Teurer Spaß: Wie zwei Hammer es schaffen, Sneaker für Hunderte Euro zu verkaufen

Von: Rabea Wortmann

Zu ihren Kunden gehören bekannte Schauspieler und Rapper: Kevin Kocaalan und Kristina Klinger aus Hamm verzieren Sneaker und verkaufen sie für Hunderte Euro weiter.

Bockum-Hövel - Es dürfte jedem Schuhliebhaber in der Seele wehtun, wenn er sieht, was Kevin Kocaalan aus Hamm mit einem Paar richtig teurer Sneaker macht: Der Bockum-Höveler hält ein Feuerzeug davor und zündet es an, zuckt nicht einmal mit der Wimper. Kocaalan ist weder Pyromane noch Schuhhasser – im Gegenteil. Der 28-Jährige und seine Freundin Kristina Klinger folgen einem Hype, der vor allem aus sozialen Medien und durch Promis, Sportler und Influencer bekannt ist. Sie haben ein Start-Up gegründet, „Limited Kickz“ – und machen aus der Massenware Sneaker Unikate.

Kocaalan hat den Schuh nicht wirklich angezündet, sondern ihn nur mit dem Feuerzeug erwärmt. „Er reagiert auf Wärme“, sagt der Bockum-Höveler. Auf dem Schuh kommen aufwendig aufgemalte Flammen zum Vorschein als buntes Bild, das beim Schuh auf Raumtemperatur nicht zu sehen ist. Auch Sneaker, die ihre Farbe bei Kälte wechseln, gehören zum Repertoire. Andere zeigen ihre Muster im UV-Licht und sind damit in Clubs ein echter Hingucker, sogar magnetisierte Sneaker gehören zum Repertoire der jungen Schuhkünstler.

Trend verzierte Sneaker: Initialzündung kam im Lockdown

Geplant war das Sneaker-Start-Up eigentlich nicht. Denn während Kocaalan bisher im Reisebüro gearbeitet hat, war seine Freundin Friseurin. Geteilt haben die beiden aber ihre Leidenschaft für Sneaker. „Als Corona kam und das Reisebüro und der Friseur geschlossen waren, haben wir überlegt, wie wir weitermachen“, erzählt der 28-Jährige. Die Situation verstand das Paar dabei als Chance, etwas Neues zu probieren – und um ihr Hobby zum Beruf zu machen. Bis dahin hatten die beiden nur ihre eigenen Schuhe „gepimpt“. Weil das gut ankam, wollten Freunde des Paares solche Schuhe haben.

Einfach ist das nicht. Kocaalan und Klinger nutzen verschiedene Techniken, teils brauchen sie viel Zeit für die Unikate. Klinger bringt sich dabei mit einer kreativen Ader ein und zeichnet von Hand wahre Kunstwerke auf die Schuhe. Da sind zum Beispiel Adidas-Sneaker, die im Pop-Art-Style gehalten sind. Kevin Kocaalan brachte sich kurzerhand das Nähen an einer großen Maschine und den Umgang mit Air-Brush bei. Nun nähen die beiden beispielsweise verschiedene Stoffe – etwa aus einer originalen Louis-Vuitton-Handtasche – auf die Schuhe. Mittlerweile können sie eigene Motive auf die Schuhe aufbringen und sie mit privaten Bildern verzieren.

Start-Up: Paar muss viel ausprobieren, bevor die Techniken gelangen

Das Paar musste viel ausprobieren, bevor ihnen die Techniken gelangen. Das zeigt sich beispielsweise an einem ihrer ersten Schuhe, den sie für sich selbst gemacht haben. Auch die Farben, die sie auf die Schuhe auftragen, müssen sie mit Bedacht auswählen. „Für die Sohle brauchen wir andere Farben als für den oberen Bereich“, erklärt Kocaalan, schließlich müsse letzteres elastischer sein, damit es nicht nach einiger Zeit – wie an seinem eigenen Schuh aus Anfangszeiten der Fall ist – knitterig aussieht. Mit einigen Techniken seien sie unterdessen derzeit die Einzigen in Deutschland, erzählen die beiden.

Hunderte Euro für Sneaker: Hype kommt aus den USA

Der Hype um die schicken Sportschuhe kommt aus den USA. Dort hatte zuletzt auch ein Nike-Schuh für Furore gesorgt, der von Sneaker-Designern zusammen mit einem Rapper teuflisch verziert wurde und dem ein Tropfen Blut beigefügt worden sein soll, wie beispielsweise CNN berichtet.

Derart makabere Effekte möchten die Bockum-Höveler nicht anbieten. Sie möchten vielmehr mit der Vielfalt und der Einzigartigkeit ihrer Schuhe punkten. Dass die Nachfrage groß ist, zeigt sich daran, wer ihre Schuhe bereits trägt, Rapper und Schauspieler aus ganz Deutschland sind dabei. „Wir haben mittlerweile viele Kooperationen“, erzählt Kristina Klinger. Dabei geht es bei den Promis vor allem darum, Reichweite zu erzielen und Werbung für ein breiteres Publikum zu machen.

Verzierung dauert teils mehr als 20 Stunden

Auf ihren eigenen Instagram-, TikTok- und Facebook-Kanälen versorgen sie ihre Follower unterdessen mit Einblicken in die aufwendige Herstellung der Schuhe. Oft stecken viele Stunden Arbeit in einem einzigen Sneaker, manches Mal sogar mehr als 20 Stunden – wobei es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder einen ganz neuen Schuh gestalten lassen oder einen eigenen. Letzteres hat beispielsweise ein Sportler in der Heimwerkstatt im Keller von Klinger und Kocaalan in Auftrag gegeben. Das Besondere: „Der Basketballschuh wird mit Swarovski-Steinen besetzt“, erzählt Kevin Kocaalan. Der Preis dafür: etwa 700 bis 800 Euro – was einerseits am Material liegt und andererseits am Arbeitsaufwand.

Grundsätzlich bieten die Bockum-Höveler aber auch schon ab 140 Euro verzierte Schuhe an. Warum die Leute so viel Geld für ein Bekleidungsstück für ihre Füße ausgeben? „Sneaker sind das neue Statussymbol“, erzählt die 26-jährige Kristina Klinger.

Kommt irgendwann ein Showroom in Berlin?

Wohin die Reise von „Limited Kickz“ geht, ist offen. Aber es sieht so aus, als ginge es erst einmal steil bergauf. Derzeit kombiniert Klinger die Arbeit am Start-Up mit einer halben Stelle als Friseurin. Sollte ihr Geschäft weiter schnell wachsen, hat das Paar schon zwei potenzielle weitere Mitarbeiter gefunden – innerhalb der Familie. Beide sind Künstler.

Eine Massenfertigung wollen Kocaalan und Klinger aber auf keinen Fall. Ihre Schuhkreationen sollen Unikate bleiben. Aktuell träumen sie von einem Showroom, sagt Kocaalan. Das ergäbe in Hamm allerdings keinen Sinn, glauben sie, eher in Berlin. Zudem planen die Designer, künftig Boxen anzubieten, in denen nicht nur Schuhe sind, sondern auch selbst kreierte Kleidung. „Damit Einkaufen zum Erlebnis wird“, sagt Klinger. In Kürze soll dagegen ihr Online-Shop eröffnet werden, damit künftig jedermann echte Hingucker als Schuhe tragen kann.