Ein Teenager verdient mit seinem Sneaker-Bot mehr als 380.000 US-Dollar

Sneaker-„Bots“ sind Software-Skripte, die den Bestellvorgang für einen Online-Kauf beschleunigen. Sie helfen, gehypte Schuhe zu finden, die nur in begrenzter Stückzahl verkauft werden.

Ein Teenager, der sich online Lickety nennt, erstellte ohne ernsthafte Programmiererfahrung Hayha, einen beliebten Sneaker-Bot.

Der Teenager, der anonym bleiben möchte, hat laut Screenshots seines Zahlungsverlaufs auf Zelle und Stripe – zwei Online-Zahlungsplattformen – seit April mehr als 380.000 US-Dollar mit dem Verkauf seines Bots verdient.

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Der Entwickler eines marktführenden Sneaker-Bots sagte, die Gründung eines großen Unternehmens sei nie wirklich Teil seines Plans gewesen.

„Ich habe einfach damit angefangen und versucht, es zu einem Hobby zu machen“, sagte der Erfinder von Hayha, einem der beliebtesten Bots für den Weiterverkauf von Sneakern auf dem Markt, kürzlich in einem Interview mit Business Insider. Der jugendliche Entwickler, der sich online als „Lickety“ bezeichnet, bat darum, dass sein richtiger Name und sein Alter nicht bekannt gegeben werden.

„Es hat wirklich Spaß gemacht, und ich hätte mir nie vorstellen können, dass es so große Ausmaße annehmen würde“, sagte er.

In der Welt der Sneaker beziehen sich „Bots“ auf Software-Skripte, die den Kaufprozess bei Online-Einkäufen beschleunigen. Sie ermöglichen es Resellern, gehypte Paare, die nur in begrenzter Stückzahl herausgebracht werden, zu finden, und diese zu kaufen. Dann können sie die limitierten Schuhe für einen höheren Preis weiterverkaufen.

Beispiel: Als im Juni 2019 die neuen Yeezys — Sneakers, entworfen von Rapper Kanye West — auf den Markt kamen, waren die Schuhe innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Wer Glück hatte, konnte ein Paar Schuhe über ausgewählte Online-Kanäle und stationäre Geschäfte für 220 Euro erwerben. Schon kurze Zeit später wurden die Schuhe über eBay und ander Plattformen für 800 Euro weiterverkauft.

Hier kommen die Sneaker-Bots ins Spiel: Die Programme laufen auf extrem schnellen Servern und können den Sneaker innerhalb von wenigen Sekunden in den Warenkorb legen und kaufen. Wer sich so ein Programm also kauft, hat sehr gute Chancen an limitierte Sneaker zu kommen — und kann diese dann mit hohem Gewinn weiterverkaufen.

Lickety hat bisher 380.000 US-Dollar durch seinen Bot verdient.

Heute bedienen fast 1.200 aktive Hayha-Benutzer den Bot für Websites wie Eastbay, Foot Locker, Champs, Footaction, New Balance, Supreme und Yeezy Supply. Der Bot kostet 250 US-Dollar im Einzelhandel und 30 US-Dollar im Monat für die Nutzung.

Wie die meisten Bots stockt auch Hayha seinen Bestand auf seinem Twitter-Account auf, der über 45.000 Follower hat. Um sicherzustellen, dass die Nachfrage hoch ist, veröffentlicht Lickety nur eine begrenzte Anzahl von Exemplaren. So wird außerdem eine Überlastung der Website durch zu viele gleichzeitige Versuche, sich Schuhe zu schnappen, verhindert. Da das Angebot begrenzt ist, können Kopien des Hayha-Bots für über 1.500 Dollar weiterverkauft werden.

Seit er im April mit dem Verkauf von Hayha an die Öffentlichkeit begonnen hat, hat Lickety laut Screenshots seines bisherigen Zahlungsverlaufs auf Zelle und Stripe insgesamt mehr als 380.000 US-Dollar an Verkäufen erzielt. Zelle und Stripe bieten Online-Zahlungsabwicklung für Internetfirmen an.

„Ich habe so lange an diesem Projekt gearbeitet, bevor wir tatsächlich gut abgeschnitten haben“, sagte Lickety. „Wenn es etwas ist, das euch wirklich interessiert und das ihr gerne macht, macht einfach weiter.“

Der Teenager musste das Botting von Grund auf lernen

Lickety begann sich für Botting zu interessieren, als sein Freund versuchte, Geld durch den Weiterverkauf von Sneakern zu verdienen. Er begann im September 2019 mit der Arbeit an Hayha und dachte sich, dass das Projekt ein lustiges Hobby sein würde, mit dem sich ein finanzieller Gewinn erzielen ließe.

„Ehrlich gesagt weiß ich nicht wirklich, ob es ein Ziel gab“, sagte Lickety über seine Entscheidung, mit der Arbeit an Hayha zu beginnen. „Am Ende des Tages würde ich es für ein paar Stunden tun, um mich zu entspannen.

Lickety hatte keine formale Ausbildung in Codierung oder Programmierung. Obwohl er grundlegende Python-Elemente aus kleinen Projekten kannte, an denen er zuvor gearbeitet hatte, betrachtete er sich immer noch als Neuling. Um den Bot zu bauen, nutzte Lickety aber keine Video-Tutorials. Er verließ sich stattdessen auf altmodisches Ausprobieren, wobei er bestimmte Fehler durch Online-Recherche behob.

Daher hat der Bot seinen Namen

„Ich habe einfach Sachen ausprobiert, und wenn es dann schiefging, habe ich die Fehler gegoogelt“, sagte er. Er nannte den Bot Hayha als eine Anspielung auf Simo Hayha, einen der tödlichsten Scharfschützen.

„Bei dieser Art von Dingen muss man genau sein“, sagte Lickety. „Also habe ich mir das ausgesucht.“

Sein erster Durchbruch

Die ersten Monate von Hayha waren wenig erfolgreich. Der Durchbruch gelang dann im April mit der Online-Veröffentlichung des Jordan 1 Retro High Court Purple White. Lickety sagte, er sei die ganze Nacht aufgeblieben, um Hayha für Shoe Palace anzupassen, eine der Seiten, die den Sneaker verkaufen würden. Das Ergebnis war ein beispielloser Erfolg für den Bot.

„Es war einfach unglaublich. Wir haben so viel ergattert, es war Wahnsinn“, sagte Lickety. „Ungefähr 50 Leute haben den Bot benutzt, und zusammen konnten sie sich mehr als 500 Paare Jordans schnappen.“

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Benutzer Freunde von Lickety. Dank dieses einen Erfolgs glaubte der Teenager nun aber, dass der Bot bereit war, für die Öffentlichkeit freigegeben zu werden.

„Dieser Erfolg gab mir irgendwie das Selbstvertrauen, zu erkennen, dass ich tatsächlich etwas machen kann, das über ein persönliches Hobby hinausgeht“, sagte er. „Dass ich ihn tatsächlich verkaufen könnte, und dass er funktionieren würde.“

Lickety leidet trotz seines Erfolgs am Hochstapler-Syndrom

Nach dem Erfolg mit dem Jordan 1 Purple White begann Lickety, seinen Bot im Einzelhandel zu verkaufen. Er benutzte einen Teil des Geldes, das er verdiente, um einige Entwickler anzuheuern, die weiter an dem Bot arbeiteten. Er investierte auch in neue Codes für verschiedene Websites.

Aber selbst nach dem Erfolg der Übergabe kämpfte Lickety immer noch mit dem Gefühl des Hochstapler-Syndroms. Dabei zweifeln Betroffene stark an sich selbst und sind davon überzeugt, dass sie ihre Erfolge nicht verdient hätten.

„Viele dieser Entwickler waren Profis. Einige von ihnen arbeiten im Silicon Valley, einige waren bereits in ihren 30ern und hatten einen richtigen Job“, sagte der Teenager, „Ich fühlte mich irgendwie wie ein Kind. Ich wusste eigentlich gar nichts. Ich hatte das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören.“

„Es ist wie ein Goldrausch“

Selbst nach seinem Durchbruch erlitt Hayha auch noch den ein oder anderen Misserfolg. Aber schließlich erlebte der Bot mit der Veröffentlichung des Jordan 11 Concord im Juli einen weiteren großen Erfolg. Lickety schaffte es, eine Funktion auszuführen, die es den Benutzern ermöglicht, mit nur einem Artikel in ihrem Einkaufswagen mehrmals auszuchecken.

Heute beschäftigt Lickety sieben Entwickler, die ihn bei der Arbeit an Hayha unterstützen. Der Teenager, der plant, seine Programmierkenntnisse für eine zukünftige Karriere in diesem Bereich weiterzuentwickeln, ist einer von vielen jungen Unternehmern, die unabhängig vom Alter einen Weg gefunden haben, groß herauszukommen.

„Diese Erfahrung hat mich so viel über mich selbst gelehrt, und sie hat mir wirklich gezeigt, was ich mit meinem Leben anfangen möchte“, sagte Lickety. „Es gibt gerade unglaubliche Möglichkeiten, wo man Leute wie mich sieht, die Teenager ohne Erfahrung sind – es gibt Leute in meinem Alter, die wahnsinnig viel Geld verdient haben. Es ist wie ein Goldrausch.“

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.