Der "Air Jordan" - ein Turnschuh wie ein Schlauchboot

Anfang der 90er-Jahre wurde es auch auf deutschen Schulhöfen cool, in sehr weiten T-Shirts und Trikots herumzulaufen und Turnschuhe zu tragen, die an Schlauchboote erinnerten. Bereits 1984 hatte der aufstrebende Sportartikelhersteller Nike dem jungen Basketballer Michael Jordan einen Sportstiefel auf den Fuß geschneidert.

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Denn Jordan, später mit dem Titel "His Airness" geadelt, schwebte bei seinen Sprungwürfen einen Augenblick länger in der Luft, als physikalisch plausibel schien, er wurde ein Nurejew des Basketball. Das aber blieb dem deutschen Publikum weitgehend verborgen, denn Internet, geschweige denn Youtube, gab es nicht. Basketball war in Deutschland nicht besonders populär, die Superstars des Sports eher unbekannt.

Der Imagetransfer wurde schließlich wohl über den Hip-Hop geleistet, einem Genre, in dem die Künstler bis heute gerne weite Sportswear tragen. Anfang der 90er-Jahre umwehte Hip-Hop, ebenso wie Basketball, noch die Aura der harten, aber taktisch klugen Auseinandersetzung. Das gefiel den klügeren deutschen Mädchen und Jungs, die auch ein bisschen hart wirken wollten. Reebok "Pump"- oder Nike "Air Jordan"-Stiefel konnten dazu als lässiges Statement getragen werden. Adidas und Puma waren was für Fußball- und Tennisspießer.

Nike wurde nicht zuletzt dank des "Air Jordan" zur erfolgreichsten Sportmarke der Neunziger. Dieser Erfolg ruinierte natürlich rasch die Coolness des Schuhs, zumal er sich von Serie zu Serie mehr dem Design einer Hüpfburg näherte. Jetzt kommt die erste Version mit leichten Varianten wieder auf den Markt. Nichts Besonderes eigentlich, weil Retro-Turnschuhe für Ü-40-Nostalgiker seit Jahren neu aufgelegt werden. Andererseits doch ungewöhnlich, denn dieses Model brannte sich eben in die Formsprache ein, wie der Jaguar E-Type oder der Eames Lounge Chair. Das der "Air Jordan 1 Rebel Chicago" nun wieder aufgelegt wird, ist also nicht nur eine nostalgische Geste, sondern auch die Würdigung eines Designklassikers.