Inside Nike Inside Nike So funktionieren die Steuertricks des weltgrössten Sportkonzerns – in acht Schritten.

Die Gebäude sind nach Fussballer Eric Cantona und Stabhochspringer Sergei Bubka benannt, der Campus bietet den Angestellten Fussball-, Volleyball- und Tennisplätze, eine Tartanbahn und Fitnessunterricht. Wer es mit dem Sport übertreibt, kann sich an den hauseigenen Physiotherapeuten wenden. Und wer neue Laufschuhe braucht, kauft sie im internen Shop zu Vorzugskonditionen. In Hilversum, eine halbe Autostunde von Amsterdam entfernt, hat Nike sein europäisches Hauptquartier aufgebaut. 2500 Angestellte arbeiten hier. Und hier werden die Umsätze aus ganz Europa gebucht. Auch die aus der Schweiz.

Hiesige Schuhhändler geschäften mit der Nike European Operations Netherlands B.V. Kunden, die Sneakers im Schweizer Nike-Onlineshop bestellen, stossen im Kleingedruckten auf die Nike Retail B.V. Hilversum. (Das Paket selbst kommt aus Belgien, die Kreditkarte wird über eine Gesellschaft in Irland belastet.) Und wer einen Schuh in einem Schweizer Nike-Outlet-Store kauft, sieht auf dem Kassenzettel die Zeile: «Nike Retail B.V. Hilversum». Dreimal Holland.

Warum ist diese Verbindung so wichtig?

Ein Grundsatz im Steuerrecht lautet, dass ein Unternehmen seinen Gewinn dort versteuern soll, wo es Kapital investiert und wo die Angestellten arbeiten. Also dort, wo sich seine Substanz befindet.

Der Nike-Aufbau – schmaler Ableger in der Schweiz, das Geschäft ferngesteuert aus Holland – ermöglicht es, zu argumentieren: Die Gewinne, die mit Schweizer Verkäufen gemacht werden, fallen nicht in der Schweiz an. Sondern in Hilversum. Und dort sind sie auch zu besteuern. Nach Rümlang zurück fliesst nur eine verhältnismässig kleine Entschädigung für die «Hilfe» beim Verkauf. So funktioniert das Nike-System in ganz Europa.

Nike ist nicht der einzige US-Konzern, der einen solchen holländischen «Gewinnstaubsauger» aufgebaut hat. Auch Cisco oder Tesla haben Holland für ihre europäischen Hauptquartiere auserkoren. Dieses «Prinzipalmodell», wie es im Jargon genannt wird, geht für die meisten Steuerexperten in Ordnung: wo die Substanz, da die Steuerpflicht. Das Problem liegt im Fall Nike in Holland: Dort gilt zwar eine eher hohe Steuer von 25 Prozent auf dem Gewinn – aber die Regierung bietet amerikanischen Multis einige Kniffe an, wie sich der steuerbare Gewinn kleinrechnen lässt.