Lieferprobleme: Händler in Dortmund warten monatelang auf Kleidung

Die Temperaturen werden einstellig, das Gerüst für Dortmunds Riesen-Weihnachtsbaum wächst auf dem Hansaplatz in die Höhe. Wer vor dem Winter noch eine dicke Jacke oder wärmere Schuhe kaufen will, hat in diesem Jahr nicht ganz so viel Auswahl wie normalerweise. Denn viele Händler haben Lieferprobleme.

Es sei nicht einmal so, dass man auf die Produkte lange warte, sagt Janine Kemper vom „Club Mumbai Palais“ am Freistuhl: „Einige Sachen werden gar nicht erst produziert.“ Die Kollektionen der Marken seien insgesamt geschrumpft – und das bereits seit dem vergangenen Jahr.

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„Das ist querbeet so“, sagt Kemper: „Vor allem ist Asien betroffen.“ Viele Produkte, die in Regionen mit starker Corona-Belastung hergestellt werden, können nicht geliefert werden. Ganze Fabriken sind wegen der Pandemie geschlossen worden. An Häfen stauen sich Schiffe, bei Speditionen gibt es Personalmangel.

Auch bei Sportartikeln gibt es erhebliche Verzögerungen. Bastian Pettau von „Ballsportdirekt“ an der Hohen Straße nennt die Situation „katastrophal“. Schon jetzt sei klar, dass einige Produkte erst im neuen Jahr lieferbar seien. „Winterjacken brauchen wir im Februar nicht mehr“, sagt er frustriert.

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Wird’s zu Weihnachten in den Läden dünn?

Ein „Riesen-Problem“ gebe es in Vietnam, wo unter anderem Nike und Puma produzieren. „Man hört auch häufig, dass zum Beispiel in Rotterdam Container liegen bleiben“, so Pettau. Zu Weihnachten werde es in vielen Läden wohl „relativ dünn“, prophezeit er.

Doch nicht in allen Läden der Dortmunder City ist die Lage gleichermaßen schwierig. „Manche liefern ein bisschen später“, sagt Alexandra Staniura von „Macao“ am Alten Markt zwar: „Aber wir sind gut bestückt und freuen uns aufs Weihnachtsfest.“

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Kolleginnen und Kollegen anderer Geschäfte hätten ihr auch von deutlichen Lieferproblemen berichtet. Das Macao-Team habe aber offenbar Glück bei der Wahl der Zulieferer.

Aus Sicht des Handelsverbands gibt es in anderen Bereichen noch deutlich größere Probleme als im Textilhandel. „Niemand muss frieren“, sagt Sprecher Markus Kaluza mit Blick auf das immer noch große Angebot in Dortmund. Größere Schwierigkeiten gebe es, wenn man ein neues Fahrrad oder Elektronik-Produkte kaufen möchte.

Viele Rädchen greifen ineinander

„Man merkt aktuell wie viele Rädchen ineinander greifen“, sagt Kaluza. Er berichtet beispielsweise von einem Bekleidungsgeschäft, das gerade umgebaut werden soll. Dieses Vorhaben stocke nun aber, weil Lampen deutlich teurer geworden seien und aktuell viele Elektriker ausgebucht seien. Auch bei vielen Baumaterialien gebe es Lieferschwierigkeiten.