Wegen Corona: Nike, Adidas & Co. droht Laufschuh-Krise

Politik und Wirtschaft

Corona

von Alexander Haubrichs (ach)

Köln/Herzogenaurach. Nicht nur der Autoindustrie macht die Corona-Pandemie zu schaffen. Ausgerechnet einer der großen Profiteure des Lockdowns, die Laufschuh-Hersteller, erwischt es jetzt knüppeldick. Denn EXPRESS.de erfuhr: Schon jetzt können lediglich einzelne Hersteller noch Ware liefern, spätestens ab Januar droht die große Leere in den Online-Shops und den Regalen der Sportläden.

Eigentlich könnte es den Sportartikel-Herstellern kaum besser gehen. Die Riesen Nike und Adidas meldeten Erfolgszahlen, auch kleinere Firmen wie Brooks konnten ein gewaltiges Umsatzplus vermelden, die Schweizer Firma On, an der inzwischen auch Tennis-Star Roger Federer beteiligt ist, legte vor wenigen Wochen einen fulminanten Start an der New Yorker Börse hin.

Nike produziert 14 Millionen Paar Schuhe monatlich in Vietnam

Doch es drohen magere Zeiten. Der Grund: Corona! Seit Juli waren aufgrund der Pandemie sämtliche Fabriken in Vietnam stillgelegt. Und das trifft die ganze Branche ins Mark. Normalerweise produziert allein Branchenriese Nike dort 14 Millionen Paar pro Monat in den Fabriken mit den billigen Arbeitskräften. Seit Juli aber wurde kein einziger Schuh für den Weltmarktführer genäht, weil in Vietnam eine deutlich striktere Anti-Corona-Politik gefahren wird als etwa in Europa.

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Und den anderen Firmen, ob Adidas, Asics oder auch kleineren Spezialisten wie Laufschuh-Experte Saucony geht es nicht anders. Noch sind die Regale voll und die Firmen bringen ihre Herbstkollektionen auf den Markt. Doch EXPRESS erfuhr aus Insiderkreisen: Schon jetzt gibt es kaum noch Ware, ab dem Jahreswechsel wird die Auswahl sehr dünn, die Firmen wollen sich auf weniger Modelle konzentrieren, werden aber die ohnehin gestiegene Nachfrage mit dem Produktionsausfall von drei Monaten so schnell nicht kompensieren können.

Nike senkt Wachstumsprognosen nach unten

„Nach unserer Erfahrung mit Covid-bedingten Fabrikschließungen wird es dauern, bis sie wieder geöffnet sind und die Produktion hochfahren können“, sagte der Nike-Finanzvorstand Matt Friend. Die Wachstumsprognosen hat der Konzern bereits nach unten korrigiert.

Bei Adidas, das rund 40 Prozent seiner Lauf- und Fußball-Schuhe in Vietnam produziert, ist die Lage ebenfalls verzwickt. „Wir sind im Austausch mit den Herstellern, um die Auswirkungen zu begrenzen und die Produktion zeitweise in andere Länder zu verlagern.“ Doch die chinesischen Firmen können nicht alle Aufträge übernehmen.

Auch Kölner Hersteller True Motion mit Lieferproblemen

Auch die Kölner Newcomer von True Motion lassen ihre Schuhe in Vietnam produzieren. Dem Handelsblatt sagte Mit-Gründer André Kriwet bereits im Sommer: „Die aktuelle Liefersituation ist für alle Marktteilnehmer eine Herausforderung.“

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Inzwischen ist der Druck auf die Regierung in Vietnam groß, da die Wirtschaft einbricht. Doch der Schaden ist inzwischen angerichtet und wird sich nach Insider-Angaben auf die Kollektionen bis in den Herbst 2022 auswirken. Die Folgen: Leere Regale, deutlich weniger Auswahl und vor allem auch deutlich steigende Preise!