Kauf-Bots machen Online-Shopping zur Glückssache

Wiederverkäufer bedienen sich unfairer Tricks um begehrte Waren massenweise online kaufen zu können. Nicht nur die Playstation 5 wurde so zum kaum erhältlichen Gut.

Sieben Mal hat der 26-jährige Priester Benjamin Karmis aus dem US-Bundesstaat Illinois im vergangenen Monat versucht, die neue Sony PlayStation 5 online bei Walmart und Facebook Marketplace zu ergattern. Erfolglos. "Es gibt keine Möglichkeit, besser darauf vorbereitet zu sein, aber ich habe jedes Mal versagt", sagte Karmis. Grund war aber nicht etwa, dass ein anderer PlayStation-Fan ihm die heiß begehrte Spielekonsole vor der Nase wegschnappte. Vielmehr wurden Karmis und Andere von Wiederverkäufern ausgetrickst, die über eine sogenannte Bot-Software PS5-Konsolen online abrufen und sie umgehend mit erheblichen Preisaufschlägen auf eBay und Amazon wieder losschlagen.

In diesem von der Corona-Pandemie geprägtem Jahr haben Bots auch andere hochbegehrte Güter abgegriffen, darunter etwa Charmin-Toiletenpapier von Procter & Gamble oder das Desinfektionsmittel Lysol von Reckitt Benckiser. Einzelhändler versuchen sich mit Cybersicherheitsmaßnahmen zu wehren.

20 Millionen Bot-Versuche in 30 Minuten

"Angesichts der Tatsache, dass sich Bots ständig weiterentwickeln und neu geschrieben werden, haben wir unsere eigenen Bot-Erkennungstools erstellt, (...) mit denen wir die überwiegende Mehrheit der Bots erfolgreich blockieren können", sagte ein Walmart-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. So blockierte der weltweit größte Einzelhändler etwa am 25. November zur Einführung der neuen Spielekonsole PS5 innerhalb der ersten 30 Minuten mehr als 20 Millionen Bot-Versuche. Walmart führt auch After-Sale-Audits durch, storniert Bestellungen von Bots und stellt diese Produkte den regulären Verbrauchern zur Verfügung.

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Bots wurden erstmals vor etwa zehn Jahren zum Thema, als über diese Software Konzertkarten und Sneaker abgegriffen und mit Preisaufschlägen weiterverkauft wurden. In der Folge wurde der Ticketverkauf in den USA über Bots verboten. Das Gesetz umfasst aber nicht den Einzelhandel.

Der US-Sportartikelhersteller Nike, dessen limitierte Sneaker-Modelle zum Teil Kultstatus genießen, versucht sich gegen Wiederverkäufer zu schützen. So räumte der Konzern etwa Mitgliedern einer SNKRS-App die Möglichkeit ein, Schuhe zu reservieren, die sie in einem Nike-Geschäft dann abholen können. Im Jahr 2018 ging Nike so weit, ein Paar rote Air Jordan 1-Turnschuhe anzubieten, die auf der Sohle mit der Aufschrift "NOT FOR RESALE" versehen waren. Diese kosten inzwischen 1000 Dollar auf dem Online-Wiederverkaufsmarkt StockX.

"Es ist ein großes Problem, aber gleichzeitig denke ich, dass Einzelhändler jetzt Wege finden, um Bots mit besseren Firewalls zu bekämpfen", sagte Jay Somerville, ehemaliger Bekleidungskäufer bei Nike.

Bekämpfung schwierig

Da sich die Verwendung solcher Bots jedoch über Regionen und Produktkategorien hinweg ausdehnt, sind sie den Einzelhändlern immer einen Schritt voraus. Manchmal nehmen Wiederverkäufer die Website eines Einzelhändlers vorübergehend herunter und lenken so Sicherheitsprogramme ab, sagte Thomas Platt, Leiter E-Commerce bei Netacea, einem Bot-Sicherheitsunternehmen. Die meisten Scalper-Bots laden Webseiten alle paar Millisekunden neu, um einen Vorteil beim Hinzufügen von Produkten zu ihren Einkaufswagen zu erzielen. Andere versuchen, sich als Hunderte verschiedener Kunden von verschiedenen Standorten zu tarnen.

(Reuters)