür, da er auf seine Sparleistungen keine Zinsen mehr erhält. Überhaupt muss ein jeder Bürger oder müssen Familien, die Grundsicherung nach Arbeitslosengeld II beantragen, sich nackt ausziehen, müssen jeden einzelnen Euro nachweisen, den sie auf irgendeine Weise erhalten haben, damit er von der knapp bemessenen Leistung, sollte sie überschritten sein, wieder abgezogen werden kann. Und wehe, er macht falsche Angaben.

Und nun melden sich auch noch die armen Vermieter, da sie angeblich als Unternehmen, Genossenschaft oder Privatperson gebeutelt sind, wenn die Miete nicht regelmäßig reinkommt. Hat man vielleicht einmal daran gedacht, die eine oder andere Immobilie zu beleihen oder gar zu verkaufen, sollten regelmäßige Mieteinbußen wirklich zu längeren Umsatzeinbußen oder Einkommensengpässen führen. Schließlich gilt für Privatmenschen, dass der Besitz von Immobilien Vermögen bedeutet, über das sie verfügen – und ich rede hier bewusst im Plural, weil bei dem genannten Beispiel aus Freiburg drei Wohnungen und eine Gewerbeeinheit vorhanden sind. Wann wird die Aldi-Familie einen Antrag stellen? Es kann doch wohl nicht sein, dass bei einer vom Staat unverschuldeten Krise alle nach dem Staat rufen und wirtschaftliche Hilfe einfordern. Wir leben im Kapitalismus. Dazu gehört, dass jeder Einzelne aber auch jedes Unternehmen einem gewissen wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt ist. Natürlich will jeder seinen Lebensstandard halten, aber dort, wo Vermögen im Hintergrund ist, sollte das doch bitte erst einmal eingesetzt werden.

Nein! Liebe Unternehmer und Vermieter, tut mir leid, aber in all den Jahrzehnten waren es immer Ihre Repräsentanten (Unternehmen), die vehement gegen angeblich viel zu hohe und zu einfach zu erlangende Transferleistungen aufbegehrt haben. Nun verlangen die gleichen Rollenträger in Fernsehen, Rundfunk und Presse, dass der Staat doch bitte schön einzuspringen habe und zwar direkt, und zwar unbürokratisch, und zwar ohne Limit. Wo bleibt die FDP? Hier stimmt was nicht! Hier läuft was aus dem Ruder! – Rudolf Thieser

Leserbriefe zu „Neues Programm, alte Konflikte“ von Georg Blume und Mark Schieritz

Ob die Forderung vor allem der italienischen Regierung nach Anleihen mit gemeinsamer Haftung der Euro-Länder, Corona Bonds, berechtigt ist, hängt von der Antwort auf folgende Fragen ab: (1) Hat der italienische Staat Zugang zu Finanzmitteln zu tragbaren Bedingungen? Bei Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen unter 2 Prozent ist das eindeutig zu bejahen. In der Diskussion um die Tragfähigkeit der Staatsschulden wird meist nur auf die Relation Staatsschulden zu Bruttoinlandsprodukt abgestellt. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Relation aus Zinszahlungen des Staates zu Bruttoinlandsprodukt. Diese hatte für Italien 1991 bis 1995, vor den Convergence Trades in Vorbereitung auf den Euro, bei 11,2 Prozent gelegen. Für 2020 erwartete die EU-Kommission, allerdings vor der Krise, 3,3 Prozent.

Die Belastungsgrenze des italienischen Staates ist also keineswegs erreicht. (2) Hat Italien die eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft, bevor es Hilfe der Partner anfordert? Nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank vor einigen Jahren sind die italienischen privaten Haushalte wohlhabender als die deutschen. In einer solchen Krisensituation wäre daher eine einmalige Vermögensabgabe der wohlhabenden privaten Haushalte, z.B. solche mit einem Nettovermögen (ohne selbstgenutzte Immobilie) über 100 000 Euro, in Höhe von 30 Prozent geboten. Darüber hinaus steht der Goldbestand der italienischen Notenbank zur Disposition, zumal das Gold der Notenbanken längst keine monetäre Funktion mehr hat.

Sind die eigenen Möglichkeiten erschöpft, sollte die Gemeinschaft solidarisch unterstützen, aber eben erst dann. (3) Muss der Grundsatz Haftung und Kontrolle in einer Hand auch bei Corona Bonds Beachtung finden? In jedem Fall aus Sicht der Garantiegeber, auch um Missbrauch zu verhindern. Ob so ein Programm dann für die italienische Regierung allerdings noch attraktiv wäre, darf bezweifelt werden. – Dr. Jürgen Pfister

„Europa kann nur weiterleben, wenn die Europäer jetzt füreinander einstehen!“ Wann begreifen das die Politiker und wir endlich ?! Es wird uns in und nach der Krise nur ein solidarisches Europa gelingen, wenn wir unseren Egoismus aufgeben. Wir deutschen Exportweltmeister sind auf die EU angewiesen. Wir finden keine Abnehmer für unsere Waren in Ländern, die am Existenzminimum sind. Nach der Krise brauchen wir einen Aufschwung, damit das Wirtschaften wieder beginnen kann und Schulden getilgt werden Können. Die Gelder dafür können m.E. nur aus Steuereinnahmen kommen. Oder warum sollte es nicht einen Soli für Europa geben, in den alle Europäer Einzahlen, die es sich leisten können. Es gibt genug Menschen , die über ein Einkommen verfügen, wo ein begrenzter (1-2 Jahre ?) monatlicher Soli von 50-100€ nicht schmerzt. Höhere Einkommen sollten entsprechend besteuert werden. Das sollte uns Europa und unser Wohlstand wert sein! Den Politikern wünsche ich Mut , Zutrauen und weniger Egoismus. – Karlheinz Schaumberg

All denen, die jetzt wieder von Solidarität in Sachen Geld und Europa reden und Mit dem Finger auf den Norden zeigen um ihn in die solidarische Ecke zu stellen, sei Folgendes gesagt: Zu einer Solidargemeinschaft gehört auch, dass man Regeln befolgt, die man einheitlich oder mehrheitlich beschlossen hat. Ich vermisse diese Hinweise bei allen Kommentaren in Funk und Presse. Schade, auch bei Ihnen in diesem hier erwähnten Artikel, dabei ist dieser Hinweis doch so wichtig. – Manfred Mengewein

Leserbriefe zu „60 ZEILEN ... LIEBE“ von Peter Dausend

Ja, Herr Dausend, wenn sie eine Frau wären, würde ich sie jetzt umarmen – trotz Virus. Diese altruistische Frömmelei geht mir auf die Nerven. Auf der anderen Seite können die meisten Bürger nicht mehr mit Kritik umgehen. Das sind für sie alles Beleidigungen. – Gunter Knauer

Es gibt einen angenehmen Umgang miteinander, wenn man denn mal vor die eigene Tür kommt. Man duzt sich mit den Verkäufern. Dienstleister und Kunden müssen sich an Konventionen nicht mehr halten. Mit dem Mädel an der Drogeriemarktkasse flirtet es sich völlig unverbindlich. Jeder freut sich über den persönlichen Austausch und me too bekommt endlich eine neue Bedeutung. Eine Verabredung für Restaurant oder Theater is ja nicht. Unsere Clubs und Theken heissen jetzt dm oder Kaufland. Wir – vor und hinter der Kasse – sind uns einig: Wer jetzt keinen Humor zeigt , hat den Ernst der Lage verkannt. – Patrick Schlagmann

Wir bleiben auch an Ostern weiter zuhause, denn die „Osterinseln“, die sind für uns in unerreichbare Ferne gerückt! „Bleiben Sie gesund!“ Wir richten uns daheim weiter auf die Dauerkrise ein, lassen uns den Notfall immer und immer wieder zum Regelfall erklären, und hören unserer Demokratie zu, wie sie versucht auf dem letzten Loch zu pfeifen. „Bleiben Sie

bitte

gesund!“ Wir binden uns ab und an einen riesengroßen „Maulkorb“ vors Gesicht, damit wir uns nicht ständig in den Allerwertesten beißen können. „Bleiben Sie

bitte sehr

gesund!“ „Nur, die goldenen Zeiten sind vorbei, und die Regeln sind heut ́alle neu. Was wir damals lustig hab ́n ausprobiert, is heut ́reguliert, kontrolliert, zementiert.“ (Refrain von: „Goldene Zeiten“ von „STS“ von der CD: „Neuer Morgen“ (2007); Text und Musik: Gert Steinbäcker) „Bleiben sie

.......

, ach steig mir doch auf ́n Frack!!!“ – Klaus P. Jaworek

Leserbriefe zu „Vermummungsgebot“ von Maximilian Probst

Das Mundtuch,das Herr Laschet in dieser ZEIT traegt, ist ein einfaches mit Gummizug um die Ohren. Aber,die Mundtuecher muesten Mund-Nasentuecher heissen, denn wir Menschen atmen normal immer durch die Nase ein und aus!!! Es feuchtet die Luft an und erwaermt sie.!!! Damit das Mund -Nasentuch wirkt , hat es im Saum der Oberkante einen Metallstreifen, den man so biegen kann,dass das Tuch eng an der Nase anliegt. Durch diese Abdichtung entweicht keine Ausatmungsluft nach oben und geht in die Augen und beschlaegt die Brille. Dieses vorgebogene Mund-Nasentuch wird auch bei zeitweiliger Abnahme wieder richtig aufgesetzt. Die Nase aus dem Tuch rauszuhaengen ist falsch,falsch,falsch.

Bitte weisen Sie ihn darauf him. Im Fernsehen sind leider viele Aufnahmen mit Menschen, die einen Desinfektionsmittelspender falsch bedienen. Wer mit der rechten Hand auf die Taste drueckt,um mit der linken Hohlhand den Saft aufzufangen und dann ueber beide Haende zu verteilen ,hat mit der rechten zunaechst einen Abdruck auf der Taste fuer Nachkommende hinterlassen. Diese Tasten sind mit Ellenbogen oder Unterarm handfern zu bedienen!!!!!!!! Die freistehende Flasche trifft das gleiche Schicksal. Es gibt Automaten in Groesse einer Kaffeemaschine, die einen Sensor in ihrer Frontplatte haben, der eine Dosis auf die Haende sprueht. Ohne Geraetekontakt! Man findet sie in Klinikeingangsbereichen und z.B. beim WDR. – Dr.Herbert Schmitz

Mund-Nasen-Masken. Das Beste, was ich dazu in den letzen Tage in den Medien gelesen und gehört habe. Dass das Tragen einer Maske nur andere, nicht aber einen selbst schützt, erscheint mir nicht schlüssig. Das Material ist ja nicht semi-permeabel. Ja, beim Abnehmen besteht vielleicht das Risiko einer Schmierinfektion. Aber vorher wurde eine Tröpfcheninfektion verhindert. Deshalb: vor dem Abnehmen Hände waschen, Abnehmen, Entsorgen, nochmals Hände waschen. – Dietmar Baier

Leserbriefe zu „Das Internat als Staat“ von Manuel Stark

Schloss Salem wird hundert Jahre alt ? Und die Frage, welche Zukunft das Modell hat. Trotz weissen Hemden und schwarzen Pullis, hoffentlich keine.- Hans-Emil Schuster

„La

nderzi

ehungsheim. Landerziehungsheime oder Landschulheime sind eine Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Form von reformpädagogisch orientierten Internaten...“ Landeserziehungsheime wären aber ein arges Missverständnis. – Horst Behr

Leserbriefe zu „Virengrüße aus Moskau“ von Christian Fuchs et al.

Ich darf erinnern: in Deutschland wird das von den elektronischen Medien täglich gemacht. Was wollt ihr denn. Die Russen schlagen jetzt zurück. – Gunter Knauer

Leben wir denn noch im Frieden ? Außerordentlichen Dank für den vorzüglichen Artikel „Virengrüße“ über die russische Desinformations- und Destabilisierungsarbeit gegen den westlichen Liberalismus, die schamloserweise kein Gebiet auslässt, auch nicht die Viren-Gefährdung. Es zeigt sich immer deutlicher, wie systematisch – und wohl auch langfristig geplant – diese Form früherer Psychologischer Kriegführung (heute Cyberwar) nach den Attacken auf westliche Parteien und Wahlsysteme sowie den Provokationen durch russisches Militär gediehen ist. Diese Fragen, die oft – von ganz links bis ganz rechts – geleugnet werden, werfen durchaus eine andere auf: Leben wir eigentlich noch im Frieden?

Aber es sieht so aus, als wenn „Die Zeit“ selbst Opfer derartiger Cyberei wurde, wenn man die Leserbriefe (in Nr. 13 „Putin, Assad und 1914“) zu Alice Botas tadellosem Artikel „Unter unseren Augen“ über Russlands Verantwortung für die Verbrechen in Syrien (Nr. 11) liest. Denn man reibt sich die Augen: Keiner hat‘s gemerkt? Soll etwa die ganze Republik schon im Trump-Schenkelklopfer-Koller sein und die russischen oder chinesischen Gefahren vergessen? Oder gar auf anti-westlichem Linke-/AfD-Kurs? Oder hat da nicht jemand (im fernen St. Petersburg?) wieder einen garstigen Streich gespielt? Sie drucken unter dem Titel „Putin, Assad und 1914“, eine hübsche Addition böser Buben, vielleicht eine Anspielung auf Clarks „Schlafwandler“, sieben (!) Zuschriften, die sich allesamt lesen wie Kremlige-LePen-Salvini-Gaulandsche „Fliegenschiss“-Phantasmagorien. Keine einzige, die das Bündnis, die EU oder den Geist europäischer Aufklärung verteidigt. Vielmehr wird Assad, der Massenmörder, und Putin, sein Handlanger, glatt freigesprochen, um wieder einmal Amerika ..., nun, ja. Russische Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen? Nur der Westen. Starker Tobak!

Man kann den Schreibern, so sie existierten, als Erklärung für diese Auswahl fehlendes Sonstwas zuschreiben. Man darf auch davon ausgehen, dass Redakteure der „Zeit“ selten extremistische Fanatiker oder Fans o.g. Autokraten und Machtpolitiker sind. Man darf daher getrost vermuten, dass jemand derart überrascht war von der schieren Menge an „solchen“ Zuschriften, von denen das durch Robots und Micro-Targetting bearbeitete Netz inzwischen voll ist, dass er/sie wähnte, gar nicht an diesen Zuschriften vorbei zu kommen. So kann man dem Alt-Genossen Wladimir P. nur gratulieren. Hervorragende Arbeit, Männer und Frauen in den St. Petersburger Troll-Fabriken! So leicht ist es, den manchmal leichtgläubigen, mitunter sorglos-verwöhnten Westen zu täuschen. Und wenn dies schon bei der „Zeit“ gelingt, was ist erst bei den Internet-Giganten. Wie man gerade wieder anhand der propagandistisch erfolgreichen Aktionen von Russen und Chinesen in Italien sieht. Man wundert sich längst nicht mehr. Aber man sollte auch nicht vergessen: Hier teilen sich die Welten. Und nach der jetzigen Krise wird es eine Menge zu reflektieren geben. – Dr. Konrad Watrin

Leserbriefe zu „Am Tropf“ von Ingo Malcher

Ihr Beitrag „Am Tropf“ in der Zeit Nr.15 vom 02.04.2020 hinterlässt den Eindruck, dass die Wirkstoffpreise entscheidend für den Preis des Medikamentes beim Verbraucher sind. Erfreulicherweise gibt Herr Dirk Jung von der Arevipharma in Radebeul der Preis für 1 kg Metroprololsiccinat mit 43 Dollar an. Das sind bei dem aktuellen Wechselkurs 39,78 €. Das Präparat „Metropolol-ratiopharm“ enthält 30 Retardtabletten, die je 47,5 mg Metropololsiccinat pro Tablette enthalten. Das bedeutet, dass in dem Präparat 1425 mg = 1,425 g Metropololsuccinat enthalten sind. Diese Wirkstoffmenge entspricht einem Wert = Kosten von 0,057 € = 5,7 cent. Das Präparat mit 30 Retardtabletten kostet 12,88 €, d.h. der Wirkstoffpreis geht mit 0,44 % in den Endpreis ein !!

Selbst bei einer Verdoppelung des Wirkstoffpreises dürfte sich das Präparat nur unwesentlich verteuern. Das erkennt man auch an den Preisen der 50iger Packung = 13,17 € und der 100er Packung = 15,64 €. Erfreulicherweise benennt Herr Jung das eigentliche Problem: die Umweltbelastung bei der Herstellung von Wirkstoffen durch die Abfallbeseitigung. Bei der Abfallverbrennung fallen diverse Schadstoffe an, die die Umwelt extrem belasten. Das heißt, bei Import von Wirkstoffen exportieren wir klimaschädliche Abgase. Dem kann man nur begegnen, wenn man Pharmafirmen, die Wirkstoffe importieren, zu dem Nachweis verpflichtet, dass diese umweltverträglich nach EU-Standards hergestellt wurden. Wenn dieser Nachweis bei Importen aus Indien oder China nicht möglich ist, dann würde bei einer Herstellung der Wirkstoffe in der EU, diese einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. – E. Schöttle

Ihr Artikel spricht mir als Apotheker aus der Seele. Seit 25 Jahren werden im Gesundheitssystem Strukturen und Versorgungswege kaputtgespart. Die Krankenkassen mit ihren Rabattverträgen verhalten sich nicht anders wie Konsumenten im Billigtextilbereich, denen Umwelt- und Sozialstandards bei der Produktion völlig egal sind. Mehr noch, bei der Preisentwicklung für nicht mehr patentgeschützte Wirkstoffe, den sogenannten Festbeträgen als Preisanker für die Kassenleistung, sinken seit Jahren die Erstattungsbeträge kontinuierlich. Von Teuerungsrate und Inflationsausgleich keine Spur. Der lachende Dritte im Bunde ist jedoch Vater Staat, bei dem jeder sechste Euro bei den Arzneimittelausgaben landet. Er fordert seit vielen Jahren immer mehr Qualität für immer weniger Geld. Das funktioniert jetzt einfach nicht mehr. Wenn auch er bereit wäre, sein Scherflein beizutragen und den Mehrwertsteuersatz für Arzneimittel von 19% auf 7% absenken würde, stünden ca. 5 Milliarden Euro mehr für Leistungen im Arzneimittelbereich zur Verfügung. Das ist mehr, als die kompletten Rabattverträge den gesetzlichen Krankenkassen einsparen. Wohlgemerkt, wir reden hier über das Geld der Versicherten, das für Leistungen und nicht für Steuereinnahmen des Staates eingezahlt wurde. – Jörg Iffland

Leserbriefe zu „»Wir können nicht Wuhan kopieren«“ Gespräch mit Clemens Fuest und Alexander Kekulé geführt von Lisa Nienhaus

Hat Herr Kekulé sich überlegt dass die Kinder aus der Schule das Virus mit nach Hause bringen und die Eltern und Großeltern anstecken? Wenn intelligente Menschen halbgare Ideen ausbrüten, kann das die Geburt einer guten Idee sein, doch dann ist es Aufgabe der Gesprächspartner, hier also besonders von Frau Nienhaus, nach zu haken. Mein Sohn (14) hat weiter gedacht. Er schlägt vor die Kinder einige Wochen in der Schule zu kasernieren bis sie die Krankheit hinter sich haben. – Iman Schwäbe

Herr Kekulé hat Angst for 3 Monaten Lockdown – aber nicht vor einer halben Million Toten, die es geben wird, wenn Deutschland das Virus nicht eindämmen kann. Er will die Testkapazitäten erhöhen – obwohl es bekanntlich an genügend Reagenzien dafür fehlt. Er will die besonders Gefährdeten zuhause einsperren – aber was ist mit den vielen Millionen Berufstätigen dieser Gruppe? Ach ja, die sollen in Zukunft Masken tragen. Doch halt, gibt es nicht weltweiten Mangel daran? Nein danke, Herr Kekulé, eine Regierung mit Virologen wie Ihnen will ich auch nicht! – Kirstin Stark

Leserbriefe zu „Das große Erwachen“ von Richard David Precht

Immer wieder bereue ich es NICHT, doch noch diesen und jenen Artikel gelesen zu haben, so wie gerade jenen von Richard David Precht “Das große Erwachen” zu dem ich dem Autor mein Kompliment aussprechen möchte. Die gegenwärtige Krise ist sehr bedrückend, gleichzeitig öffnet sie Denkräume. Und dasselbe tun Beiträge wie dieser auch. Vielen Dank! – Elisabeth Költringer

Machen wir unsere Welt umwelt- und menschenfreundlich. Was brauchen wir für ein gutes Leben? Was brauchen wir nicht!! – Walter Moritz

Leserbrief zu „Schule, du hast ein Problem!“ von Klaus Zierer

Bildung ist die Fähigkeit, Hungernde mit klassischen Zitaten abzuspeisen (Wolfram Weidner)

Leserbrief in Form einer kurzweiligen Replik auf den Artikel „Schule du hast ein Problem“ (Klaus Zierer, Die Zeit 15/2020) von Ingo André Mess, Studienrat (Deutsch/Geschichte) Die gegenwärtige Corona-Krise nimmt Prof. Klaus Zierer zum Anlass, um „epochaltypisch“ festzustellen, dass „die Schule“ ein Problem habe und er führt zwei Forderungen an, nämlich die Lehrpläne zu entrümpeln und das Lehramtsstudium zu ändern. Gleich zu Beginn holt er die Bazooka unter den Erziehungswissenschaftlern hervor, nämlich Wolfgang Klafki und zitiert drei Elemente aus dessen kritisch-konstruktiver Didaktik, um der Forderung nach einem Epochenunterricht, der im Sinne eines Wochenplanunterrichts und mit Hilfe interdisziplinärer Lernarrangements Solidarität und Haltung evozieren soll, Nachdruck zu verleihen.

Dabei scheint der Autor trotz umfassender Forschungsexpertisen und eigener, fünfjähriger Unterrichtspraxis an einer Grundschule nicht zu bemerken, dass sein Vorstoß nicht mehr als eine ewige Wiederholung reformpädagogischer Diskurse ist, die schon vor 50 Jahren Klafkis bildungstheoretische Didaktik nachhaltig beeinflusst haben. Schaut man sich einmal die Schulprofile weiterführender Schulen genauer an, so wird man jenen – von allzu schwerer Last entrümpelten – Projektunterricht, z.B. in Form von Freiarbeit, mittlerweile auch an den meisten humanistischen Gymnasien finden und somit die Forderung des Autors als obsolet bezeichnen können. Es ist nicht Sinne des Humboldtschen Bildungsideals, Bildung nur auf das bloße Wissen und Können zu reduzieren, doch der Autor erkennt den Widerspruch in seinen Ausführungen nicht, wenn er z.B. die Präambellyrik des Musischen kritisiert. Als Praktiker muss ich dagegen halten, indem ich feststelle, dass epochalspezifisch die Diskrimierung von altehrwürdigen Bildungskategorien wie Wissen und Können wesentlicher Bestandteil eines entrümpelten Lehrplans zu sein scheint.

Denn durch die intensive Beschäftigung mit Projekten in Form reformpädagogischer Unterrichtsvorhaben – hierbei ist es egal, ob es sich um die klassische Freiarbeit nach Maria Montessori oder um die Dalton-Pädagogik nach Helen Parkhurst handelt – vergisst die Schule, die elementaren Kulturtechniken unserer Gesellschaft zu vermitteln. Denn Unterricht muss auch die vergangene und gegenwärtige Kultur weitergeben (Klafki). Ein jeder kann die Probe aufs Exempel machen: Fragen sie einen Abiturienten nach drei Opern, die ihn besonders beeindruckt haben und lassen sie ihn hierbei auch das Wort Präambellyrik definieren. Oder versuchen sie eine Diskussion über die Neue Ostpolitik Willy Brandts mit dem Einser-Abiturienten anzustoßen. Wenn sie das nicht überzeugt, versuchen sie einfach mal eine WhatsApp-Nachricht ihres Sprösslings zu korrigieren. Denn eines dürfte gewiss sein: Wenn Oberstufenschüler nicht mehr in der Lage sind, grundlegende Texte abendländischer Philosophen, Historiker oder zeitgenössischer Literaten sinnergreifend zu lesen, dann können sie noch so viel „Herz und Charakter“ bemühen.

Es wird lediglich beim Versuch bleiben, gesellschaftspolitische Herausforderungen zu meistern und um die vielzitierte Haltung, die in diesem Essay undefiniert bleibt, und demnach als Wertekategorie auch völlig unbrauchbar ist (vgl. „Hattingen hat Haltung“), zu bemühen, es wird nicht gelingen, ohne den Erfahrungsschatz des Vergangenen, die Zukunft solidarisch zu gestalten. Hier könnte man noch unzählige Perspektiven auf die besonderen (neudeutsch) Herausforderungen von Jugendlichen, die in einer digitalisierten Welt aufwachsen, verweisen, aber das führe zu weit und spätestens seit Elyas M’Barek wissen wir ja: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ – Ingo André Mess

Leserbrief zu „Höflichst weggebügelt“ von Christoph Dieckmann

Als langjähriger Leser der Zeit und Homo politicus,der aus eigener Erfahrung die Geschichte der Bundesrepublik erlebt und verfolgt hat, bin ich einigermaßen erstaunt darüber, mit welcher Nonchalance Ihre Redaktion dazu verstehen konnte, eine derartige Einzelmeinung, die die komplexen Tatsachen vor und nach dem Beitritt völlig negiert, sozusagen als gültig veröffentlichen. Obwohl ich keine Absicht hege, hier dazu ein Richtigstellung einzufordern, weiß jeder mindestens Jugendlicher seit 1989,dass die SED als Vasall der Sowjetunion definitiv pleite war und in der Folge die erste demokratisch gewählte Volkskammer mit großer Mehrheit entschieden hat, dem GG der Bundesrepublik beizutreten.

Was für die Kritiker völlig außer Acht gelassen wird, ist die erfolgreiche Staatskunst des Kanzlers Kohl, der es fertigbrachte die Siegermächte mit dem 2+4 Vertrag für das Projekt zu gewinnen.Gleichzeitig wurden die neuen Mitbürger, die über 40 Jahre eingemauert waren, mit der D-Mark und allen demokratischen Freiheitsrechten ausgestattet, was die Allermeisten zur positiven Gestaltung ihrer Leben nutzten. Es sind gigantische Aufbauleistungen im Land und der Bau von moderner Infrastruktur erfolgt, wie auch der Naturschutz wirksam wieder hergestellt wurde.Das Alles hat bis heute über 2 Billionen Euro verschlungen, und wir zahlen immer noch den Soli. Die früheren übrigen Genossen im Comecon hätten sich glücklich gepriesen, solche Hilfen zu genießen. Nach Alledem nun den Kanzler Kohl zunehmend in unangemessener Weise zu diskreditieren, halte ich für schändlich! – H.-W.Raderschatt

Leserbrief zu „Deutschland: Rechts räumt auf“ von Paul Midelhoff

Was meint der Autor mit Aufräumen? Seine Abgrenzung zu den inhaltlichen Positionen? Wenn er damit meint, die sollen sich den etablierten Parteien anschließen, dann hat die Partei AfD was falsch gemacht. Die Regierung ist auf einem Irrweg. Schlechter kann man kaum regieren. Was hat der Autor für ein Menschenbild. – Gunter Knauer

Leserbrief zu „Bin trotzdem weg“ von Miriam Dahlinger

In ihrem Artikel „Bin trotzdem weg“ von Miriam Dahlinger aus der Zeit Nr. 15/ 2. April beschrieben Sie Klang- und Fantasiereisen über Audiodateien, als Alternative zum „echten Abheben“ in der Corona-Zeit. Es gibt aber gerade eine sehr einzigartige, wohl nie mehr wiederkommende Chance, eine wunderbare realeKlangreise zu machen: Gehen Sie in diesen Tagen spazieren, setzen Sie sich auf eine Parkbank oder einen Balkon, gehen Sie wandern oder einfach nur um die Häuser, aber hören Sie dabei in den Himmel hinein: Sie werden etwas hören, was bis vor wenigen Wochen unhörbar war, und bald wieder unhörbar sein wird: Ein stiller Himmel. Der Himmel, der sonst in Mitteleuropa nahezu ununterbrochen von fernem, aber deutlichem Flugzeugmotorengebrodel gefüllt ist, ist in diesen Tagen wieder ein stiller Himmel, mit der ganzen Magie oder Poesie (oder nennen wir es nüchtern: menschlicher Resonanzraum), mit der er (bis zu den Tagen vor der Hyperindustrialisierung bzw. dem Overtourism) die Menschen begleitet hat.

Auch ich hoffe, das das Flugzeugmotorengebrodel des Himmels bald wieder beginnt. Denn die Flugzeuge transportieren ja nicht nur Partygänger nach Mallorca (oder Menschen, die nach Namibia fliegen, weil sie dort „ja noch nie waren“ oder ein „Nashorn sehen“ wollen oder weil es „da schön ist, ich habe mir Bilder davon angesehen“), sondern auch Geschäftsleute, die dafür sorgen, dass ich einen Job habe. Aber gerade deshalb: Nutzen Sie diese Tage für das wirkliche Erlebnis des stillen Himmels, der bald wieder für immer verschwunden sein wird, wie die Nashörner. – Dr. med. Martin Jentzsch

Leserbrief zu „»Ich bin da Optimistin«“ Gespräch mit Hetty Berg geführt von Hanno Rauterberg

Was für ein wunderbares Interview. Was für eine großartige Interviewpartnerin! Klug, fair und sympathisch. Dankeschön für diese Bereicherung eines Corona-Tages. – Brigitta G.v.Westphalen

Leserbrief zu „PROMINENT IGNORIERT. Zu den Waffen!“ von GRN.

Die Rubrik lese ich immer mit Vergnügen. Zu Ihrer Frage, was die berühmten Schwerter wert sind, Siegfrieds Balmung oder König Artus‘ (Arti! schon wieder alles vergessen?!) Excalibur, und wo die Dinger sind. Das kann ich Ihnen sagen (aber nicht weitersagen!). Sie sind in meiner Sammlung historischer Unikate. Darin befinden sich so seltene Objekte wie das erste Objekt, das sich Eva im Paradies herstellen ließ (ein Spiegel aus geschliffenem Marmor), und ein großes Päckchen Ohropax, das sich Adam gleich nach der Ankunft des Plappermauls gekauft hat. Außerdem besitze ich die Seelenwaage, die beim Jüngsten Gericht zum Einsatz kommen soll. Aus diesem Grund konnte das Jüngste Gericht noch nicht anberaumt werden. Ich schicke die Waage aber demnächst zurück, damit man endlich Herrn Trump in die Hölle fahren lassen kann. – Hermann E. Rudolph

Leserbrief zu „Aus der Klaus“ von Moritz Herrmann

Auch ein Leben ohne die „Lindenstraße“ war möglich und muss in Zukunft auch möglich sein, denn es gab und gibt in meinem Leben auch wirklich wichtigeres zu tun, als zu „glotzen“. Jetzt in diesen unsäglichen „Coronavirus“-Zeiten, da sehe ich auch etwas mehr ins „Rohr“, aber ich stricke auch sehr gern und viel, gehe mit meinem Lebenspartner „Klaus“, sehr oft spazieren und ich kümmere mich um meine doch schon sehr betagte Mutter. – Riggi Schwarz

Leserbrief zu „Wenn die Bleibe unbezahlbar wird“ von Jens Tönnesmann

Irgendwie habe ich seit „Corona“ immer das ganz dumpfe Gefühl, mindestens mit einem Bein bereits schon im Knast zu stehen, denn was da gestern noch gut schien, das könnte jetzt im Moment bereits eine („riesengroße“) Straftat sein. Die Verunsicherung, die ist so was von in, und diese Verunsicherung, die wird von Tag zu Tag noch größer und größer. Der Mensch im Zeitalter von Corona, der kann eines wirklich sehr gut, und das ist das Schlagen von mega-großen „Hasen-Haken“, rings um seine Mitmenschen herum, denn die Ansteckung, die soll bereits überall und immer lauern! – Klaus P. Jaworek

Leserbrief zum Politischen Fragebogen „»»Ich bin ein alter weißer Mann««“. Gespräch mit Eckart von Hirschhausen geführt von Peter Dausend

In einem meiner Briefe an die Zeit habe ich das politische Interview kritisiert. Meine damalige Kritik – Das Interview bitte ersatlos streichen – war sicherlich nicht sehr konstruktiv. . Nun möchte ich das Konstruktive nachliefern. Wie wäre es denn mit dem philosophischen Interview mit zeitgenössichen und virtuell mit verstorbenen Philosophen ( sofern sich das als rechtlich zulässig und journalistisch seriös darstellen lässt ) . Man kann es auch ausdehnen auf Natur – und Geisteswissenschaftler, Dichter und / oder Menschen, die sich um die Welt verdient machen der gemacht haben. Ich kann mir vorstellen, dass es für viele Leser interessanter wäre, was z.B.; Habermas, Markus Gabriel, Kant, Nietsche, Spinoza oder im erweiterten Vorschlag, z.B.: Fabiola Gianotti, Spitzer, Bohr, Feynmann, Schrödinger, Fleming, Olga Tokarczuk, Tolstoi ..... auf die Menschheit bewegenden Fragen und Fragen nach Ihren persönlichen Erfahrungen und Vorlieben antworten oder vermutlich geantwortet hätten, als manche interviewten Politiker. Dann kann man auch mal, wenn es denn so sein soll, zwischendrin den einen oder anderen bedeutenden Politiker einstreuen, Eckert von Hirschhausen in der aktuellen Ausgabe ist schon mal kein ganz schlechter Anfang und auch die Positionierung unter Wissen II würde schon passen. – Georg Frick

Leserbrief zu „FAST ÜBERHÖRT“ von Nadine Redlich im ZEIT Magazin

Seit meinen Studienzeiten habe ich nun schon die ZEIT abonniert und fast genauso lange besteht auch schon die donnerstägliche Gewohnheit, nach Betrachten der Titelseite zuerst das ZEITMAGAZIN zu lesen, dessen Beiträge und generelle Machart ich in aller Regel sehr schätze. Umso erstaunter bin ich über die unlängst neu eingeführte Kolumne „Fast überhört“. Die Grundidee, Perlen der Alltagskommunikation zu würdigen, finde ich eigentlich sehr interessant. Die Art und Weise, wie Nadine Redlich das Konzept bisher füllt, empfinde ich jedoch als sehr enttäuschend. So individuell sie ihre Bilder gestaltet, so belanglos und beliebig erscheint mir ihre Auswahl der verwendeten Alltagsszenen. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass das Grundsetting unweigerlich eine gewisse Trivialität mit sich bringt, die ja auch gerade den Charme der Kolumne ausmachen soll.

Da sich die Bilder durch den reduzierten Stil jedoch per se schon wenig unterscheiden, wäre es meinem Empfinden nach wichtig, bei der Auswahl der Textpassagen umso sorgfältiger auf Witz und Pointierung zu achten. Diese Grundherausforderung einer jeden Kolumnistin, im Alltäglichen das Besondere zu erkennen und kunstvoll für Rezipienten sichtbar zu machen bzw. zumindest unterhaltsam aufzubereiten, ist Nadine Redlich mit ihren Cartoons meiner Meinung nach bislang noch in keinem Fall gelungen. Statt augenzwinkernd und kunstvoll empfinde ich ihre Arbeiten bis dato als banal und platt. Für eine derart prominent platzierte Kolumne in einer so renommierten, klugen Zeitung würde ich mir ein höheres Niveau wünschen, speziell nachdem Janosch diese über Jahre hinweg in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle mit hoher Qualität gefüllt hat.

Da mir zuletzt aufgefallen ist, dass die geschilderten Eindrücke von verschiedenen ZEIT-LeserInnen in meinem Umfeld geteilt werden (und ich zudem coronabedingt aktuell die nötige Zeit zur Verfügung habe), wollte ich Ihnen dies gerne rückmelden – vermutlich sind wir keine Ausnahme. Mir ist wichtig, abschließend zu betonen, dass ich Nadine Redlich nicht ihre Qualitäten als Künstlerin absprechen will – nicht nur weil das anmaßend wäre, sondern auch und gerade, weil mir einige ihrer Arbeiten außerhalb der Kolumne durchaus zusagen und ich ihre knuffigen Figuren sehr sympathisch finde. Stattdessen ging es mir ausdrücklich um ihre Arbeiten im Editorial der ZEIT und dort speziell um meine/unsere Eindrücke zu den von ihr verwendeten Textpassagen. – F. Schmaelzle

Leserbrief zu „DIE DESIGNWELT VON ANA KRAŠ“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

Streng genommen, handelt es sich bei dem originalitätsstrebenden Designer-Porträt um Belanglosigkeiten, weil aber Ana K. angeblich ein sogenanntes „It-Girl“ und ein „star of the moment“ darstellt, werden seitenlang Hohlräume behandelt, als materialisiere sich darin der postmoderne Weltgeist. Wohin das führt? Sorry, an die Obergrenze der Kategorie Chloroformthema. – Peter Schultze

Leserbriefzum Wochenmarkt „EINE GUTE TARTE“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Zur Zeit bin ich ja sehr viel Zuhause (wie wir alle) und jetzt habe ich endlich mal angefangen den recht hohen Stapel an ZEIT Magazinen zu durchforsten, (was behalte ich, was nicht) und habe mir eine Todo Liste mit Rezepten aus Ihrer Kolumne gemacht. Einiges hatte ich schon früher ausprobiert, aber eher die gewöhnlichen Sachen (z.B. das Pasta-Pilz-Risotto ordne ich dieser Kategorie zu), irgendwie habe ich mir bisher im Alltag nie die Zeit genommen für die extravaganten Rezepten, zum Beispiel den Muhammara Dip, den ich gestern Abend ausprobiert habe. Der Dip ist der Hammer, sooooo köstlich, habe heute morgen gleich weitergegessen, möchte mich reinsetzen in diesen Dip! Wenn ich irgendwann mal wieder eine Party machen kann, gibt es diesen Dip. Tonnenweise!!

Aber jetzt noch kurz zu einem anderen Kracher, nämlich der chaotische Apfelkuchen aus der Pfanne mit den geviertelten Äpfeln, erschien mir erst recht groß, aber nein, DAS WAR DER ALLERKÖSTLICHSTE APFELKUCHEN, DEN ICH JEMALS GEGESSEN HABE. (Sagt auch meine Oma, der ich das Rezept gleich schickte und sie hat schon sehr viele Apfelkuchen produziert/gegessen.) (Und auch danke für das einfache Spargelrezept von dieser Woche, mir gehen diese Leute auf den Wecker, die jetzt ständig ihre perfekten Sauerteigbrote posten, dabei haben die guten Bäckereien echte Existenzprobleme.) Vielen, vielen Dank für die tollen Rezepte, ich liebe Ihre Kolumne wirklich sehr! – Leonie Riff

Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Wir freuen uns schon jede Woche auf diese wunderbaren, witzigen und lebensnahen Berichte aus dem Hause Prüfer. – Gabriela und Alexander